VII.3.

Mikrobiota-freundliche Lebensmittel-Referenz

Referenztabellen für eine Ernährung, die Ihre Mikrobiota versorgt: Ballaststoff-, Präbiotika-, Ferment- und Polyphenolquellen mit Portionsgrößen, die zu begrenzenden ultrahochverarbeiteten Lebensmittel sowie ein Wochenplan zum Mitmachen.

In den Kapiteln des Buches sprechen wir Lebensmittel allgemein an und verweisen auf diesen Anhang. Er versammelt ausführliche Tabellen, Mengenempfehlungen und Angaben zur regionalen Verfügbarkeit an einem Ort.

A.1 Ballaststoffquellen

Tagesziel für Erwachsene: 25–35 g. Die durchschnittliche westliche Zufuhr liegt bei 15–17 g/Tag.

QuelleBallaststoffe g/100 gPortion (Durchschn.)Pro Portion
Kichererbsen (gekocht)7.61 Tasse (240 g)18 g
Linsen (gekocht)7.91 Tasse (200 g)16 g
Kidneybohnen (gekocht)8.71 Tasse (180 g)16 g
Avocado6.71 mittelgroße (200 g)13 g
Spargel (gekocht)2.11 Tasse (180 g)4 g
Brokkoli (gekocht)3.31 Tasse (150 g)5 g
Süßkartoffel (mit Schale)3.01 mittelgroße (130 g)4 g
Apfel (mit Schale)2.41 mittelgroßer (180 g)4 g
Birne (mit Schale)3.11 mittelgroße (170 g)5 g
Banane2.61 mittelgroße (120 g)3 g
Beeren (Himbeere)6.51 Tasse (120 g)8 g
Beeren (Heidelbeere)2.41 Tasse (150 g)4 g
Hafer (trocken)10.650 g (1 Portion)5 g
Quinoa (gekocht)2.81 Tasse (185 g)5 g
Vollkornbrot6.82 Scheiben (60 g)4 g
Samen (Chia)34.41 EL (15 g)5 g
Samen (Leinsamen)27.31 EL (12 g)3 g
Mandeln12.51 Handvoll (30 g)4 g
Walnüsse6.71 Handvoll (30 g)2 g

Beispielhafte Wochenziele:

  • 3+ Portionen Hülsenfrüchte pro Woche (Kichererbsen, Linsen, Bohnen)
  • 1–2 Portionen Vollkorn oder Quinoa täglich
  • 1 Portion Beeren täglich
  • 1–2 Portionen Gemüse zu jeder Mahlzeit

A.2 Präbiotische Ballaststoffquellen

Diese fermentierbaren Ballaststoffe versorgen direkt Bifidobacterium, Lactobacillus und weitere nützliche Arten.

QuelleArt des präbiotischen BallaststoffsGehalt (g/100 g)
ZichorienwurzelInulin35–47
ArtischockeInulin, FOS16–20
Knoblauch (roh)Inulin, FOS9–16
Zwiebel (roh)Inulin, FOS1–8
LauchInulin, FOS3–10
SpargelInulin2–3
Banane (leicht grün)Resistente Stärke, FOS4–6
HaferBeta-Glucan3–5
GersteBeta-Glucan3–8
Hülsenfrüchte (Kichererbsen, Linsen)GOS, RS6–9
Kartoffel (gekocht und abgekühlt)Resistente Stärke2–4
Reis (gekocht und abgekühlt)Resistente Stärke1–3

Tipp: Zichorienwurzelpulver und Inulinpräparate sind in Reformhäusern erhältlich. Geröstete Zichorie dient außerdem als Kaffeeersatz.

A.3 Fermentierte Lebensmittel

Ziel: 5+ Portionen pro Woche. 1 Portion = 1 kleine Schale (100–200 g) oder 1 Glas (200 ml).

ProduktLebende MikrobenHinweise
Kefir (lebende Kultur)~10⁸ CFU/ml, vielfältige StämmeGekühlter Kefir enthält eher lebende Kulturen
Joghurt (lebende Kultur)L. delbrueckii, S. thermophilusAuf die Angabe "lebende Kulturen" achten; wärmebehandelter Joghurt zählt nicht
Griechischer Joghurtwie obenMehr Protein, geringere Vielfalt
Sauerkraut (salzfermentiert, nicht in Essig)Lactobacillus, LeuconostocTraditionelle Märkte sind die beste Quelle
KimchiLactobacillus, WeissellaAsienläden, zunehmend auch normale Supermärkte
TempehPilz RhizopusReformhäuser
MisoAspergillus oryzaeAsienläden
NattoBacillus subtilisEher Spezialprodukt
KombuchaHefen + EssigsäurebakterienWechselnder Zuckergehalt, prüfen
Kwass (osteuropäische Art)Lactobacillus, HefenTraditionelle Märkte

Was Sie nicht kaufen sollten: pasteurisiertes Sauerkraut, Limonaden mit "Kombucha-Geschmack", "probiotische" Desserts mit künstlichen Süßstoffen.

A.4 Polyphenolquellen

Polyphenole sind keine klassischen Ballaststoffe, ihre präbiotische Wirkung ist jedoch dokumentiert.

