VI.2.

GLP-1-Agonisten

Ein GLP-1-Agonist ist keine lebenslange Lösung, sondern verschafft die Zeit, die es braucht, um die Selbstregulation zurückzugewinnen – zusammen mit Protein und Krafttraining schützt er auch die Muskelmasse.

Summary_de

GLP-1-Agonisten[G] als Arzneimittel (z. B. Semaglutid[G], Liraglutid[G], Tirzepatid[G]) senden Sättigungssignale im Appetitzentrum, verlangsamen die Magenentleerung und hemmen die Sekretion von Glukagon[G] – all das führt zu einer verringerten Energiezufuhr und zu Gewichtsverlust. Sie beseitigen nicht den zugrunde liegenden Mechanismus der Insulinresistenz[G], und sie erschließen die Fettspeicher nicht automatisch – der Gewichtsverlust beruht in erster Linie auf der verringerten Energiezufuhr. Der Zweck des Arzneimittels ist nicht die lebenslange Einnahme, sondern die Zeit, die Selbstregulation zurückzugewinnen.

Was das Arzneimittel leistet – und was nicht

GLP-1-Agonisten[G] vom Typ Semaglutid[G] stimmen in ihrer Sequenz zu 94% mit dem natürlichen GLP-1-Hormon[G] überein, haben aber eine etwa 168-fach längere Halbwertszeit (die Halbwertszeit von natürlichem GLP-1[G] beträgt 2 Minuten, die von Semaglutid[G] 1 Woche). Deshalb sind ihre Wirkungen anhaltend und kräftig – sie erreichen das 10- bis 100-Fache der natürlichen GLP-1-Sekretion[G] der L-Zellen.

Was das Arzneimittel NICHT leistet: es verringert nicht den zugrunde liegenden Mechanismus der Insulinresistenz[G] (diese bessert sich durch Lebensstil und Gewichtsabnahme, nicht durch Rezeptoragonismus); es erschließt die Fettspeicher nicht automatisch (die Fettmobilisierung ist an die Insulinsenkung durch ein Energiedefizit gebunden, nicht an GLP-1[G] selbst); und es schützt die Muskelmasse nicht automatisch – das ist einer der wichtigsten Punkte, die viele nicht kennen.

Muskelverlust: die am wenigsten besprochene Nebenwirkung

In der STEP-1-Studie (Wilding et al., 2021, NEJM) entfielen etwa 39% des Gewichtsverlusts bei mit Semaglutid[G] behandelten Patientinnen und Patienten auf die Magermasse – Muskel, Knochen und Wasser, nicht nur Fett [2649]. Das ist metabolisch ungünstig: Muskelgewebe ist eine wesentliche Determinante der Insulinsensitivität[G] und des Grundumsatzes. Zur Einordnung: bei alleiniger Kalorienrestriktion (ohne GLP-1-Agonist[G]) entfallen typischerweise 20–30% des Gewichtsverlusts auf die Magermasse – der Unterschied ist also real, aber kleiner, als es die absolute Zahl vermuten lässt. Wichtiger Kontext: in Kombination mit Krafttraining lässt sich dieser Anteil senken – nach den Daten von SURMOUNT und weiteren Studien hängt das Ausmaß des Muskelverlusts stark von der Proteinzufuhr und der Trainingsform ab. Wenn der Gewichtsverlust mit Muskelverlust einhergeht, kann die Insulinsensitivität[G] abnehmen, und das langfristige Halten des Gewichts wird schwerer.

Synergie von GLP-1RA und Mikrobiota / UltraBiome-Programm

Durch die verzögerte Magenentleerung verändern GLP-1RA die Aufnahmekinetik von Nährstoffen und luminalen mikrobiellen Metaboliten. Beobachtete Mikrobiom-Verschiebungen unter GLP-1RA (Wang et al., 2022, Front Microbiol; Madsen et al., 2021): moderater Anstieg von Akkermansia muciniphila, Verschiebung des Verhältnisses Bacteroidetes/Firmicutes, Stabilität SCFA-produzierender Taxa – die Richtung ist günstig, das Ausmaß moderat [24].

