V. Anhänge

V. 2. Literaturverzeichnis

Diese Liste versammelt die externe Evidenzbasis des Buches: die peer-reviewte, zitierfähige Literatur hinter den klinischen Aussagen. Der Haupttext des Buches ist in patientenfreundlicher Sprache verfasst und ersetzt diese Quellen nicht – hier findet die interessierte Leserin und der interessierte Leser (sowie die behandelnde Ärztin und der behandelnde Arzt) das Fundament.

Literatur

[1] Sender R, Fuchs S, Milo R. Are We Really Vastly Outnumbered? Revisiting the Ratio of Bacterial to Host Cells in Humans. Cell. 2016. Link

Sender, Fuchs und Milo berechneten das vielfach zitierte Verhältnis von 10:1 zwischen Bakterien- und menschlichen Zellen neu. Anhand aktualisierter Daten für einen 70 kg schweren Referenzmenschen schätzten sie etwa 3,8×10^13 Bakterien gegenüber etwa 3,0×10^13 menschlichen Zellen – ein Verhältnis nahe 1:1 statt 10:1, das sich durch eine einzige Defäkation zugunsten der menschlichen Zellen verschieben kann. Die Arbeit korrigierte einen jahrzehntealten Mythos der Mikrobiomforschung.

[2] Qin J, Li R, Raes J et al. A human gut microbial gene catalogue established by metagenomic sequencing. Nature. 2010. Link

Die Illumina-basierte metagenomische Sequenzierung von Stuhlproben von 124 europäischen Personen (576,7 Gb Sequenz) ergab einen Katalog von 3,3 Millionen nicht-redundanten mikrobiellen Genen, etwa 150-mal umfangreicher als das menschliche Genrepertoire. Die Gene waren zwischen den Personen weitgehend gemeinsam, über 99\% waren bakteriellen Ursprungs. Die Kohorte beherbergte geschätzt 1.000–1.150 prävalente Bakterienarten, wobei jede Person mindestens 160 Arten trug. Die Studie definiert ein minimales Darmmetagenom und ein minimales Darmbakteriengenom auf Basis jener Funktionen, die in allen Personen und in den meisten Bakterien vorhanden sind. Die Ergebnisse begründen eine grundlegende Referenz für das genetische Potenzial der menschlichen Darmmikrobiota.

[3] Turnbaugh PJ, Ley RE, Hamady M, Fraser-Liggett CM, Knight R, Gordon JI. The Human Microbiome Project. Nature. 2007. Link

Strategischer Rahmen, der den Ansatz des Human Microbiome Project zur Charakterisierung der mikrobiellen Komponenten der menschlichen genetischen und metabolischen Landschaft darlegt. Ziel der Initiative ist es zu klären, wie die Mikrobiota zur normalen Physiologie und zur Krankheitsdisposition beiträgt. Das Dokument dient als grundlegende programmatische Erklärung für die großangelegte, populationsweite Mikrobiomforschung.

[4] Lynch SV, Pedersen O. The Human Intestinal Microbiome in Health and Disease. N Engl J Med. 2016. Link

Lynch und Pedersen liefern eine umfassende Übersichtsarbeit im New England Journal of Medicine zum menschlichen Darmmikrobiom in Gesundheit und Krankheit. Sie fassen Zusammensetzung und Stabilität der adulten Mikrobiota, die wichtigsten bakteriellen Phyla (Firmicutes, Bacteroidetes, Actinobacteria, Proteobacteria) sowie den Einfluss von Wirtsgenetik, Ernährung, Antibiotika und Geburtsmodus auf die Gemeinschaftsstruktur zusammen. Mechanistische Abschnitte behandeln die Bildung kurzkettiger Fettsäuren, den Gallensäurestoffwechsel, die Immunprägung und die Aufrechterhaltung der Barrierefunktion. Krankheitsassoziationen werden für IBD, Adipositas, Typ-2-Diabetes, Atherosklerose, Allergie und Clostridioides difficile-Infektion dargestellt. Der Artikel positioniert das Mikrobiom als über Ernährung, Präbiotika, Probiotika und fäkale Mikrobiota-Transplantation zugängliches therapeutisches Ziel.

[5] Thaiss CA, Zmora N, Levy M, Elinav E. The microbiome and innate immunity. Nature. 2016. Link

Mechanistische Übersichtsarbeit dazu, wie das Darmmikrobiom Umwelteinflüsse (Ernährung) mit genetischen und immunologischen Signalen integriert und damit Stoffwechsel, Immunität und Infektionsantwort des Wirts beeinflusst. Hämatopoetische und nicht-hämatopoetische angeborene Immunzellen an der Grenzfläche zwischen Wirt und Mikrobiom erkennen Mikroorganismen und deren Metabolite und übersetzen diese Signale in physiologische Antworten sowie in die Regulation der mikrobiellen Ökologie. Eine Störung dieser Kommunikation zwischen angeborener Immunität und Mikrobiota wird mit der Pathogenese komplexer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die Übersicht stellt das Mikrobiom als zentralen Signalknotenpunkt dar, der Wirtsabwehr und Homöostase koordiniert.

[6] Lozupone CA, Stombaugh JI, Gordon JI, Jansson JK, Knight R. Diversity, stability and resilience of the human gut microbiota. Nature. 2012. Link

Konzeptionelle Übersichtsarbeit, die den menschlichen Darm als komplexe ökologische Gemeinschaft beschreibt, deren kollektive Stoffwechselaktivitäten und Wirtsinteraktionen Physiologie und Krankheitsanfälligkeit beeinflussen. Die Darmmikrobiota ist hochdivers, unterscheidet sich zwischen Individuen und schwankt über die Zeit, insbesondere während Erkrankungen und in der frühen Entwicklung. Die Autoren argumentieren, dass ein ökologischer Rahmen – der Diversität, Stabilität und Resilienz adressiert – für die Entwicklung wirksamer mikrobiota-gerichteter Therapien erforderlich ist. Die Arbeit liefert eine theoretische Grundlage für klinische Strategien der Mikrobiommodulation.

[7] van Nood E, Vrieze A, Nieuwdorp M et al. Duodenal infusion of donor feces for recurrent Clostridium difficile. N Engl J Med. 2013. Link

Offener RCT bei Patienten mit rezidivierender C. difficile-Infektion, der die duodenale Infusion von Spenderstuhl (nach kurzer Vancomycin-Gabe und Darmlavage) mit einer standardmäßigen 14-tägigen Vancomycin-Therapie mit oder ohne Darmlavage verglich. Primärer Endpunkt war das Sistieren der Diarrhö ohne Rezidiv nach 10 Wochen. Die Studie wurde bei der Interimsanalyse vorzeitig beendet: 13/16 Patienten (81\%) im FMT-Arm erreichten nach einer einzigen Infusion ein Sistieren der Beschwerden und übertrafen damit beide Vancomycin-Arme deutlich. Die Arbeit belegt die Überlegenheit der FMT gegenüber der antibiotischen Monotherapie bei rezidivierender CDI und liefert die wegweisende Evidenzgrundlage für die klinische Übertragung der FMT.

[8] Ianiro G, Punčochář M, Karcher N et al. Variability of strain engraftment and predictability of microbiome composition after fecal microbiota transplantation across different diseases. Nat Med. 2022. Link

Integrierte Meta-Analyse von Shotgun-Metagenomik-Daten aus 226 Spender-Empfänger-Triaden über acht Krankheitstypen hinweg zur Dynamik des mikrobiellen Engraftments nach FMT. Ein höheres Engraftment von Spenderstämmen war signifikant mit klinischem Erfolg assoziiert (P=0,017). Das Engraftment war bei Applikation über mehrere Wege (Kapsel plus Koloskopie) sowie bei antibiotisch behandelten Empfängern mit Infektionskrankheit höher als bei antibiotika-naiven Patienten mit nicht übertragbaren Erkrankungen. Bacteroidetes und Actinobacteria (einschließlich Bifidobakterien) zeigten ein höheres Engraftment als die meisten Firmicutes. Ein datensatzübergreifendes Machine-Learning-Modell sagte das Vorhandensein von Arten nach FMT mit einer AUROC von 0,77 vorher.

[9] Peery AF, Kelly CR, Kao D et al. AGA Clinical Practice Guideline on Fecal Microbiota-Based Therapies for Select Gastrointestinal Diseases. Gastroenterology. 2024. Link

Klinische Praxisleitlinie der AGA, die anhand des GRADE-Rahmens stuhlmikrobiota-basierte Therapien (konventionelle FMT, fecal microbiota live-jslm, fecal microbiota spores live-brpk) bei Erwachsenen mit rezidivierender oder schwerer bis fulminanter Clostridioides difficile-Infektion, IBD/Pouchitis und IBS behandelt. Das Gremium formulierte 7 Empfehlungen. Bei immunkompetenten Erwachsenen mit rezidivierender CDI empfiehlt die AGA den selektiven Einsatz stuhlmikrobiota-basierter Therapien nach leitliniengerechter antibiotischer Behandlung zur Verhinderung weiterer Rezidive. Die Leitlinie bietet einen Rahmen, der FDA-zugelassene Präparate mit der konventionellen FMT integriert.

[10] Wild, C. P. Complementing the Genome with an 'Exposome': The Outstanding Challenge of Environmental Exposure Measurement in Molecular Epidemiology. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2005. Link

Wilds wegweisender Kommentar von 2005 in Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention führt das Konzept des 'Exposoms' als Ergänzung zur genomischen Messung in der molekularen Epidemiologie ein. Er argumentiert, dass lebenslange Umweltexpositionen einschließlich Ernährung, Lebensstil, Infektionen, Schadstoffen und endogenen Prozessen für das Krankheitsrisiko ebenso bedeutsam sind wie das Genom, jedoch systematisch unzureichend erfasst werden. Der Artikel fordert Technologien und Studiendesigns, die Expositionen über den gesamten Lebensverlauf mit einer Sensitivität vergleichbar der Hochdurchsatz-Genomik erfassen können. Wild unterscheidet interne, spezifisch-externe und allgemein-externe Exposom-Domänen. Das Konzept hat seither große Kohortenstudien und die biomarkerbasierte Expositionsbewertung geprägt, einschließlich mikrobiombezogener Arbeiten.

