V. 2. Literaturverzeichnis
Diese Liste versammelt die externe Evidenzbasis des Buches: die peer-reviewte, zitierfähige Literatur hinter den klinischen Aussagen. Der Haupttext des Buches ist in patientenfreundlicher Sprache verfasst und ersetzt diese Quellen nicht – hier findet die interessierte Leserin und der interessierte Leser (sowie die behandelnde Ärztin und der behandelnde Arzt) das Fundament.
Literatur
[001] Seekatz A, Safdar N, Khanna S. The role of the gut microbiome in colonization resistance and recurrent. Therapeutic advances in gastroenterology. 2022. Link
Kolonisationsresistenz der Darmmikrobiota und FMT-Therapie bei rCDI – eine gesunde Mikrobiota hemmt die Besiedlung durch C. difficile (Nährstoffkonkurrenz, Gallensäuren, SCFA, Bakteriozine). Antibiotika → Dysbiose → CDI. Die FMT stellt die Diversität wieder her. Monoklonale Antikörper behandeln die Dysbiose nicht.
[002] Britton R, Young V. Role of the intestinal microbiota in resistance to colonization by Clostridium difficile. Gastroenterology. 2014. Link
Intestinale Mikrobiota und Kolonisationsresistenz gegen C. difficile – grundlegende Mechanismen – Die native Mikrobiota hemmt Auskeimen und Wachstum von C. difficile-Sporen. Antibiotika beeinträchtigen diesen Schutz. Zentrale Mechanismen: Gallensäurestoffwechsel, Nährstoffkonkurrenz. Die FMT stellt die Kolonisationsresistenz wieder her.
[003] Reed AD, Theriot CM. Contribution of Inhibitory Metabolites and Competition for Nutrients to Colonization Resistance against Clostridioides difficile by Commensal Clostridium**. Microorganisms. 2021. Link
Diese Übersichtsarbeit untersucht, wie kommensale *Clostridium*-Arten die Kolonisationsresistenz gegen *Clostridioides difficile* vermitteln. Kommensale *Clostridien* wandeln primäre Gallensäuren in sekundäre Gallensäuren um, die Sporenkeimung und vegetatives Auswachsen von C. difficile unterdrücken. Zusätzlich produzieren sie antimikrobielle Peptide und kurzkettige Fettsäuren, die C. difficile direkt hemmen, und konkurrieren um limitierende Nährstoffe wie Prolin, das für das Wachstum von C. difficile über die Stickland-Fermentation wichtig ist. Der Verlust kommensaler *Clostridien* nach Breitspektrumantibiotika ist ein zentraler mechanistischer Schritt zur CDI-Anfälligkeit. Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass neue Therapien gegen CDI dringend erforderlich sind; die klinische Bestätigung definierter *Clostridium*-Konsortien stammt nicht aus dieser Übersichtsarbeit, sondern aus der Phase-2-Studie zu VE303 [56].
[004] Chilton C, Viprey V, Normington C, Moura I, Buckley A, Freeman J, Davies K, Wilcox M. Clostridioides difficile pathogenesis and control. Nature reviews. Microbiology. 2026. Link
Pathogenese von C. difficile, Mikrobiota-Dysbiose und die Rolle der FMT – umfassende Übersicht: antibiotikainduzierte Dysbiose → Auskeimen von C. difficile-Sporen → Toxinproduktion → Kolitis. Eine gesunde Mikrobiota vermittelt Kolonisationsresistenz. Neuere Mikrobiota-Therapien als Alternativen zur FMT.
[005] Kelly C, Fischer M, Allegretti J, LaPlante K, Stewart D, Limketkai B, Stollman N. ACG Clinical Guidelines: Prevention, Diagnosis, and Treatment of Clostridioides difficile Infections. The American journal of gastroenterology. 2021. Link
Nach der ACG-Leitlinie von 2021 ist FMT Teil der Standardversorgung der rCDI; nach ≥2 Rezidiven wird sie stark empfohlen — Aktuellste CDI-Leitlinien des American College of Gastroenterology: FMT wird nach ≥2 CDI-Rezidiven stark empfohlen; Kapsel- und koloskopische Applikation sind gleichwertig; detailliertes Spenderscreening- und Lagerungsprotokoll; auch Aktualisierungen aus der COVID-Ära zur Sicherheit der FMT sind eingearbeitet.
[006] Feuerstadt P, Louie TJ, Lashner B et al. SER-109, an Oral Microbiome Therapy for Recurrent Clostridioides difficile Infection. New England Journal of Medicine. 2022. Link
Diese Phase-III-RCT (ECOSPOR III) prüfte SER-109, ein orales Mikrobiom-Therapeutikum aus aufgereinigten Firmicutes-Sporen, bei Erwachsenen mit ≥3 CDI-Episoden (einschließlich der qualifizierenden akuten Episode). Nach leitliniengerechter Antibiotikatherapie erhielten die Patienten SER-109 oder Placebo (4 Kapseln täglich über 3 Tage). Die Diagnose erforderte einen Toxintest bei Studieneintritt, mit Stratifizierung nach Alter und Antibiotikum. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war das verringerte Risiko eines CDI-Rezidivs nach 8 Wochen. SER-109 erreichte eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo hinsichtlich des anhaltenden klinischen Ansprechens. Die Analysen dokumentierten zudem das Engraftment des Mikrobioms sowie Verschiebungen mikrobieller Metaboliten im Einklang mit dem Mechanismus der Sporenformulierung. Die Studie stützte die FDA-Zulassung von SER-109 (Vowst) als erstes orales Mikrobiom-Therapeutikum bei rezidivierender CDI.
[007] Chilton C, Pickering D, Freeman J. Microbiologic factors affecting Clostridium difficile recurrence. Clinical microbiology and infection : the official publication of the European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases. 2018. Link
Mikrobiologische Ursachen des C. difficile-Rezidivs – Sporenpersistenz und Dysbiose – Eine geringe bakterielle Diversität korreliert mit klinischer rCDI. Sporenpersistenz und Auskeimen sind der Schlüssel zum Rezidiv. FMT und Mikrobiota-Therapien werden zunehmend untersucht. Gezielte Antibiotika (Fidaxomicin) plus Wiederherstellung der Mikrobiota bilden den kombinierten Ansatz.
[008] Kao D, Roach B, Silva M et al. Effect of Oral Capsule– vs Colonoscopy-Delivered Fecal Microbiota Transplantation on Recurrent Clostridium difficile Infection: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2017. Link
Randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie bei 116 Erwachsenen mit rezidivierender CDI an drei kanadischen akademischen Zentren, die orale Kapsel-FMT mit koloskopisch applizierter FMT verglich (Einschluss 2014–2016; Nichtunterlegenheitsgrenze 15%). Die Studie prüfte, ob die weniger invasive Kapselapplikation der Koloskopie bei der Verhinderung weiterer CDI-Rezidive gleichkommt. Die Ergebnisse stützen die klinische Äquivalenz beider Applikationswege und ermöglichen einen breiteren und weniger belastenden Zugang zur FMT bei rezidivierender CDI.
[009] Ramai D, Zakhia K, Fields PJ, Ofosu A, Patel G, Chang S. Fecal Microbiota Transplantation (FMT) with Colonoscopy Is Superior to Enema and Nasogastric Tube While Comparable to Capsule for the Treatment of Recurrent Clostridioides difficile Infection: A Systematic Review and Meta-Analysis. Digestive Diseases and Sciences. 2021. Link
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu der Frage, wie sehr der Applikationsweg bei der FMT gegen rezidivierende C.-difficile-Infektion ins Gewicht fällt. Aus drei Datenbanken (PubMed, EMBASE, CINAHL) wurden 26 Studien mit insgesamt 1309 Patientinnen und Patienten eingeschlossen: Koloskopie in 16 Studien (483), nasogastrale Sonde in 5 (149), Einlauf in 4 (360), Kapseln in 4 (301). Die gepoolten Heilungsraten betrugen: Koloskopie 94,8 Prozent, Kapsel 92,1 Prozent, Einlauf 87,2 Prozent, nasogastrale/nasoduodenale Sonde 78,1 Prozent. Fazit: Die koloskopische Applikation ist Einlauf und Sonde überlegen, der Kapselgabe jedoch vergleichbar — der am wenigsten belastende Weg kostet also keine Wirksamkeit. Probenaufbereitung (frisch oder gefroren) und Spenderbeziehung beeinflussten das Ergebnis nicht.
[010] Gregory AL, Pensinger DA, Hryckowian AJ. A short chain fatty acid-centric view of Clostridioides difficile pathogenesis. PLoS Pathog. 2021. Link
Diese Übersichtsarbeit fasst die Rolle kurzkettiger Fettsäuren (SCFA) für die Kolonisationsresistenz gegen *Clostridioides difficile* zusammen. Das Darmmikrobiom produziert über Faserfermentation Acetat, Propionat und Butyrat; diese SCFA erhalten die epitheliale Barrierefunktion, modulieren die Immunität und signalisieren direkt an C. difficile. Die Autoren schlagen ein konzeptionelles Modell vor, in dem C. difficile die SCFA selbst als Signal einer gesunden, kompetitiven Darmumgebung wahrnimmt und in Reaktion darauf die Toxinproduktion steigert, um den für ihn günstigen dysbiotischen Zustand aufrechtzuerhalten. SCFA beeinflussen die Toxinproduktion und die Konkurrenz mit Kommensalen. Die Übersicht argumentiert, dass die Adressierung der SCFA-Stoffwechselwege — über eine Ernährungsintervention, Probiotika der neuen Generation oder andere gezielte Ansätze — eine präzise, nicht-antibiotische Strategie gegen CDI bietet, die sich sowohl von den Antibiotika als auch von der Stuhltransplantation unterscheidet.
[011] Donohoe DR, Garge N, Zhang X, Sun W, O'Connell TM, Bunger MK, Bultman SJ. The microbiome and butyrate regulate energy metabolism and autophagy in the mammalian colon. Cell Metabolism. 2011. Link
Mausstudie, die Kolonozyten keimfreier und konventionell besiedelter Tiere vergleicht, um zu klären, woraus die Dickdarmschleimhaut ihre Energie bezieht. Kolonozyten keimfreier Tiere befinden sich in einem Energiemangelzustand: verminderte Expression von Citratzyklus-Enzymen, geringere oxidative Phosphorylierung und ATP-Spiegel, dadurch AMPK-Aktivierung und Autophagie; die Zugabe von Butyrat stellt die mitochondriale Atmung wieder her. Dies ist der kanonische Beleg dafür, dass bakteriell gebildetes Butyrat die primäre Energiequelle des Kolonepithels ist — der Mechanismus, über den Ballaststoffe die Darmschleimhaut unmittelbar ernähren und die Barriere erhalten.
[012] Imhann F, Bonder MJ, Vich Vila A et al. Proton pump inhibitors affect the gut microbiome. Gut. 2016. Link
Die Arbeit von Imhann und Kollegen (Gut, 2016) berichtet, dass die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) die humane Darmmikrobiota signifikant verändert. Durch Kombination dreier Populationskohorten (>1800 Personen) mit 16S rRNA-Sequenzierung zeigen die Autoren bei PPI-Anwendern eine verringerte mikrobielle Diversität und konsistente Verschiebungen bei 20 % der bakteriellen Taxa: Zunahmen von Bakterien der Mundhöhle (Streptococcaceae, Enterococcaceae), Enterobacteriaceae und *Clostridium* difficile bei gleichzeitiger Abnahme von Kommensalen wie Ruminococcaceae und Bifidobacteriaceae. Diese Verschiebungen erklären mechanistisch die epidemiologischen Assoziationen zwischen PPI-Einnahme und CDI, enteralen Infektionen, hepatischer Enzephalopathie und SIBO. Die Arbeit unterstützt eine umsichtige PPI-Verordnung und Deprescribing-Bemühungen.
[013] Jackson MA, Goodrich JK, Maxan ME et al. Proton pump inhibitors alter the composition of the gut microbiota. Gut. 2016. Link
Diese Zwillingsstudie analysierte fäkale 16S rRNA von 1827 gesunden Zwillingen, um den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) und der Darmmikrobiota zu prüfen, mit Replikation in einer Interventionskohorte. PPI-Anwender zeigten eine signifikant geringere Abundanz von Darmkommensalen und eine geringere mikrobielle Diversität, zugleich eine signifikante Zunahme von Kommensalen der Mundhöhle und des oberen Gastrointestinaltrakts. Die Befunde stützen einen bevölkerungsweiten Zusammenhang zwischen PPI-Einnahme und Störung der Darmmikrobiota und liefern einen plausiblen Mechanismus für das mit PPI assoziierte erhöhte Risiko enteraler Infektionen.
[014] Whelan K, Bancil AS, Lindsay JO, Chassaing B. Ultra-processed foods and food additives in gut health and disease. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology. 2024. Link
Kritische Übersichtsarbeit dazu, wie hochverarbeitete Lebensmittel (UPF) und die darin enthaltenen Zusatzstoffe die Darmgesundheit beeinflussen. Der Zusammenhang zwischen UPF-reicher Ernährung und Darmerkrankungen — chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Kolorektalkarzinom, Reizdarmsyndrom — beruht überwiegend auf beobachtender Epidemiologie, während die Wirkung einzelner Zusatzstoffe (Emulgatoren, Süßstoffe, Farbstoffe, Mikro- und Nanopartikel) vor allem aus In-vitro- und Tierstudien stammt, die Effekte auf Mikrobiom, Darmpermeabilität und Entzündung zeigen. Die Autoren betonen, dass Interventionsstudien am Menschen selten sind: Die Richtung des Zusammenhangs ist gut belegt, das Ausmaß des Effekts bleibt unsicher.
[015] Marcella C, Cui B, Kelly CR, Ianiro G, Cammarota G, Zhang F. Systematic review: the global incidence of faecal microbiota transplantation-related adverse events from 2000 to 2020. Aliment Pharmacol Ther. 2021. Link
Systematische Übersichtsarbeit zur FMT-Sicherheit, die unerwünschte Ereignisse (AE) über 20 Jahre aus 129 Studien mit 4.241 Patienten und 5.688 FMT-Behandlungszyklen zusammenfasst (Recherche in EMBASE, MEDLINE, Cochrane, CNKI, Wanfang von 2000 bis 2020). Die AE wurden als applikationsbezogen oder mikrobiotabezogen klassifiziert. Die Übersicht liefert den bislang größten aggregierten FMT-Sicherheitsdatensatz und stützt das insgesamt günstige Sicherheitsprofil der FMT bei rezidivierender CDI, weist jedoch darauf hin, dass Komplikationen in der Literatur unterberichtet sein können.
[016] Cammarota G, Ianiro G, Tilg H et al. European consensus conference on faecal microbiota transplantation in clinical practice. Gut. 2017. Link
Europäische Konsensuskonferenz zur Erarbeitung evidenzbasierter Empfehlungen zur FMT in der klinischen Praxis, an der 28 Experten aus 10 Ländern in Arbeitsgruppen mitwirkten. Die Statements wurden über eine evidenzbasierte Übersicht erstellt, elektronisch in einem Delphi-Verfahren bewertet und in einer Plenar-Konsensussitzung finalisiert. Die Empfehlungen umfassen FMT-Indikationen, Spenderauswahl, Aufbereitung des Stuhlmaterials, klinisches Management, Applikation des Stuhls sowie Mindestanforderungen für die Einrichtung eines FMT-Zentrums. Das Dokument liefert den europäischen Standardisierungsrahmen für eine sichere und geregelte FMT-Anwendung.
[017] van Prehn J, Reigadas E, Vogelzang EH, Bouza E, Kuijper EJ et al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clinical Microbiology and Infection. 2021. Link
ESCMID-Behandlungsempfehlung 2021 zur C.-difficile-Infektion bei Erwachsenen. Metronidazol wird nicht mehr empfohlen, wenn Fidaxomicin oder Vancomycin verfügbar sind; Fidaxomicin ist das bevorzugte Mittel bei Erstepisode und erstem Rezidiv; bei zweitem oder weiterem Rezidiv sind die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) oder Bezlotoxumab zusätzlich zur Standardtherapie vorzuziehen. Gegenüber der Vorfassung verschiebt sich der Schwerpunkt von der Krankheitsschwere auf das Rezidivrisiko: Die Behandlungsstrategie richtet sich nach dem individuellen Rezidivrisiko. Dies stützt eine Einstufung, die neben den aktuellen Symptomen auch das prognostische Risiko erfasst.
[018] Suez J, Zmora N, Zilberman-Schapira G, Mor U, Dori-Bachash M et al. Post-Antibiotic Gut Mucosal Microbiome Reconstitution Is Impaired by Probiotics and Improved by Autologous FMT. Cell. 2018. Link
Human- und Mausstudie dazu, was mit dem Mukosa-Mikrobiom des Darms nach einer Antibiotikatherapie geschieht. Verglichen wurden drei Wege: spontane Erholung, ein Probiotikum aus 11 Stämmen sowie eine autologe Stuhltransplantation, also die Rückgabe der eigenen, vor der Antibiotikagabe eingefrorenen Flora. Das Probiotikum besiedelte die Schleimhaut, verzögerte jedoch die Rückkehr des angestammten Mikrobioms und der mukosalen Genexpression des Wirts; der Unterschied blieb über Monate bestehen. Die autologe Transplantation führte dagegen innerhalb weniger Tage zu einer nahezu vollständigen Wiederherstellung. Fazit: Nach Antibiotika ist ein Probiotikum kein neutrales Ergänzungsmittel, sondern kann die Rückkehr der eigenen Flora verlangsamen; die fehlende Gemeinschaft ersetzt ein vollständiges Mikrobiota-Transplantat.
[019] Youngster I, Russell GH, Pindar C, Ziv-Baran T, Sauk J, Hohmann EL. Oral, capsulized, frozen fecal microbiota transplantation for relapsing Clostridium difficile infection. JAMA. 2014. Link
Zwanzig Patientinnen und Patienten mit rezidivierender C.-difficile-Infektion erhielten verkapselten Stuhl vorab gescreenter Spender, gefroren bei -80 Grad Celsius gelagert: 15 Kapseln an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Schwerwiegende, der Behandlung zuzuschreibende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Nach einem einzigen Zyklus sistierte der Durchfall bei 14 Personen (70 Prozent); nach Wiederholungsbehandlung der sechs Non-Responder lag das Gesamtergebnis bei 90 Prozent (18/20). Die tägliche Stuhlfrequenz sank vom Median 5 vor Behandlung auf 2 an Tag 3 und auf 1 in Woche 8. Es war die erste Studie, die mit gefrorener, verkapselter, oral verabreichter FMT ein Ergebnis wie bei prozeduraler Applikation erzielte — ohne Sedierung und Endoskopie.
[020] Lewis SJ, Heaton KW. Stool form scale as a useful guide to intestinal transit time. Scandinavian Journal of Gastroenterology. 1997. Link
Die ursprüngliche Validierung der Bristol-Stuhlformen-Skala. Bei 66 Freiwilligen wurde die Gesamtdarmpassagezeit mit röntgendichten Markerpellets gemessen, während die Teilnehmenden Stuhlform auf einer 7-Punkte-Skala und Stuhlfrequenz in einem Tagebuch festhielten. Die Passagezeit korrelierte am engsten mit der Stuhlform (r = -0,54), stärker als mit Stuhlfrequenz oder Stuhlgewicht. Als die Passagezeit mit Senna bzw. Loperamid verändert wurde, folgte die Stuhlform dieser Veränderung (r = -0,65). Fazit: Das Protokollieren der Stuhlform ist ein einfaches und änderungssensitives Instrument zur Verlaufsbeobachtung der Darmfunktion — und eignet sich daher auch für das Tagebuch der Patientin oder des Patienten.