Synergie mit dem UltraBiome-Programm:

  • Keine bekannte pharmakokinetische Interaktion zwischen GLP-1RA und Mikrobiota-Unterstützung – beide lassen sich frei kombinieren.
  • Gemeinsame Zielwerte: Protein (1.2–1.6 g/kg) und fermentierbare Ballaststoffe (25–35 g/Tag) – beide Strategien schreiben dieselben Zahlen vor, was die Patientenschulung vereinfacht.
  • Sarkopenie-Kompensation: die größte Schwäche der GLP-1RA (Verlust an Muskel- und Knochenmasse) ist genau das, was zwei Säulen des UB-Programms (Protein + Krafttraining) ausgleichen – die Kombination ist der Monotherapie klinisch überlegen, was den Erhalt der Magermasse betrifft.
  • Mikrobiom-Stabilität: der durch GLP-1RA verlangsamte Transit kann Bifidobacterium- und Faecalibacterium-Populationen begünstigen – eine gezielte Supplementierung im UB-Programm verstärkt dies.

Wirkstoffe, Dosierung und Titration

Die folgende Tabelle fasst die von der FDA zugelassenen GLP-1-Agonisten (und dualen GIP/GLP-1-Agonisten) mit Stand 2024 samt ihren klinischen Dosistitrationsschemata zusammen. Jeder Titrationsschritt ist an die Verträglichkeit gebunden – gastrointestinale Nebenwirkungen sprechen dafür, die Dosis zu halten oder eine Stufe zurückzugehen, nicht dafür, sie durchzuziehen.

Rybelsus (orales Semaglutid) muss nüchtern mit 120 ml Wasser eingenommen werden, und 30 Minuten danach dürfen weder Nahrung noch Getränke noch andere Arzneimittel folgen – andernfalls sinken Resorption (und klinische Wirksamkeit) dramatisch.

Indikationserweiterungen der FDA 2024

2024 kamen drei klinisch bedeutsame Indikationen für die Klasse der GLP-1RA hinzu – sie alle fallen in das MetSyn-Spektrum und verändern den Behandlungsalgorithmus:

  • Semaglutid (Wegovy) – März 2024: Senkung der kardiovaskulären Mortalität bei Adipositas + gesicherter kardiovaskulärer Erkrankung. Die SELECT-Studie (Lincoff et al., NEJM 2023) schloss 17,604 Patientinnen und Patienten mit einer medianen Nachbeobachtung von 39.8 Monaten ein und zeigte eine 20%ige Reduktion von MACE (HR 0.80; CI 0.72–0.90) – im Ausmaß vergleichbar mit klassischen Statinen der Sekundärprävention und deutlich über dem, was der Gewichtsverlust allein erwarten ließe, was auf antiinflammatorische und endotheliale Mechanismen hindeutet [2651].
  • Semaglutid (Ozempic) – Januar 2024: Verlangsamung der CKD-Progression bei T2DM + chronischer Nierenerkrankung. Die FLOW-Studie (Perkovic et al., NEJM 2024) zeigte eine 24%ige Reduktion von CKD-Ereignissen (HR 0.76; CI 0.66–0.88) – der primäre kombinierte Endpunkt war Abnahme der Nierenfunktion, Nierentod oder kardiovaskulärer Tod [2652].
  • Tirzepatid (Zepbound) – Dezember 2024: mittelschwere bis schwere OSA bei Adipositas. Die SURMOUNT-OSA-Studie (Malhotra et al., NEJM 2024) zeigte eine AHI-Reduktion in der Größenordnung von 27 Ereignissen/Stunde – das erste Arzneimittel, das eine Indikation für Schlafapnoe über eine strukturelle (und nicht bloß symptomatische) Verbesserung erhalten hat [2653].

Pädiatrische Indikationen: Wegovy (Semaglutid s.c.) ist auf Basis von STEP-TEENS (Weghuber et al., NEJM 2022) ab 12 Jahren bei schwerer Adipositas zugelassen [2650]; Saxenda (Liraglutid) ist ebenfalls ab 12 Jahren zugelassen. Für Tirzepatid besteht noch keine pädiatrische Indikation – Studien laufen.

Protokoll zur Vorbeugung des Muskelverlusts während der GLP-1-Behandlung[G]

Proteinzufuhr 1.2–1.6 g/kg Körpergewicht/Tag (bei einer Person mit 80 kg 96–128 g/Tag; siehe Kapitel 17); Krafttraining (Gewichtheben, Widerstandsübungen) ist gegenüber Ausdauertraining zu bevorzugen, weil der Erhalt der Muskelmasse einen mechanischen Reiz erfordert; Gehen allein (8,000–9,000 Schritte) unterstützt die Fettmobilisierung, schützt aber die Muskulatur weniger. Krafttraining 2- bis 3-mal wöchentlich begleitend zur GLP-1-Behandlung[G] ist nicht optional – es ist verpflichtend. Ohne es ist der "Erfolg" der Behandlung in Wirklichkeit ein sarkopener Gewichtsverlust.