[11] Rappaport SM, Smith MT. Epidemiology. Environment and Disease Risks. Science. 2010. Link

Konzeptionelle Stellungnahme mit der These, dass ein neues epidemiologisches Paradigma erforderlich ist, um zu beurteilen, wie die lebenslange kumulative Exposition gegenüber Umweltfaktoren das Risiko chronischer Erkrankungen beeinflusst. Sie fordert eine systematische Analyse auf Exposom-Ebene, die über Studiendesigns mit Einzelexpositionen hinausgeht.

[12] Zmora N, Zilberman-Schapira G, Suez J et al. Personalized Gut Mucosal Colonization Resistance to Empiric Probiotics Is Associated with Unique Host and Microbiome Features. Cell. 2018. Link

Sequenzielle invasive Multi-Omics-Profilierung des schleimhautassoziierten gastrointestinalen Mikrobioms bei Mäusen und Menschen während der Einnahme eines Probiotikums mit 11 Stämmen gegenüber Placebo zeigte, dass die Probiotika die Magen-Darm-Passage lebensfähig überstanden, in kolonisierten Wirten jedoch auf eine ausgeprägte mukosale Kolonisationsresistenz trafen. Beim Menschen fanden sich personen-, regionen- und stammspezifische Muster der mukosalen Kolonisation, die anhand von Ausgangsmerkmalen des Wirts und des Mikrobioms vorhersagbar waren, während der Nachweis von Probiotika im Stuhl nicht informativ war. Das Stuhlmikrobiom korrelierte nur teilweise mit dem Schleimhautmikrobiom. Die Ergebnisse stellen den empirischen Einsatz von Probiotika bei Gesunden infrage.

[13] Sonnenburg JL, Gardner E. Microbiome tests: Ignore the hype. Science. 2016. Link

Der Science-Kommentar von Sonnenburg und Gardner warnt vor dem Marketing-Hype um Mikrobiomtests für Endverbraucher im Jahr 2016. Sie argumentieren, dass die Forschung zur Darmmikrobiota zwar rasch voranschreitet, die kommerzielle 16S-rRNA-Profilierung jedoch noch keine klinisch handlungsrelevanten personalisierten Empfehlungen liefern kann, weil „gesunde“ Referenzmikrobiome nicht definiert sind, Längsschnittdaten spärlich bleiben und kausale Zusammenhänge zwischen Taxa und Endpunkten weitgehend unbelegt sind. Die Autoren betonen die interindividuelle Variabilität, methodische Unterschiede zwischen Plattformen und die Kluft zwischen Assoziations- und Interventionsevidenz. Sie empfehlen Ärztinnen und Ärzten, solche Befunde mit Skepsis zu behandeln, und fordern regulatorische Aufsicht, standardisierte Methodik und Längsschnitt-Kohortenstudien, bevor personalisierte Mikrobiomdiagnostik in die Routineversorgung gelangt.

[14] Whelan K, Bancil AS, Lindsay JO, Chassaing B. Ultra-processed foods and food additives in gut health and disease. Nature Reviews Gastroenterology \& Hepatology. 2024. Link

Kritische Übersichtsarbeit dazu, wie hochverarbeitete Lebensmittel (UPF) und die darin enthaltenen Zusatzstoffe die Darmgesundheit beeinflussen. Der Zusammenhang zwischen UPF-reicher Ernährung und Darmerkrankungen — chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Kolorektalkarzinom, Reizdarmsyndrom — beruht überwiegend auf beobachtender Epidemiologie, während die Wirkung einzelner Zusatzstoffe (Emulgatoren, Süßstoffe, Farbstoffe, Mikro- und Nanopartikel) vor allem aus In-vitro- und Tierstudien stammt, die Effekte auf Mikrobiom, Darmpermeabilität und Entzündung zeigen. Die Autoren betonen, dass Interventionsstudien am Menschen selten sind: Die Richtung des Zusammenhangs ist gut belegt, das Ausmaß des Effekts bleibt unsicher.

[15] Jovel J, Patterson J, Wang W et al. Characterization of the human gut microbiome using 16S or WGS: a comparative study on the outcome of different analysis pipelines. Front Microbiol. 2016. Link

Jovel und Kollegen vergleichen die Sequenzierung des 16S-rRNA-Gens mit der Whole-Genome-Shotgun-Metagenomik (WGS) an denselben menschlichen Darmproben, um den Einfluss der Analysepipeline zu beurteilen. Sie zeigen, dass taxonomische Auflösung, beobachtete Diversität und die Reproduzierbarkeit von Befunden zur differenziellen Abundanz stark von der Wahl der variablen Region, der Referenzdatenbank, des OTU/ASV-Clusteringverfahrens und der bioinformatischen Pipeline abhängen. WGS lieferte mehr Informationen auf Artebene und zur Funktion als 16S, jedoch zu höheren Kosten. Die Autoren vergleichen QIIME, mothur, MG-RAST und assemblybasierte Pipelines und zeigen erhebliche Abweichungen zwischen ihnen. Sie empfehlen eine transparente Berichterstattung über jeden Analyseschritt und warnen davor, Mikrobiomergebnisse aus einer einzigen Pipeline überzuinterpretieren.

[16] Sinha R, Abu-Ali G, Vogtmann E et al. Assessment of Variation in Microbial Community Amplicon Sequencing by the Microbiome Quality Control (MBQC) Project Consortium. Nature Biotechnology. 2017. Link

Die Basisstudie des Microbiome Quality Control (MBQC) untersuchte die Variabilität der taxonomischen Profilierung über 15 Laboratorien und 9 bioinformatische Protokolle hinweg anhand verblindeter Stuhl-, Chemostat- und künstlicher Gemeinschaftsproben. Die Variabilität hing am stärksten von Typ und Herkunft der Bioprobe ab, gefolgt von DNA-Extraktion, Probenhandhabungsumgebung und bioinformatischer Pipeline. Analysen künstlicher Gemeinschaften zeigten quantitative Unterschiede in Extraktionseffizienz und bioinformatischer Klassifikation. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit der Standardisierung, um Meta-Analysen populationsweiter Mikrobiomstudien zu ermöglichen.

[34] Smillie CS, Sauk J, Gevers D et al. Strain tracking reveals the determinants of bacterial engraftment in the human gut following fecal microbiota transplantation. Cell Host Microbe. 2018. Link

Analyse auf Stammebene zur FMT bei rezidivierender Clostridium difficile-Infektion, die Strain Finder einführt, eine Methode zur Ableitung von Stammgenotypen und zur longitudinalen Verfolgung des Engraftments. Ein statistisches Modell sagte das Engraftment auf Speziesebene weitgehend aus der Spenderabundanz und der Phylogenie des Empfängers vor FMT vorher. Spenderstämme innerhalb einer Spezies etablierten sich nach einem Alles-oder-nichts-Prinzip, und zuvor nicht nachgewiesene Stämme kolonisierten die Empfänger häufig. Die Arbeit definiert die Determinanten des bakteriellen Engraftments bei humaner FMT und liefert einen Rahmen zur Vorhersage der Transplantationsergebnisse.

[36] Cammarota G, Ianiro G, Tilg H et al. European consensus conference on faecal microbiota transplantation in clinical practice. Gut. 2017. Link

Europäische Konsensuskonferenz zur Erarbeitung evidenzbasierter Empfehlungen zur FMT in der klinischen Praxis, an der 28 Experten aus 10 Ländern in Arbeitsgruppen mitwirkten. Die Statements wurden über eine evidenzbasierte Übersicht erstellt, elektronisch in einem Delphi-Verfahren bewertet und in einer Plenar-Konsensussitzung finalisiert. Die Empfehlungen umfassen FMT-Indikationen, Spenderauswahl, Aufbereitung des Stuhlmaterials, klinisches Management, Applikation des Stuhls sowie Mindestanforderungen für die Einrichtung eines FMT-Zentrums. Das Dokument liefert den europäischen Standardisierungsrahmen für eine sichere und geregelte FMT-Anwendung.

[45] Kao D, Roach B, Silva M et al. Effect of Oral Capsule– vs Colonoscopy-Delivered Fecal Microbiota Transplantation on Recurrent Clostridium difficile Infection: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2017. Link

Randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie bei 116 Erwachsenen mit rezidivierender CDI an drei kanadischen akademischen Zentren, die orale Kapsel-FMT mit koloskopisch applizierter FMT verglich (Einschluss 2014–2016; Nichtunterlegenheitsgrenze 15\%). Die Studie prüfte, ob die weniger invasive Kapselapplikation der Koloskopie bei der Verhinderung weiterer CDI-Rezidive gleichkommt. Die Ergebnisse stützen die klinische Äquivalenz beider Applikationswege und ermöglichen einen breiteren und weniger belastenden Zugang zur FMT bei rezidivierender CDI.

[50] Marcella C, Cui B, Kelly CR, Ianiro G, Cammarota G, Zhang F. Systematic review: the global incidence of faecal microbiota transplantation-related adverse events from 2000 to 2020. Aliment Pharmacol Ther. 2021. Link

Systematische Übersichtsarbeit zur FMT-Sicherheit, die unerwünschte Ereignisse (AE) über 20 Jahre aus 129 Studien mit 4.241 Patienten und 5.688 FMT-Behandlungszyklen zusammenfasst (Recherche in EMBASE, MEDLINE, Cochrane, CNKI, Wanfang von 2000 bis 2020). Die AE wurden als applikationsbezogen oder mikrobiotabezogen klassifiziert. Die Übersicht liefert den bislang größten aggregierten FMT-Sicherheitsdatensatz und stützt das insgesamt günstige Sicherheitsprofil der FMT bei rezidivierender CDI, weist jedoch darauf hin, dass Komplikationen in der Literatur unterberichtet sein können.

[59] Thaiss CA, Zeevi D, Levy M et al. Transkingdom control of microbiota diurnal oscillations promotes metabolic homeostasis. Cell. 2014. Link

Mechanistische Studie an Mäusen und Menschen, die zeigt, dass die Darmmikrobiota diurnale Oszillationen aufweist, die durch Ernährungsrhythmen angetrieben werden und zeitspezifische kompositionelle und funktionelle Profile hervorbringen. Eine Störung molekularer Uhrkomponenten des Wirts oder Jetlag verursachte über eine gestörte Rhythmik der Nahrungsaufnahme aberrante Mikrobiota-Oszillationen und Dysbiose. Die durch Jetlag induzierte Dysbiose förderte in beiden Spezies Glukoseintoleranz und Adipositas, die durch FMT auf keimfreie Empfänger übertragbar waren. Die Arbeit identifiziert die zirkadiane Kreuzregulation zwischen Mikrobiota und Wirt als Mechanismus metabolischer Erkrankungen.