[021] Thaiss CA, Zeevi D, Levy M, Zilberman-Schapira G, Elinav E et al. Transkingdom control of microbiota diurnal oscillations promotes metabolic homeostasis. Cell. 2014. Link
Zusammensetzung und Funktion der Darmmikrobiota folgen einem Tagesrhythmus: Bakterienmenge und Stoffwechselaktivität schwanken über den Hell-Dunkel-Zyklus, und diese Schwankung wird vor allem durch den Ernährungsrhythmus des Wirts gesteuert. Wird der Rhythmus gestört — hier im Mausmodell und an Humanproben nach interkontinentalem Flug modelliert —, erlischt die Oszillation der Mikrobiota und es entsteht eine Dysbiose; die übertragene arrhythmische Flora löst in keimfreien Mäusen Stoffwechselstörungen aus. Fazit: Ein regelmäßiger Tagesrhythmus ist eine Voraussetzung für die Stabilität der Mikrobiota — daher lohnen feste Aufstehzeit und Morgenlicht bereits in den ersten Behandlungstagen.
[022] Eswaran S, Muir J, Chey WD. Fiber and functional gastrointestinal disorders. American Journal of Gastroenterology. 2013. Link
Übersicht zur Rolle von Ballaststoffen bei funktionellen Darmbeschwerden. Die Autoren ordnen Ballaststoffe nach Löslichkeit und Fermentierbarkeit und betonen, dass genau diese beiden Eigenschaften über die Auswahl entscheiden. Ballaststoffe werden im distalen Dünndarm und im Kolon teilweise oder vollständig fermentiert, wobei kurzkettige Fettsäuren und Gas entstehen, was Darmfunktion und -wahrnehmung beeinflusst. Wird bei funktionellen Darmbeschwerden ein Ballaststoff empfohlen, stützt die Evidenz am besten ein lösliches, gelbildendes Präparat (Ispaghula, Flohsamen). Auch bei umsichtiger Anwendung kann Ballaststoff jedoch Blähungen, Flatulenz, Verstopfung und Durchfall verstärken; die Dosis sollte daher langsam gesteigert werden.
[023] McDonald LC, Gerding DN, Johnson S, Bakken JS, Carroll KC et al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA). Clinical Infectious Diseases. 2018. Link
Umfassende IDSA/SHEA-Leitlinie zu Diagnostik, Therapie und Prävention der C.-difficile-Infektion bei Erwachsenen und Kindern. Sie definiert Schweregrade (nicht schwer, schwer, fulminant) und beschreibt die fulminante Verlaufsform anhand von Hypotonie oder Schock, Ileus bzw. toxischem Megakolon — Befunde, die eine stationäre Behandlung, intravenöse Therapie und chirurgische Mitbeurteilung erfordern. Bei mehrfach rezidivierender Infektion mit wiederholtem Versagen der Antibiotikatherapie wird die fäkale Mikrobiota-Transplantation empfohlen. Das Dokument bildet den internationalen Rahmen für die Warnzeichen und die Kriterien zur Klinikeinweisung in diesem Buch.
[024] Hoffmann DE, Javitt GH, Kelly CR, Keller JJ, Baunwall SMD, Hvas CL. Fecal microbiota transplantation: a tale of two regulatory pathways. Gut Microbes. 2025. Link
Eine gemeinsame Analyse von Juristinnen, Juristen und Klinikern dazu, wie die fäkale Mikrobiota-Transplantation auf zwei unterschiedliche regulatorische Wege geraten ist. In den USA wird sie als Arzneimittel behandelt (Investigational New Drug bzw. zugelassenes Präparat), in Europa fällt sie unter den Rahmen für Substanzen menschlichen Ursprungs (SoHO). Die Autorinnen und Autoren gehen durch, was das für Spenderscreening, Rückverfolgbarkeit, Zugang und Haftung bedeutet. Beiden Wegen gemeinsam ist: Die FMT ist kein frei verfügbares Präparat, sondern ein Verfahren, das an ärztliche Aufsicht und einen kontrollierten institutionellen Rahmen gebunden ist — unabhängig davon, welchem Rechtsweg das jeweilige Land folgt.
[025] Rodriguez J, Cordaillat-Simmons M, Pot B, Druart C. The regulatory framework for microbiome-based therapies: insights into European regulatory developments. npj Biofilms and Microbiomes. 2025. Link
Übersicht über den europäischen Regulierungsrahmen für mikrobiombasierte Therapien. Die Arbeit trennt lebende biotherapeutische Produkte (LBP), die als Arzneimittel zugelassen werden können, von spenderabgeleiteten Substanzen, die unter den EU-Rahmen für Substanzen menschlichen Ursprungs (SoHO) fallen — darunter die fäkale Mikrobiota-Transplantation. Sie betont, dass Spenderscreening, Rückverfolgbarkeit und klinische Aufsicht Mindestanforderungen sind und dass die Praxis der Mitgliedstaaten innerhalb des gemeinsamen Rahmens variieren kann. Das ist der internationale Hintergrund, an dem sich die Formulierung des Buches „an ärztliche Aufsicht und einen institutionellen Rahmen gebunden" ausrichtet.
[026] Riddle MS, DuPont HL, Connor BA. ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. American Journal of Gastroenterology. 2016. Link
Leitlinie des American College of Gastroenterology zu Diagnostik, Therapie und Prävention akuter Durchfallinfektionen bei Erwachsenen. Grundlage der Versorgung ist in jeder Form der Flüssigkeits- und Elektrolytersatz: oral, mit reichlich Flüssigkeit und Salzzufuhr, bei leichten und mittelschweren Fällen, intravenös bei schwerer Dehydratation. Die Leitlinie beschreibt die Zeichen, an denen eine Dehydratation erkannt wird, sowie die Risikogruppen, und betont, dass die Rehydratation keine ergänzende, sondern die primäre Behandlung ist — was das bewusste Nachtrinken nach jedem dünneren Stuhl während der Kur begründet. Die Leitlinie unterscheidet auch Schweregrade: **Bei leichtem, selbstlimitierendem Durchfall genuegt in der Regel die uebliche Fluessigkeits- und Nahrungsaufnahme**, waehrend **bei erheblichem oder anhaltendem Fluessigkeitsverlust — insbesondere bei aelteren und vulnerablen Patienten — eine elektrolythaltige orale Rehydratationsloesung empfohlen wird**, nicht Wasser allein. Das ist die Quelle fuer die Aussage in III.7, dass bei leichtem Durchfall Wasser und abwechslungsreiche Kost ausreichen, bei haeufigem oder anhaltendem Durchfall dagegen auch Salz ersetzt werden muss. **EINSCHRAENKUNG:** Die Leitlinie betrifft akute infektioese Diarrhoe; die Rekonvaleszenz nach FMT behandelt sie nicht gesondert.
[028] Johnson S, Lavergne V, Skinner AM, Gonzales-Luna AJ, Garey KW, Kelly CP, Wilcox MH. Clinical Practice Guideline by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA): 2021 Focused Update Guidelines on Management of Clostridioides difficile Infection in Adults. Clinical Infectious Diseases. 2021. Link
Eine gezielte Aktualisierung der IDSA/SHEA-Leitlinie von 2017, beschraenkt auf die Therapieempfehlungen. Die wichtigste Aenderung: Bei der Erstepisode wird Fidaxomicin gegenueber Vancomycin bevorzugt — eine bedingte Empfehlung mit moderater Sicherheit —, denn obwohl die initiale Heilung vergleichbar ist, faellt die anhaltende Heilung besser aus. Bei rezidivierenden Episoden gilt Fidaxomicin ebenfalls als bevorzugt, ebenso ein ausschleichendes und gepulstes Vancomycin-Schema. Bezlotoxumab kommt als Zusatz bei hohem Rezidivrisiko in Betracht. Die Leitlinie haelt ausdruecklich fest, dass Vancomycin eine akzeptable Wahl bleibt, wenn Fidaxomicin nicht verfuegbar ist; Metronidazol ist auch bei leichten Verlaeufen in den Hintergrund getreten. Fuer das SIS ist die Leitlinie deshalb bedeutsam, weil sie bestaetigt: Die Therapieentscheidung haengt nicht allein vom aktuellen Schweregrad ab, sondern auch vom Rezidivrisiko — genau diese Zweiteilung liegt den akuten und prognostischen Teilscores des SIS zugrunde.
[029] van Nood E, Vrieze A, Nieuwdorp M, Fuentes S, Zoetendal EG, de Vos WM, Visser CE, Kuijper EJ, Bartelsman JF, Tijssen JG, Speelman P, Dijkgraaf MG, Keller JJ. Duodenal infusion of donor feces for recurrent Clostridium difficile. The New England Journal of Medicine. 2013. Link
Die erste randomisierte kontrollierte Studie, die die faekale Mikrobiota-Transplantation mit der antibiotischen Standardtherapie bei rezidivierender Clostridioides-difficile-Infektion verglich. Die Patienten wurden drei Armen zugeteilt: Spenderstuhl ueber eine Duodenalsonde nach kurzer Vancomycin-Gabe, Vancomycin allein oder Vancomycin mit Darmspuelung. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, weil der Unterschied so gross war: Im Transplantationsarm waren 81 Prozent der Patienten nach der ersten Infusion geheilt und 94 Prozent einschliesslich wiederholter Infusionen, gegenueber 31 und 23 Prozent in den beiden Vancomycin-Armen. Nach der Behandlung glich sich die Diversitaet der Stuhlflora der Patienten derjenigen der Spender an. Diese Arbeit machte die Mikrobiota-Transplantation zu einer evidenzbasierten Behandlung und ist der Ausgangspunkt fuer das Dosierungsschema des vorliegenden Protokolls.
[031] Lessa FC, Mu Y, Bamberg WM, Beldavs ZG, Dumyati GK, Dunn JR, Farley MM, Holzbauer SM, Meek JI, Phipps EC, Wilson LE, Winston LG, Cohen JA, Limbago BM, Fridkin SK, Gerding DN, McDonald LC. Burden of Clostridium difficile infection in the United States. N Engl J Med. 2015. Link
Eine 2011 in zehn geografischen Gebieten der USA durchgeführte populationsbasierte Surveillance schätzte die nationale Krankheitslast auf jährlich 453.000 CDI-Infektionen und 29.300 Todesfälle. Die Untersuchung stellte fest, dass etwa zwei Drittel der Erkrankungen mit der Gesundheitsversorgung assoziiert waren und dass der hypervirulente NAP1-Stamm eine unverhältnismäßig große Rolle spielte. Rezidivierende Infektionen betrafen im selben Jahr 83.000 Patienten. Diese Zahlen unterstreichen, warum die CDI gegenüber einer rein antibiotikabasierten Behandlung das vorrangige Ziel ökologisch wiederherstellender Therapien bleibt.
[032] Guh AY, Mu Y, Winston LG, Johnston H, Olson D, Farley MM, Wilson LE, Holzbauer SM, Phipps EC, Dumyati GK, Beldavs ZG, Kainer MA, Karlsson M, Gerding DN, McDonald LC; Emerging Infections Program Clostridioides difficile Infection Working Group. Trends in U.S. Burden of Clostridioides difficile Infection and Outcomes. N Engl J Med. 2020. Link
Aktualisierte US-amerikanische epidemiologische Erhebung, der zufolge die Last der mit der Gesundheitsversorgung assoziierten CDI zwischen 2011 und 2017 wesentlich zurückging – nach der adjustierten Schätzung um 36 Prozent (95 % KI 24–54), nach Auffassung der Autoren in erster Linie infolge des Rückgangs des Ribotyps 027 und daneben infolge der verbesserten Infektionskontrolle –, während die ambulant erworbene CDI unverändert blieb. Die geschätzte Last der Erstrezidive und der Krankenhaussterblichkeit (in-hospital) veränderte sich dagegen nicht wesentlich. Die Schlussfolgerung der Autoren lautet, dass eine bessere Identifizierung der Patienten mit hohem Rezidivrisiko sowie eine weitere Stärkung der Infektionskontrolle und des Antibiotic Stewardship erforderlich sind; eine die Mikrobiota wiederherstellende Therapie wird in der Publikation nicht behandelt. Die unverändert bestehende Last der Rezidive bildet jene klinische Lücke, auf die die kompatibilitätsbasierte MTT antwortet.
[033] Dethlefsen L, Relman DA. Incomplete recovery and individualized responses of the human distal gut microbiota to repeated antibiotic perturbation. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. 2011. Link
In Stanford durchgeführte Longitudinalstudie, die das Darmmikrobiom von drei Personen über 10 Monate hinweg über zwei aufeinanderfolgende Ciprofloxacin-Zyklen mittels tiefer 16S-rRNA-Sequenzierung verfolgte. Der Verlust an bakterieller Diversität war tiefgreifend und rasch und trat innerhalb von 3–4 Tagen nach Beginn der Antibiotikagabe ein; die Rückkehr zum Zustand vor der Behandlung blieb auch Monate nach Absetzen des Zyklus häufig unvollständig. Die wiederholte Antibiotikaexposition erzeugte zunehmende, nicht wiederherstellbare Verschiebungen in der Zusammensetzung der Gemeinschaft. Mit mehr als 2000 Zitierungen ist dies die klassische Referenz, die begründet, dass die antibiotikabedingte Dysbiose keine selbstheilende Störung ist, sondern ein dauerhaftes ökologisches Signatur hinterlassen kann – von zentraler Bedeutung für die Begründung einer MTT bei Patienten mit kumulativer Antibiotika-Expositionsanamnese.
[034] Zmora N, Zilberman-Schapira G, Suez J, Mor U, Dori-Bachash M, Bashiardes S, Kotler E, Zur M, Regev-Lehavi D, Brik RB, Federici S, Cohen Y, Linevsky R, Rothschild D, Moor AE, Ben-Moshe S, Harmelin A, Itzkovitz S, Maharshak N, Shibolet O, Shapiro H, Pevsner-Fischer M, Sharon I, Halpern Z, Segal E, Elinav E. Personalized Gut Mucosal Colonization Resistance to Empiric Probiotics Is Associated with Unique Host and Microbiome Features. Cell. 2018. Link
Das Gegenstück zu Suez und Mitarbeitern (2018), das zeigt, dass die Ansiedlung von Probiotika in der Darmschleimhaut stark personenabhängig ist: Manche Personen sind „permissiv“, andere „resistent“, und die orale Probiotikaeinnahme übte einen vorübergehenden und interindividuell unterschiedlichen Einfluss auf die Gemeinschaftsstruktur der Schleimhaut und das Darmtranskriptom aus. Eine Stuhlprobenentnahme allein erfasst diese Variabilität nicht – erforderlich ist eine direkte Schleimhautprobenentnahme. Das Ergebnis untergräbt den empirischen Probiotikaeinsatz als allgemeine Intervention. Zugleich liefert es die konzeptionelle Grundlage der personalisierten, kompatibilitätsgeprüften Mikrobiota-Therapie, wie sie durch FindBiome operationalisiert wird.
[036] Chassaing B, Koren O, Goodrich JK, Poole AC, Srinivasan S, Ley RE, Gewirtz AT. Dietary emulsifiers impact the mouse gut microbiota promoting colitis and metabolic syndrome. Nature. 2015. Link
Wegweisender Nature-Artikel, der zeigt, dass zwei allgegenwärtige Lebensmittelemulgatoren – Carboxymethylcellulose (CMC, E466) und Polysorbat-80 (P80, E433) – bereits in relativ niedrigen Konzentrationen bei Wildtyp-Mäusen eine niedriggradige Darmentzündung auslösten und die Zusammensetzung der Mikrobiota veränderten. Die Autoren selbst merken an, dass das Ausmaß des humanen Emulgatorkonsums nicht erfasst wird, die tatsächliche humane Exposition angesichts der Verbreitung der Emulgatoren in der Lebensmittelindustrie das im Experiment angewandte Niveau von 1,0 Prozent jedoch übersteigen dürfte. Bei zu Kolitis prädisponierten Mäusen lösten dieselben Verbindungen eine ausgeprägte Kolitis aus. Nach Auffassung der Autoren trägt die Emulgatorexposition zum Anstieg von CED- und Stoffwechselerkrankungen nach 1950 bei. Zu der Publikation gehört eine Berichtigung (Corrigendum: *Nature* 2016;536(7615):238). Dies ist die zentrale Evidenz in der Argumentation in Abschnitt VIII. 3. über die industrielle Lebensmittelherstellung als chronischen Eintragsweg der Dysbiose.
[037] Chassaing B, Van de Wiele T, De Bodt J, Marzorati M, Gewirtz AT. Dietary emulsifiers directly alter human microbiota composition and gene expression ex vivo potentiating intestinal inflammation. Gut. 2017. Link
Die Fortsetzung von Chassaing 2015, die die Ergebnisse der Mausexperimente auf ein humanes Mikrobiota-Modell (M-SHIME-ex-vivo-System) ausweitet. Beide Emulgatoren steigerten das proinflammatorische Potenzial der Mikrobiota, nachweisbar am Anstieg des Flagellin-Spiegels; die Zusammensetzung der Gemeinschaft veränderte jedoch nur P80, während sich die Wirkung von CMC über die Genexpression der Mikrobiota entfaltete. Ein Anstieg des Lipopolysaccharid-Spiegels trat nur bei P80 und in höheren Dosierungen auf. Nach Übertragung der Suspension der emulgatorbehandelten Mikrobiota in immundefiziente (RAG−/−) Mäuse stieg der Serum-IL-6-Spiegel signifikant an. Die Untersuchung bestätigt, dass die Mausergebnisse auf die humane Darmökologie übertragbar sind, und stützt die Argumentation, dass die Ernährungsumstellung ein klinisches und kein ästhetisches Element der Erhaltungsphase ist.
[044] Wang S, Xiang L, Li F, Deng W, Lv P, Chen Y. Butyrate Protects against Clostridium difficile Infection by Regulating Bile Acid Metabolism. Microbiol Spectr. 2023. Link
Mechanistische CDI-Untersuchung, die zeigt, dass Butyrat – eine von kommensalen Firmicutes produzierte kurzkettige Fettsäure – auf mehreren einander verstärkenden Wegen eine schützende Wirkung gegen CDI entfaltet: Es stärkt die Integrität der Darmbarriere, wirkt entzündungshemmend und moduliert über die Regulation der Gallensalzhydrolase und die FXR-Aktivierung den Gallensäurestoffwechsel. Der Butyratspiegel im Stuhl von CDI-Patienten war gegenüber Kontrollen erheblich vermindert. Die Ergebnisse beschreiben einen metabolischen Mechanismus, über den eine gesunde, diverse Mikrobiota der Besiedlung durch CDI widersteht – und über den eine dysbiotische Mikrobiota permissiv wird. Dies stützt die SCFA-bezogene Argumentation in Abschnitt II. 2. zur verminderten SCFA-Synthese bei chronischer Dysbiose.