QuellePolyphenol-TypPortion
Beeren (Heidelbeere, Himbeere, Erdbeere)AnthocyanTäglich eine Handvoll
Grüner TeeEGCG2–3 Tassen/Tag
Kakao (Zartbitterschokolade 90%+)Flavanol10–20 g/Tag
Olive (natives Olivenöl extra)Hydroxytyrosol2 EL/Tag
Rote Trauben, Rotwein (maßvoll)Resveratrolmax. 1 dl Wein/Tag
Rote Zwiebel, RotkohlQuercetinRegelmäßig
GranatapfelPunicalagin1 mittelgroßer/Woche
Spargel, BrokkoliSulforaphan, Glucosinolate2–3-mal/Woche
Samen (Lein, Sesam)Lignan1 EL/Tag
Grüne Kräuter (Oregano, Basilikum, Kurkuma, Knoblauch)VerschiedeneRegelmäßig, kleine Mengen

A.5 Was zu meiden ist – UPF, Emulgatoren, künstliche Süßstoffe

Ultrahochverarbeitete Lebensmittel (UPF, Nova-4-Kategorie):

  • Verpackte Snacks (Chips, Kekse, Müsliriegel mit Zuckerzusatz)
  • Limonaden, Energydrinks
  • Instantnudeln, -suppen, -saucen
  • Verarbeitete Fleischwaren (Wurst, Salami, Hotdogs, Streichwurst)
  • Industriell hergestellte Kuchen und Desserts
  • Frühstückscerealien mit hohem Zucker- und Emulgatorgehalt
  • "Diät"- und "Light"-Produkte mit künstlichen Süßstoffen

Emulgatoren (E-Nummern prüfen):

  • E466 – Carboxymethylcellulose (CMC)
  • E433 – Polysorbat-80
  • E471 – Mono- und Diglyceride (meist weniger problematisch, aber erwähnenswert)
  • E407 – Carrageen (umstritten)

Künstliche Süßstoffe (falls nötig, in Maßen):

  • Regelmäßigen Konsum meiden: Sucralose, Aspartam, Acesulfam-K, Saccharin
  • In Maßen akzeptabel: Stevia, Erythrit (weniger dokumentierte Schäden)
  • Natürliche Alternativen: kleine Mengen Honig, Ahornsirup (wo der Kontext es zulässt)

A.6 Wochen-Beispielplan

Ein locker umsetzbares Wochenbeispiel, das die Kernbotschaften veranschaulicht (keine strenge Vorschrift):

Montag:

  • Frühstück: Haferflocken + Chia + Heidelbeeren + Kefir
  • Mittagessen: Kichererbsensalat mit Blattgemüse und Olivenöl
  • Abendessen: gegrilltes Hähnchen + Spargel + Süßkartoffel

Dienstag:

  • Frühstück: 2 Eier + Tomate + Vollkornbrot + Avocado
  • Mittagessen: Linsensuppe mit Vollkornbrot
  • Abendessen: Lachs + Brokkoli + Quinoa + Sauerkraut (kleine Portion)

Mittwoch:

  • Frühstück: griechischer Joghurt + Walnüsse + Apfel
  • Mittagessen: gemischter Salat mit viel Gemüse + Tempeh
  • Abendessen: Paprikahuhn mit braunem Reis + grüner Salat

Donnerstag:

  • Frühstück: Kefir + Banane + Chia + Mandeln
  • Mittagessen: Kidneybohnensuppe mit Vollkornbrot
  • Abendessen: Thunfischsalat mit Blattgemüse und Olivenöl

Freitag:

  • Frühstück: Haferbrei mit Himbeeren und Leinsamen
  • Mittagessen: Hähnchensalat mit viel Gemüse
  • Abendessen: Kimchi + Brathähnchen + gekochter und abgekühlter Reis

Samstag:

  • Frühstück: Rührei mit Gemüse
  • Mittagessen: Pizza mit Vollkornboden und viel Gemüse
  • Abendessen: Rinderbraten + Ofengemüse + Gartensalat

Sonntag:

  • Frühstück: Obstsalat + Joghurt + Hafermüsli
  • Mittagessen: Eintopf (in Maßen) mit viel Gemüse
  • Abendessen: leichte Suppe + Tempehsalat

Dieses Beispiel liefert ~30+ Pflanzenarten pro Woche, 25+ g Ballaststoffe täglich und 5+ fermentierte Portionen – die Kernziele von Kapitel 4.

Einkaufstipps

  • Wochenmarkt: saisonales Gemüse und Obst, traditionelle Fermente mit lebender Kultur
  • Reformhaus: präbiotische Präparate (Inulinpulver), Tempeh, Miso, Naturjoghurt
  • Reform-/Bioladen: Quinoa, Chia, Leinsamen, Linsen, Kichererbsen
  • Online: Spezialprodukte (Kimchi, Kombucha-Sets, HMO-haltige Säuglingsnahrung)

Weiterführende Literatur

  • VII.2 (Literaturverzeichnis)
  • USDA FoodData Central
  • Lokale Ernährungsleitlinien
PG
Mikrobiota-Handbuch · Autoren: Dr. Patay Gábor — Arzt, Mikrobiota-Spezialist · Dr. Bezzegh Attila — ärztlicher Direktor, klinischer Mikrobiologe · Dra. Anna Munar — Ärztin, Exposom-Spezialistin
MicroBiome Bank — medizinisch geprüfte Fachinhalte. Letzte Aktualisierung: 2026.