[60] Benedict C, Vogel H, Jonas W et al. Gut microbiota and glucometabolic alterations in response to recurrent partial sleep deprivation in normal-weight young individuals. Mol Metab. 2016. Link

Randomisierte Crossover-Studie im Within-Subject-Design an 9 normalgewichtigen Männern, die zwei Nächte partieller Schlafdeprivation (PSD; 02:45–07:00) mit zwei Nächten normalen Schlafs (22:30–07:00) unter standardisierten Mahlzeiten- und Bewegungsbedingungen im Labor verglich. Es wurden Stuhlproben gesammelt und ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt. Die Studie prüfte, ob kurzfristiger Schlafmangel Zusammensetzung und metabolische Funktion der Darmmikrobiota verändert, und liefert frühe humane Evidenz für einen Zusammenhang zwischen Schlafrestriktion und akuten Mikrobiotaverschiebungen sowie Insulinresistenz.

[71] Hamer HM, Jonkers D, Venema K, Vanhoutvin S, Troost FJ, Brummer RJ. The role of butyrate on colonic function. Aliment Pharmacol Ther. 2008. Link

Narrative Übersichtsarbeit, die die Bioaktivität von Butyrat – einer durch kolonische mikrobielle Fermentation von Nahrungsfasern gebildeten SCFA – und deren Mechanismen in der menschlichen Kolonfunktion zusammenfasst. Butyrat ist die primäre Energiequelle der Kolonozyten und moduliert Entzündung, Karzinogenese, Integrität der Mukosabarriere, oxidativen Stress, Permeabilität und Sättigung. Die Übersicht konsolidiert die Evidenz zu Butyrat als zentralem Effektor der kolonischen Homöostase und als Zielpunkt diätetischer Interventionen bei Kolonerkrankungen.

[106] Wastyk HC, Fragiadakis GK, Perelman D et al. Gut-microbiota-targeted diets modulate human immune status. Cell. 2021. Link

17-wöchige randomisierte prospektive Studie (n=18/Arm) an gesunden Erwachsenen, die eine ballaststoffreiche mit einer an fermentierten Lebensmitteln reichen Ernährung verglich, mit Multi-Omics-Mikrobiom- und Immunprofilierung des Wirts. Die ballaststoffreiche Ernährung erhöhte die mikrobiom-kodierten glykanabbauenden CAZyme trotz stabiler Diversität. Die an fermentierten Lebensmitteln reiche Ernährung erhöhte die Mikrobiom-Diversität und senkte mehrere Entzündungsmarker. Die Ergebnisse zeigen ernährungsspezifische Mikrobiom-Immun-Effekte und stützen fermentierte Lebensmittel als starken, diversitätsfördernden Modulator der Darm-Immun-Achse.

[107] Marco ML, Heeney D, Binda S et al. Health benefits of fermented foods: microbiota and beyond. Curr Opin Biotechnol. 2017. Link

Übersichtsarbeit zu fermentierten Lebensmitteln, die zu den ersten vom Menschen verzehrten verarbeiteten Lebensmitteln zählen (Joghurt, Sauermilch, Wein, Bier, Sauerkraut, Kimchi, fermentierte Wurst). Ursprünglich wegen Haltbarkeit und Genusswert geschätzt, gelten fermentierte Lebensmittel heute als Träger verbesserter ernährungsphysiologischer und funktioneller Eigenschaften durch Substrattransformation und Bildung bioaktiver Endprodukte. Viele fermentierte Lebensmittel enthalten lebende Mikroorganismen mit potenziellen Gesundheitseffekten. Die Übersicht etabliert fermentierte Lebensmittel als mikrobiomrelevante Ernährungskategorie.

[120] Calder, P. C. Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man. Biochem Soc Trans. 2017. Link

Übersichtsarbeit zur Rolle von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren bei Entzündungen. EPA und DHA aus fettreichem Seefisch oder Fischölpräparaten hemmen teilweise die Leukozyten-Chemotaxis, die Expression von Adhäsionsmolekülen, Leukozyten-Endothel-Interaktionen sowie die Bildung arachidonsäureabgeleiteter Eicosanoide und proinflammatorischer Zytokine. Aus EPA gebildete Eicosanoide sind typischerweise weniger potent als jene aus Arachidonsäure, und EPA/DHA sind Vorläufer entzündungshemmender und entzündungsauflösender Mediatoren (Resolvine, Protectine, Maresine), was ihren Einsatz bei entzündlichen Erkrankungen stützt.

[122] Costantini L, Molinari R, Farinon B, Merendino N. Impact of Omega-3 Fatty Acids on the Gut Microbiota. Int J Mol Sci. 2017. Link

Langfristige Ernährungsgewohnheiten formen eine wirtsspezifische Darmmikrobiota, doch die Effekte von Nahrungsfetten sind weniger gut charakterisiert als die von Kohlenhydraten. Die wenigen Supplementierungsstudien mit Omega-3-PUFA bei Erwachsenen zeigen konsistente Veränderungen: verminderte Faecalibacterium, vermehrte Bacteroidetes und butyratbildende Lachnospiraceae. Da eine Dysbiose dieser Taxa bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auftritt, könnten Omega-3-PUFA einen günstigen Effekt entfalten, indem sie die mikrobielle Zusammensetzung wiederherstellen und die Produktion entzündungshemmender kurzkettiger Fettsäuren steigern.

[154] Suez J, Korem T, Zeevi D et al. Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota. Nature. 2014. Link

Kalorienfreie künstliche Süßstoffe (NAS) induzierten bei Mäusen und Menschen eine Glukoseintoleranz über kompositionelle und funktionelle Veränderungen der Darmmikrobiota. Eine Antibiotikabehandlung hob die schädlichen metabolischen Effekte auf, und keimfreie Mäuse, die Stuhltransplantate von NAS-konsumierenden Mäusen (oder mit NAS inkubierte Mikrobiota) erhielten, entwickelten eine Glukoseintoleranz. Durch NAS veränderte mikrobielle Stoffwechselwege wurden mit der Anfälligkeit für metabolische Erkrankungen in Verbindung gebracht, und ähnliche Dysbiose sowie Glukoseintoleranz wurden bei gesunden menschlichen Probanden nachgewiesen. Die Befunde fordern eine Neubewertung des weit verbreiteten NAS-Gebrauchs.

[159] Chassaing B, Koren O, Goodrich JK et al. Dietary emulsifiers impact the mouse gut microbiota promoting colitis and metabolic syndrome. Nature. 2015. Link

Bei Wildtyp-Mäusen induzierten relativ niedrige Konzentrationen zweier allgegenwärtiger Emulgatoren – Carboxymethylcellulose (CMC) und Polysorbat-80 (P80) – eine niedriggradige Entzündung sowie Adipositas/metabolisches Syndrom und förderten bei entsprechend prädisponierten Mäusen eine ausgeprägte Kolitis. Die schützende Mukusbarriere und die Zusammensetzung der Mikrobiota wurden gestört. Die Befunde bringen Lebensmittelemulgatoren, allgegenwärtige Bestandteile verarbeiteter Lebensmittel, mit der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Zunahme chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen und metabolischer Störungen in Verbindung.

[160] Chassaing B, Van de Wiele T, De Bodt J, Marzorati M, Gewirtz AT. Dietary emulsifiers directly alter human microbiota composition and gene expression ex vivo potentiating intestinal inflammation. Gut. 2017. Link

Mit dem M-SHIME-Modell der menschlichen Mikrobiota ex vivo, das eine Wirtsentzündung als Störgröße ausschließt, wirkten sowohl Carboxymethylcellulose (CMC) als auch Polysorbat 80 (P80) direkt auf die menschliche Mikrobiota und erhöhten deren proinflammatorisches Potenzial, belegt durch einen Anstieg des bioaktiven Flagellins. Der CMC-induzierte Flagellin-Anstieg erfolgte rasch (1 Tag) und wurde durch eine veränderte mikrobielle Genexpression getragen. Die Befunde belegen, dass diese Lebensmittelemulgatoren direkte, wirtsunabhängige proinflammatorische Wirkungen auf die menschliche Darmmikrobiota ausüben.

[161] Desai MS, Seekatz AM, Koropatkin NM et al. A dietary fiber-deprived gut microbiota degrades the colonic mucus barrier and enhances pathogen susceptibility. Cell. 2016. Link

In gnotobiotischen Mäusen, die mit einer synthetischen menschlichen Darmmikrobiota besiedelt waren, führte ein chronischer oder intermittierender Ballaststoffmangel dazu, dass die Mikrobiota vom Wirt sezernierte Mukus-Glykoproteine als Nährstoffquelle nutzte und so die kolonische Mukusbarriere erodierte. Ballaststoffentzug und eine mukuserodierende Mikrobiota ermöglichten gemeinsam einen stärkeren Zugang zum Epithel und eine letale Kolitis durch den Mukosapathogenen Citrobacter rodentium. Die Befunde verbinden Ernährung, Mikrobiom und Störung der Darmbarriere und weisen Ballaststoffe als zentralen, therapeutisch nutzbaren barriereschützenden Faktor aus.

[162] Suez J, Cohen Y, Valdés-Mas R et al. Personalized microbiome-driven effects of non-nutritive sweeteners on human glucose tolerance. Cell. 2022. Link

Randomisierte kontrollierte Studie an 120 gesunden Erwachsenen, die über 2 Wochen Saccharin, Sucralose, Aspartam oder Stevia (in Dosen unterhalb der duldbaren täglichen Aufnahme) versus Glukose-Vehikel oder keine Supplementierung erhielten. Alle vier nicht-nutritiven Süßstoffe veränderten Stuhl- und Mundmikrobiom sowie das Plasma-Metabolom in unterschiedlicher Weise; Saccharin und Sucralose verschlechterten die glykämische Antwort signifikant. Gnotobiotische Mäuse, die mit den Mikrobiomen der stärksten und schwächsten menschlichen Responder besiedelt wurden, reproduzierten spenderspezifische glykämische Antworten und zeigten damit, dass nicht-nutritive Süßstoffe personenspezifische, mikrobiomabhängige glykämische Veränderungen auslösen können.