[046] Chen RA, Wu WK, Panyod S, Liu PY, Chuang HL, Chen YH, Lyu Q, Hsu HC, Lin TL, Shen TD, Yang YT, Zou HB, Huang HS, Lin YE, Chen CC, Ho CT, Lai HC, Wu MS, Hsu CC, Sheen LY. Dietary Exposure to Antibiotic Residues Facilitates Metabolic Disorder by Altering the Gut Microbiota and Bile Acid Composition. mSystems. 2022. Link
Empirische Studie, die quantifiziert, wie die chronische alimentäre Exposition gegenüber subtherapeutischen Antibiotikarückständen (konkret Tylosin in Dosierungen der Theoretical Maximum Daily Intake, TMDI) die Zusammensetzung der Darmmikrobiota und den Gallensäurestoffwechsel verändert und dabei in Tiermodellen eine messbare metabolische Dysfunktion verursacht. Der adipositasassoziierte Phänotyp war auf keimfreie Empfängermäuse übertragbar, was darauf hinweist, dass der Effekt durch die veränderte Mikrobiota selbst vermittelt wird. Die Exposition im frühen Lebensalter verursachte über die FGF15-Signalgebung dauerhafte metabolische Folgen. Dies ist die aktuellste empirische Evidenz für den in Abschnitt VIII. 2. beschriebenen kategorischen Ausschluss von konventionell, mit Antibiotika behandeltem tierischem Protein sowohl aus der Ernährung des Spenders als auch aus der des Empfängers nach der MTT.
[048] Weingarden A, González A, Vázquez-Baeza Y, Weiss S, Humphry G, Berg-Lyons D, Knights D, Unno T, Bobr A, Kang J, Khoruts A, Knight R, Sadowsky MJ. Dynamic changes in short- and long-term bacterial composition following fecal microbiota transplantation for recurrent Clostridium difficile infection. Microbiome. 2015. Link
Longitudinale Mikrobiom-Charakterisierung nach FMT bei vier Patienten mit rezidivierender CDI, mit täglicher Probenentnahme über 28 Tage und anschließend wöchentlicher Probenentnahme über 84 Tage nach der Behandlung, insgesamt über 151 Tage. Die Mikrobiota der Empfänger kehrte innerhalb von Tagen rasch von einem ausgeprägt dysbiotischen Zustand zu einer Zusammensetzung im gesunden Bereich zurück. Die Zusammensetzung veränderte sich danach weiter, wich vom ursprünglichen Spendertransplantat ab und schwankte sowohl kurz- als auch langfristig dynamisch – wobei sie durchgehend innerhalb des gesunden Mikrobiota-Bereichs blieb. Der Artikel stützt den Rahmen der vorliegenden Leitlinie, wonach eine erfolgreiche MTT ein selbsterhaltendes Empfänger-Ökosystem hervorbringt und nicht eine dauerhafte, dem Spender folgende Signatur.
[049] Hecker MT, Rosero C, Mendo-Lopez R, Wilson BM, Torres-Teran MM, Donskey CJ. Long-Term Follow-Up After Fecal Microbiota Transplantation via Freeze-Dried Capsules for Recurrent Clostridioides difficile Infection. Pathog Immun. 2026. Link
Diese retrospektive Kohortenstudie aus dem Jahr 2026 verfolgte an zwei US-amerikanischen Universitätskliniken 129 Patienten, die wegen rezidivierender CDI mit gefriergetrockneten oralen FMT-Kapseln behandelt wurden, bei einer medianen Nachbeobachtung von 182 Wochen – dies ist das bedeutendste Langzeitergebnis zur kapselbasierten FMT und stimmt nahezu vollständig mit dem im Protokoll der MicroBiome Bank verwendeten lyophilisierten Kapselformat überein. 89% der Kohorte hatten drei oder mehr vorangegangene CDI-Episoden; nach drei Monaten war bei 80% der Patienten kein Rezidiv aufgetreten, und die 20%, die auf die initiale Therapie nicht ansprachen, konnten weitgehend erfolgreich mit einer wiederholten FMT behandelt werden. Im Verlauf der langen Nachbeobachtung erlebten lediglich 17% der Patienten eine weitere CDI-Episode, und ein Großteil davon war ebenfalls erfolgreich mit einer wiederholten FMT behandelbar. Die Untersuchung bestätigt, dass die lyophilisierte orale kapselbasierte FMT eine dauerhafte, reproduzierbare und aus der klinischen Versorgungsrealität stammende Therapie für schwer behandelbare Fälle rezidivierender CDI ist.
[052] Daneri L, Urbano A, Escudero-Sánchez R, Halperin AV, Moreno-Blanco A, Corbacho MD, Suárez-Carantoña C, Rodríguez-Jiménez C, Serrano-Villar S, del Campo R, Cobo J. Lyophilised fecal microbiota transfer in capsules for recurrent Clostridioides difficile infection. Int J Antimicrob Agents. 2025. Link
Diese spanische retrospektive Kohortenstudie aus dem Jahr 2025 wertete 36 Patienten mit mehrfach rezidivierender CDI und 38 Prozeduren aus, bei einem medianen Alter von 78,5 Jahren und median vier vorangegangenen Episoden; die überwiegende Mehrheit der Autoren ist an einem einzigen Madrider Zentrum tätig. Das lyophilisierte, kapselbasierte Präparat erreichte in dieser alten, therapierefraktären Patientengruppe nach drei Monaten eine Heilung von 75 Prozent, ohne schwerwiegende, mit der Prozedur zusammenhängende Nebenwirkungen. Die Autoren merken an, dass FMT-Versager erfolgreich mit einer weiteren Therapie behandelt werden können, bei der es sich nicht zwingend um eine erneute FMT handeln muss – dies stützt flexible Eskalationspfade. Der Artikel validiert die kapselbasierte, gebrauchsfertige FMT als logistisch einfachere Alternative zur koloskopischen Applikation – was unmittelbar zu dem im Protokoll der MicroBiome Bank verwendeten Format passt, wie es auch in Abschnitt IV. beschrieben wird.
[058] Carlson TJ, Gonzales-Luna AJ, Garey KW. Fulminant Clostridioides difficile Infection: A Review of Treatment Options for a Life-Threatening Infection. Semin Respir Crit Care Med. 2022. Link
Übersicht über die Behandlungsmöglichkeiten der fulminanten Infektion mit Clostridioides difficile. Die Autoren beziffern die fulminante Form auf 3–5 % aller CDI-Fälle und die zugehörige Mortalität auf 30–40 % — eine Größenordnung über der CDI-Mortalität auf Bevölkerungsebene. Die Übersicht geht die medikamentösen und chirurgischen Optionen der Versorgung des fulminanten Falls durch. In diesem Dokument liefert der Eintrag die Mortalitätsangabe für die Endstation in Abschnitt II. 1.; der Nenner ist die Gesamtheit der fulminanten Fälle und nicht nur der Kreis der operierten Patienten.
[061] Benedict C, Vogel H, Jonas W et al. Gut microbiota and glucometabolic alterations in response to recurrent partial sleep deprivation in normal-weight young individuals. Mol Metab. 2016. Link
Randomisierte Crossover-Studie im Within-Subject-Design an 9 normalgewichtigen Männern, die zwei Nächte partieller Schlafdeprivation (PSD; 02:45–07:00) mit zwei Nächten normalen Schlafs (22:30–07:00) unter standardisierten Mahlzeiten- und Bewegungsbedingungen im Labor verglich. Es wurden Stuhlproben gesammelt und ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt. Die Studie prüfte, ob kurzfristiger Schlafmangel Zusammensetzung und metabolische Funktion der Darmmikrobiota verändert, und liefert frühe humane Evidenz für einen Zusammenhang zwischen Schlafrestriktion und akuten Mikrobiotaverschiebungen sowie Insulinresistenz.
[062] Hamer HM, Jonkers D, Venema K, Vanhoutvin S, Troost FJ, Brummer RJ. The role of butyrate on colonic function. Aliment Pharmacol Ther. 2008. Link
Narrative Übersichtsarbeit, die die Bioaktivität von Butyrat – einer durch kolonische mikrobielle Fermentation von Nahrungsfasern gebildeten SCFA – und deren Mechanismen in der menschlichen Kolonfunktion zusammenfasst. Butyrat ist die primäre Energiequelle der Kolonozyten und moduliert Entzündung, Karzinogenese, Integrität der Mukosabarriere, oxidativen Stress, Permeabilität und Sättigung. Die Übersicht konsolidiert die Evidenz zu Butyrat als zentralem Effektor der kolonischen Homöostase und als Zielpunkt diätetischer Interventionen bei Kolonerkrankungen.
[063] Wastyk HC, Fragiadakis GK, Perelman D et al. Gut-microbiota-targeted diets modulate human immune status. Cell. 2021. Link
17-wöchige randomisierte prospektive Studie (n=18/Arm) an gesunden Erwachsenen, die eine ballaststoffreiche mit einer an fermentierten Lebensmitteln reichen Ernährung verglich, mit Multi-Omics-Mikrobiom- und Immunprofilierung des Wirts. Die ballaststoffreiche Ernährung erhöhte die mikrobiom-kodierten glykanabbauenden CAZyme trotz stabiler Diversität. Die an fermentierten Lebensmitteln reiche Ernährung erhöhte die Mikrobiom-Diversität und senkte mehrere Entzündungsmarker. Die Ergebnisse zeigen ernährungsspezifische Mikrobiom-Immun-Effekte und stützen fermentierte Lebensmittel als starken, diversitätsfördernden Modulator der Darm-Immun-Achse.
[064] Marco ML, Heeney D, Binda S et al. Health benefits of fermented foods: microbiota and beyond. Curr Opin Biotechnol. 2017. Link
Übersichtsarbeit zu fermentierten Lebensmitteln, die zu den ersten vom Menschen verzehrten verarbeiteten Lebensmitteln zählen (Joghurt, Sauermilch, Wein, Bier, Sauerkraut, Kimchi, fermentierte Wurst). Ursprünglich wegen Haltbarkeit und Genusswert geschätzt, gelten fermentierte Lebensmittel heute als Träger verbesserter ernährungsphysiologischer und funktioneller Eigenschaften durch Substrattransformation und Bildung bioaktiver Endprodukte. Viele fermentierte Lebensmittel enthalten lebende Mikroorganismen mit potenziellen Gesundheitseffekten. Die Übersicht etabliert fermentierte Lebensmittel als mikrobiomrelevante Ernährungskategorie.
[065] Calder, P. C. Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man. Biochem Soc Trans. 2017. Link
Übersichtsarbeit zur Rolle von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren bei Entzündungen. EPA und DHA aus fettreichem Seefisch oder Fischölpräparaten hemmen teilweise die Leukozyten-Chemotaxis, die Expression von Adhäsionsmolekülen, Leukozyten-Endothel-Interaktionen sowie die Bildung arachidonsäureabgeleiteter Eicosanoide und proinflammatorischer Zytokine. Aus EPA gebildete Eicosanoide sind typischerweise weniger potent als jene aus Arachidonsäure, und EPA/DHA sind Vorläufer entzündungshemmender und entzündungsauflösender Mediatoren (Resolvine, Protectine, Maresine), was ihren Einsatz bei entzündlichen Erkrankungen stützt.
[066] Costantini L, Molinari R, Farinon B, Merendino N. Impact of Omega-3 Fatty Acids on the Gut Microbiota. Int J Mol Sci. 2017. Link
Langfristige Ernährungsgewohnheiten formen eine wirtsspezifische Darmmikrobiota, doch die Effekte von Nahrungsfetten sind weniger gut charakterisiert als die von Kohlenhydraten. Die wenigen Supplementierungsstudien mit Omega-3-PUFA bei Erwachsenen zeigen konsistente Veränderungen: verminderte Faecalibacterium, vermehrte Bacteroidetes und butyratbildende Lachnospiraceae. Da eine Dysbiose dieser Taxa bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auftritt, könnten Omega-3-PUFA einen günstigen Effekt entfalten, indem sie die mikrobielle Zusammensetzung wiederherstellen und die Produktion entzündungshemmender kurzkettiger Fettsäuren steigern.
[067] Suez J, Korem T, Zeevi D et al. Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota. Nature. 2014. Link
Kalorienfreie künstliche Süßstoffe (NAS) induzierten bei Mäusen und Menschen eine Glukoseintoleranz über kompositionelle und funktionelle Veränderungen der Darmmikrobiota. Eine Antibiotikabehandlung hob die schädlichen metabolischen Effekte auf, und keimfreie Mäuse, die Stuhltransplantate von NAS-konsumierenden Mäusen (oder mit NAS inkubierte Mikrobiota) erhielten, entwickelten eine Glukoseintoleranz. Durch NAS veränderte mikrobielle Stoffwechselwege wurden mit der Anfälligkeit für metabolische Erkrankungen in Verbindung gebracht, und ähnliche Dysbiose sowie Glukoseintoleranz wurden bei gesunden menschlichen Probanden nachgewiesen. Die Befunde fordern eine Neubewertung des weit verbreiteten NAS-Gebrauchs.
[068] Desai MS, Seekatz AM, Koropatkin NM et al. A dietary fiber-deprived gut microbiota degrades the colonic mucus barrier and enhances pathogen susceptibility. Cell. 2016. Link
In gnotobiotischen Mäusen, die mit einer synthetischen menschlichen Darmmikrobiota besiedelt waren, führte ein chronischer oder intermittierender Ballaststoffmangel dazu, dass die Mikrobiota vom Wirt sezernierte Mukus-Glykoproteine als Nährstoffquelle nutzte und so die kolonische Mukusbarriere erodierte. Ballaststoffentzug und eine mukuserodierende Mikrobiota ermöglichten gemeinsam einen stärkeren Zugang zum Epithel und eine letale Kolitis durch den Mukosapathogenen Citrobacter rodentium. Die Befunde verbinden Ernährung, Mikrobiom und Störung der Darmbarriere und weisen Ballaststoffe als zentralen, therapeutisch nutzbaren barriereschützenden Faktor aus.
[069] Suez J, Cohen Y, Valdés-Mas R et al. Personalized microbiome-driven effects of non-nutritive sweeteners on human glucose tolerance. Cell. 2022. Link
Randomisierte kontrollierte Studie an 120 gesunden Erwachsenen, die über 2 Wochen Saccharin, Sucralose, Aspartam oder Stevia (in Dosen unterhalb der duldbaren täglichen Aufnahme) versus Glukose-Vehikel oder keine Supplementierung erhielten. Alle vier nicht-nutritiven Süßstoffe veränderten Stuhl- und Mundmikrobiom sowie das Plasma-Metabolom in unterschiedlicher Weise; Saccharin und Sucralose verschlechterten die glykämische Antwort signifikant. Gnotobiotische Mäuse, die mit den Mikrobiomen der stärksten und schwächsten menschlichen Responder besiedelt wurden, reproduzierten spenderspezifische glykämische Antworten und zeigten damit, dass nicht-nutritive Süßstoffe personenspezifische, mikrobiomabhängige glykämische Veränderungen auslösen können.
[070] Halmos EP, Power VA, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG. A diet low in FODMAPs reduces symptoms of irritable bowel syndrome. Gastroenterology. 2014. Link
Eine randomisierte, einfach verblindete Crossover-Studie an 30 IBS-Patienten und 8 Kontrollen verglich eine FODMAP-arme Ernährung (<0,5 g/Mahlzeit) mit einer typischen australischen Ernährung über jeweils 21 Tage (Auswaschphase >=21 Tage). Nahezu alle Lebensmittel wurden gestellt. Der FODMAP-arme Arm führte zu einer signifikant stärkeren Abnahme der IBS-Symptome, gemessen auf visuellen Analogskalen von 0–100 mm, und stützt damit die FODMAP-arme Ernährung als wirksame Intervention zur Symptomkontrolle bei IBS im Vergleich zu einer westlichen Standardkost.
[071] Liang X, FitzGerald GA. Timing the Microbes: The Circadian Rhythm of the Gut Microbiome. J Biol Rhythms. 2017. Link
Übersichtsarbeit zur zirkadianen Organisation des Darmmikrobioms. Das zirkadiane System der Säugetiere (Hauptuhr und periphere Uhren) koordiniert biologische Prozesse als Antwort auf äußere Signale wie den Hell-Dunkel-Zyklus, doch die Chronobiologie der Prokaryoten ist außerhalb der Cyanobakterien kaum verstanden. Die Übersicht fasst die Evidenz für eine tageszeitabhängige kompositionelle und funktionelle Struktur der Darmmikrobiota, die Regulation dieser Oszillationen durch den Wirt sowie den reziproken Einfluss des Darmmikrobioms auf die zirkadiane Zeitgebung des Wirts zusammen.
[072] Chaix A, Zarrinpar A, Miu P, Panda S. Time-restricted feeding is a preventative and therapeutic intervention against diverse nutritional challenges. Cell Metab. 2014. Link
Zeitlich beschränkte Nahrungsaufnahme (Time-restricted feeding, TRF; 8–9 h Nahrungszugang in der Aktivphase) wurde bei Mäusen unter verschiedenen adipogenen Diäten untersucht. TRF milderte die metabolische Erkrankung über eine Reihe adipogener Diäten hinweg, wobei der Nutzen proportional zur Fastendauer war. Die protektiven Effekte blieben auch dann bestehen, wenn ein Ad-libitum-Zugang am Wochenende die TRF unterbrach – ein Regime, das der menschlichen Lebensweise nahekommt. TRF stabilisierte und kehrte die metabolische Erkrankung auch bei Mäusen mit vorbestehender Adipositas und Typ-2-Diabetes um und stützt TRF damit sowohl als präventive als auch als therapeutische Strategie.
[073] Zarrinpar A, Chaix A, Yooseph S, Panda S. Diet and feeding pattern affect the diurnal dynamics of the gut microbiome. Cell Metab. 2014. Link
Das Darmmikrobiom zeigt tägliche zyklische Schwankungen seiner Zusammensetzung, die vom Ess-Fasten-Zyklus angetrieben werden. Ernährungsinduzierte Adipositas dämpft den täglichen Ess-Fasten-Rhythmus und schwächt die zyklischen Schwankungen der Mikrobiota ab. Zeitlich beschränkte Nahrungsaufnahme (TRF), bei der die Nahrungsaufnahme bei Mäusen auf die nächtliche Phase konzentriert wird, stellt die zyklischen Schwankungen teilweise wieder her und schützt vor Adipositas und metabolischer Erkrankung. TRF wirkt bevorzugt auf Bakterien, von denen bekannt ist, dass sie den Wirtsstoffwechsel beeinflussen, und verbindet so Ernährungsrhythmus, Mikrobiomdynamik und metabolische Endpunkte.
[074] Irwin MR, Opp MR. Sleep health: reciprocal regulation of sleep and innate immunity. Neuropsychopharmacology. 2017. Link
Diese Übersichtsarbeit untersucht die wechselseitigen Interaktionen zwischen Schlafstörungen, einschließlich Insomnie, und dem angeborenen Immunsystem. Insomniebeschwerden, extreme Schlafdauer und experimenteller Schlafentzug verändern genomische, zelluläre und systemische Entzündungsmarker und tragen zum Inflammaging bei. Entzündungsmediatoren wiederum verändern die homöostatische Regulation von Schlafkontinuität und Schlafmakrostruktur. Klinisch relevant sind der Zusammenhang zwischen Schlafstörung und entzündungsassoziierten depressiven Symptomen sowie das Potenzial insomniegerichteter Interventionen, Entzündung rückgängig zu machen. Die Befunde unterstreichen, dass Schlafstörung ein behandelbarer Risikofaktor für entzündliche Erkrankungen ist.