Ausführliches Sicherheitsprofil

1. Gastrointestinale Nebenwirkungen (anfangs 50–70%): Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Dyspepsie, Reflux. Sie treten typischerweise in den ersten 2–4 Wochen nach einer Dosissteigerung auf und klingen mit der Zeit ab. Eine langsame Titration (alle 4 Wochen statt alle 2 Wochen) ist der Schlüssel – wenn eine Stufe schlecht vertragen wird, sollte diese Dosis 8 Wochen lang gehalten und nicht gesteigert werden.

2. Pankreatitis: ein Sicherheitsproblem auf dem Niveau eines Boxed Warning. Eine akute Pankreatitis in der Vorgeschichte ist eine Kontraindikation – die Screening-Anamnese vor Behandlungsbeginn ist obligatorisch. Klinischer Verdacht: starke, in den Rücken ausstrahlende epigastrische Schmerzen + Erbrechen + erhöhte Lipase/Amylase → sofortiges Absetzen und Abklärung.

3. Cholelithiasis und Cholezystitis: dosis- und gewichtsverlustgeschwindigkeitsabhängig; bei rascher Gewichtsabnahme liegt das Risiko bei ~2× Placebo (Metaanalysen zu STEP-1, SUSTAIN). Im Kontext des UB-Programms: eine langsamere, anhaltende Gewichtsabnahme (0.5–1 kg/Woche) wirkt schützend.

4. Diabetische Retinopathie (nur T2DM): in SUSTAIN-6 ging Semaglutid mit einer HR von 1.76 für die Progression der Retinopathie einher – vorgeschlagener Mechanismus: eine rasche HbA1c-Senkung löst eine osmotische Verschiebung in der retinalen Mikrozirkulation aus. Bei gesicherter Retinopathie ist vor Behandlungsbeginn eine augenärztliche Konsultation obligatorisch, und das Tempo der HbA1c-Senkung muss gedrosselt werden.

5. C-Zell-Tumor der Schilddrüse (medulläres Karzinom): Boxed Warning auf Basis von Nagerdaten. Absolute Kontraindikation: MTC oder MEN2-Syndrom in der eigenen oder der Familienanamnese. Eine routinemäßige Calcitoninbestimmung vor Behandlungsbeginn ist nicht Standard, bei positiver Familienanamnese aber gerechtfertigt.

6. Suizidalität (FDA-Monitoring 2024): auf Basis von Post-Marketing-Signalen aus 2023–2024 überwacht die FDA dies aktiv; die derzeitige Datenlage ist nicht schlüssig (die Mitteilungen von EMA und FDA aus dem Jahr 2024 fanden in randomisierten Daten keinen kausalen Zusammenhang), doch bei psychiatrischer Vorgeschichte ist erhöhte Wachsamkeit geboten, und jegliche Suizidgedanken erfordern einen sofortigen klinischen Kontakt.

7. Sarkopenie / Muskelverlust: siehe Abschnitt oben – ohne Krafttraining + ausreichend Protein können 25–40% des Gewichtsverlusts auf die Magermasse entfallen. Das ist keine optionale Nebenwirkung; es ist die operationale Definition einer gescheiterten Behandlung.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Absolute Kontraindikationen:

  • Schwangerschaft und Stillzeit (die Behandlung muss wegen der langen Halbwertszeit von Semaglutid mindestens 2 Monate vor der Konzeption beendet werden)
  • MTC oder MEN2-Syndrom in der eigenen oder der Familienanamnese
  • Schwere Störungen der gastrointestinalen Motilität: bekannte Gastroparese, mechanischer Ileus, schwere GERD
  • Frühere akute Pankreatitis
  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

Relative Kontraindikationen / erhöhte Vorsicht:

  • Gesicherte diabetische Retinopathie (zuerst augenärztliche Konsultation)
  • Aktiver IBD-Schub (gastrointestinale Nebenwirkungen können Symptome verschleiern)
  • Aktive oder frühere Essstörung (Binge-Restrict-Zyklus, Anorexia nervosa) – eine arzneimittelbedingte Appetitlosigkeit kann das Krankheitsmuster wiederholen
  • Schwere Nierenerkrankung außerhalb der Indikation des FLOW-Spektrums (unterhalb einer eGFR von 15 ist die Datenlage begrenzt)
  • Substanzgebrauch in der Vorgeschichte (es gibt Berichte über einen verringerten Alkohol- und Nikotinkonsum, doch es darf sich keine klinische Dysregulation entwickeln)