[172] Halmos EP, Power VA, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG. A diet low in FODMAPs reduces symptoms of irritable bowel syndrome. Gastroenterology. 2014. Link

Eine randomisierte, einfach verblindete Crossover-Studie an 30 IBS-Patienten und 8 Kontrollen verglich eine FODMAP-arme Ernährung (<0,5 g/Mahlzeit) mit einer typischen australischen Ernährung über jeweils 21 Tage (Auswaschphase >=21 Tage). Nahezu alle Lebensmittel wurden gestellt. Der FODMAP-arme Arm führte zu einer signifikant stärkeren Abnahme der IBS-Symptome, gemessen auf visuellen Analogskalen von 0–100 mm, und stützt damit die FODMAP-arme Ernährung als wirksame Intervention zur Symptomkontrolle bei IBS im Vergleich zu einer westlichen Standardkost.

[191] Liang X, FitzGerald GA. Timing the Microbes: The Circadian Rhythm of the Gut Microbiome. J Biol Rhythms. 2017. Link

Übersichtsarbeit zur zirkadianen Organisation des Darmmikrobioms. Das zirkadiane System der Säugetiere (Hauptuhr und periphere Uhren) koordiniert biologische Prozesse als Antwort auf äußere Signale wie den Hell-Dunkel-Zyklus, doch die Chronobiologie der Prokaryoten ist außerhalb der Cyanobakterien kaum verstanden. Die Übersicht fasst die Evidenz für eine tageszeitabhängige kompositionelle und funktionelle Struktur der Darmmikrobiota, die Regulation dieser Oszillationen durch den Wirt sowie den reziproken Einfluss des Darmmikrobioms auf die zirkadiane Zeitgebung des Wirts zusammen.

[192] Chaix A, Zarrinpar A, Miu P, Panda S. Time-restricted feeding is a preventative and therapeutic intervention against diverse nutritional challenges. Cell Metab. 2014. Link

Zeitlich beschränkte Nahrungsaufnahme (Time-restricted feeding, TRF; 8–9 h Nahrungszugang in der Aktivphase) wurde bei Mäusen unter verschiedenen adipogenen Diäten untersucht. TRF milderte die metabolische Erkrankung über eine Reihe adipogener Diäten hinweg, wobei der Nutzen proportional zur Fastendauer war. Die protektiven Effekte blieben auch dann bestehen, wenn ein Ad-libitum-Zugang am Wochenende die TRF unterbrach – ein Regime, das der menschlichen Lebensweise nahekommt. TRF stabilisierte und kehrte die metabolische Erkrankung auch bei Mäusen mit vorbestehender Adipositas und Typ-2-Diabetes um und stützt TRF damit sowohl als präventive als auch als therapeutische Strategie.

[193] Zarrinpar A, Chaix A, Yooseph S, Panda S. Diet and feeding pattern affect the diurnal dynamics of the gut microbiome. Cell Metab. 2014. Link

Das Darmmikrobiom zeigt tägliche zyklische Schwankungen seiner Zusammensetzung, die vom Ess-Fasten-Zyklus angetrieben werden. Ernährungsinduzierte Adipositas dämpft den täglichen Ess-Fasten-Rhythmus und schwächt die zyklischen Schwankungen der Mikrobiota ab. Zeitlich beschränkte Nahrungsaufnahme (TRF), bei der die Nahrungsaufnahme bei Mäusen auf die nächtliche Phase konzentriert wird, stellt die zyklischen Schwankungen teilweise wieder her und schützt vor Adipositas und metabolischer Erkrankung. TRF wirkt bevorzugt auf Bakterien, von denen bekannt ist, dass sie den Wirtsstoffwechsel beeinflussen, und verbindet so Ernährungsrhythmus, Mikrobiomdynamik und metabolische Endpunkte.

[201] Irwin MR, Opp MR. Sleep health: reciprocal regulation of sleep and innate immunity. Neuropsychopharmacology. 2017. Link

Diese Übersichtsarbeit untersucht die wechselseitigen Interaktionen zwischen Schlafstörungen, einschließlich Insomnie, und dem angeborenen Immunsystem. Insomniebeschwerden, extreme Schlafdauer und experimenteller Schlafentzug verändern genomische, zelluläre und systemische Entzündungsmarker und tragen zum Inflammaging bei. Entzündungsmediatoren wiederum verändern die homöostatische Regulation von Schlafkontinuität und Schlafmakrostruktur. Klinisch relevant sind der Zusammenhang zwischen Schlafstörung und entzündungsassoziierten depressiven Symptomen sowie das Potenzial insomniegerichteter Interventionen, Entzündung rückgängig zu machen. Die Befunde unterstreichen, dass Schlafstörung ein behandelbarer Risikofaktor für entzündliche Erkrankungen ist.

[204] Allen JM, Mailing LJ, Niemiro GM et al. Exercise alters gut microbiota composition and function in lean and obese humans. Med Sci Sports Exerc. 2018. Link

In dieser 6-wöchigen Ausdauertrainingsstudie mit 32 zuvor sitzenden schlanken (n=18) und adipösen (n=14) Erwachsenen wurden bewegungsinduzierte Veränderungen von Zusammensetzung, Funktion und Metabolitproduktion der Darmmikrobiota erfasst, gefolgt von einer 6-wöchigen sitzenden Washout-Phase. Das Training steigerte sich von 30 auf 60 Minuten bei 60–75 \% der Herzfrequenzreserve an drei Tagen pro Woche. Die Beta-Diversitäts-Analyse zeigte, dass die bewegungsinduzierten Mikrobiota-Veränderungen vom Adipositasstatus abhingen. Ausdauertraining formt die Darmmikrobiota somit in Abhängigkeit vom Wirtsphänotyp um, wobei die Effekte bei Rückkehr zur Inaktivität teilweise reversibel sind.

[207] Mayer EA, Tillisch K, Gupta A. Gut/brain axis and the microbiota. J Clin Invest. 2015. Link

Diese Übersichtsarbeit fasst präklinische Belege dafür zusammen, dass die Darmmikrobiota die bidirektionale Achse zwischen ZNS, enterischem Nervensystem und Gastrointestinaltrakt beeinflusst. Studien an keimfreien Nagetieren zeigen, dass die Mikrobiota Emotionsverhalten, Stress- und Schmerzmodulationssysteme sowie zerebrale Neurotransmitter prägt. Probiotische und antibiotische Eingriffe modulieren diese Endpunkte auch bei adulten Tieren. Mehrere endokrine und neurokrine Wege vermitteln die Signalübertragung von der Mikrobiota zum Gehirn, während das Gehirn über das autonome Nervensystem die mikrobielle Zusammensetzung verändert. Die Übertragung dieser Befunde auf gesunde Menschen und Störungen der Darm-Hirn-Achse ist bislang begrenzt und wird als Forschungspriorität benannt.

[218] Dethlefsen L, Relman DA. Incomplete recovery and individualized responses of the human distal gut microbiota to repeated antibiotic perturbation. Proc Natl Acad Sci USA. 2011. Link

Diese Längsschnittstudie untersuchte die distale Darmmikrobiota von drei Personen über 10 Monate mit zwei Ciprofloxacin-Zyklen und analysierte 1,7 Millionen 16S rRNA-Sequenzen aus 52–56 Proben pro Person. Die interindividuelle Variation dominierte; die Ausgangsgemeinschaften innerhalb einer Person waren über Monate stabil. Ciprofloxacin verringerte die Diversität tiefgreifend und verschob die Zusammensetzung innerhalb von 3–4 Tagen nach Therapiebeginn, mit unvollständiger und individuell unterschiedlicher Erholung. Die Befunde charakterisieren die Resilienz der Darmmikrobiota und die dauerhafte Störung durch wiederholte Fluorchinolon-Exposition.

[226] Imhann F, Bonder MJ, Vich Vila A et al. Proton pump inhibitors affect the gut microbiota. Gut. 2016. Link

Die Arbeit von Imhann und Kollegen (Gut, 2016) berichtet, dass die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) die humane Darmmikrobiota signifikant verändert. Durch Kombination dreier Populationskohorten (>1800 Personen) mit 16S rRNA-Sequenzierung zeigen die Autoren bei PPI-Anwendern eine verringerte mikrobielle Diversität und konsistente Verschiebungen bei 20 \% der bakteriellen Taxa: Zunahmen von Bakterien der Mundhöhle (Streptococcaceae, Enterococcaceae), Enterobacteriaceae und Clostridium difficile bei gleichzeitiger Abnahme von Kommensalen wie Ruminococcaceae und Bifidobacteriaceae. Diese Verschiebungen erklären mechanistisch die epidemiologischen Assoziationen zwischen PPI-Einnahme und CDI, enteralen Infektionen, hepatischer Enzephalopathie und SIBO. Die Arbeit unterstützt eine umsichtige PPI-Verordnung und Deprescribing-Bemühungen.

[249] Atarashi K, Suda W, Luo C et al. Ectopic colonization of oral bacteria in the intestine drives TH1 cell induction and inflammation. Science. 2017. Link

Diese gnotobiotische Studie zeigte, dass Klebsiella-Stämme aus dem Speichel bei Besiedlung des Darms starke Induktoren von T-Helfer-1-Zellen (TH1) sind. Diese antibiotikaresistenten Klebsiella-Stämme kolonisieren bei dysbiotischer Darmmikrobiota und lösen in genetisch empfänglichen Wirten eine schwere Darmentzündung aus. Die Ergebnisse belegen die Mundhöhle als Reservoir potenzieller intestinaler Pathobionten, die bei ektoper Besiedlung des Darms Erkrankungen wie IBD verschlimmern.

[253] Kapil V, Haydar SM, Pearl V, Lundberg JO, Weitzberg E, Ahluwalia A. Physiological role for nitrate-reducing oral bacteria in blood pressure control. Free Radic Biol Med. 2013. Link

Diese randomisierte Crossover-Studie an 19 gesunden Probanden prüfte, ob die Unterdrückung oraler nitratreduzierender Bakterien durch antiseptische Chlorhexidin-Mundspülung die systemischen Nitritspiegel und den Blutdruck beeinflusst. Der Blutdruck (Praxismessung, Heimmessung, 24-Stunden-Langzeitmessung) wurde während einer 7-tägigen Kontrollphase und einer 7-tägigen Chlorhexidin-Behandlungsphase erfasst. Die Anwendung der Mundspülung unterdrückte die orale nitratreduzierende Flora, senkte das systemische Nitrit und erhöhte den Blutdruck signifikant. Die Ergebnisse zeigen, dass die orale Mikrobiota über den enterosalivären Nitrat-Nitrit-NO-Weg aktiv zur systemischen Blutdruckregulation beiträgt.