[075] Allen JM, Mailing LJ, Niemiro GM et al. Exercise alters gut microbiota composition and function in lean and obese humans. Med Sci Sports Exerc. 2018. Link
In dieser 6-wöchigen Ausdauertrainingsstudie mit 32 zuvor sitzenden schlanken (n=18) und adipösen (n=14) Erwachsenen wurden bewegungsinduzierte Veränderungen von Zusammensetzung, Funktion und Metabolitproduktion der Darmmikrobiota erfasst, gefolgt von einer 6-wöchigen sitzenden Washout-Phase. Das Training steigerte sich von 30 auf 60 Minuten bei 60–75 % der Herzfrequenzreserve an drei Tagen pro Woche. Die Beta-Diversitäts-Analyse zeigte, dass die bewegungsinduzierten Mikrobiota-Veränderungen vom Adipositasstatus abhingen. Ausdauertraining formt die Darmmikrobiota somit in Abhängigkeit vom Wirtsphänotyp um, wobei die Effekte bei Rückkehr zur Inaktivität teilweise reversibel sind.
[076] Mayer EA, Tillisch K, Gupta A. Gut/brain axis and the microbiota. J Clin Invest. 2015. Link
Diese Übersichtsarbeit fasst präklinische Belege dafür zusammen, dass die Darmmikrobiota die bidirektionale Achse zwischen ZNS, enterischem Nervensystem und Gastrointestinaltrakt beeinflusst. Studien an keimfreien Nagetieren zeigen, dass die Mikrobiota Emotionsverhalten, Stress- und Schmerzmodulationssysteme sowie zerebrale Neurotransmitter prägt. Probiotische und antibiotische Eingriffe modulieren diese Endpunkte auch bei adulten Tieren. Mehrere endokrine und neurokrine Wege vermitteln die Signalübertragung von der Mikrobiota zum Gehirn, während das Gehirn über das autonome Nervensystem die mikrobielle Zusammensetzung verändert. Die Übertragung dieser Befunde auf gesunde Menschen und Störungen der Darm-Hirn-Achse ist bislang begrenzt und wird als Forschungspriorität benannt.
[077] Atarashi K, Suda W, Luo C et al. Ectopic colonization of oral bacteria in the intestine drives TH1 cell induction and inflammation. Science. 2017. Link
Diese gnotobiotische Studie zeigte, dass Klebsiella-Stämme aus dem Speichel bei Besiedlung des Darms starke Induktoren von T-Helfer-1-Zellen (TH1) sind. Diese antibiotikaresistenten Klebsiella-Stämme kolonisieren bei dysbiotischer Darmmikrobiota und lösen in genetisch empfänglichen Wirten eine schwere Darmentzündung aus. Die Ergebnisse belegen die Mundhöhle als Reservoir potenzieller intestinaler Pathobionten, die bei ektoper Besiedlung des Darms Erkrankungen wie IBD verschlimmern.
[078] Kapil V, Haydar SM, Pearl V, Lundberg JO, Weitzberg E, Ahluwalia A. Physiological role for nitrate-reducing oral bacteria in blood pressure control. Free Radic Biol Med. 2013. Link
Diese randomisierte Crossover-Studie an 19 gesunden Probanden prüfte, ob die Unterdrückung oraler nitratreduzierender Bakterien durch antiseptische Chlorhexidin-Mundspülung die systemischen Nitritspiegel und den Blutdruck beeinflusst. Der Blutdruck (Praxismessung, Heimmessung, 24-Stunden-Langzeitmessung) wurde während einer 7-tägigen Kontrollphase und einer 7-tägigen Chlorhexidin-Behandlungsphase erfasst. Die Anwendung der Mundspülung unterdrückte die orale nitratreduzierende Flora, senkte das systemische Nitrit und erhöhte den Blutdruck signifikant. Die Ergebnisse zeigen, dass die orale Mikrobiota über den enterosalivären Nitrat-Nitrit-NO-Weg aktiv zur systemischen Blutdruckregulation beiträgt.
[079] Hajishengallis, G. Periodontitis: from microbial immune subversion to systemic inflammation. Nat Rev Immunol. 2015. Link
Diese Übersichtsarbeit erörtert, wie dysbiotische orale mikrobielle Gemeinschaften Parodontitis und entzündliche Pathologien an lokalen und entfernten Orten antreiben. Die Autoren beschreiben detailliert mikrobielle Mechanismen der Immunsubversion, die die orale Homöostase in Richtung Erkrankung kippen lassen. Die Parodontitis erweist sich als dysbiotische Entzündungserkrankung mit systemischen Implikationen, einschließlich Verbindungen zu kardiovaskulären und anderen chronischen Erkrankungen. Damit erscheint die Parodontitistherapie als Strategie mit potenziellem Nutzen für die systemische Gesundheit.
[080] Sonnenburg ED, Smits SA, Tikhonov M, Higginbottom SK, Wingreen NS, Sonnenburg JL. Diet-induced extinctions in the gut microbiota compound over generations. . 2016. Link
Bei Mäusen unter einer Diät mit geringem Gehalt an mikrobiota-zugänglichen Kohlenhydraten (Ballaststoffen) nahm die Diversität der Darmmikrobiota ab, und dieser Effekt verstärkte sich über die Generationen: Über vier Generationen führte die ballaststoffarme Diät zu kumulativen Taxon-Extinktionen, die durch Wiedereinführung von Ballaststoffen nicht mehr umkehrbar waren.
[081] Chang AM, Aeschbach D, Duffy JF, Czeisler CA. Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness. Proc Natl Acad Sci USA. 2015. Link
Durchschnittliche Schlafdauer und -qualität haben abgenommen, und 90 % der US-Erwachsenen geben an, in der Stunde vor dem Zubettgehen elektronische Geräte zu nutzen. Das von diesen Geräten abgegebene, an kurzwelligem Anteil angereicherte Licht kann Melatonin unterdrücken, die zirkadiane Phase verschieben und die Wachheit steigern. In einem kontrollierten Vergleich bewerteten die Autoren die biologischen Effekte des Lesens auf einem lichtemittierenden E-Book-Gerät gegenüber einem gedruckten Buch vor dem Zubettgehen und untersuchten Melatonin, zirkadiane Phasenlage, Einschlaflatenz und Wachheit am nächsten Morgen. Die LE-eBook-Bedingung verzögerte die zirkadiane Phasenlage, unterdrückte das abendliche Melatonin, verlängerte das Einschlafen und verringerte die Wachheit am nächsten Morgen. Die Befunde zeigen, dass die Nutzung lichtemittierender Bildschirme vor dem Zubettgehen Schlaf und zirkadiane Abstimmung verschlechtert.
[082] Kelly JR, Kennedy PJ, Cryan JF, Dinan TG, Clarke G, Hyland NP. Breaking down the barriers: the gut microbiota, intestinal permeability and stress-related psychiatric disorders. Front Cell Neurosci. 2015. Link
Die Darm-Hirn-Achse wird als kritischer Knotenpunkt bei stressbezogenen psychiatrischen Erkrankungen verortet, wobei das Darmmikrobiom die Hirnentwicklung, -funktion und das Verhalten über immunologische, endokrine und neuronale Wege moduliert. Präklinische Evidenz weist einer gestörten intestinalen Barrierefunktion – dem sogenannten Leaky Gut – eine Schlüsselrolle als Vermittler zwischen Dysbiose, chronischer niedriggradiger Entzündung und Erkrankungen wie Depression zu. Das Darmmikrobiom reguliert die intestinale Permeabilität über kurzkettige Fettsäuren, Mucinproduktion und Tight-Junction-Signalgebung. Die Übersicht argumentiert, dass die gezielte Beeinflussung der mikrobiotagesteuerten Barriereintegrität mechanistische und therapeutische Einsichten in stressbezogene psychiatrische Erkrankungen eröffnen kann.
[083] McDonald D, Hyde E, Debelius JW et al. American Gut: an Open Platform for Citizen Science Microbiome Research. mSystems. 2018. Link
Das American Gut Project verglich mehr als 10 000 von Bürgerwissenschaftlern gesammelte Stuhlproben aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Australien mit Umweltproben unter Verwendung der standardisierten Protokolle des Earth Microbiome Project. Humane Stuhlmikrobiome zeigten im Vergleich zu Umweltproben eine unerwartet große Beta-Diversität. Die offene Datenintegration ermöglichte die Entdeckung neuer Moleküle und ungezielter metabolomischer Assoziationen mit einer vielfältigen pflanzlichen Zufuhr (ein stärkerer Prädiktor als reduktive kategoriale Variablen wie Veganismus). Die Arbeit belegt die Machbarkeit postalisch versandter, selbst entnommener Mikrobiomproben zur Reproduktion bekannter und zur Aufdeckung neuer Assoziationen, einschließlich Bezügen zu psychiatrischen Erkrankungen und individuellen Perturbationen wie Operationen.
[084] Wilson BC, Vatanen T, Cutfield WS, O'Sullivan JM. The Super-Donor Phenomenon in Fecal Microbiota Transplantation. Front Cell Infect Microbiol. 2019. Link
FMT ist bei rezidivierender Clostridium difficile-Infektion hochwirksam, doch die Wirksamkeit bei chronischen, mit Dysbiose assoziierten Erkrankungen war moderat und variabel. Mehrere Studien legen nahe, dass das FMT-Ergebnis von der mikrobiellen Diversität und Zusammensetzung des Spenderstuhls abhängt, woraus das Konzept der FMT-„Superdonoren“ hervorging. Die Übersicht untersucht Schlüsselarten (keystone species) als Prädiktoren des FMT-Erfolgs und diskutiert, wie Wirtsgenetik und Ernährung Engraftment und Erhalt beeinflussen können – ein Rahmen für eine gezieltere, spenderstratifizierte Bakteriotherapie.
[085] Targownik LE, Fisher DA, Saini SD. AGA Clinical Practice Update on De-Prescribing of Proton Pump Inhibitors: Expert Review. Gastroenterology. 2022. Link
Ein Clinical Update gibt Best-Practice-Advice-Aussagen zum De-Prescribing von PPI bei ambulanten Patienten. PPI gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten und werden zunehmend für Indikationen mit unsicherem Nutzen eingesetzt, was zu Polypharmazie und wirtschaftlicher Belastung beiträgt. Der PPI-Gebrauch wird zunehmend mit PPI-assoziierten unerwünschten Ereignissen (PAAEs) in Verbindung gebracht. Die Empfehlung fördert strukturierte De-Prescribing-Strategien, um Tablettenlast, reale Kosten und theoretische Risiken zu senken, während Patienten mit angemessener Indikation die Therapie fortführen.
[086] Chaix A, Manoogian ENC, Melkani GC, Panda S. Time-Restricted Eating to Prevent and Manage Chronic Metabolic Diseases. Annu Rev Nutr. 2019. Link
Molekulare Uhren sind in nahezu jeder Zelle vorhanden, um täglich wiederkehrende und vorhersehbare Veränderungen wie die rhythmische Verfügbarkeit von Nährstoffen zu antizipieren und zelluläre Funktionen entsprechend anzupassen. Zugleich können nährstoffsensierende Signalwege auf akute Nährstoffungleichgewichte reagieren und den Stoffwechsel so modulieren und ausrichten, dass sich Zellen optimal an eine abnehmende oder zunehmende Nährstoffverfügbarkeit anpassen. Zirkadiane Rhythmen des Organismus werden durch Verhaltensrhythmen wie Aktivitäts-Ruhe- und Essens-Fasten-Zyklen koordiniert, um eine Abfolge physiologischer Prozesse zeitlich zu orchestrieren und den Stoffwechsel zu optimieren. Die Grundlagenforschung zu zirkadianen Rhythmen konzentrierte sich weitgehend auf die Funktionsweise des selbsterhaltenden molekularen zirkadianen Oszillators, während die Ernährungswissenschaft Einblicke in physiologische Reaktionen auf Kalorienentzug oder auf bestimmte Makronährstoffe erbrachte. Die Integration dieser beiden Felder zu umsetzbaren neuen Konzepten der zeitlichen Steuerung der Nahrungsaufnahme führte zur aufkommenden Praxis des zeitbeschränkten Essens. In diesem Paradigma wird die tägliche Kalorienaufnahme auf ein konstantes Zeitfenster von 8–12 h beschränkt.
[087] Saha S, Mara K, Pardi D, Khanna S. Long-term Safety of Fecal Microbiota Transplantation for Recurrent Clostridioides difficile Infection. Gastroenterology. 2021. Link
Langzeitsicherheit der FMT bei rCDI: geringes Risiko einer Infektionsübertragung; neue Diagnosen wahrscheinlich nicht FMT-assoziiert – Mayo Clinic, 609 Patienten, prospektive Daten über 6,8 Jahre — 609 Patienten, mediane Nachbeobachtung 3,7 Jahre (Bereich 2,0–6,8 Jahre). Nach 1 Jahr: 9,5 % berichteten über eine neue CDI-Episode. Langfristig 73 neue Diagnosen (13 % gastrointestinal, 10 % Gewichtszunahme, 11,8 % Infektion) – alle als nicht mit der FMT assoziiert beurteilt. Höheres Diarrhö-Risiko bei IBD, dialysepflichtiger Nierenerkrankung und Patienten mit wiederholter FMT.
[088] Yau Y, Lau L, Lui R, Wong S, Guo C, Mak J, Ching J, Ip M, Kamm M, Rubin D, Chan P, Chan F, Ng S. Long-Term Safety Outcomes of Fecal Microbiota Transplantation: Real-World Data Over 8 Years From the Hong Kong FMT Registry. Clinical gastroenterology and hepatology : the official clinical practice journal of the American Gastroenterological Association. 2024. Link
Ausgezeichnetes Langzeit-Sicherheitsprofil der FMT auf Basis von Registerdaten über 8 Jahre: geringes Risiko neuer Erkrankungen jenseits von 12 Monaten; Überleben der CDI-behandelten Patienten signifikant besser als bei Antibiotika-Kontrollen — 123 Patienten, 510 FMTs, mediane Nachbeobachtung 30,3 Monate (max. 57,9 Monate = ca. 5 Jahre). Jenseits von 12 Monaten 21 neue Erkrankungen bei 16 Patienten – alle als nicht mit der FMT assoziiert beurteilt. Keine Entwicklung von IBD, IBS, Allergie, T2DM oder psychiatrischen Erkrankungen. Die kumulative Überlebenswahrscheinlichkeit der FMT-behandelten rCDI-Patienten war signifikant besser als die der gematchten Antibiotika-Kontrollen.
[089] Bonomini-Gnutzmann R, Plaza-Díaz J, Jorquera-Aguilera C, Rodríguez-Rodríguez A, Rodríguez-Rodríguez F. Effect of Intensity and Duration of Exercise on Gut Microbiota in Humans: A Systematic Review. International journal of environmental research and public health. 2022. Link
Intensität und Dauer der Belastung bestimmen die Zusammensetzung der Darmmikrobiota; moderate Bewegung ist günstig, während extreme Ausdauerbelastung negative Mikrobiotaveränderungen verursachen kann — 13 Studien: intensive Belastung – erhöhte Darmpermeabilität, erhöhtes I-FABP, Dysbiose; 7 Studien: moderate Belastung – Zunahme der mikrobiellen Diversität und der SCFA-Metaboliten; bei Sportlern mehr ungünstige Effekte bei hoher Intensität (IJERPH, 2022).
[090] Kolida S, Meyer D, Gibson GR. A double-blind placebo-controlled study to establish the bifidogenic dose of inulin in healthy humans. Eur J Clin Nutr. 2007. Link
ZIEL: Bewertung der bifidogenen Wirksamkeit von zwei Inulindosen bei gesunden erwachsenen Menschen. DESIGN: Eine doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie am Menschen. SETTING: Food Microbial Sciences Unit, The University of Reading, Reading, UK. PROBANDEN: Dreißig gesunde Freiwillige, 15 Männer, 15 Frauen (Altersbereich 19–35). INTERVENTIONEN: Die Probanden konsumierten über einen 2-wöchigen Behandlungszeitraum ein Schokoladengetränk mit Placebo (Maltodextrin, 8 g/Tag), 5 g/Tag Inulin bzw. 8 g/Tag Inulin. Auf jede Behandlung folgte eine 1-wöchige Auswaschphase, an deren Ende die Freiwilligen zur nächsten Behandlung übergingen.
[091] Wu, G. Functional amino acids in nutrition and health. . 2013. Link
In den letzten Jahren hat das Interesse an Biochemie, Physiologie und Ernährungsphysiologie der Aminosäuren (AA) für Wachstum, Gesundheit und Krankheit von Menschen und anderen Tieren zugenommen. Dies ergibt sich aus den Entdeckungen zur Rolle der AA in der Zellsignalgebung unter Beteiligung von Proteinkinasen, G-Protein-gekoppelten Rezeptoren und gasförmigen Molekülen (d. h. NO, CO und H2S). Zudem haben Ernährungsstudien gezeigt, dass eine diätetische Supplementierung mit mehreren AA (z. B. Arginin, Glutamin, Glutamat, Leucin und Prolin) die Genexpression moduliert, das Wachstum von Dünndarm und Skelettmuskulatur fördert oder überschüssiges Körperfett verringert. Diese wegweisenden Befunde führten zum neuen Konzept der funktionellen AA, definiert als jene AA, die an zentralen Stoffwechselwegen teilnehmen und diese regulieren, um Gesundheit, Überleben, Wachstum, Entwicklung, Laktation und Fortpflanzung der Organismen zu verbessern. Funktionelle AA sind vielversprechend für Prävention und Behandlung von Stoffwechselerkrankungen (z. B. Adipositas, Diabetes und kardiovaskuläre Störungen), intrauteriner Wachstumsrestriktion, Infertilität, intestinaler und neurologischer Dysfunktion sowie Infektionskrankheiten (einschließlich Virusinfektionen).
[092] Sutton EF, Beyl R, Early KS et al. Early Time-Restricted Feeding Improves Insulin Sensitivity, Blood Pressure, and Oxidative Stress Even without Weight Loss in Men with Prediabetes. Cell Metabolism. 2018. Link
Cross-over-RCT mit 8 Männern mit Prädiabetes: Die Beschränkung der Mahlzeiten auf ein frühes 6-Stunden-Fenster (eTRF, 8:00–14:00 Uhr) über 5 Wochen – bei angeglichener Energiezufuhr – verbesserte die Insulinsensitivität, die β-Zell-Antwort, den Blutdruck und den oxidativen Stress signifikant gegenüber einem 12-Stunden-Kontrollfenster. Ein Gewichtsverlust war für diese günstigen metabolischen Veränderungen NICHT erforderlich, was darauf hinweist, dass der Effekt aus der zirkadianen Ausrichtung resultiert.
[093] Zou T, Zhao Y, Zhou X, Kang Y, Wang X. Insight into the effects of Omega-3 fatty acids on gut microbiota: impact of a balanced tissue Omega-6/Omega-3 ratio. Front Nutr. 2025. Link
Übersichtsarbeit dazu, wie Omega-3-Fettsäuren und ein ausgewogenes Omega-6:Omega-3-Verhältnis im Gewebe die Zusammensetzung und Funktion der Darmmikrobiota prägen: Ein hohes Verhältnis begünstigt proinflammatorische/LPS-produzierende Bakterien, ein ausgewogenes Verhältnis begünstigt SCFA-Produzenten (Bifidobacterium, Roseburia, Lactobacillus); dies stützt einen personalisierten Ernährungsansatz auf Basis der Fettsäureverhältnisse.
[096] De Schryver AM, Keulemans YC, Peters HP, Akkermans LM, Smout AJ, De Vries WR. Effects of regular physical activity on defecation pattern in middle-aged patients complaining of chronic constipation. Scandinavian Journal of Gastroenterology. 2005. Link
Randomisierte Studie an inaktiven Patienten mittleren Alters mit chronischer idiopathischer Obstipation: Ein 12-wöchiges Programm regelmäßiger körperlicher Aktivität (einschließlich Gehen) verkürzte die rektosigmoidale und die gesamte Kolontransitzeit signifikant und verbesserte das Defäkationsmuster. Die Arbeit liefert direkte klinische Evidenz dafür, dass regelmäßige Bewegung die Darmpassage beschleunigt.
