13. Cashewkern
Der magische "Apfel" des Amazonas – viel Magnesium, MUFA-dominiertes Fettprofil und cremige Textur für pflanzliche Pasten.
" evidenz="★ ★ (Humaninterventionen – Lipidprofil; moderate mechanistische Begründung)" mikrobiota="MUFA + Ballaststoffe + Polyphenole; Fruktan in kleinen Mengen präbiotisch"]
Was liefert es? Viel einfach ungesättigtes Fett (MUFA – Ölsäure, ≈ 24 g/100 g, etwa 60 % des Gesamtfetts), Magnesium (≈ 292 mg/100 g – eine der höchsten Quellen), Zink (≈ 5,8 mg/100 g), Eisen (≈ 6,7 mg/100 g) und Pflanzensterole (β-Sitosterol, Campesterol – Verringerung der Cholesterinaufnahme) [2801]. Er enthält außerdem kleine Mengen Anacardsäure (in der Schale konzentriert – handelsüblicher "roher" Cashewkern ist immer wärmebehandelt, da die rohe Schale allergen und reizend ist).
Wie viel? Eine Handvoll pro Tag (≈ 28 g, etwa 15–18 Stück) – in RCTs senkten 28–64 g Cashewkerne/Tag über 4–12 Wochen das LDL-Cholesterin und verbesserten das HDL/LDL-Verhältnis (Mah 2017 Am J Clin Nutr [2797]; Mohan 2018 J Nutr [2798]).
Wann meiden? Baumnussallergie (Anaphylaxie, Kreuzreaktion mit Pistazie – Familie Anacardiaceae), IBS-Schub (hoher Fruktan-FODMAP-Gehalt), aktive Gallensteine (der Fettgehalt kann eine Gallenkolik auslösen), Aflatoxinkontamination (bei schlechter Lagerung), Nierensteine (mäßiges Oxalat ≈ 260 mg/100 g – hoch), starke Kalorienrestriktion, Kinder < 4 Jahre (Erstickungsgefahr + Allergierisiko), zu Hause zubereitete rohe Cashewkerne (Reizung durch Anacardsäure der Schale).
Der Cashewkern stammt aus der amazonisch-brasilianischen Heimat, wo das indigene Volk der Tupi jahrhundertelang den Samen "acaju" (aus dem das englische cashew entstand) und den daran hängenden süßsauren "Cashewapfel" verzehrte. Mitte des 16. Jahrhunderts brachten portugiesische Händler und Kolonisten ihn nach Indien (Goa) und Mosambik – beide Kolonien übernahmen ihn perfekt. Indien wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts zum weltgrößten Cashewverarbeiter, da das Entfernen der Schale – die die ätzende Anacardsäure enthält – von Hand erfolgen muss, in einem arbeitsintensiven Verfahren. Mitte des 20. Jahrhunderts übernahmen Vietnam und die Elfenbeinküste die führende Rolle. Der Cashewkern ist botanisch KEINE Nuss: Der Samen selbst hängt am "Apfel", und seine Schale ist chemisch mit Giftefeu/Gifteiche verwandt – deshalb ist "roher" handelsüblicher Cashewkern immer leicht wärmebehandelt, um Rückstände der Anacardsäure zu inaktivieren. (Britannica)
Wissenschaftlicher Hintergrund
Das bioaktive Profil des Cashewkerns ist vor allem lipidorientiert. (1) MUFA-dominiertes Fettprofil: Von den ≈ 44 g/100 g Gesamtfett sind etwa 60 % Ölsäure (die zentrale MUFA der mediterranen Ernährung), ≈ 18 % PUFA (überwiegend Linolsäure, Omega-6) und ≈ 20 % SFA. Klinisch zeigten Cashew-Interventions-RCTs (Mah 2017 Am J Clin Nutr – randomisierte, Crossover-, kontrollierte Ernährungsstudie, KEINE Metaanalyse; Mohan 2018 J Nutr – indisches RCT bei Typ-2-Diabetes) eine moderate LDL-Senkung (≈ −3 bis −6 %), einen HDL-Anstieg und eine Blutdrucksenkung [2797] [2798]; der Effekt ist moderat, aber mit anderen Baumnüssen vergleichbar.