[254] Hajishengallis, G. Periodontitis: from microbial immune subversion to systemic inflammation. Nat Rev Immunol. 2015. Link

Diese Übersichtsarbeit erörtert, wie dysbiotische orale mikrobielle Gemeinschaften Parodontitis und entzündliche Pathologien an lokalen und entfernten Orten antreiben. Die Autoren beschreiben detailliert mikrobielle Mechanismen der Immunsubversion, die die orale Homöostase in Richtung Erkrankung kippen lassen. Die Parodontitis erweist sich als dysbiotische Entzündungserkrankung mit systemischen Implikationen, einschließlich Verbindungen zu kardiovaskulären und anderen chronischen Erkrankungen. Damit erscheint die Parodontitistherapie als Strategie mit potenziellem Nutzen für die systemische Gesundheit.

[303] Sonnenburg ED, Smits SA, Tikhonov M, Higginbottom SK, Wingreen NS, Sonnenburg JL. Diet-induced extinctions in the gut microbiota compound over generations. . 2016. Link

Bei Mäusen unter einer Diät mit geringem Gehalt an mikrobiota-zugänglichen Kohlenhydraten (Ballaststoffen) nahm die Diversität der Darmmikrobiota ab, und dieser Effekt verstärkte sich über die Generationen: Über vier Generationen führte die ballaststoffarme Diät zu kumulativen Taxon-Extinktionen, die durch Wiedereinführung von Ballaststoffen nicht mehr umkehrbar waren.

[329] Chang AM, Aeschbach D, Duffy JF, Czeisler CA. Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness. Proc Natl Acad Sci USA. 2015. Link

Durchschnittliche Schlafdauer und -qualität haben abgenommen, und 90 \% der US-Erwachsenen geben an, in der Stunde vor dem Zubettgehen elektronische Geräte zu nutzen. Das von diesen Geräten abgegebene, an kurzwelligem Anteil angereicherte Licht kann Melatonin unterdrücken, die zirkadiane Phase verschieben und die Wachheit steigern. In einem kontrollierten Vergleich bewerteten die Autoren die biologischen Effekte des Lesens auf einem lichtemittierenden E-Book-Gerät gegenüber einem gedruckten Buch vor dem Zubettgehen und untersuchten Melatonin, zirkadiane Phasenlage, Einschlaflatenz und Wachheit am nächsten Morgen. Die LE-eBook-Bedingung verzögerte die zirkadiane Phasenlage, unterdrückte das abendliche Melatonin, verlängerte das Einschlafen und verringerte die Wachheit am nächsten Morgen. Die Befunde zeigen, dass die Nutzung lichtemittierender Bildschirme vor dem Zubettgehen Schlaf und zirkadiane Abstimmung verschlechtert.

[330] Kelly JR, Kennedy PJ, Cryan JF, Dinan TG, Clarke G, Hyland NP. Breaking down the barriers: the gut microbiota, intestinal permeability and stress-related psychiatric disorders. Front Cell Neurosci. 2015. Link

Die Darm-Hirn-Achse wird als kritischer Knotenpunkt bei stressbezogenen psychiatrischen Erkrankungen verortet, wobei das Darmmikrobiom die Hirnentwicklung, -funktion und das Verhalten über immunologische, endokrine und neuronale Wege moduliert. Präklinische Evidenz weist einer gestörten intestinalen Barrierefunktion – dem sogenannten Leaky Gut – eine Schlüsselrolle als Vermittler zwischen Dysbiose, chronischer niedriggradiger Entzündung und Erkrankungen wie Depression zu. Das Darmmikrobiom reguliert die intestinale Permeabilität über kurzkettige Fettsäuren, Mucinproduktion und Tight-Junction-Signalgebung. Die Übersicht argumentiert, dass die gezielte Beeinflussung der mikrobiotagesteuerten Barriereintegrität mechanistische und therapeutische Einsichten in stressbezogene psychiatrische Erkrankungen eröffnen kann.

[339] Suez J, Zmora N, Zilberman-Schapira G et al. Post-Antibiotic Gut Mucosal Microbiome Reconstitution Is Impaired by Probiotics and Improved by Autologous FMT. Cell. 2018. Link

In einer kontrollierten Studie zur Rekonstitution des Mikrobioms nach Antibiotikagabe wurden eine Mehrstamm-Probiotikasupplementierung, eine autologe fäkale Mikrobiotatransplantation (aFMT) und die spontane Erholung bei Mäusen und Menschen verglichen, mit Probenentnahme durch invasive Mukosabiopsien. Antibiotika verstärkten die mukosale Kolonisation durch Probiotika beim Menschen, bei Mäusen jedoch nur geringfügig. Im Vergleich zur spontanen Erholung bewirkten Probiotika eine deutlich verzögerte und anhaltend unvollständige Rekonstitution der indigenen Stuhl- und Mukosamikrobiota sowie des Wirtstranskriptoms, während die aFMT innerhalb weniger Tage eine rasche, nahezu vollständige Erholung erzeugte. In vitro trugen von Lactobacillus sezernierte lösliche Faktoren zur probiotikavermittelten Unterdrückung indigener Taxa bei. Die Befunde mahnen zur Zurückhaltung beim routinemäßigen Probiotikaeinsatz nach Antibiotikatherapie und stützen die aFMT als Erholungsstrategie.

[346] Lessa FC, Mu Y, Bamberg WM, Beldavs ZG, Dumyati GK, Dunn JR, Farley MM, Holzbauer SM, Meek JI, Phipps EC, Wilson LE, Winston LG, Cohen JA, Limbago BM, Fridkin SK, Gerding DN, McDonald LC. Burden of Clostridium difficile infection in the United States. N Engl J Med. 2015. Link

In einer aktiven bevölkerungs- und laborbasierten Surveillance im Jahr 2011 in zehn US-Regionen wurden 15.461 inzidente Clostridioides-difficile-Infektionen identifiziert. 65,8\% waren gesundheitsversorgungsassoziiert, jedoch hatten nur 24,2\% einen Krankheitsbeginn im Krankenhaus, was darauf hinweist, dass die meisten versorgungsassoziierten Fälle nach Entlassung oder in nicht-akutstationären Settings diagnostiziert wurden. Aus Regressionsmodellen abgeleitete nationale Schätzungen ergaben jährlich etwa 453.000 inzidente CDI-Fälle, 83.000 Erstrezidive und 29.300 Todesfälle innerhalb von 30 Tagen nach Diagnose. Unter den versorgungsassoziierten Isolaten dominierten NAP1-Stämme. Die Studie etablierte CDI als eine führende Ursache gesundheitsversorgungsassoziierter Infektionen in den USA und als wachsende Krankheitslast in der Bevölkerung.

[347] Guh AY, Mu Y, Winston LG, Johnston H, Olson D, Farley MM, Wilson LE, Holzbauer SM, Phipps EC, Dumyati GK, Beldavs ZG, Kainer MA, Karlsson M, Gerding DN, McDonald LC; Emerging Infections Program Clostridioides difficile Infection Working Group. Trends in U.S. Burden of Clostridioides difficile Infection and Outcomes. N Engl J Med. 2020. Link

Aufbauend auf der Surveillance des Emerging Infections Program an zehn US-Standorten schätzten die Autoren die nationale Krankheitslast der Clostridioides-difficile-Infektion von 2011 bis 2017 unter Adjustierung für die höhere Sensitivität NAAT-basierter Diagnostik. Die geschätzte Gesamtlast nahm über den Zeitraum ab, überwiegend getragen von einem Rückgang der gesundheitsversorgungsassoziierten CDI, während die ambulant erworbene CDI stabil blieb. Auch die Erstrezidivraten und die Krankenhaussterblichkeit gingen moderat zurück. Die Trends wurden mit gewichteten Random-Intercept-Negativ-Binomial- und logistischen Regressionsmodellen modelliert. Die Befunde zeigen, dass landesweite Infektionspräventionsmaßnahmen die Last der versorgungsassoziierten CDI messbar gesenkt haben, ohne vergleichbaren Fortschritt bei der ambulant erworbenen Erkrankung.

[348] McDonald LC, Gerding DN, Johnson S, Bakken JS, Carroll KC, Coffin SE, Dubberke ER, Garey KW, Gould CV, Kelly C, Loo V, Sammons JS, Sandora TJ, Wilcox MH. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA). Clin Infect Dis. 2018. Link

Diese IDSA/SHEA-Leitlinie von 2017 aktualisiert die Empfehlungen von 2010 zur Clostridium-difficile-Infektion (CDI) bei Erwachsenen und integriert pädiatrische Empfehlungen. Wesentliche Änderungen umfassen diagnostische Algorithmen zugunsten mehrstufiger Testung (GDH/Toxin-EIA oder NAAT plus Toxinnachweis), orales Vancomycin oder Fidaxomicin als Erstlinientherapie anstelle von Metronidazol bei nicht-schweren Erstepisoden, Fidaxomicin oder Vancomycin im Ausschleich-/Pulsschema bei Rezidiv sowie FMT bei mehrfach rezidivierender, antibiotisch therapierefraktärer CDI. Die Infektionsprävention betont Kontaktvorkehrungen, Händehygiene mit Wasser und Seife sowie Umgebungsdekontamination. Die Leitlinie spiegelt die sich wandelnde Epidemiologie wider, einschließlich der Trends beim Ribotyp 027 und der zunehmenden Last der ambulant erworbenen CDI.

[349] Johnson S, Lavergne V, Skinner AM, Gonzales-Luna AJ, Garey KW, Kelly CP, Wilcox MH. Clinical Practice Guideline by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA): 2021 Focused Update Guidelines on Management of Clostridioides difficile Infection in Adults. Clin Infect Dis. 2021. Link

Diese fokussierte IDSA/SHEA-Aktualisierung von 2021 behandelt Fidaxomicin und Bezlotoxumab im Management der Clostridioides-difficile-Infektion (CDI) bei Erwachsenen. Die Empfehlungen wurden aus einer systematischen Literaturübersicht abgeleitet und mittels GRADE bewertet. Das Gremium empfiehlt Fidaxomicin gegenüber Vancomycin für die CDI-Erstepisode und für das erste Rezidiv (bedingt, moderate Sicherheit der Evidenz) unter Verweis auf das verringerte Rezidivrisiko. Bezlotoxumab wird als Ergänzung zur antibiotischen Standardtherapie für Patienten mit hohem CDI-Rezidivrisiko vorgeschlagen (bedingt, sehr niedrige Sicherheit der Evidenz). Die Aktualisierung spiegelt die zunehmende RCT-Evidenz wider und präzisiert die Positionierung neuerer Substanzen im CDI-Behandlungsalgorithmus.