[097] Palleja A, Mikkelsen KH, Forslund SK et al. Recovery of gut microbiota of healthy adults following antibiotic exposure. Nature Microbiology. 2018. Link
Shotgun-Metagenomik-Studie an 12 gesunden Männern: Nach einer viertägigen Gabe von drei Reserveantibiotika (Meropenem, Gentamicin, Vancomycin) erholte sich die Darmmikrobiota über sechs Monate weitgehend, aber unvollständig — mehrere häufige Spezies blieben weiterhin abwesend, und Resistenzgene waren vorübergehend angereichert.
[098] Karmisholt Grosen A et al. Effects of clinical donor characteristics on the success of faecal microbiota transplantation for patients in Denmark with Clostridioides difficile infection: a single-centre, prospective cohort study. The Lancet Microbe. 2025. Link
Monozentrische, prospektive dänische Kohortenstudie: Klinische Spendermerkmale — darunter die Antibiotikaexposition in den 12 Monaten vor der Spende und die Stuhlkonsistenz bei der Spende — beeinflussen den Erfolg der FMT bei rezidivierender C.-difficile-Infektion; die Antibiotikaanwendung des Spenders verschlechtert das Ergebnis, was ein striktes Spenderscreening stützt.
[099] Deutz NE, Bauer JM, Barazzoni R, Biolo G, Boirie Y, Bosy-Westphal A, Cederholm T, Cruz-Jentoft A, Krznaric Z, Nair KS, Singer P, Teta D, Tipton K, Calder PC. Protein intake and exercise for optimal muscle function with aging: recommendations from the {ESPEN. Clinical Nutrition. 2014. Link
Das Altern geht mit einem allmählichen, fortschreitenden Verlust an Muskelmasse, -kraft und -ausdauer einher (Sarkopenie), am ausgeprägtesten bei bewegungsarmen älteren Menschen. Diese Übersicht der ESPEN-Expertengruppe kommt zu dem Schluss, dass regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining die meisten Aspekte der Sarkopenie ausgleicht und dass eine ausreichende Protein- und Energiezufuhr den altersbedingten Rückgang von Muskelmasse, -kraft und -funktion begrenzen und behandeln hilft. Empfohlen wird eine höhere Proteinzufuhr als die traditionellen 0,8 g/kg/Tag — etwa 1,0–1,2 g/kg Körpergewicht pro Tag für gesunde ältere Menschen und 1,2–1,5 g/kg/Tag bei akuter oder chronischer Erkrankung — in Kombination mit körperlicher Aktivität. Ziel ist der Erhalt von Muskelfunktion, Mobilität und Selbstständigkeit im Alter.
[100] Kelly CR, Ihunnah C, Fischer M, Khoruts A, Surawicz C, Afzali A, Aroniadis O, Barto A, Borody T, Giovanelli A, Gordon S, Gluck M, Hohmann EL, Kao D, Kao JY, McQuillen DP, Mellow M, Rank KM, Rao K, Ray A, Schwartz MA, Singh N, Stollman N, Suskind DL, Vindigni SM, Youngster I, Brandt L. Fecal Microbiota Transplant for Treatment of {Clostridium. American Journal of Gastroenterology. 2014. Link
Eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) ist bei immungeschwächten Patienten besonders gefährlich, doch die Sicherheit der fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT) war in dieser Gruppe bislang unklar. Diese retrospektive Fallserie aus 16 Zentren untersuchte 80 immungeschwächte Patienten (75 Erwachsene, 5 Kinder) mit rezidivierender (55%), refraktärer (11%) oder schwerer/überlappender (34%) CDI; Ursachen der Immunschwäche waren u. a. HIV/AIDS, Organtransplantation, onkologische Erkrankungen, Immunsuppression bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung und weitere Zustände. Die CDI-Heilungsrate nach einer einzigen FMT betrug 78%, und der Eingriff war insgesamt sicher: schwere unerwünschte Ereignisse innerhalb von 12 Wochen waren selten und deuteten nicht auf eine durch FMT übertragene Infektion hin. Die Autoren schließen, dass die FMT auch bei immungeschwächten Patienten eine wirksame und sichere Option gegen CDI ist.
[101] Buccigrossi Vittoria, Lo Vecchio Andrea, Bruzzese Eugenia, Russo Carla, Marano Antonella, Terranova Sara, Cioffi Valentina, Guarino Alfredo. Potency of Oral Rehydration Solution in Inducing Fluid Absorption is Related to Glucose Concentration. Scientific Reports. 2020. Link
Die orale Rehydratationslösung (ORS) ist die zentrale Behandlung des akuten Durchfalls bei Kindern: Sie stellt das Elektrolytgleichgewicht wieder her, indem sie den intestinalen Natrium/Glukose-Transporter SGLT1 stimuliert und so die Flüssigkeitsaufnahme antreibt. Die Autoren untersuchten Lösungen mit unterschiedlichen Natrium- und Glukosekonzentrationen an Caco-2-Darmzellen mittels Ussing-Kammer-Elektrophysiologie während rotavirusinduzierter Sekretion. Die ESPGHAN-ORS (Natrium 60 mmol/l, Glukose 111 mmol/l) erzeugte einen stärkeren resorptionsfördernden Effekt als die WHO-ORS, und der Effekt hing vom Natrium/Glukose-Verhältnis ab; die rotavirusbedingte Flüssigkeitssekretion ließ sich in Richtung Resorption umkehren, wenn Natrium im Bereich 45–60 mÄq/l und Glukose im Bereich 80–110 mM lag. Fazit: Die resorptionsfördernde Wirkstärke der ORS hängt von ihren Natrium- und Glukosekonzentrationen ab.
[102] Laborde Sylvain, Allen MarkS, Borges Uirassu, Iskra Maša, Zammit Nina, You Min, Hosang Thomas, Mosley Emma, Dosseville Fabrice. Psychophysiological effects of slow-paced breathing at six cycles per minute with or without heart rate variability biofeedback. Psychophysiology. 2022. Link
Herzratenvariabilitäts-(HRV-)Biofeedback — langsames Atmen (SPB) beim Betrachten eines Herzfrequenz-/HRV-Signals — wird zunehmend als ergänzende Methode bei vielen psychischen und medizinischen Erkrankungen eingesetzt, doch der Mechanismus ist unklar. Bei 112 Teilnehmenden verglich diese Studie SPB mit sechs Atemzügen pro Minute mit HRV-Biofeedback (SPB-HRVB) und ohne (SPB-NoHRVB) und maß emotionale Valenz, Erregung und Kontrolle, wahrgenommenen Stress sowie den vagal vermittelten HRV-Index RMSSD. Beide Bedingungen erzeugten dieselben Vorher-Nachher-Vorteile — ruhigere emotionale Valenz, geringere Erregung, größere emotionale Kontrolle und höheren RMSSD —, wobei das Biofeedback lediglich eine etwas positivere Gesamtvalenz hinzufügte. Die Autoren schließen, dass das langsame Atmen selbst den Großteil des psychophysiologischen Nutzens bewirkt, und schlagen vor, längere Interventionen und verschiedene Stressoren zu untersuchen.
[103] Hengel RichardL, Schroeder ClaudiaP, Jo Jinhee, Ritter TimothyE, Nathan RameshV, Gonzales-Luna AnneJ, Obi EngelsN, Dillon RyanJ, Van Anglen LucindaJ, Garey KevinW. Recurrent Clostridioides difficile infection worsens anxiety-related patient-reported quality of life. Journal of Patient-Reported Outcomes. 2022. Link
Diese patientenberichtete Studie misst mit dem angstbezogenen Cdiff32-Instrument, wie sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HrQOL) nach Behandlung einer Clostridioides-difficile-Infektion (CDI) verändert. Bei 144 mit Bezlotoxumab behandelten Erwachsenen verbesserte sich der mittlere Wert von 26,4 zu Beginn auf 56,4 bei der 90-Tage-Nachbeobachtung (höhere Werte bedeuten bessere Lebensqualität). Patienten ohne Rezidiv verbesserten sich deutlich stärker (Anstieg um 34,1 Punkte) als solche mit rezidivierender CDI (Anstieg um 6,7 Punkte; P < 0,001). Eine rezidivierende CDI verschlechtert somit die angstbezogene Lebensqualität erheblich, und das Cdiff32-Instrument eignet sich zur Erfassung dieser Ergebnisse.
[104] McFarland, L. V. Use of probiotics to correct dysbiosis of normal microbiota following disease or disruptive events: a systematic review. BMJ Open. 2014. Link
Systematische Übersichtsarbeit dazu, inwieweit Probiotika eine durch Krankheit oder Antibiotikatherapie gestörte normale Mikrobiota wiederherstellen können; ausgewertet wurden 63 Studien. Das Ergebnis ist zweigeteilt: Einzelne Probiotika-Stämme verbesserten bestimmte Mikrobiota-Kennwerte messbar, die Wiederherstellung der gesamten Gemeinschaft — Wiederaufbau der Diversität und der fehlenden funktionellen Gruppen — gelang jedoch in den meisten Studien nicht; die Wirkung war stamm-, dosis- und ausgangsabhängig. Die Arbeit argumentiert daher nicht gegen Probiotika, sondern für eine genaue Abgrenzung ihres Wirkbereichs. Kapitel II.5 des Handbuchs nutzt diese Unterscheidung zwischen Probiotikum und vollständigem Mikrobiota-Transplantat.
[105] Bishehsari F, Post Z, Swanson GR, Keshavarzian A. Circadian Rhythms in Gastroenterology: The Biological Clock's Impact on Gut Health. Gastroenterology. 2025. Link
Übersichtsarbeit zur Rolle des zirkadianen Rhythmus für die normale Darmfunktion. Die zentrale Uhr im Hypothalamus und die peripheren Uhren der Verdauungsorgane stimmen die Magen-Darm-Funktion gemeinsam auf Umweltzyklen ab; diese Uhr wird unter anderem durch Licht, **Schlaf** und Essenszeiten gestellt. Eine Störung des Rhythmus — nächtliche Lichtexposition, Zeitzonenwechsel, Schichtarbeit, falsch getimtes Essen, sozialer Jetlag — wirkt sich unmittelbar auf Verdauung, Resorption, **Motilität**, Darmbarriere, Immunfunktion und das **Mikrobiom** aus. Wichtig für das Handbuch: Der Artikel verknüpft die Rhythmusstörung mit Motilität und Mikrobiom — er behauptet NICHT, dass Schlafmangel als solcher die Darmpassage beschleunigt.
[106] Vandeputte D, Falony G, Vieira-Silva S, Tito RY, Joossens M, Raes J. Stool consistency is strongly associated with gut microbiota richness and composition, enterotypes and bacterial growth rates. Gut. 2016. Link
Auf Basis der 16S-rDNA-Profilierung von Stuhlproben von 53 gesunden Frauen ist die Stuhlkonsistenz — gemessen mit der Bristol-Skala, die den **Wassergehalt** des Stuhls und darüber die Kolontransitzeit widerspiegelt — stark mit dem **Reichtum (richness)**, der Zusammensetzung, dem Enterotyp und den geschätzten bakteriellen Wachstumsraten der Mikrobiota assoziiert. Weicherer Stuhl ging mit geringerem Reichtum und einer Verschiebung zum Bacteroides-Enterotyp einher. Wichtig für das Handbuch: Der Artikel verknüpft den **Wassergehalt** des Stuhls mit der Mikrobiota — er behauptet NICHT, dass die Flüssigkeitszufuhr das Engraftment verbessert.
[107] Vanhaecke T, Bretin O, Poirel M, Tap J. Drinking Water Source and Intake Are Associated with Distinct Gut Microbiota Signatures in {US. J Nutr. 2022. Link
Anhand der Datenbank des American Gut Project (3.413 bzw. 3.794 Stuhlproben) untersuchten die Autoren, wie **Quelle** und tägliche **Menge** des Trinkwassers mit der Zusammensetzung der Darm- und Mundmikrobiota zusammenhängen, adjustiert für anthropometrische, Ernährungs- und Lebensstilfaktoren. Die Trinkwasserquelle zählte zu den wichtigsten Faktoren, die die Variation der Darmmikrobiota erklären, und sowohl Quelle als auch Menge waren mit unterschiedlichen Mikrobiota-Signaturen assoziiert — unter anderem mit Unterschieden in der relativen Häufigkeit von Campylobacter. Wichtig: Es handelt sich um eine Querschnittsassoziation, nicht um kausale Evidenz, und nicht um eine FMT-Population.
[108] Smillie CS, Sauk J, Gevers D, Friedman J, Sung J, Youngster I, Hohmann EL, Staley C, Khoruts A, Sadowsky MJ, Allegretti JR, Smith MB, Xavier RJ, Alm EJ. Strain Tracking Reveals the Determinants of Bacterial Engraftment in the Human Gut Following Fecal Microbiota Transplantation. Cell Host Microbe. 2018. Link
Stammbezogene Verfolgung nach FMT: Die Autoren untersuchten, was darüber entscheidet, ob ein bestimmter Spenderstamm im Empfänger anwächst. Der stärkste Prädiktor ist die **Zusammensetzung der eigenen Gemeinschaft des Empfängers** — ein Stamm setzt sich durch, wenn ein Verwandter bereits vorhanden ist oder eine freie ökologische Nische besteht; auch Stammreichtum und Abundanz des Spenders spielen eine Rolle. Das Engraftment folgt somit ökologischen Regeln und nicht dem Zufall und ist von Empfängerseite beeinflussbar. Wichtig: Die Arbeit beschreibt stammbezogene Determinanten; sie belegt die Ballaststoffverfügbarkeit nicht in einer RCT als modifizierbaren Faktor.
[109] Karl JP, Hatch AM, Arcidiacono SM, Pearce SC, Pantoja-Feliciano IG, Doherty LA, Soares JW. Effects of Psychological, Environmental and Physical Stressors on the Gut Microbiota. Front Microbiol. 2018. Link
Übersichtsarbeit dazu, wie psychische, umweltbedingte und körperliche Stressoren die Darmmikrobiota beeinflussen. Die Autoren führen aus, dass verschiedene Stressoren — darunter Schlafmangel, thermische Belastung, Höhe und psychischer Stress — über die Darm-Hirn-Achse Zusammensetzung und Funktion der Mikrobiota verändern und die Integrität der Darmbarriere beeinträchtigen. Wichtig für das Handbuch: Es handelt sich um eine **Übersichtsarbeit**, überwiegend auf Tierdaten und kontrollierten humanen Stressmodellen beruhend; sie behauptet NICHT, dass Stress oder Schlafmangel das FMT-Engraftment verschlechtert.
[110] David LA, Maurice CF, Carmody RN, Gootenberg DB, Button JE, Wolfe BE, Ling AV, Devlin AS, Varma Y, Fischbach MA, Biddinger SB, Dutton RJ, Turnbaugh PJ. Diet rapidly and reproducibly alters the human gut microbiome. Nature. 2014. Link
Kontrollierte humane Interventionsstudie: Freiwillige ernährten sich kurzzeitig ausschließlich tierisch, dann ausschließlich pflanzlich. Zusammensetzung und Genexpression der Darmmikrobiota änderten sich **innerhalb von 24 Stunden** und kehrten nach Ende der Diät weitgehend zurück. Die tierische Ernährung erhöhte gallentolerante Organismen und verringerte Stämme, die pflanzliche Polysaccharide abbauen. Das ist der klassische Beleg dafür, dass die Darmflora ein **lebendes, auf die Lebensweise reagierendes System** ist und kein statischer Zustand. Wichtig: kurzfristige Studie mit kleiner Stichprobe, nicht in einer FMT-Population und nicht zum Engraftment.
[111] Koh A, De Vadder F, Kovatcheva-Datchary P, Bäckhed F. From Dietary Fiber to Host Physiology: Short-Chain Fatty Acids as Key Bacterial Metabolites. Cell. 2016. Link
Mechanistische Übersichtsarbeit zu kurzkettigen Fettsäuren (SCFA), die bei der bakteriellen Fermentation von Ballaststoffen entstehen. Fermentierbare Ballaststoffe sind die primäre Energiequelle der Kolonmikrobiota; die wichtigsten Fermentationsprodukte sind **Acetat, Propionat und Butyrat**. **Butyrat ist das wichtigste Energiesubstrat der Kolonozyten**; SCFA beeinflussen zudem die Barriereintegrität, die Immunfunktion und — nach Übertritt in den Kreislauf — den Wirtsstoffwechsel, teils über G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPR41/43) und Histon-Deacetylase-Hemmung. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Lehrbuchaussagen von III.2 (S-0302-01, -02). Wichtig: eine **Übersichtsarbeit**, keine eigenen experimentellen Daten.
[112] Shen D, Bai H, Li Z, Yu Y, Zhang H, Chen L. Positive effects of resistant starch supplementation on bowel function in healthy adults: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Int J Food Sci Nutr. 2017. Link
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien an gesunden Erwachsenen zur Wirkung resistenter Stärke auf die Dickdarmfunktion. Resistente Stärke **erhöhte die fäkale Butyratkonzentration** signifikant (SMD 0,61; 95%-KI 0,32-0,89) sowie das feuchte Stuhlgewicht (WMD 35,51 g/Tag) und **senkte den Stuhl-pH** signifikant (WMD -0,19); die Änderung der Stuhlfrequenz war nicht signifikant. Wichtig für das Handbuch: Die Metaanalyse belegt, dass resistente Stärke beim Menschen butyrogen wirkt — sie untersucht **NICHT**, ob sie stärker butyrogen ist als andere präbiotische Substrate (kein direkter Vergleich), und sie wurde nicht in einer FMT-Population durchgeführt.
[113] Gibson GR, Roberfroid MB. Dietary modulation of the human colonic microbiota: introducing the concept of prebiotics. J Nutr. 1995. Link
Diese Arbeit führte den Begriff des **Präbiotikums** ein: ein nicht verdaulicher Nahrungsbestandteil, der das Wachstum oder die Aktivität einer oder weniger Bakterienarten im Dickdarm selektiv anregt und dadurch die Gesundheit des Wirts verbessert. Die Autoren grenzen ihn vom **Probiotikum** (das lebende Mikroorganismen zuführt) und vom **Synbiotikum** (einer Kombination aus beiden) ab und nennen als Beispiele nicht verdauliche Oligosaccharide, darunter Inulin und Fructo-Oligosaccharide. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Präbiotikum-Definition in III.2 (S-0302-04). Wichtig: eine konzeptionelle Arbeit von 1995; die Definition wurde seither mehrfach präzisiert.
[114] Lozupone CA, Stombaugh JI, Gordon JI, Jansson JK, Knight R. Diversity, stability and resilience of the human gut microbiota. Nature. 2012. Link
Übersichtsarbeit zu Diversität, Stabilität und Resilienz der menschlichen Darmmikrobiota. Durch Übertragung ökologischer Konzepte auf den Darm argumentieren die Autoren, dass **Artenreichtum und Gleichverteilung** Schlüsselindikatoren für die Widerstandsfähigkeit einer Gemeinschaft gegenüber Störungen sind: Die funktionelle Redundanz einer diversen Gemeinschaft bewirkt, dass der Ausfall eines einzelnen Taxons weniger ins Gewicht fällt. Sie diskutieren den Begriff der Dysbiose und die Assoziation niedriger Diversität mit mehreren Erkrankungen. Wichtig: eine **Übersichtsarbeit** mit ökologischem Rahmen; sie behandelt CDI nicht gesondert und liefert keine kausalen Belege.