ASA-Empfehlung zur perioperativen Pause (kritisches Anästhesiewissen)

Konsens der American Society of Anesthesiologists von 2023 zu GLP-1RA, begründet mit dem Aspirations- und Gastropareserisiko:

  • Tägliche Präparate (Saxenda, Victoza, Rybelsus): am Tag vor der Operation pausieren (1 Tag)
  • Wöchentliche Präparate (Wegovy, Ozempic, Mounjaro, Zepbound, Trulicity): in der Woche vor der Operation pausieren (1 Woche)
  • Bei akuten, nicht aufschiebbaren Eingriffen:

- Die Anästhesie muss ausdrücklich über die Anwendung von GLP-1RA informiert werden - Die Annahme eines "vollen Magens" und eine Rapid Sequence Intubation (RSI) werden empfohlen - Wo möglich, ist eine Regional- oder Lokalanästhesie der Vollnarkose vorzuziehen - Ein präoperativer Magenultraschall kann erwogen werden, um Restmageninhalt auszuschließen

  • Für die Endoskopie (Gastroskopie, Koloskopie) gilt dieselbe Regel – andernfalls ist die Sicht stark beeinträchtigt und das Aspirationsrisiko erhöht

Praxis auf Patientenebene: die Anwendung von GLP-1RA muss bei jeder Aufnahme zu einem geplanten Eingriff ausdrücklich angegeben werden – weder die Überweisung noch die Anamnese bringt sie zuverlässig automatisch zutage.

Absetzen und Ausschleichen

Die STEP-4-Studie (Rubino et al., 2021, JAMA) und ihre Verlängerung (Wilding et al., 2022) zeigten, dass nach dem Ende einer einjährigen Behandlung mit Semaglutid[G] innerhalb eines Jahres etwa 65–70% des verlorenen Gewichts wieder zugenommen wurden [2636]. Das ist kein Versagen der Patientinnen und Patienten – es ist der Schutz des biologischen Sollwerts: die Magenmotilität normalisiert sich innerhalb von 1–4 Wochen, der Appetit kehrt zurück, und die zuvor erlernten Verhaltensmuster bestimmen das langfristige Ergebnis.

Strukturiertes Ausschleichschema (Beispiel Wegovy, unter ärztlicher Aufsicht):

Dieses viermonatige Ausschleichen ist langsamer als das in den Fachinformationen beschriebene abrupte Absetzen, verringert aber dokumentiert die Wiederzunahme und den "Rebound-Hunger." Parallel zum Ausschleichen übernehmen die Lebensstilsäulen (Protein, Ballaststoffe, Essensfenster, Krafttraining, Schlaf) die regulatorische Rolle – Struktur und Timing sind entscheidend.

Wegen dieses Risikos der Wiederzunahme sind die während der Behandlung erlernten Gewohnheiten – Proteinpriorität, fermentierbare Ballaststoffe, stabiles Essensfenster, regelmäßige Bewegung, Schlaf – das eigentliche Lernprodukt. Der GLP-1-Agonist[G] verringert vorübergehend das innere "Hungerrauschen" und erlaubt es so, einen stabilen Essrhythmus und eine Bewegungsroutine aufzubauen. Wenn sich diese festigen, übernimmt der Lebensstil nach dem Absetzen des Arzneimittels die Regulation.

Zyklische Behandlung: Möglichkeit, nicht Standardprotokoll

Wichtige Klarstellung: die zyklische Anwendung (mehrere Monate Behandlung → Pause → ein weiterer Zyklus) ist kein standardisiertes klinisches Protokoll – die meisten Leitlinien (ADA, NICE, ESC) empfehlen die kontinuierliche Anwendung, weil das Risiko der Wiederzunahme dokumentiert ist. Der zyklische Ansatz ist eine individuelle Entscheidung, die mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen ist und Indikation, Verträglichkeit und Lebensstilstabilität berücksichtigt. Wo eine zyklische Anwendung erwogen werden könnte: gute Lebensstil-Compliance (die Gewohnheiten lassen sich mindestens 3–6 Monate ohne Arzneimittel halten); das Halten des Gewichts ist dokumentierbar; die Rückkehr ist mit Analyse und Lernen verbunden und nicht mit psychischer Abhängigkeit.