[357] Lewis SJ, Heaton KW. Stool form scale as a useful guide to intestinal transit time. Scand J Gastroenterol. 1997. Link

Die Autoren untersuchten die Änderungssensitivität der Bristol Stool Form Scale gegenüber Veränderungen der Gesamtdarmtransitzeit (WGTT). Bei 66 Freiwilligen wurde die WGTT mit röntgendichten Markern gemessen; Stuhlform wurde auf einer 7-Punkte-Skala und die Defäkationsfrequenz protokolliert; die Messungen wurden unter Senna und Loperamid wiederholt. Die Ausgangs-WGTT korrelierte mit der Frequenz (r=0,35, P=0,005) und der Stuhlmenge (r=-0,41, P=0,001) und am besten mit der Stuhlform (r=-0,54, P<0,001). Senna (n=44) verkürzte die WGTT und erhöhte Frequenz, Formscore und Stuhlmenge (alle P<0,001); Loperamid (n=43) verlängerte die WGTT und verringerte Frequenz, Formscore und Stuhlmenge (alle P<0,001). Die Bristol-Skala ist ein valider Surrogatparameter der intestinalen Transitzeit und reagiert auf pharmakologische Beeinflussung.

[363] Wang S, Xiang L, Li F, Deng W, Lv P, Chen Y. Butyrate Protects against Clostridium difficile Infection by Regulating Bile Acid Metabolism. Microbiol Spectr. 2023. Link

Diese Studie prüfte Butyrat als Therapeutikum gegen die Clostridium-difficile-Infektion (CDI) im Mausmodell. Die Butyratgabe verringerte Schweregrad der CDI, Gewichtsverlust und Mortalität signifikant und verbesserte die Kolonhistologie. Mechanistisch modulierte Butyrat den Gallensäurestoffwechsel: Es verschob den Gallensäurepool weg von primären Gallensäuren der Cholsäureklasse (Germinanzien für C.-difficile-Sporen) hin zu sekundären Gallensäuren, die das Auswachsen von C. difficile hemmen. Butyrat stärkte zudem die intestinale Barrierefunktion und dämpfte die mukosale Entzündung. Diese biochemischen Verschiebungen wurden von Veränderungen der Mikrobiota begleitet. Die Befunde definieren einen gallensäurevermittelten Mechanismus des Butyratschutzes gegen CDI und stützen butyratbasierte oder SCFA-fördernde Strategien als Ergänzung bestehender Therapien.

[365] Reed AD, Theriot CM. Contribution of Inhibitory Metabolites and Competition for Nutrients to Colonization Resistance against Clostridioides difficile by Commensal Clostridium. Microorganisms. 2021. Link

Diese Übersichtsarbeit untersucht, wie kommensale Clostridium-Arten die Kolonisationsresistenz gegen Clostridioides difficile vermitteln. Kommensale Clostridien wandeln primäre Gallensäuren in sekundäre Gallensäuren um, die Sporenkeimung und vegetatives Auswachsen von C. difficile unterdrücken. Zusätzlich produzieren sie antimikrobielle Peptide und kurzkettige Fettsäuren, die C. difficile direkt hemmen, und konkurrieren um limitierende Nährstoffe wie Prolin, das für das Wachstum von C. difficile über die Stickland-Fermentation wichtig ist. Der Verlust kommensaler Clostridien nach Breitspektrumantibiotika ist ein zentraler mechanistischer Schritt zur CDI-Anfälligkeit. Die Autoren argumentieren, dass die Wiederherstellung definierter Clostridium-Konsortien eine rationale, mechanismusgeleitete Alternative zur FMT für die Prävention rezidivierender CDI darstellt.

[369] Weingarden A, González A, Vázquez-Baeza Y, Weiss S, Humphry G, Berg-Lyons D, Knights D, Unno T, Bobr A, Kang J, Khoruts A, Knight R, Sadowsky MJ. Dynamic changes in short- and long-term bacterial composition following fecal microbiota transplantation for recurrent Clostridium difficile infection. Microbiome. 2015. Link

Diese Studie verfolgte die Dynamik der Fäkalmikrobiota bei vier Patienten mit mehrfach rezidivierender, antibiotikarefraktärer Clostridioides-difficile-Infektion, die mit FMT behandelt wurden, mit täglicher Probenentnahme bis Tag 28 und wöchentlicher bis Tag 84 nach FMT (mit Probenentnahme bis Tag 151). Die 16S-rRNA-Genprofile wurden mit Körperstellen-Referenzen des Human Microbiome Project verglichen. Die Proben vor FMT waren ausgeprägt dysbiotisch. Die FMT bewirkte innerhalb weniger Tage eine rasche Normalisierung der fäkalen Gemeinschaftszusammensetzung hin zu einem gesunden, spenderähnlichen Zustand, und diese Normalisierung blieb über Monate weitgehend erhalten. Die Zeitverlaufsdarstellung verdeutlichte sowohl rasche frühe Verschiebungen als auch die längerfristige Stabilisierung. Die Befunde dokumentieren die Kinetik der FMT-getriebenen Mikrobiotaerholung bei refraktärer CDI und stützen deren Dauerhaftigkeit.

[542] McDonald D, Hyde E, Debelius JW et al. American Gut: an Open Platform for Citizen Science Microbiome Research. mSystems. 2018. Link

Das American Gut Project verglich mehr als 10 000 von Bürgerwissenschaftlern gesammelte Stuhlproben aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Australien mit Umweltproben unter Verwendung der standardisierten Protokolle des Earth Microbiome Project. Humane Stuhlmikrobiome zeigten im Vergleich zu Umweltproben eine unerwartet große Beta-Diversität. Die offene Datenintegration ermöglichte die Entdeckung neuer Moleküle und ungezielter metabolomischer Assoziationen mit einer vielfältigen pflanzlichen Zufuhr (ein stärkerer Prädiktor als reduktive kategoriale Variablen wie Veganismus). Die Arbeit belegt die Machbarkeit postalisch versandter, selbst entnommener Mikrobiomproben zur Reproduktion bekannter und zur Aufdeckung neuer Assoziationen, einschließlich Bezügen zu psychiatrischen Erkrankungen und individuellen Perturbationen wie Operationen.

[565] Wilson BC, Vatanen T, Cutfield WS, O'Sullivan JM. The Super-Donor Phenomenon in Fecal Microbiota Transplantation. Front Cell Infect Microbiol. 2019. Link

FMT ist bei rezidivierender Clostridium difficile-Infektion hochwirksam, doch die Wirksamkeit bei chronischen, mit Dysbiose assoziierten Erkrankungen war moderat und variabel. Mehrere Studien legen nahe, dass das FMT-Ergebnis von der mikrobiellen Diversität und Zusammensetzung des Spenderstuhls abhängt, woraus das Konzept der FMT-„Superdonoren“ hervorging. Die Übersicht untersucht Schlüsselarten (keystone species) als Prädiktoren des FMT-Erfolgs und diskutiert, wie Wirtsgenetik und Ernährung Engraftment und Erhalt beeinflussen können – ein Rahmen für eine gezieltere, spenderstratifizierte Bakteriotherapie.

[601] Targownik LE, Fisher DA, Saini SD. AGA Clinical Practice Update on De-Prescribing of Proton Pump Inhibitors: Expert Review. Gastroenterology. 2022. Link

Ein Clinical Update gibt Best-Practice-Advice-Aussagen zum De-Prescribing von PPI bei ambulanten Patienten. PPI gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten und werden zunehmend für Indikationen mit unsicherem Nutzen eingesetzt, was zu Polypharmazie und wirtschaftlicher Belastung beiträgt. Der PPI-Gebrauch wird zunehmend mit PPI-assoziierten unerwünschten Ereignissen (PAAEs) in Verbindung gebracht. Die Empfehlung fördert strukturierte De-Prescribing-Strategien, um Tablettenlast, reale Kosten und theoretische Risiken zu senken, während Patienten mit angemessener Indikation die Therapie fortführen.

[638] Chaix A, Manoogian ENC, Melkani GC, Panda S. Time-Restricted Eating to Prevent and Manage Chronic Metabolic Diseases. Annu Rev Nutr. 2019. Link

Molekulare Uhren sind in nahezu jeder Zelle vorhanden, um täglich wiederkehrende und vorhersehbare Veränderungen wie die rhythmische Verfügbarkeit von Nährstoffen zu antizipieren und zelluläre Funktionen entsprechend anzupassen. Zugleich können nährstoffsensierende Signalwege auf akute Nährstoffungleichgewichte reagieren und den Stoffwechsel so modulieren und ausrichten, dass sich Zellen optimal an eine abnehmende oder zunehmende Nährstoffverfügbarkeit anpassen. Zirkadiane Rhythmen des Organismus werden durch Verhaltensrhythmen wie Aktivitäts-Ruhe- und Essens-Fasten-Zyklen koordiniert, um eine Abfolge physiologischer Prozesse zeitlich zu orchestrieren und den Stoffwechsel zu optimieren. Die Grundlagenforschung zu zirkadianen Rhythmen konzentrierte sich weitgehend auf die Funktionsweise des selbsterhaltenden molekularen zirkadianen Oszillators, während die Ernährungswissenschaft Einblicke in physiologische Reaktionen auf Kalorienentzug oder auf bestimmte Makronährstoffe erbrachte. Die Integration dieser beiden Felder zu umsetzbaren neuen Konzepten der zeitlichen Steuerung der Nahrungsaufnahme führte zur aufkommenden Praxis des zeitbeschränkten Essens. In diesem Paradigma wird die tägliche Kalorienaufnahme auf ein konstantes Zeitfenster von 8–12 h beschränkt.

[664] Chilton C, Viprey V, Normington C, Moura I, Buckley A, Freeman J, Davies K, Wilcox M. Clostridioides difficile pathogenesis and control. Nature reviews. Microbiology. 2026. Link

Pathogenese von C. difficile, Mikrobiota-Dysbiose und die Rolle der FMT – umfassende Übersicht: antibiotikainduzierte Dysbiose → Auskeimen von C. difficile-Sporen → Toxinproduktion → Kolitis. Eine gesunde Mikrobiota vermittelt Kolonisationsresistenz. Neuere Mikrobiota-Therapien als Alternativen zur FMT.