[115] Cardona F, Andrés-Lacueva C, Tulipani S, Tinahones FJ, Queipo-Ortuño MI. Benefits of polyphenols on gut microbiota and implications in human health. J Nutr Biochem. 2013. Link
Übersichtsarbeit zur **wechselseitigen** Beziehung zwischen Polyphenolen und der Darmmikrobiota. Die meisten Nahrungspolyphenole werden im Dünndarm nicht resorbiert, sondern **gelangen in den Dickdarm**, wo die Mikrobiota sie verstoffwechselt — die entstehenden Metaboliten sind oft biologisch aktiver als die Ausgangsverbindungen. Umgekehrt verändern Polyphenole und ihre Derivate die Zusammensetzung der Mikrobiota **präbiotikumsähnlich**: Sie können Bifidobacterium- und Lactobacillus-Gruppen begünstigen und einige potenzielle Pathogene zurückdrängen. Die Autoren erörtern zudem entzündungshemmende und metabolische Wirkungen. Wichtig: eine **Übersichtsarbeit**, überwiegend auf In-vitro- und kleinen Humandaten beruhend.
[116] Manach C, Scalbert A, Morand C, Rémésy C, Jiménez L. Polyphenols: food sources and bioavailability. Am J Clin Nutr. 2004. Link
Die kanonische Übersicht zu Polyphenol-Nahrungsquellen und Bioverfügbarkeit. Sie katalogisiert den Polyphenolgehalt mehrerer hundert Lebensmittel und benennt die **reichsten Quellen**: Beeren, Kakao/dunkle Schokolade, Tee (einschließlich grünem Tee), Kaffee, Rotwein, Olivenöl und bestimmte Früchte (darunter Granatapfel). Sie zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Zufuhr und Plasmakonzentration je nach Substanzklasse stark variiert — das mengenmäßig meistverzehrte Polyphenol erreicht nicht zwangsläufig die höchste aktive Konzentration. Wichtig: eine **ernährungswissenschaftliche Übersicht**; Wirkungen auf die Mikrobiota sind nicht Gegenstand dieser Arbeit (dafür siehe ref-115).
[117] Chung WSF, Walker AW, Louis P, Parkhill J, Vermeiren J, Bosscher D, Duncan SH, Flint HJ. Modulation of the human gut microbiota by dietary fibres occurs at the species level. BMC Biol. 2016. Link
Zwei strukturell unterschiedliche, nicht verdauliche Polysaccharide — **Inulin und Pektin** — wurden als Energiequellen in einem kontrollierten Fermentationssystem mit humaner Fäkalmikrobiota eingesetzt. Die beiden Ballaststoffe begünstigten **unterschiedliche Bakterienarten**: Pektin förderte stark *Eubacterium eligens*, Inulin andere Gruppen. Die Autoren schließen daraus, dass die Wirkung nicht verdaulicher Kohlenhydrate auf **Artebene** greift und nicht nur auf höheren taxonomischen Ebenen. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.3, dass Ballaststoffquellen unterschiedlicher Kohlenhydratstruktur unterschiedliche Bakterienpopulationen selektieren. Wichtig: kontrolliertes Fermentationssystem mit humaner Mikrobiota, keine Ernährungsinterventionsstudie an Patienten.
[118] Deehan EC, Yang C, Perez-Muñoz ME, Nguyen NK, Cheng CC, Triador L, Zhang Z, Bakal JA, Walter J. Precision Microbiome Modulation with Discrete Dietary Fiber Structures Directs Short-Chain Fatty Acid Production. Cell Host Microbe. 2020. Link
Randomisierte kontrollierte Humanstudie mit strukturell **unterschiedlichen Fasern auf Maisstärkebasis**. Die verschiedenen Faserstrukturen prägten die Zusammensetzung der Mikrobiota und das entstehende **Muster kurzkettiger Fettsäuren** unterschiedlich — insbesondere die Butyratmenge. Das Ausmaß der Reaktion hing zudem von der Ausgangszusammensetzung der Mikrobiota ab (individuelle Antwort). Die Autoren sprechen von *Präzisions-Mikrobiom-Modulation*: Über die Wahl der Faserstruktur lässt sich das Fermentationsergebnis gezielt beeinflussen. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.3, dass Vielfalt ein breiteres funktionelles Repertoire unterstützt. Wichtig: gesunde Erwachsene, keine FMT- oder CDI-Population.
[120] Marco ML, Sanders ME, Gänzle M, Arrieta MC, Cotter PD, De Vuyst L, Hill C, Holzapfel W, Lebeer S, Merenstein D, Reid G, Wolfe BE, Hutkins R. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics ({ISAPP. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2021. Link
Konsenspapier des ISAPP-Expertengremiums. Das Gremium definiert fermentierte Lebensmittel und Getränke als **"Lebensmittel, die durch erwünschtes mikrobielles Wachstum und enzymatische Umwandlungen von Lebensmittelbestandteilen hergestellt werden"**. Die Definition soll ausdrücklich klären, **was ein fermentiertes Lebensmittel ist und was nicht** — und grenzt damit etwa in Essig eingelegtes (nicht fermentiertes) Gemüse ab sowie fermentierte Lebensmittel, die durch Hitzebehandlung keine lebenden Kulturen mehr enthalten. Gesondert klärt das Gremium den **Unterschied zwischen fermentierten Lebensmitteln und Probiotika**: Probiotika liefern definierte Stämme mit dokumentierter Gesundheitswirkung in bekannter Dosis, fermentierte Lebensmittel nicht zwangsläufig. Auch Sicherheit, Risiken und ernährungsphysiologische Eigenschaften werden behandelt. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Begriffsaussagen in III.4.
[121] Savaiano DA, Hutkins RW. Yogurt, cultured fermented milk, and health: a systematic review. Nutr Rev. 2021. Link
Qualitative systematische Übersichtsarbeit nach PRISMA: 108 Studien aus 1057 gesichteten Abstracts, veröffentlicht zwischen 1979 und 2017. Von den 108 berichteten 76 ein günstiges Gesundheitsergebnis. Die Autoren schließen, dass **ein kausaler Zusammenhang zwischen Joghurtverzehr und Laktoseverdauung bzw. -toleranz besteht** — die lebenden Kulturen im Joghurt unterstützen den Laktoseabbau, weshalb Joghurt auch von Menschen gut vertragen wird, die Milch nicht vertragen. Zudem fanden sich konsistente Assoziationen mit mehreren weiteren Gesundheitsendpunkten. Wichtig für das Handbuch: Dieser Eintrag belegt die **Verträglichkeit von Joghurt** — er untersucht **NICHT**, ob Milchfermente schonender sind als pflanzliche Fermente (ein solcher Vergleich existiert nicht).
[128] Mamerow MM, Mettler JA, English KL, Casperson SL, Arentson-Lantz E, Sheffield-Moore M, Layman DK, Paddon-Jones D. Dietary protein distribution positively influences 24-h muscle protein synthesis in healthy adults. J Nutr. 2014. Link
Randomisierte Crossover-Studie an **gesunden Erwachsenen**: Bei identischer täglicher Gesamtproteinzufuhr wurde eine **gleichmäßige** Verteilung (etwa 30 g Protein zu Frühstück, Mittag- und Abendessen) mit dem üblichen, **abendbetonten** Muster verglichen (wenig morgens, viel abends). Die über 24 Stunden berechnete Muskelproteinsynthese war bei gleichmäßiger Verteilung **signifikant höher**. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.5, dass die Verteilung des Proteins über den Tag — insbesondere Protein zum Frühstück — günstiger ist als eine einzelne große Portion am Abend. **WICHTIGE EINSCHRÄNKUNG:** gesunde Erwachsene, Endpunkt Muskelproteinsynthese; die Studie wurde **nicht** an gastroenterologisch rekonvaleszenten Patienten durchgeführt und maß **nicht** die Regeneration der Darmschleimhaut.
[129] Kris-Etherton PM, Harris WS, Appel LJ. Fish consumption, fish oil, omega-3 fatty acids, and cardiovascular disease. Circulation. 2002. Link
Wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association zu Fischverzehr, Fischöl und Omega-3-Fettsäuren. Von hier stammt die bekannte praktische Empfehlung: **mindestens zwei Portionen (vorzugsweise fetter) Fisch pro Woche** sowie ALA aus pflanzlichen Quellen (Leinsamen, Walnüsse). **WICHTIGE EINSCHRÄNKUNG — für das Handbuch entscheidend:** Diese Stellungnahme betrifft die **kardiovaskuläre Prävention**. Sie behandelt weder die Heilung der Darmschleimhaut noch die Rekonvaleszenz nach FMT noch die Mikrobiota-Zusammensetzung. In III.5 wird sie daher **ausschließlich als Quelle für die praktische Portionsangabe** verwendet; die mukosalen und Mikrobiota-Effekte stützen sich auf ref-066, ref-093 und ref-065.
[130] Lund, B. M. Microbiological Food Safety for Vulnerable People. Int J Environ Res Public Health. 2015. Link
Übersichtsarbeit zur mikrobiologischen Lebensmittelsicherheit für **vulnerable Gruppen** — Immunsupprimierte, Transplantierte, Krebspatienten, Schwangere, ältere Menschen und Kleinkinder. Der Autor fasst zusammen, dass in diesen Gruppen Risiko und Schwere lebensmittelbedingter Infektionen (Listeria, Salmonella, Campylobacter, E. coli) **erheblich größer** sind und sich dies teilweise durch **Lebensmittelauswahl und -handhabung** verringern lässt: gut durchgegartes Fleisch, pasteurisierte Milchprodukte, Verzicht auf rohe oder unzureichend erhitzte Lebensmittel sowie Einhaltung der Kühlkette und Vermeidung von Kreuzkontamination. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.5, dass die Rohstoffhygiene bei immunsupprimierten Patienten besonders wichtig ist. **EINSCHRÄNKUNG:** Übersichtsarbeit, keine Interventionsstudie; nicht in einer FMT- oder CDI-Population durchgeführt.
[131] Duncanson KR, Talley NJ, Walker MM, Burrows TL. Food and functional dyspepsia: a systematic review. J Hum Nutr Diet. 2018. Link
Systematische Übersichtsarbeit dazu, welche Lebensmittel und Nährstoffe die Symptome der funktionellen Dyspepsie (FD) auslösen oder verstärken — frühes Sättigungsgefühl, postprandiales Völlegefühl und epigastrischer Schmerz. Von 6451 gesichteten Publikationen erfüllten 16 die Einschlusskriterien. Die Autoren berichten, dass eine **fettreiche Ernährung** mit FD-Symptomen assoziiert ist; weizenhaltige Lebensmittel traten in sechs Studien als Symptomauslöser auf. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.5, dass eine **fettarme, schonende Zubereitung** die Symptomlast senkt. **WICHTIGE EINSCHRÄNKUNG:** Die Studien wurden an **Erwachsenen mit funktioneller Dyspepsie** durchgeführt — nicht an Patienten in Rekonvaleszenz nach CDI — und maßen die Wirkung von Würzung, Panade oder Garmethode nicht gesondert. In III.5 dient sie daher als **orientierende Analogie, nicht als direkter Beleg**.
[132] Katz PO, Dunbar KB, Schnoll-Sussman FH, Greer KB, Yadlapati R, Spechler SJ. {ACG. Am J Gastroenterol. 2022. Link
Klinische Leitlinie des American College of Gastroenterology zu Diagnose und Management der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). Zu den Lebensstilempfehlungen zählt die **Vermeidung später Mahlzeiten vor dem Hinlegen** — die Leitlinie empfiehlt einen Abstand zwischen der letzten Mahlzeit und der liegenden Position — sowie Gewichtsreduktion und Hochstellen des Kopfendes bei Refluxpatienten. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.6, dass die letzte größere Mahlzeit 2-3 Stunden vor dem Zubettgehen liegen soll. **WICHTIGE EINSCHRÄNKUNG — für das Handbuch entscheidend:** Die Leitlinie betrifft **Reflux**. Sie behandelt weder die Darmregeneration noch den Tagesrhythmus der Mikrobiota noch die Rekonvaleszenz nach FMT. In III.6 wird sie daher **ausschließlich als Quelle für die zeitliche Empfehlung** verwendet.
[133] Gomes F, Schuetz P, Bounoure L, Austin P, Ballesteros-Pomar M, Cederholm T, Fletcher J, Laviano A, Norman K, Poulia KA, Ravasco P, Schneider SM, Stanga Z, Weekes CE, Bischoff SC. {ESPEN. Clin Nutr. 2018. Link
ESPEN-Leitlinie zur Ernährungsunterstützung **polymorbider internistischer Patienten** — die Population, die einem von einer langwierigen Infektion genesenden Patienten am nächsten kommt. Die Leitlinie hält fest, dass in dieser Gruppe eine **Verschlechterung des Ernährungszustands häufig und ein eigenständiger Risikofaktor** ist, weshalb die Zufuhr gescreent und überwacht werden muss und **Energie- und Proteinziele zu erreichen** sind, statt die Zufuhr einzuschränken. Ein anhaltendes Energie- und Proteindefizit verschlechtert den katabolen Zustand und den Muskelverlust, kann die Genesung beeinträchtigen und Komplikationen begünstigen. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.6, dass **fastenartige Protokolle in der Rekonvaleszenzphase nicht empfohlen sind**. Wichtig: Die Leitlinie handelt nicht von zeitlich begrenztem Essen; sie besagt, dass beim rekonvaleszenten polymorbiden Patienten die SICHERSTELLUNG der Zufuhr das Ziel ist.
[134] Bishehsari F, Magno E, Swanson G, Desai V, Voigt RM, Forsyth CB, Keshavarzian A. Alcohol and Gut-Derived Inflammation. Alcohol Res. 2017. Link
Übersichtsarbeit dazu, wie chronischer Alkoholkonsum darmbedingte Entzündung auslöst. Die Autoren beschreiben, wie Alkohol die **Zusammensetzung der Darmmikrobiota verändert (Dysbiose)** und die **Integrität der Darmbarriere beeinträchtigt**, wodurch bakterielle Produkte (Endotoxin) übertreten und eine systemische Entzündung entsteht; dieser Mechanismus verbindet Alkohol mit Leberschädigung und weiteren Organkomplikationen. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.7, dass **Alkohol der sich ansiedelnden Flora schadet**. **WICHTIGE EINSCHRÄNKUNG:** Die Arbeit betrifft den **chronischen Alkoholkonsum** und deckt nur den Alkoholteil der Aussage ab — die wassersezernierende Wirkung zuckerhaltiger Getränke und die leicht diuretische Wirkung von Koffein behandelt sie **nicht**.
[135] Volkert D, Beck AM, Cederholm T, Cruz-Jentoft A, Hooper L, Kiesswetter E, Maggio M, Raynaud-Simon A, Sieber C, Sobotka L, van Asselt D, Wirth R, Bischoff SC. {ESPEN. Clin Nutr. 2022. Link
ESPEN-Praxisleitlinie zur klinischen Ernährung und **Hydratation** bei älteren Menschen. Die Leitlinie hält fest, dass **Mangelernährung und Dehydratation bei älteren Menschen weit verbreitet** sind, und gibt evidenzbasierte Empfehlungen zu deren Prävention und Behandlung. Im Hydratationsteil betont sie, dass das **Durstempfinden im Alter nachlässt**, die Flüssigkeitszufuhr also nicht dem Durst überlassen werden kann: Empfohlen werden **geplantes, zeitlich strukturiertes Trinken**, eine regelmäßige Überwachung der Zufuhr sowie das aktive Screening auf Risikofaktoren und Zeichen der Dehydratation. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.7, dass bei älteren Patienten die geplante Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig ist. **EINSCHRÄNKUNG:** geriatrische Leitlinie; nicht für eine CDI- oder FMT-Population entwickelt.
[137] Armstrong LE, Ganio MS, Casa DJ, Lee EC, McDermott BP, Klau JF, Jimenez L, Le Bellego L, Chevillotte E, Lieberman HR. Mild dehydration affects mood in healthy young women. J Nutr. 2012. Link
Randomisierte Crossover-Studie an **25 gesunden jungen Frauen**: Eine milde Dehydratation von etwa 1,4 % Körpermasseverlust — ohne Hitzebelastung oder nennenswerte Anstrengung — **verschlechterte die Stimmung**, verstärkte Kopfschmerzbeschwerden und das Müdigkeitsempfinden und beeinträchtigte die subjektive Bewertung konzentrationsfordernder Aufgaben. Dieser Eintrag ist die Quelle für die Aussage in III.7, dass **Dehydratation das Befinden verschlechtert**. **WICHTIGE EINSCHRÄNKUNG — für das Handbuch entscheidend:** Die Studie wurde an **gesunden jungen Frauen** durchgeführt und maß **Stimmungs- und Leistungsendpunkte**. Sie behauptet **NICHT** und untersuchte nicht, dass Dehydratation die **Regeneration der Darmschleimhaut** verlangsamt oder das **Engraftment der neuen Flora** erschwert.
[138] Bubenik, G. A. Gastrointestinal melatonin: localization, function, and clinical relevance. Dig Dis Sci. 2002. Link
Ubersicht uber das eigene, extrapineale Melatonin des Gastrointestinaltrakts (GI). Die Melatoninkonzentration im GI-Gewebe ubersteigt die Blutspiegel um das 10- bis 100-fache, und der Darm enthalt mindestens 400-mal mehr Melatonin als die Zirbeldruse. Die Freisetzung des GI-Melatonins ist eher an die **Periodik der Nahrungsaufnahme** als an den Photoperiodus gebunden und wirkt lokal (endokrin/parakrin/autokrin), indem es die **Regeneration des Epithels fordert**, die Immunfunktion des Darms starkt, den Tonus der glatten Muskulatur senkt und die Schleimhaut als Antioxidans schutzt. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.8, dass Melatonin auch im GI-Trakt vorhanden ist und Schleimhaut und Motilitat moduliert. **EINSCHRANKUNG:** eine Ubersicht, die grosstenteils auf Tier- und Zelldaten beruht; sie betrifft weder CDI noch FMT und behandelt nicht die Rolle des Melatonins als Schlafhormon.
[139] He M, Ru T, Li S, Li Y, Zhou G. Shine light on sleep: Morning bright light improves nocturnal sleep and next morning alertness among college students. J Sleep Res. 2023. Link
Feldinterventionsstudie dazu, ob helles Morgenlicht den Nachtschlaf verbessert. Zwolf Studierende erhielten an den Morgen einer Arbeitswoche 1,5 h helles elektrisches Licht (1000 lx, 6500 K) gegenuber ublichem Buurolicht (300 lx, 4000 K), im Crossover-Design, gemessen mit Aktigrafie und Schlaftagebuch. Helles Morgenlicht ergab eine **hohere Schlafeffizienz** (83,8% vs. 80,4%), einen **kleineren Fragmentierungsindex**, fruheren Schlafbeginn, kurzere Einschlaflatenz und **geringere morgendliche Schlafrigkeit**. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Empfehlung in III.8, dass Morgenlicht nach dem Aufwachen den Tagesrhythmus stabilisiert und das abendliche Einschlafen erleichtert. **EINSCHRANKUNG:** sehr kleine Stichprobe (n=12) gesunder Studierender uber eine einwochige Intervention; keine klinische und keine CDI-Population.