Goal_de

Zusammenfassung des 3-Tage-Ziels: verstehen, dass GLP-1-Agonisten[G] wirksame Werkzeuge zur Appetitreduktion und Gewichtsmoderation sind, ihre Wirkung ohne Lebensstil aber vorübergehend sein kann, und ein sicheres Monitoringsystem zum Erkennen von Nebenwirkungen sowie eine spätere Absetzstrategie aufbauen.

Result_de: bis Tag 81
  • Arzneimitteleinnahme und Symptome im Lebensstil-Tagebuch erfasst
  • Tägliche Protein- (1.2–1.6 g/kg) und Ballaststoffzufuhr (25–35 g) gesichert
  • Die Mahlzeitenzeiten sind stabil
  • CGM-Daten[G] mit der Arzneimittelwirkung korreliert (sofern ein CGM[G] verfügbar ist)
  • Mindestens 9,000 Schritte/Tag + 2–3 Krafttrainingseinheiten/Woche
  • Tägliches Flüssigkeitsziel mindestens 2.2 Liter (morgens 2×200 ml, tagsüber mindestens 1.4 Liter, abends 2×200 ml)
  • ASA-konformer Pausenplan für jeden geplanten Eingriff bzw. jede geplante Endoskopie ärztlich abgestimmt
Clinical_de

Warum ist ein GLP-1-Agonist[G] für sich genommen keine dauerhafte Lösung?

  • Mechanismus: er wirkt auf das Appetitzentrum, nicht auf den zugrunde liegenden Mechanismus der Insulinresistenz[G]
  • Wiederzunahme: STEP-4: nach dem Absetzen 65–70% Wiederzunahme innerhalb eines Jahres – die Lebensstilmuster bestimmen das dauerhafte Ergebnis
  • Muskelverlust: STEP-1: etwa 39% des Gewichtsverlusts entfallen auf die Magermasse – Protein 1.2–1.6 g/kg und Krafttraining sind unverzichtbar
  • Grenze: Sollwert und Lebensstilstabilität bestimmen, was nach dem Absetzen des Arzneimittels bleibt

Was messen wir?

  • Zeitpunkt der Arzneimitteleinnahme und Hungerskala im Lebensstil-Tagebuch.
  • Trend des Körpergewichts und Veränderung des Taillenumfangs.
  • CGM-Daten[G] mit der Arzneimittelwirkung korreliert (sofern verfügbar)
  • Tägliche Schrittzahl (mindestens 9,000 Schritte/Tag).
  • Verhältnis von Magermasse zu Fettmasse (Bioimpedanz alle 4–8 Wochen, sofern verfügbar).
Mental_de

"Das Arzneimittel hilft, ersetzt aber nicht den Lebensstil. Nebenwirkungen sind Signale. Das Ziel ist ein tragfähiges System auch nach dem Absetzen."

Day_de: 79 – Wirkungen beobachten

Ziel: die Wirkungen und die Verträglichkeit des Arzneimittels erkennen.

Der heutige Fokus liegt auf der Verträglichkeit. Notieren Sie jede Nebenwirkung mit Zeitpunkt und Intensität (1–5). Entscheiden Sie am Abend: milde Anpassung oder ein Signal, das Sie morgen ärztlich besprechen sollten?

  • Zeitpunkt der Arzneimitteleinnahme im Lebensstil-Tagebuch
  • Hungerskala vor und 2 Stunden nach den Mahlzeiten
  • Übelkeit, Blähungen, Stuhlveränderungen mit Zeitpunkt und Intensität (1–5) erfasst
  • 20-minütiger Spaziergang nach den Mahlzeiten
  • Mentale Aufgabe: wann nahm der Appetit am stärksten ab? – das ist die direkte Beobachtung der von GLP-1[G] verlangsamten Magenentleerung; notieren Sie, bei welcher Mahlzeit die Wirkung am stärksten war
Day_de: 80 – Nebenwirkungen bewältigen

Ziel: sichere Anwendung.

Auf Basis der gestrigen Daten: wenn leichte Übelkeit auftrat, essen Sie heute kleinere Portionen und langsamer. Bei starken Bauchschmerzen – sofort ärztlich melden.

  • Kleinere Portionen, langsames Essen
  • Fettige und schwere Speisen meiden, wenn sie Beschwerden verursachen
  • Flüssigkeitszufuhr 2.2–2.5 Liter (besonders hervorgehoben bei Erbrechen/Durchfall)
  • Schrittzahl mindestens 9,000
  • Mentale Aufgabe: wann ging es Ihnen besser? – bei kleineren Mahlzeiten, beim langsameren Essen, oder half das Timing? Notieren Sie es; morgen planen wir die langfristige Strategie
Day_de: 81 – Absetzstrategie

Planen Sie heute, was ohne Arzneimittel funktioniert: Protein + Ballaststoffe + Essensfenster + Krafttraining. Das ist das Lernprodukt, das Sie während der Arzneimitteleinnahme entwickeln müssen.