(2) Magnesium und Zink: Der Cashewkern ist eine herausragende Magnesiumquelle (≈ 292 mg/100 g) und Zinkquelle (≈ 5,8 mg/100 g) – Magnesium ist entscheidend für den Glukosestoffwechsel, die Blutdruckregulation, die Muskelfunktion und die Knochenmineralisierung. Eine Portion von 30 g deckt ≈ 22 % des täglichen Mg-Bedarfs.
(3) Pflanzensterole und Polyphenole: β-Sitosterol und Campesterol konkurrieren mit der Cholesterinaufnahme. Der Polyphenolgehalt des Cashewkerns ist niedriger als der von Walnuss oder Mandel (Bolling 2011 Nutr Res Rev) [981], sodass die durch Tannine und Ellagitannine vermittelten Mikrobiomwirkungen geringer ausfallen.
(4) Anacardsäure (in der Schale): das in der rohen Schale konzentrierte phenolische Lipid, das reizend und antimikrobiell wirkt. Handelsüblicher Cashewkern ist stets wärmebehandelt oder gedämpft, Rückstände der Anacardsäure sind vernachlässigbar (Trox 2010 J Agric Food Chem) [2800].
Aus Mikrobiomsicht bietet der Ballaststoffgehalt des Cashewkerns (≈ 3,3 g/100 g, überwiegend unlöslich + eine kleine Menge Fruktan) eine moderate SCFA-Unterstützung; in präklinischen Modellen (Mandalari 2018 Br J Nutr – In-vitro-Präbiotikastudien an Mandelhäutchen) [2799] hat die Polyphenolmatrix der Baumnüsse eine positive Zunahme der Mikrobiomdiversität gezeigt. Der hohe Fruktangehalt löst bei IBS-empfindlichen Personen jedoch Symptome aus.
- + Cashewcreme (eingeweichte + pürierte Cashewkerne): cremige, vegane Soßen- und Dessertbasis; das Einweichen verringert das Phytat.
- + Mediterraner Salat: Ölsäure + Olivenöl + Blattgrün + Tomate.
- + Vitamin C (Zitronensaft, Tomate): erhöht die Aufnahme von (Nicht-Häm-)Eisen.
- + Schonendes Rösten (150 °C, 10–12 Min.): Geschmacksvertiefung ohne MUFA-Oxidation.
- + Abendessen mit Hülsenfrüchten + Vollkorn: Cashewkerne in würzigen Currys (indisches Korma-Muster) – klassische Matrix.
- + Einweichen für 4–8 Stunden (cremige Cashewpaste): geschmeidigere Textur + Phytatabbau.
- Große Hitze, langes Rösten (≥ 180 °C, 20+ Minuten): MUFA-Oxidation.
- Gesalzene, aromatisierte Cashewkerne + Antihypertensivum: Natriumlast.
- Eisenpräparat im selben Zeitfenster: Phytatchelierung – ≥ 2 Stunden Abstand halten.
- Baumnussallergie: strikt zu meiden. Kreuzreaktivität mit Pistazie (gemeinsame Familie Anacardiaceae) – besondere Gefahr.
- IBS-Schub: hoher Fruktan-FODMAP-Gehalt – meiden, bei der Wiedereinführung ist eine kleine Portion (≤ 10 g) verträglich.
- Aktive Gallensteine, Gallengangsverschluss: Der Fettgehalt kann eine Gallenkolik auslösen.
- Nierensteine (Calciumoxalat): mäßig bis hoher Oxalatgehalt – 30 g/Tag unbedenklich, mehr ist riskant.
- Aflatoxinempfindliche Bevölkerungsgruppen: ranzige/schimmelige Cashewkerne entsorgen – luftdichte Verpackung, gekühlte Lagerung.