[140] Edinger JD, Arnedt JT, Bertisch SM, Carney CE, Harrington JJ, Lichstein KL, Sateia MJ, Troxel WM, Zhou ES, Martin JL. Behavioral and psychological treatments for chronic insomnia disorder in adults: an American Academy of Sleep Medicine clinical practice guideline. J Clin Sleep Med. 2021. Link
Klinische Leitlinie der American Academy of Sleep Medicine (AASM) zu verhaltensbezogenen und psychologischen Behandlungen der chronischen Insomnie bei Erwachsenen, mit GRADE-Methodik. Die Leitlinie empfiehlt die **mehrkomponentige kognitive Verhaltenstherapie (CBT-I)** als Erstlinienbehandlung und bewertet gesondert Einzelkomponenten, darunter die **Stimuluskontrolle** (das Bett nur zum Schlafen nutzen; wenn keine Schlafrigkeit kommt, aufstehen), die **Schlafrestriktion** und Entspannungstechniken. Dieser Eintrag ist die Quelle fur den praktischen Rat in III.8, bei anhaltenden Einschlafschwierigkeiten aufzustehen und erst bei erneuter Schlafrigkeit zuruckzukehren. **EINSCHRANKUNG:** eine Leitlinie zur chronischen Insomnie; nicht CDI- oder FMT-spezifisch und nicht fur die vorubergehende Schlafstorung wahrend einer Kur entwickelt.
[141] Drake C, Roehrs T, Shambroom J, Roth T. Caffeine effects on sleep taken 0, 3, or 6 hours before going to bed. J Clin Sleep Med. 2013. Link
Randomisierte hausliche Studie dazu, wie eine feste Koffeindosis zu verschiedenen Zeiten den Schlaf stort. Die Autoren gaben 400 mg Koffein **0, 3 und 6 Stunden** vor der gewohnten Schlafenszeit gegenuber Placebo, mit selbstberichteten Schlafdaten und einem validierten tragbaren Schlafmonitor. Alle drei Zeitpunkte — sogar **6 Stunden vor dem Schlafengehen** — storten den Schlaf signifikant gegenuber Placebo; angesichts der Verringerung der Gesamtschlafzeit empfehlen die Autoren mindestens 6 koffeinfreie Stunden vor dem Zubettgehen. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Koffeinregel in III.8. **EINSCHRANKUNG:** eine einzelne feste Dosis (400 mg) bei gesunden Schlafern, teils selbstberichtet; die Regel „kein Koffein nach 14 Uhr" ist demgegenuber ein Sicherheitspuffer, nicht das direkte Ergebnis der Arbeit.
[142] Ebrahim IO, Shapiro CM, Williams AJ, Fenwick PB. Alcohol and sleep I: effects on normal sleep. Alcohol Clin Exp Res. 2013. Link
Ubersicht uber die Wirkung von Alkohol auf den Nachtschlaf auf Basis von Studien an gesunden Freiwilligen. Bei allen Dosen **verkurzt Alkohol die Einschlaflatenz** und macht die erste Schlafhalfte konsolidierter, **erhoht aber die Schlafstorung in der zweiten Nachthalfte**. Der REM-Schlafbeginn ist bei allen Dosen deutlich verzogert, und der Anteil des Gesamtnacht-REM sinkt bei mittleren und hohen Dosen; der Tiefschlaf in der ersten Nachthalfte nimmt zu. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.8, dass Alkohol — obwohl er schlafrig macht — den Nachtschlaf fragmentiert und verflacht. **EINSCHRANKUNG:** eine qualitative Ubersicht bei gesunden Freiwilligen; keine CDI- oder FMT-Population und nicht die Mikrobiota betreffend.
[143] Schmidt TS, Hayward MR, Coelho LP, Li SS, Costea PI, Voigt AY, Wirbel J, Sunagawa S, Zeller G, Bork P. Extensive transmission of microbes along the gastrointestinal tract. Elife. 2019. Link
Populations-metagenomische Studie an 470 Personen aus funf Landern, mit Vergleich der Speichel- und Stuhl-Stammpopulationen von 310 Arten. Die Autoren fanden, dass die **Ubertragung oraler Arten in den Dickdarm und ihre dortige Besiedlung auch bei Gesunden haufig und ausgedehnt** ist — kein seltenes, krankheitsanzeigendes Ereignis, wie fruher angenommen. Die grosse Mehrheit oraler Arten ist ubertragbar; die Ubertragung ist bei Darmkrebs und rheumatoider Arthritis sowie bei opportunistischen Erregern hoher. Dieser Eintrag ist die HUMANE Quelle fur die Begrundung in III.8, dass die Mundhohle ein endogenes Reservoir von Darmstammen ist und die Mundhygiene daher wahrend der Kur zahlt. **EINSCHRANKUNG:** beobachtende Stammverfolgung; sie belegt das Reservoir, nicht aber, dass tagliches Zahneputzen den CDI- oder FMT-Ausgang andert.
[144] Kitamoto S, Nagao-Kitamoto H, Hein R, Schmidt TM, Kamada N. The Intermucosal Connection between the Mouth and Gut in Commensal Pathobiont-Driven Colitis. Cell. 2020. Link
Diese Arbeit beschreibt die intermukosale Verbindung zwischen Mund und Darm im Mausmodell: Bei oraler Entzundung (Parodontitis) vermehren sich orale Pathobionten, werden verschluckt und gelangen — einschliesslich Klebsiella und parodontal gepragter Th17-Zellen — in den Darm, wo sie ein dysbiotisches Milieu besiedeln und eine Kolitis verschlimmern. Zwei unabhangige Achsen — eine mikrobielle (ektope orale Bakterien besiedeln den Darm) und eine immunologische (oral gepragte T-Zellen wandern in den Darm) — verknupfen gemeinsam die chronische Parodontalerkrankung mit der Darmentzundung. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die mechanistische Aussage in III.8, dass die Mundhohle als Reservoir dysbiotischer Organismen dient, die uber das Schlucken in den Darm gelangen. **EINSCHRANKUNG:** ein mechanistisches Mausmodell; nicht CDI oder FMT und kein Beleg fur ein humanes klinisches Ergebnis.
[145] Grasa-Ciria D, Couto S, Samatan E, Martinez-Jarreta B, Cenit MDC, Iguacel I. Disrupted Rhythms, Disrupted Microbes: A Systematic Review of Shift Work and Gut Microbiota Alterations. Nutrients. 2025. Link
Systematische Ubersicht dazu, ob Schichtarbeit — insbesondere Nachtschicht — die Darmmikrobiota verandert. Die Autoren durchsuchten drei Datenbanken bis Marz 2025; funf Studien waren geeignet (vier kleine Beobachtungsstudien und eine Mendelsche Randomisierung). Die Beobachtungsstudien berichteten bei Nachtschichtarbeitern eine **verringerte Alpha-Diversitat** und eine Zunahme **proinflammatorischer Gattungen** (Escherichia/Shigella, Blautia, Dialister), d. h. Schichtarbeit geht mit einer Dysbiose einher. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.8, dass Schichtarbeit, eine Form der zirkadianen Storung des Wirts, mit einer Storung der Mikrobiota einhergeht. **EINSCHRANKUNG:** wenige, kleine Studien; der Kompositionsunterschied beweist keine Kausalitat, und die Ubersicht betrifft keine CDI- oder FMT-Population.
[146] Oettle, G. J. Effect of moderate exercise on bowel habit. Gut. 1991. Link
Crossover-Studie an 10 gesunden Freiwilligen (6 Manner, 4 Frauen, 22-41 Jahre): in drei einwochigen Perioden liefen sie, radelten oder ruhten taglich 1 Stunde im Sitzen, mit Belastung bei zwei Dritteln der geschatzten maximalen Herzfrequenz (etwa 50% VO2max, also moderate/Zone-2-Intensitat). Die **Gesamtdarm-Transitzeit wurde durch Bewegung dramatisch beschleunigt**: 51,2 h in Ruhe, 36,6 h beim Radfahren, 34,0 h beim Laufen (beide signifikant verschieden von Ruhe, p<0,01); Stuhlgewicht, Defakationsfrequenz sowie Ballaststoff- und Flussigkeitszufuhr anderten sich nicht wesentlich. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.9, dass moderate aerobe Bewegung die Darmpassage beschleunigt. **EINSCHRANKUNG:** eine kleine, gesunde Stichprobe; keine CDI- oder FMT-Population.
[147] Sorensen L, Larsen KSR, Petersen AK. Validity of the Talk Test as a Method to Estimate Ventilatory Threshold and Guide Exercise Intensity in Cardiac Patients. J Cardiopulm Rehabil Prev. 2020. Link
Validierungsstudie an 20 Herzpatienten (im Mittel 65 Jahre), die das Verhaltnis zwischen dem Talk Test (TT) und der ventilatorischen Schwelle (VT) am Fahrradergometer untersuchte. Die TT-Stufen lagen im empfohlenen Intensitatsbereich von 40-80% (58-77%), und die Herzfrequenz an der unsicheren/negativen Stufe unterschied sich nicht wesentlich von der VT — der Talk Test ist also ein brauchbarer Intensitatswegweiser auf Gruppenebene. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.9, dass die Aufrechterhaltung eines fortlaufenden Gesprachs das komfortable (Zone-2-)Tempo anzeigt. **EINSCHRANKUNG:** eine kleine Stichprobe von Herzpatienten; die individuelle Prazision war gering (weite Ubereinstimmungsgrenzen, Korrelation 0,37-0,60), also ein grober Wegweiser, kein prazises Mass.
[148] Dick NA, Diehl JJ. Febrile illness in the athlete. Sports Health. 2014. Link
Klinische Ubersicht zum Verhaltnis von fieberhafter Erkrankung und Bewegung. Der fieberhafte Zustand verandert die Thermoregulation, erhoht die Stoffwechselrate und stort die Flussigkeitshomoostase; human- und tierexperimentelle Daten zeigen, dass der fieberbedingte Muskelkatabolismus Muskelkraft und Ausdauer verringert. Die Autoren raten daher zur Vorsicht mit Belastung wahrend der fieberhaften Phase. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.9, dass die akute, fiebrige oder dehydrierte Phase eine Kontraindikation fur Belastung ist und dann Ruhe Vorrang hat. **EINSCHRANKUNG:** eine athletenbezogene klinische Ubersicht (Evidenzstufe 4); es gibt keine starke klinische Evidenz zum Zeitpunkt der Ruckkehr, und sie wurde nicht fur eine CDI-Population entwickelt.
[149] {American College of Sports Medicine. American College of Sports Medicine position stand. Exercise and fluid replacement. Med Sci Sports Exerc. 2007. Link
Positionspapier des American College of Sports Medicine (ACSM) zum Flussigkeitsersatz rund um Bewegung. Ziel ist es, vor der Aktivitat ausreichend hydriert zu sein, wahrenddessen eine ubermassige (>2% Korpergewichtsverlust) Dehydratation und Elektrolytverschiebungen zu verhindern und danach ein Flussigkeits- und Elektrolytdefizit auszugleichen; wegen der individuellen Variabilitat der Schweissrate wird ein individualisierter Flussigkeitsersatz empfohlen. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.9, dass sowohl vor als auch nach der Bewegung Flussigkeit ersetzt werden soll. **EINSCHRANKUNG:** ein allgemeines Sport-Positionspapier, nicht CDI- oder FMT-spezifisch; die Flussigkeitsziel-Logik der Kur wird in III.7 (ref-026) ausgefuhrt.
[150] Holt-Lunstad J, Smith TB, Baker M, Harris T, Stephenson D. Loneliness and Social Isolation as Risk Factors for Mortality: A Meta-Analytic Review. Perspect Psychol Sci. 2015. Link
Meta-Analyse des Sterblichkeitsrisikos von Einsamkeit, sozialer Isolation und Alleinleben. Bei statistischer Kontrolle mehrerer Confounder betrugen die gewichteten Effektstarken: soziale Isolation OR = 1,29, Einsamkeit OR = 1,26, Alleinleben OR = 1,32 — eine um 26–32% erhohte Sterbewahrscheinlichkeit. Zwischen objektiver und subjektiver Isolation gab es keinen Unterschied; die Ergebnisse waren uber Geschlecht, Nachbeobachtung und Weltregion konsistent, mit starkerer Vorhersagekraft sozialer Defizite unter 65 Jahren. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.10, dass Einsamkeit ein unabhangiges Gesundheitsrisiko und soziale Verbundenheit ein Schutzfaktor ist. **EINSCHRANKUNG:** Meta-Analyse von Beobachtungsstudien (Assoziation, keine Kausalitat); keine CDI/FMT-Population.
[151] Holt-Lunstad J, Smith TB, Layton JB. Social relationships and mortality risk: a meta-analytic review. PLoS Med. 2010. Link
Meta-Analyse von 148 Studien (308 849 Teilnehmende) zum Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen und Uberleben. Die gewichtete durchschnittliche Effektstarke (Random-Effects) betrug OR = 1,50 (95% CI 1,42–1,59), also eine um 50% hohere Uberlebenswahrscheinlichkeit bei starkeren sozialen Beziehungen. Der Zusammenhang war uber Alter, Geschlecht, Ausgangsgesundheit, Todesursache und Nachbeobachtung konsistent und am starksten bei komplexen Massen sozialer Integration (OR = 1,91). Die Autoren schliessen, dass der Einfluss sozialer Beziehungen auf das Sterberisiko mit gut etablierten Risikofaktoren vergleichbar ist. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.10, dass soziale Verbundenheit ein unabhangiger, starker Schutzfaktor ist. **EINSCHRANKUNG:** Meta-Analyse von Beobachtungsstudien (Assoziation); keine CDI/FMT-Population.
[152] Van Bogart K, Almeida DM, Felt JM, Rush J, Cerino ES, Charles ST. Loneliness, positive social interactions, and diurnal cortisol among mid-to-later life adults in everyday life. Biol Psychol. 2026. Link
Alltagsstudie (Ecological Momentary Assessment) an Erwachsenen mittleren bis hoheren Alters zum Zusammenhang zwischen Einsamkeit und tagesrhythmischem Cortisol. Einsamkeit ist ein offentliches Gesundheitsproblem, das mit stressbedingten Erkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf) verbunden ist; die Studie fand, dass im Alltag erlebte Einsamkeit mit dem dynamischen Bereich des diurnalen Cortisols zusammenhangt und dass Alter und soziale Interaktionen diese Zusammenhange pragen. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die **vorsichtig formulierte** Aussage in III.10, dass Einsamkeit mit einer veranderten stressphysiologischen (Cortisol-)Regulation einhergeht. **EINSCHRANKUNG:** eine beobachtende Alltags-Assoziation (keine Kausalitat, keine einfache „Erhohung"); keine CDI-Population.
[153] DiMatteo MR, Lepper HS, Croghan TW. Depression is a risk factor for noncompliance with medical treatment: meta-analysis of the effects of anxiety and depression on patient adherence. Arch Intern Med. 2000. Link
Meta-Analyse des Zusammenhangs zwischen Behandlungsadharenz und Angst/Depression; in den eingeschlossenen Studien war der Patient nicht in psychiatrischer Behandlung, sondern erhielt eine von einem Nicht-Psychiater empfohlene somatische Therapie. Zwolf Depressions- und 13 Angstartikel erfullten die Einschlusskriterien. Der Zusammenhang zwischen Angst und Non-Adharenz war variabel und im Mittel nicht signifikant; der Zusammenhang zwischen **Depression und Non-Adharenz** war jedoch substanziell und signifikant: **OR = 3,03** (95% CI 1,96–4,89) — die Wahrscheinlichkeit der Non-Adharenz ist bei depressiven Patienten dreimal hoher. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.10, dass eine wahrend der Krankheit verschlechterte Psyche (insbesondere Depression) die Behandlungsadharenz beeintrachtigt. **EINSCHRANKUNG:** Meta-Analyse uber gemischte somatische Erkrankungen; nicht spezifisch CDI, und sie misst Assoziation.
[154] Tariq R, Singh S, Gupta A, Pardi DS, Khanna S. Association of Gastric Acid Suppression With Recurrent Clostridium difficile Infection: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med. 2017. Link
Systematische Ubersicht und Meta-Analyse dazu, ob eine Magensauresuppression (vor allem PPI, sowie H2-Blocker) mit dem Risiko einer **rezidivierenden** *Clostridioides-difficile*-Infektion assoziiert ist. Funf Datenbanken wurden von 1995–2015 durchsucht; eingeschlossen wurden Fall-Kontroll-, Kohorten- und klinische Studien, in denen CDI-Patienten eine Magensauresuppression erhielten oder nicht und das Rezidiv erfasst wurde. Die Magensauresuppression war mit signifikant hoheren Chancen eines CDI-Rezidivs assoziiert (gepoolte OR etwa 1,5). Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in III.11, dass eine langfristige PPI-Anwendung mit einem erhohten Risiko eines CDI-Rezidivs einhergeht. **EINSCHRANKUNG:** Meta-Analyse von Beobachtungsstudien — Assoziation, keine Kausalitat; die Autoren warnen selbst vor Restconfounding (PPI-Anwender sind oft kranker/alter), sodass ein eigenmachtiges Absetzen nicht gerechtfertigt ist, nur die klinische Uberprufung.
[155] Langdon A, Schwartz DJ, Bulow C, Sun X, Hink T, Reske KA, Dubberke ER, Dantas G. Microbiota restoration reduces antibiotic-resistant bacteria gut colonization in patients with recurrent Clostridioides difficile infection from the open-label PUNCH CD study. Genome Med. 2021. Link
Sekundaranalyse einer offenen klinischen Studie (PUNCH CD): Stuhlproben von 29 Patienten mit rezidivierender CDI wurden vor und bis zu sechs Monate nach Gabe des mikrobiotabasierten Produkts RBX2660 analysiert — mittels 16S-Sequenzierung, Whole-Metagenome-Shotgun-Sequenzierung (Resistom-Gehalt) und selektiver Kultur. Die erfolgreiche Rezidivprophylaxe korrelierte mit der taxonomischen Annaherung der Patientenmikrobiota an den Spender; RBX2660 **verringerte in den 2 Monaten nach Gabe die Haufigkeit antibiotikaresistenter Enterobacteriaceae drastisch**, und die **fakale Last an Antibiotikaresistenzgenen (Resistom) nahm in direktem Verhaltnis dazu ab, wie stark die Spendermikrobiota ansiedelte (Engraftment)**. Dieser Eintrag ist die Quelle fur die Aussage in IV.1, dass Engraftment der Spendermikrobiota und Resistom-Wiederherstellung dynamisch verknupft sind. **EINSCHRANKUNG:** offen, kleine Stichprobe (n=29), und das untersuchte Produkt ist **RBX2660** (nicht DiffBiome) — der Mechanismus betrifft die rCDI-Mikrobiotatherapie, kein produktspezifischer Beleg.
[156] Ianiro G, Puncochar M, Karcher N, Porcari S, Armanini F, Asnicar F, Segata N. Variability of strain engraftment and predictability of microbiome composition after fecal microbiota transplantation across different diseases. Nat Med. 2022. Link
Integrierte Shotgun-metagenomische Meta-Analyse von 226 Triaden (Spender, Empfaenger vor und nach FMT) uber acht verschiedene Krankheitstypen, mit verbesserter Stammprofilierung. Das Kernergebnis: **Empfaenger mit hoeherem Spenderstamm-Engraftment erreichten mit hoeherer Wahrscheinlichkeit einen klinischen Erfolg** nach FMT (P=0,017). Das Engraftment haengt vom Spender, vom Applikationsweg (mehrere Wege — z. B. Kapsel plus Koloskopie zugleich — ergeben hoeheres Engraftment) und vom Empfaenger ab (hoeher bei antibiotisch behandelten Patienten mit Infektionskrankheiten als bei antibiotika-naiven Patienten mit nicht uebertragbaren Erkrankungen); Bacteroidetes- und Actinobacteria-Arten siedeln besser an. Dieser Eintrag ist die Quelle fuer die Aussage in IV.3, dass aufgrund der spenderabhaengigen Engraftment-Variabilitaet ein alternatives Spender-Lot (LOT-Wechsel) das Ergebnis verbessern kann. **EINSCHRAENKUNG:** eine beobachtende Meta-Analyse uber acht Krankheitstypen (nicht nur CDI), die Assoziation misst; einen Produkt-LOT-Wechsel als solchen hat sie nicht untersucht.