  • Protein und Ballaststoffe zu jeder Mahlzeit
  • Essensfenster 10–12 Stunden; letzte Mahlzeit ≥3 Stunden vor dem Zubettgehen
  • CGM-Kurven[G] mit und ohne Arzneimittel vergleichen (sofern verfügbar)
  • Routine zur Stressreduktion einführen
  • Mentale Aufgabe: welche 3 Gewohnheiten würden auch ohne Arzneimittel helfen? – diese müssen stabil sein, wenn Sie absetzen; notieren Sie sie als Grundlagen Ihrer Absetzstrategie
Data_de
  • Körpergewicht;
  • Mahlzeitenzeiten und -inhalte (N–S);
  • Spaziergang nach dem Essen (J/N);
  • Snacken (J/N);
  • Snack-Inhalte (Liste);
  • tägliche Proteinzufuhr (g);
  • Energiedichte[G] (0/+/++);
  • NOVA-Stufe[G];
  • Schlafqualität (1–5);
  • Hungerskala (1–5);
  • Stressniveau (1–5);
  • Schrittzahl;
  • Zubettgeh- / Aufstehzeit (AC, AD);
  • Stuhl Bristol (1–7);
  • Blähungen;
  • Schub (J/N);
  • tägliche Stuhlfrequenz;
  • Flüssigkeitszufuhr (l);
  • CGM-Notiz[G] (AP, optional);
  • UltraBiome-Dosis;
  • LOT-Kennung;
Note_de: Warum ist das wichtig?

Der Zweck dieser 3 Tage ist es, die Arzneimittelwirkung sicher zu überwachen, Nebenwirkungen früh zu erkennen, die Nachhaltigkeit des Lebensstils zu sichern und die langfristige Gewichtsstabilität zu unterstützen.

Literatur

[24] Sonnenburg JL, Bäckhed F. Diet–microbiota interactions as moderators of human metabolism. Nature. 2016. Link

[2636] Rubino D, Abrahamsson N, Davies M, Hesse D, Greenway FL, Jensen C, et al.; STEP 4 Investigators. Effect of Continued Weekly Subcutaneous Semaglutide vs Placebo on Weight Loss Maintenance in Adults With Overweight or Obesity: The STEP 4 Randomized Clinical Trial. JAMA. 2021. Link

[2649] Wilding JPH, Batterham RL, Calanna S, Davies M, Van Gaal LF, Lingvay I, McGowan BM, Rosenstock J, Tran MTD, Wadden TA, Wharton S, Yokote K, Zeuthen N, Kushner RF; STEP 1 Study Group. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. New England Journal of Medicine. 2021. Link

[2650] Weghuber D, Barrett T, Barrientos-Pérez M, Gies I, Hesse D, Jeppesen OK, et al.; STEP TEENS Investigators. Once-Weekly Semaglutide in Adolescents with Obesity. New England Journal of Medicine. 2022. Link

[2651] Lincoff AM, Brown-Frandsen K, Colhoun HM, Deanfield J, Emerson SS, Esbjerg S, et al.; SELECT Trial Investigators. Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Obesity without Diabetes. New England Journal of Medicine. 2023. Link

[2652] Perkovic V TuttleKR,RossingP,MahaffeyKW,MannJFE,BakrisG,etal;FLOWTrialCommittees, Investigators. Effects of Semaglutide on Chronic Kidney Disease in Patients with Type 2 Diabetes. New England Journal of Medicine. 2024. Link

[2653] Malhotra A, Grunstein RR, Fietze I, Weaver TE, Redline S, Azarbarzin A, et al.; SURMOUNT-OSA Investigators. Tirzepatide for the Treatment of Obstructive Sleep Apnea and Obesity. New England Journal of Medicine. 2024. Link

PG
UltraBiome-Handbuch · Autoren: Dr. Patay Gábor — Arzt, Mikrobiota-Spezialist · Dr. Bezzegh Attila — ärztlicher Direktor, klinischer Mikrobiologe · Dra. Anna Munar — Ärztin, Exposom-Spezialistin
MicroBiome Bank — medizinisch geprüfte Fachinhalte. Letzte Aktualisierung: 2026.