[665] Seekatz A, Safdar N, Khanna S. The role of the gut microbiome in colonization resistance and recurrent. Therapeutic advances in gastroenterology. 2022. Link

Kolonisationsresistenz der Darmmikrobiota und FMT-Therapie bei rCDI – eine gesunde Mikrobiota hemmt die Besiedlung durch C. difficile (Nährstoffkonkurrenz, Gallensäuren, SCFA, Bakteriozine). Antibiotika → Dysbiose → CDI. Die FMT stellt die Diversität wieder her. Monoklonale Antikörper behandeln die Dysbiose nicht.

[667] Britton R, Young V. Role of the intestinal microbiota in resistance to colonization by Clostridium difficile. Gastroenterology. 2014. Link

Intestinale Mikrobiota und Kolonisationsresistenz gegen C. difficile – grundlegende Mechanismen – Die native Mikrobiota hemmt Auskeimen und Wachstum von C. difficile-Sporen. Antibiotika beeinträchtigen diesen Schutz. Zentrale Mechanismen: Gallensäurestoffwechsel, Nährstoffkonkurrenz. Die FMT stellt die Kolonisationsresistenz wieder her.

[668] Chilton C, Pickering D, Freeman J. Microbiologic factors affecting Clostridium difficile recurrence. Clinical microbiology and infection : the official publication of the European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases. 2018. Link

Mikrobiologische Ursachen des C. difficile-Rezidivs – Sporenpersistenz und Dysbiose – Eine geringe bakterielle Diversität korreliert mit klinischer rCDI. Sporenpersistenz und Auskeimen sind der Schlüssel zum Rezidiv. FMT und Mikrobiota-Therapien werden zunehmend untersucht. Gezielte Antibiotika (Fidaxomicin) plus Wiederherstellung der Mikrobiota bilden den kombinierten Ansatz.

[690] Saha S, Mara K, Pardi D, Khanna S. Long-term Safety of Fecal Microbiota Transplantation for Recurrent Clostridioides difficile Infection. Gastroenterology. 2021. Link

Langzeitsicherheit der FMT bei rCDI: geringes Risiko einer Infektionsübertragung; neue Diagnosen wahrscheinlich nicht FMT-assoziiert – Mayo Clinic, 609 Patienten, prospektive Daten über 6,8 Jahre — 609 Patienten, mediane Nachbeobachtung 3,7 Jahre (Bereich 2,0–6,8 Jahre). Nach 1 Jahr: 9,5 \% berichteten über eine neue CDI-Episode. Langfristig 73 neue Diagnosen (13 \% gastrointestinal, 10 \% Gewichtszunahme, 11,8 \% Infektion) – alle als nicht mit der FMT assoziiert beurteilt. Höheres Diarrhö-Risiko bei IBD, dialysepflichtiger Nierenerkrankung und Patienten mit wiederholter FMT.

[691] Yau Y, Lau L, Lui R, Wong S, Guo C, Mak J, Ching J, Ip M, Kamm M, Rubin D, Chan P, Chan F, Ng S. Long-Term Safety Outcomes of Fecal Microbiota Transplantation: Real-World Data Over 8 Years From the Hong Kong FMT Registry. Clinical gastroenterology and hepatology : the official clinical practice journal of the American Gastroenterological Association. 2024. Link

Ausgezeichnetes Langzeit-Sicherheitsprofil der FMT auf Basis von Registerdaten über 8 Jahre: geringes Risiko neuer Erkrankungen jenseits von 12 Monaten; Überleben der CDI-behandelten Patienten signifikant besser als bei Antibiotika-Kontrollen — 123 Patienten, 510 FMTs, mediane Nachbeobachtung 30,3 Monate (max. 57,9 Monate = ca. 5 Jahre). Jenseits von 12 Monaten 21 neue Erkrankungen bei 16 Patienten – alle als nicht mit der FMT assoziiert beurteilt. Keine Entwicklung von IBD, IBS, Allergie, T2DM oder psychiatrischen Erkrankungen. Die kumulative Überlebenswahrscheinlichkeit der FMT-behandelten rCDI-Patienten war signifikant besser als die der gematchten Antibiotika-Kontrollen.

[762] Bonomini-Gnutzmann R, Plaza-Díaz J, Jorquera-Aguilera C, Rodríguez-Rodríguez A, Rodríguez-Rodríguez F. Effect of Intensity and Duration of Exercise on Gut Microbiota in Humans: A Systematic Review. International journal of environmental research and public health. 2022. Link

Intensität und Dauer der Belastung bestimmen die Zusammensetzung der Darmmikrobiota; moderate Bewegung ist günstig, während extreme Ausdauerbelastung negative Mikrobiotaveränderungen verursachen kann — 13 Studien: intensive Belastung – erhöhte Darmpermeabilität, erhöhtes I-FABP, Dysbiose; 7 Studien: moderate Belastung – Zunahme der mikrobiellen Diversität und der SCFA-Metaboliten; bei Sportlern mehr ungünstige Effekte bei hoher Intensität (IJERPH, 2022).

[797] Kolida S, Meyer D, Gibson GR. A double-blind placebo-controlled study to establish the bifidogenic dose of inulin in healthy humans2007;61(10):1189–1195. Eur J Clin Nutr. Link

ZIEL: Bewertung der bifidogenen Wirksamkeit von zwei Inulindosen bei gesunden erwachsenen Menschen. DESIGN: Eine doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie am Menschen. SETTING: Food Microbial Sciences Unit, The University of Reading, Reading, UK. PROBANDEN: Dreißig gesunde Freiwillige, 15 Männer, 15 Frauen (Altersbereich 19–35). INTERVENTIONEN: Die Probanden konsumierten über einen 2-wöchigen Behandlungszeitraum ein Schokoladengetränk mit Placebo (Maltodextrin, 8 g/Tag), 5 g/Tag Inulin bzw. 8 g/Tag Inulin. Auf jede Behandlung folgte eine 1-wöchige Auswaschphase, an deren Ende die Freiwilligen zur nächsten Behandlung übergingen.

[2572] Wu G. Functional amino acids in nutrition and health. Amino Acids 2017. . 2017. Link

In den letzten Jahren hat das Interesse an Biochemie, Physiologie und Ernährungsphysiologie der Aminosäuren (AA) für Wachstum, Gesundheit und Krankheit von Menschen und anderen Tieren zugenommen. Dies ergibt sich aus den Entdeckungen zur Rolle der AA in der Zellsignalgebung unter Beteiligung von Proteinkinasen, G-Protein-gekoppelten Rezeptoren und gasförmigen Molekülen (d. h. NO, CO und H2S). Zudem haben Ernährungsstudien gezeigt, dass eine diätetische Supplementierung mit mehreren AA (z. B. Arginin, Glutamin, Glutamat, Leucin und Prolin) die Genexpression moduliert, das Wachstum von Dünndarm und Skelettmuskulatur fördert oder überschüssiges Körperfett verringert. Diese wegweisenden Befunde führten zum neuen Konzept der funktionellen AA, definiert als jene AA, die an zentralen Stoffwechselwegen teilnehmen und diese regulieren, um Gesundheit, Überleben, Wachstum, Entwicklung, Laktation und Fortpflanzung der Organismen zu verbessern. Funktionelle AA sind vielversprechend für Prävention und Behandlung von Stoffwechselerkrankungen (z. B. Adipositas, Diabetes und kardiovaskuläre Störungen), intrauteriner Wachstumsrestriktion, Infertilität, intestinaler und neurologischer Dysfunktion sowie Infektionskrankheiten (einschließlich Virusinfektionen).

[2615] Sutton EF, Beyl R, Early KS et al. Early Time-Restricted Feeding Improves Insulin Sensitivity, Blood Pressure, and Oxidative Stress Even without Weight Loss in Men with Prediabetes. Cell Metabolism. 2018. Link

Cross-over-RCT mit 8 Männern mit Prädiabetes: Die Beschränkung der Mahlzeiten auf ein frühes 6-Stunden-Fenster (eTRF, 8:00–14:00 Uhr) über 5 Wochen – bei angeglichener Energiezufuhr – verbesserte die Insulinsensitivität, die β-Zell-Antwort, den Blutdruck und den oxidativen Stress signifikant gegenüber einem 12-Stunden-Kontrollfenster. Ein Gewichtsverlust war für diese günstigen metabolischen Veränderungen NICHT erforderlich, was darauf hinweist, dass der Effekt aus der zirkadianen Ausrichtung resultiert.

[2623] Fu Y et al. Insight into the effects of Omega-3 fatty acids on gut microbiota: impact of a balanced tissue Omega-6/Omega-3 ratio. Front Nutr. 2025. Link

Übersichtsarbeit dazu, wie Omega-3-Fettsäuren und ein ausgewogenes Omega-6:Omega-3-Verhältnis im Gewebe die Zusammensetzung und Funktion der Darmmikrobiota prägen: Ein hohes Verhältnis begünstigt proinflammatorische/LPS-produzierende Bakterien, ein ausgewogenes Verhältnis begünstigt SCFA-Produzenten (Bifidobacterium, Roseburia, Lactobacillus); dies stützt einen personalisierten Ernährungsansatz auf Basis der Fettsäureverhältnisse.

[2626] Snipe RMJ, Costa RJS et al. Nutritional considerations to counteract gastrointestinal permeability during exertional heat stress. J Appl Physiol. 2021. Link

Thermische Belastung (Hitzestress) vermindert die splanchnische Perfusion, induziert oxidativen Stress und eine Störung der Tight Junctions, wodurch die Permeabilität der Darmbarriere und die Endotoxin-Translokation zunehmen; dies kann die mikrobielle Zusammensetzung und die Immunregulation verändern. Ein Großteil der Evidenz stammt aus Modellen mit belastungsbedingtem Hitzestress und aus Tiermodellen.

[2639] Malagelada C, Azpiroz F. Gastrocolonic Response. Current Gastroenterology Reports. 2022. Link

Übersichtsarbeit zur gastrokolischen Antwort: einer physiologischen Zunahme der motorischen Aktivität des Kolons nach der Nahrungsaufnahme. Sie wird durch Magendehnung, Kalorienzufuhr und den Fettgehalt der Mahlzeit ausgelöst und über den Nervus vagus sowie neurohumorale Mechanismen vermittelt; sie tritt innerhalb von Minuten nach dem Essen auf und kann bei Gesunden Stunden anhalten. Der Reflex ist klinisch relevant bei Obstipation, IBS und anderen Motilitätsstörungen.