[157] Sheitoyan-Pesant C, Abou Chakra CN, Pepin J, Marcil-Heguy A, Nault V, Valiquette L. Clinical and Healthcare Burden of Multiple Recurrences of Clostridium difficile Infection. Clin Infect Dis. 2016. Link
Retrospektive Kohorte von Erwachsenen mit CDI-Diagnose an einem Krankenhaus in Sherbrooke, Kanada (1998–2013), zur Bewertung der Last mehrfacher Rezidive. 1527 Patienten. Die **Wahrscheinlichkeit eines ersten Rezidivs betrug 25%** (354/1418), eines **zweiten 38%** (128/334), eines dritten 29% (35/121) und eines vierten oder weiteren 27% (9/33); zwei oder mehr Rezidive traten bei 9% der Patienten auf. Schwere und Komplikationsrisiko der Rezidive nahmen mit aufeinanderfolgenden Episoden ab. Dieser Eintrag ist die Quelle fuer die Aussage in IV.4, dass das CDI-Rezidivrisiko erheblich ist und mit jedem weiteren Rezidiv steigt. **EINSCHRAENKUNG:** eine monozentrische retrospektive Kohorte; die episodenbezogenen bedingten Wahrscheinlichkeiten (25%, 38%) sind niedriger als die haeufig zitierte kumulative Leitlinien-Schaetzung von ">60%" — weshalb das Handbuch die konkreten Kohortenzahlen verwendet.
[158] Cruz-Jentoft AlfonsoJ, Bahat Gülistan, Bauer Jürgen, Boirie Yves, Bruyère Olivier, Cederholm Tommy, Cooper Cyrus, Landi Francesco, Rolland Yves, Sayer AvanAihie, Schneider StéphaneM, Sieber CornelC, Topinková Eva, Vandewoude Maurits, Visser Marjolein, Zamboni Mauro. Sarcopenia: revised {European. Age and Ageing. 2019. Link
2010 veröffentlichte die European Working Group on Sarcopenia in Older People (EWGSOP) eine Definition der Sarkopenie; 2018 trat die Gruppe erneut zusammen (EWGSOP2), um sie angesichts eines Jahrzehnts neuer Evidenz zu aktualisieren, und dieses Papier stellt den überarbeiteten Konsens vor. EWGSOP2 versteht Sarkopenie neu als fortschreitende Muskelerkrankung (Muskelversagen) und stellt nun die niedrige Muskelkraft in den Mittelpunkt der Diagnose; niedrige Muskelmenge oder -qualität bestätigen die Diagnose, schlechte körperliche Leistungsfähigkeit zeigt eine schwere Sarkopenie an. Das Papier liefert einen aktualisierten Algorithmus zur Fallfindung, Diagnose und Schweregradbestimmung samt klaren Grenzwerten für die gemessenen Variablen. Die Autoren fordern Kliniker auf, Sarkopenie früh zu erkennen und zu behandeln, um nachteilige, für Patienten und Gesundheitssysteme belastende Folgen zu verhindern.
[159] Volkert D, Beck AM, Cederholm T, Cruz-Jentoft A, Goisser S, Hooper L, Kiesswetter E, Maggio M, Raynaud-Simon A, Sieber CC, Sobotka L, van Asselt D, Wirth R, Bischoff SC. {ESPEN. Clinical Nutrition. 2019. Link
Mangelernährung und Dehydratation sind bei älteren Menschen weit verbreitet, während Adipositas ein wachsendes Problem darstellt. Diese ESPEN-Leitlinie gibt evidenzbasierte Empfehlungen zur klinischen Ernährung und Flüssigkeitszufuhr bei älteren Menschen, um Mangelernährung und Dehydratation vorzubeugen und zu behandeln. Sie behandelt außerdem, ob und wann gewichtsreduzierende Maßnahmen bei übergewichtigen oder adipösen älteren Menschen angebracht sind. Die praktische Botschaft lautet, den Ernährungs- und Flüssigkeitsstatus routinemäßig zu erfassen und individualisierte Maßnahmen zum Erhalt von Funktion, Mobilität und Lebensqualität einzusetzen.
[160] Hocquart M, Lagier JC, Cassir N, Saidani N, Eldin C, Kerbaj J, Delord M, Valles C, Brouqui P, Raoult D, Million M. Early Fecal Microbiota Transplantation Improves Survival in Severe Clostridium difficile Infections. Clin Infect Dis. 2018. Link
Retrospektive Kohortenstudie (Marseille, Nord-Universitatsklinikum, 2013–2016) dazu, ob eine **fruhe FMT** das Uberleben hospitalisierter CDI-Patienten verbessert, insbesondere bei schwerer Infektion. 111 Patienten: 66 FMT, 45 Nicht-FMT. Primarer Endpunkt war die **3-Monats-Mortalitat**. Unabhangige Pradiktoren: O27-Ribotyp (OR 3,64), schwere CDI (OR 9,62) und FMT (OR 0,13 — protektiv). Die FMT senkte die Mortalitat **in schweren Fallen** (OR 0,08; NNT = 2, um in 3 Monaten ein Leben zu retten), **nicht** in nicht-schweren Fallen (OR 1,07). Die Autoren folgern, dass eine fruhe FMT als Erstlinientherapie bei schwerer CDI erwogen werden sollte. **EINSCHRANKUNG:** monozentrische retrospektive Kohorte; keine chirurgischen Patienten; der Effekt zeigte sich nur in der schweren Untergruppe — daher eine Krankenhaus- und keine hausliche Entscheidung, was das Handbuch betont.
[161] Dimidi E, Cox SR, Rossi M, Whelan K. Fermented Foods: Definitions and Characteristics, Impact on the Gut Microbiota and Effects on Gastrointestinal Health and Disease. Nutrients. 2019. Link
Übersichtsarbeit, die fermentierte Lebensmittel als Produkte kontrollierten mikrobiellen Wachstums und enzymatischer Substratumwandlung definiert, gängige Vertreter charakterisiert (Kefir, Kombucha, Sauerkraut, Tempeh, Natto, Miso, Kimchi, Sauerteigbrot) und deren postulierte Mechanismen — einschließlich Effekten auf die Mikrobiota — darstellt. Die Übersicht fasst die Evidenz zur Wirkung fermentierter Lebensmittel auf die gastrointestinale Gesundheit und Erkrankungen des Menschen zusammen und unterstützt ihre selektive Einbindung in gesundheitsfördernde Ernährungsmuster.
[238] Chassaing B, Compher C, Bonhomme B et al. Randomized Controlled-Feeding Study of Dietary Emulsifier Carboxymethylcellulose Reveals Detrimental Impacts on the Gut Microbiota and Metabolome. Gastroenterology. 2022. Link
Kontrollierte Ernährungsstudie (RCT) mit 16 Probanden an gesunden Freiwilligen. Eine Kost mit dem Emulgator Carboxymethylcellulose (CMC, E466) veränderte innerhalb von 11 Tagen die Zusammensetzung der Darmmikrobiota, verringerte die mikrobielle Diversität und die Spiegel von Fermentationsmetaboliten; bei zwei Teilnehmern zeigten sich Zeichen eines bakteriellen Vordringens in die Mukusschicht. Erster humaner Beleg dafür, dass CMC bei zugelassenen täglichen Expositionsmengen nachteilige mikrobiologische Effekte hat.
[445] Cryan JF, O'Riordan KJ, Cowan CSM et al. The Microbiota-Gut-Brain Axis. Physiol Rev. 2019. Link
Eine umfassende Übersichtsarbeit (Cryan et al., Physiol Rev 2019) zur Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse. Sie beschreibt detailliert die Kommunikationswege zwischen Darmmikrobiota und Gehirn, darunter das Immunsystem, den Tryptophanstoffwechsel, den Nervus vagus und das enterische Nervensystem sowie mikrobielle Metabolite (kurzkettige Fettsäuren, verzweigtkettige Aminosäuren, Peptidoglykane). Der Artikel überblickt tierexperimentelle und humane Evidenz zur physiologischen und verhaltensbezogenen/neurologischen Bedeutung dieser Achse.
[447] Peery AF, Kelly CR, Kao D et al. AGA Clinical Practice Guideline on Fecal Microbiota-Based Therapies for Select Gastrointestinal Diseases. Gastroenterology. 2024. Link
Klinische Praxisleitlinie der AGA, die anhand des GRADE-Rahmens stuhlmikrobiota-basierte Therapien (konventionelle FMT, fecal microbiota live-jslm, fecal microbiota spores live-brpk) bei Erwachsenen mit rezidivierender oder schwerer bis fulminanter Clostridioides difficile-Infektion, IBD/Pouchitis und IBS behandelt. Das Gremium formulierte 7 Empfehlungen. Bei immunkompetenten Erwachsenen mit rezidivierender CDI empfiehlt die AGA den selektiven Einsatz stuhlmikrobiota-basierter Therapien nach leitliniengerechter antibiotischer Behandlung zur Verhinderung weiterer Rezidive. Die Leitlinie bietet einen Rahmen, der FDA-zugelassene Präparate mit der konventionellen FMT integriert.
[454] Gogokhia L, Tran N, Grier A, Nagayama M, Xiang G, Funez-dePagnier G, Lavergne A, Ericsson C, Ben Maamar S, Zhang M, Battat R, Scherl E, Lukin DJ, Longman RS. Donor composition and fiber promote strain engraftment in a randomized controlled trial of fecal microbiota transplant for ulcerative colitis. Med. 2025. Link
Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte MINDFUL-Studie teilte 27 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa über 8 Wochen einer einzelnen FMT oder Placebo zu, mit oder ohne Psyllium-Ballaststoffsupplementierung. FMT induzierte gegenüber Placebo klinisches Ansprechen, Remission und endoskopische Verbesserung (p < 0,05). Die Ballaststoffsupplementierung verbesserte die klinischen Endpunkte nicht, doch die metagenomische Analyse auf Stammebene zeigte, dass die Zusammensetzung der Spendergemeinschaft zusammen mit der Ballaststoffaufnahme des Empfängers die Ansiedlung der Spenderstämme prägt. Dies gehört zu den ersten randomisierten Humandaten dafür, dass diätetische Faktoren des Exposoms nach dem Eingriff das FMT-Engraftment direkt beeinflussen, wobei ein verbessertes Engraftment nicht automatisch zu besseren klinischen Ergebnissen führt. ClinicalTrials.gov: NCT03998488.
[483] Baxter NT, Schmidt AW, Venkataraman A, Kim KS, Martens EC, Schloss PD. Dynamics of Human Gut Microbiota and Short-Chain Fatty Acids in Response to Dietary Interventions with Three Fermentable Fibers. mBio. 2019. Link
Zweiwöchige Ernährungsintervention bei 174 gesunden jungen Erwachsenen mit Supplementierung von resistenter Stärke aus Kartoffeln (RPS), resistenter Stärke aus Mais (RMS), Inulin oder zugänglicher Maisstärke als Kontrolle. RPS führte zum stärksten Anstieg der Gesamt-SCFA einschließlich Butyrat. Die meisten Mikrobiome reagierten auf RPS mit einer Zunahme von Bifidobakterien, doch Responder mit ansteigendem Ruminococcus bromii oder Clostridium chartatabidum wiesen die höchsten Butyratkonzentrationen auf. Die Studie zeigt substrat- und taxonspezifische Wege zur Butyratanreicherung und liefert Grundlagen für personalisierte Präbiotika-Strategien.
[487] Khoruts A, Sadowsky MJ. Understanding the mechanisms of faecal microbiota transplantation. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2016. Link
Mechanistische Übersichtsarbeit zur FMT bei rezidivierender C. difficile-Infektion, die die postulierten Wirkmechanismen zusammenfasst: direkte Konkurrenz zwischen C. difficile und den durch FMT eingebrachten Kommensalen, Wiederherstellung des sekundären Gallensäurestoffwechsels (der die Keimung von C. difficile hemmt) und Reparatur der Darmbarriere über die Stimulation des mukosalen Immunsystems. Die Übersicht konsolidiert die mechanistische Grundlage der FMT bei CDI und hebt translationale Implikationen für gezielt konstruierte mikrobielle Therapeutika hervor, die auf diese Signalwege abzielen.
[525] Dueñas M, Muñoz-González I, Cueva C et al. A survey of modulation of gut microbiota by dietary polyphenols. Biomed Res Int. 2015. Link
Übersichtsarbeit zur Modulation der Darmmikrobiota durch Polyphenole, gegliedert nach Studiendesign: Batch-Kulturen, gastrointestinale Simulatoren, Tiermodelle und humane Interventionsstudien. Die Evidenz konvergiert auf konsistente, polyphenolgetriebene Verschiebungen hin zu nützlichen Taxa (Bifidobacterium, Lactobacillus) sowie auf die mikrobiota-abhängige Bildung bioaktiver Polyphenol-Metabolite. Die Arbeit bietet eine strukturierte Synthese des Feldes Polyphenole-Mikrobiota zur Unterstützung translationaler Forschung und diätetischer Empfehlungen.
[610] Jernberg C, Löfmark S, Edlund C, Jansson JK. Long-term ecological impacts of antibiotic administration on the human intestinal microbiota. ISME J. 2007. Link
Diese zweijährige Längsschnittstudie verfolgte die Stuhlmikrobiota von vier gesunden Personen unter 7-tägiger Clindamycin-Therapie und von vier Kontrollpersonen an neun Zeitpunkten. Die polyphasische Analyse zeigte hochsignifikante Störungen, die über den gesamten Nachbeobachtungszeitraum persistierten. Die klonale Diversität der Bacteroides-Isolate nahm im rep-PCR deutlich ab, wobei hochresistente Klone langfristig persistierten. Die Bacteroides-Gemeinschaft kehrte im T-RFLP-Fingerprinting nie zu ihrer ursprünglichen Zusammensetzung zurück. Die Befunde dokumentieren mehrjährige ökologische Folgen eines einzigen kurzen Clindamycin-Zyklus.
[667] Sanidad KZ, Xiao H, Zhang G, et al. Triclosan has a robust, yet reversible impact on human gut microbial composition in vitro. . 2020. Link
In einem In-vitro-Modell des menschlichen Darmmikrobioms veränderte Triclosan die mikrobielle Gemeinschaft deutlich: Es verringerte Populationsgröße, Diversität und Metabolitproduktion und unterdrückte selektiv bestimmte kommensale Taxa. Der Effekt war nach einer zweiwöchigen Erholungsphase weitgehend reversibel. Die Studie liefert direkte mechanistische Evidenz für die mikrobiota-störende Wirkung von Triclosan; das Potenzial von Triclosan zur Selektion von Antibiotikaresistenzen wird durch separate Expositionsstudien (Maus und Umwelt) gestützt.
[735] Cammarota G, Ianiro G, Kelly CR et al. International consensus conference on stool banking for faecal microbiota transplantation in clinical practice. Gut. 2019. Link
Dieser internationale Konsens von FMT-Experten aus Europa, Nordamerika und Australien formuliert Aussagen zum Stuhlbanking für FMT und deckt allgemeine Prinzipien, Organisation, Spenderauswahl und -screening, Stuhlgewinnung/-aufbereitung/-lagerung, Dienstleistungen und Kunden, Register, Endpunktmonitoring, Ethik sowie die sich wandelnde klinische Rolle der FMT ab. Der Konsens wurde über Delphi-Runden und eine Plenardiskussion erzielt, wobei die Aussagen durch die beste verfügbare Evidenz gestützt sind. Das Dokument leitet die weltweite Entwicklung von Stuhlbanken an, um einen sicheren und gerechten FMT-Zugang bei rezidivierender C. difficile-Infektion zu fördern.
[777] Mullish BH, Merrick B, Quraishi MN et al. The use of faecal microbiota transplant as treatment for recurrent or refractory Clostridioides difficile infection and other potential indications: second edition of joint British Society of Gastroenterology (BSG) and Healthcare Infection Society (HIS) guidelines. Gut. 2024. Link
Eine kurze Zusammenfassung der zitierten Publikation wird derzeit erstellt.
[832] Reygner J, Charrueau C, Delannoy J, Mayeur C, Robert V, Cuinat C, Meylheuc T, Mauras A, Augustin J, Nicolis I, Modoux M, Joly F, Waligora-Dupriet A, Thomas M, Kapel N. Freeze-dried fecal samples are biologically active after long-lasting storage and suited to fecal microbiota transplantation in a preclinical murine model of. Gut microbes. 2020. Link
Lyophilisierte FMT-Inokula können 12 Monate mit stabiler Lebensfähigkeit gelagert werden; eine orale Hartkapselformulierung ist mit 0,5 % Gleitmittel-Hilfsstoff möglich — Lyophilisierte und gefrorene FMT-Proben behalten nach 12-monatiger Lagerung ihre Lebensfähigkeit, ihre SCFA-Konzentrationen und ihre Aktivität gegen C. difficile. Das lyophilisierte Pulver kann in orale Hartkapseln abgefüllt werden; im murinen Modell 70 % Überlebensrate (vs. 53–60 % gefroren, 20 % unbehandelt). Stützt die Durchführbarkeit einer oralen Kapselformulierung.
[833] Zain N, Merrick B, Martin-Lilley T, Edwards L, Ter Linden D, Tsoka S, Mason A, Hatton G, Allen E, Royall P, Lilley A, Bruce K, Shawcross D, Goldenberg S, Forbes B. Bacterial diversity, viability and stability in lyophilised faecal microbiota capsules support ongoing clinical use. International journal of pharmaceutics. 2025. Link
Bakterielle Diversität und Lebensfähigkeit lyophilisierter, magensaftresistent überzogener FMT-Kapseln sind bei −80 °C 36 Wochen, bei −20 °C und 2–8 °C 24 Wochen stabil – dies stützt eine kühlkettenflexible klinische Anwendung — Nach dem GMP-Protokoll des King's College London hergestellte lyophilisierte FMT-Kapseln (5 Spender, 16S rRNA-Sequenzierung + Live-Dead-Trennung): Die Artendiversität blieb nach Herstellung und 36-wöchiger Lagerung bei −80 °C stabil. Bei −20 °C und 2–8 °C über 24 Wochen kein signifikanter Verlust der Lebensfähigkeit. Anaerobier überleben die aerobe Verarbeitung mit minimalen Verlusten. Bestätigt die klinische Anwendbarkeit der lyophilisierten Kapselform mit einer Wirksamkeit, die mit anderen Formulierungen vergleichbar ist.
Anmerkung: Die obigen Einträge bilden die externe, zitierfähige Evidenzbasis des Buches. Die internen Quelldokumente der MicroBiome Bank (DiffBiome / HospBiome Service Datasheet, SIS Clinical Guide, Clinical protocol guide v7.1, Kapseldichte-Protokoll, DSQ-Karten, C. diff clearance strategy 2026) liefern die produkt- und protokollspezifischen Fakten; diese sind keine öffentlichen Literatureinträge, sondern eigene, referenzierte Dokumente des Anbieters.