- Kinder < 4 Jahre: Erstickungsgefahr durch ganze Cashewkerne + hohes Allergierisiko.
- Starke Kalorienrestriktion: 30 g Cashewkerne ≈ 165 kcal.
"Rohe Cashewkerne sind am gesündesten." Mythos. Als "roh" ausgezeichnete handelsübliche Cashewkerne sind ausnahmslos leicht wärmebehandelt (gedämpft oder geröstet), da der vollständig rohe Samen mit Schale Rückstände von Anacardsäure enthält, die reizend wirken. Die Bezeichnung "roh" bezieht sich auf die schonende Verarbeitung, nicht auf einen völlig unverarbeiteten Zustand.
"Der Cashewkern ist die billigste Nuss und daher von geringerer Qualität." Irrtum. Der Preis des Cashewkerns ergibt sich aus der Komplexität der Verarbeitung (manuelles Schälen, Beseitigung der Anacardsäure) – seine Qualitätsmerkmale hinsichtlich Lipidprofil, Magnesium und Zink werden dadurch nicht bestimmt.
"Cashewkerne machen dick." Teilweise ein Mythos. Die Tagesportion von 30 g Cashewkernen liefert ≈ 165 kcal und ist MUFA-dominiert. Laut Metaanalysen zu Nussinterventionen (Kim 2017 Nutrients) ist ein regelmäßiger Verzehr von Nüssen und Samen NICHT mit einer Gewichtszunahme verbunden, gegenüber der Kontrolle zeigt sich sogar eine leichte BMI-Abnahme – aufgrund der Sättigung und einer teilweisen Malabsorption.
"Der Cashewkern ist ein natürliches Antidepressivum." Mythos. Der Cashewkern enthält Tryptophan (≈ 290 mg/100 g), die Vorstufe von Serotonin, ABER der Zusammenhang zwischen der Tryptophanzufuhr über die Nahrung und dem Serotoninspiegel im Zentralnervensystem ist NICHT linear – der Übertritt über die Blut-Hirn-Schranke ist streng reguliert. Behauptungen wie "Cashewkern = SSRI-Äquivalent" sind wissenschaftlich nicht begründet.
Literatur
[981] Bolling BW et al. Tree nut phytochemicals: composition, antioxidant capacity, bioactivity, impact factors2011;24(2):244–275. Nutr Res Rev. Link
[2797] Mah E, Schulz JA, Kaden VN, Lawless AL, Rotor J, Mantilla LB, Liska DJ. Cashew consumption reduces total and LDL cholesterol: a randomized, crossover, controlled-feeding trial. American Journal of Clinical Nutrition. 2017. Link
[2798] Mohan V, Gayathri R, Jaacks LM, Lakshmipriya N, Anjana RM, Spiegelman D, Jeevan RG, Balasubramaniam KK, Shobana S, Jayanthan M, Gopinath V, Divya S, Kavitha V, Vijayalakshmi P, Bai MR, Unnikrishnan R, Sudha V, Krishnaswamy K, Salas-Salvadó J, Willett WC. Cashew nut consumption increases HDL cholesterol and reduces systolic blood pressure in Asian Indians with type 2 diabetes. Journal of Nutrition. 2018. Link
[2799] Mandalari G, Bisignano C, Filocamo A, Chessa S, Saro M, Torre G, Faulks RM, Dugo P. In vitro evaluation of the prebiotic properties of almonds and almond skin. British Journal of Nutrition. 2018. Link
[2800] Trox J, Vadivel V, Vetter W, Stuetz W, Scherbaum V, Gola U, Nohr D, Biesalski HK. Bioactive compounds in cashew nut (Anacardium occidentale L.) kernels: effect of different shelling methods. Journal of Agricultural and Food Chemistry. 2010. Link
[2801] . Nuts, cashew nuts, raw. USDA FoodData Central. 2019. Link
[2802] . Cashew — FODMAP serving guidance. Monash University FODMAP. 2023. Link