[2655] De Schryver AM, Keulemans YC, Peters HP, Akkermans LM, Smout AJ, De Vries WR. Effects of regular physical activity on defecation pattern in middle-aged patients complaining of chronic constipation. Scandinavian Journal of Gastroenterology. 2005. Link

Randomisierte Studie an inaktiven Patienten mittleren Alters mit chronischer idiopathischer Obstipation: Ein 12-wöchiges Programm regelmäßiger körperlicher Aktivität (einschließlich Gehen) verkürzte die rektosigmoidale und die gesamte Kolontransitzeit signifikant und verbesserte das Defäkationsmuster. Die Arbeit liefert direkte klinische Evidenz dafür, dass regelmäßige Bewegung die Darmpassage beschleunigt.

[2721] Palleja A, Mikkelsen KH, Forslund SK et al. Recovery of gut microbiota of healthy adults following antibiotic exposure. Nature Microbiology. 2018. Link

Shotgun-Metagenomik-Studie an 12 gesunden Männern: Nach einer viertägigen Gabe von drei Reserveantibiotika (Meropenem, Gentamicin, Vancomycin) erholte sich die Darmmikrobiota über sechs Monate weitgehend, aber unvollständig — mehrere häufige Spezies blieben weiterhin abwesend, und Resistenzgene waren vorübergehend angereichert.

[2722] Grosen AK et al. Effects of clinical donor characteristics on the success of faecal microbiota transplantation for patients in Denmark with Clostridioides difficile infection: a single-centre, prospective cohort study. The Lancet Microbe. 2025. Link

Monozentrische, prospektive dänische Kohortenstudie: Klinische Spendermerkmale — darunter die Antibiotikaexposition in den 12 Monaten vor der Spende und die Stuhlkonsistenz bei der Spende — beeinflussen den Erfolg der FMT bei rezidivierender C.-difficile-Infektion; die Antibiotikaanwendung des Spenders verschlechtert das Ergebnis, was ein striktes Spenderscreening stützt.

[2907] Deutz NE, Bauer JM, Barazzoni R, Biolo G, Boirie Y, Bosy-Westphal A, Cederholm T, Cruz-Jentoft A, Krznaric Z, Nair KS, Singer P, Teta D, Tipton K, Calder PC. Protein intake and exercise for optimal muscle function with aging: recommendations from the {ESPEN. Clinical Nutrition. 2014. Link

Das Altern geht mit einem allmählichen, fortschreitenden Verlust an Muskelmasse, -kraft und -ausdauer einher (Sarkopenie), am ausgeprägtesten bei bewegungsarmen älteren Menschen. Diese Übersicht der ESPEN-Expertengruppe kommt zu dem Schluss, dass regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining die meisten Aspekte der Sarkopenie ausgleicht und dass eine ausreichende Protein- und Energiezufuhr den altersbedingten Rückgang von Muskelmasse, -kraft und -funktion begrenzen und behandeln hilft. Empfohlen wird eine höhere Proteinzufuhr als die traditionellen 0,8 g/kg/Tag — etwa 1,0–1,2 g/kg Körpergewicht pro Tag für gesunde ältere Menschen und 1,2–1,5 g/kg/Tag bei akuter oder chronischer Erkrankung — in Kombination mit körperlicher Aktivität. Ziel ist der Erhalt von Muskelfunktion, Mobilität und Selbstständigkeit im Alter.

[2909] Kelly ColleenR, Ihunnah Chioma, Fischer Monika, Khoruts Alexander, Surawicz Christina, Afzali Anita, Aroniadis Olga, Barto Amy, Borody Thomas, Giovanelli Andrea, Gordon Shelley, Gluck Michael, Hohmann ElizabethL, Kao Dina, Kao JohnY, McQuillen DanielP, Mellow Mark, Rank KevinM, Rao Krishna, Ray Arnab, Schwartz MargotA, Singh Namita, Stollman Neil, Suskind DavidL, Vindigni StephenM, Youngster Ilan, Brandt Lawrence. Fecal Microbiota Transplant for Treatment of {Clostridium. American Journal of Gastroenterology. 2014. Link

Eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) ist bei immungeschwächten Patienten besonders gefährlich, doch die Sicherheit der fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT) war in dieser Gruppe bislang unklar. Diese retrospektive Fallserie aus 16 Zentren untersuchte 80 immungeschwächte Patienten (75 Erwachsene, 5 Kinder) mit rezidivierender (55%), refraktärer (11%) oder schwerer/überlappender (34%) CDI; Ursachen der Immunschwäche waren u. a. HIV/AIDS, Organtransplantation, onkologische Erkrankungen, Immunsuppression bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung und weitere Zustände. Die CDI-Heilungsrate nach einer einzigen FMT betrug 78%, und der Eingriff war insgesamt sicher: schwere unerwünschte Ereignisse innerhalb von 12 Wochen waren selten und deuteten nicht auf eine durch FMT übertragene Infektion hin. Die Autoren schließen, dass die FMT auch bei immungeschwächten Patienten eine wirksame und sichere Option gegen CDI ist.

[2910] Buccigrossi Vittoria, Lo Vecchio Andrea, Bruzzese Eugenia, Russo Carla, Marano Antonella, Terranova Sara, Cioffi Valentina, Guarino Alfredo. Potency of Oral Rehydration Solution in Inducing Fluid Absorption is Related to Glucose Concentration. Scientific Reports. 2020. Link

Die orale Rehydratationslösung (ORS) ist die zentrale Behandlung des akuten Durchfalls bei Kindern: Sie stellt das Elektrolytgleichgewicht wieder her, indem sie den intestinalen Natrium/Glukose-Transporter SGLT1 stimuliert und so die Flüssigkeitsaufnahme antreibt. Die Autoren untersuchten Lösungen mit unterschiedlichen Natrium- und Glukosekonzentrationen an Caco-2-Darmzellen mittels Ussing-Kammer-Elektrophysiologie während rotavirusinduzierter Sekretion. Die ESPGHAN-ORS (Natrium 60 mmol/l, Glukose 111 mmol/l) erzeugte einen stärkeren resorptionsfördernden Effekt als die WHO-ORS, und der Effekt hing vom Natrium/Glukose-Verhältnis ab; die rotavirusbedingte Flüssigkeitssekretion ließ sich in Richtung Resorption umkehren, wenn Natrium im Bereich 45–60 mÄq/l und Glukose im Bereich 80–110 mM lag. Fazit: Die resorptionsfördernde Wirkstärke der ORS hängt von ihren Natrium- und Glukosekonzentrationen ab.

[2912] Laborde Sylvain, Allen MarkS, Borges Uirassu, Iskra Maša, Zammit Nina, You Min, Hosang Thomas, Mosley Emma, Dosseville Fabrice. Psychophysiological effects of slow-paced breathing at six cycles per minute with or without heart rate variability biofeedback. Psychophysiology. 2022. Link

Herzratenvariabilitäts-(HRV-)Biofeedback — langsames Atmen (SPB) beim Betrachten eines Herzfrequenz-/HRV-Signals — wird zunehmend als ergänzende Methode bei vielen psychischen und medizinischen Erkrankungen eingesetzt, doch der Mechanismus ist unklar. Bei 112 Teilnehmenden verglich diese Studie SPB mit sechs Atemzügen pro Minute mit HRV-Biofeedback (SPB-HRVB) und ohne (SPB-NoHRVB) und maß emotionale Valenz, Erregung und Kontrolle, wahrgenommenen Stress sowie den vagal vermittelten HRV-Index RMSSD. Beide Bedingungen erzeugten dieselben Vorher-Nachher-Vorteile — ruhigere emotionale Valenz, geringere Erregung, größere emotionale Kontrolle und höheren RMSSD —, wobei das Biofeedback lediglich eine etwas positivere Gesamtvalenz hinzufügte. Die Autoren schließen, dass das langsame Atmen selbst den Großteil des psychophysiologischen Nutzens bewirkt, und schlagen vor, längere Interventionen und verschiedene Stressoren zu untersuchen.

[2916] Hengel RichardL, Schroeder ClaudiaP, Jo Jinhee, Ritter TimothyE, Nathan RameshV, Gonzales-Luna AnneJ, Obi EngelsN, Dillon RyanJ, Van Anglen LucindaJ, Garey KevinW. Recurrent Clostridioides difficile infection worsens anxiety-related patient-reported quality of life. Journal of Patient-Reported Outcomes. 2022. Link

Diese patientenberichtete Studie misst mit dem angstbezogenen Cdiff32-Instrument, wie sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HrQOL) nach Behandlung einer Clostridioides-difficile-Infektion (CDI) verändert. Bei 144 mit Bezlotoxumab behandelten Erwachsenen verbesserte sich der mittlere Wert von 26,4 zu Beginn auf 56,4 bei der 90-Tage-Nachbeobachtung (höhere Werte bedeuten bessere Lebensqualität). Patienten ohne Rezidiv verbesserten sich deutlich stärker (Anstieg um 34,1 Punkte) als solche mit rezidivierender CDI (Anstieg um 6,7 Punkte; P < 0,001). Eine rezidivierende CDI verschlechtert somit die angstbezogene Lebensqualität erheblich, und das Cdiff32-Instrument eignet sich zur Erfassung dieser Ergebnisse.

Anmerkung: Die obigen Einträge bilden die externe, zitierfähige Evidenzbasis des Buches. Die internen Quelldokumente der MicroBiome Bank (DiffBiome / HospBiome Service Datasheet, SIS Clinical Guide, Clinical protocol guide v2.1, Kapseldichte-Protokoll, DSQ-Karten, C. diff clearance strategy 2026) liefern die produkt- und protokollspezifischen Fakten; diese sind keine öffentlichen Literatureinträge, sondern eigene, referenzierte Dokumente des Anbieters.

Autoren:
PG
Dr. Patay Gábor
Arzt, Mikrobiota-Spezialist
BA
Dr. Bezzegh Attila
ärztlicher Direktor, klinischer Mikrobiologe
AM
Dra. Anna Munar
Ärztin, Exposom-Spezialistin
MicroBiome Bank — medizinisch geprüfte Fachinhalte. Letzte Aktualisierung: 2026.