XV. 30. Safran
Das "rote Gold" – Crocin, Safranal und Evidenz auf RCT-Niveau bei Depression und PMS.
Was liefert es? Crocin (wasserlösliches Carotinoidglykosid – Quelle der roten Farbe; Darmbakterien hydrolysieren es zu Crocetin, das die Blut-Hirn-Schranke überwindet) und Safranal (flüchtiges Monoterpen – Quelle des honigartigen Aromas, anxiolytisch). Mechanismus: Serotonin-Wiederaufnahmehemmung, BDNF-Erhöhung, Verringerung der Neuroinflammation. Die RCTs von Akhondzadeh 2007 und Lopresti 2014: fluoxetinäquivalente Wirkung bei leichter bis mittelschwerer Depression (Verbesserung des Hamilton-Scores).
Wie viel? Kulinarisch: 3–6 Narbenfäden (≈ 15–30 mg) für eine Portion für 2 Personen, 10–20 Minuten in 60 °C warmem Wasser/warmer Milch aufgegossen. Für die klinische Indikation 28–30 mg/Tag standardisierter Safranextrakt (affron, Saffr'Activ) über 6–12 Wochen, nach ärztlicher Rücksprache. Der Agha-Hosseini-RCT von 2008: 30 mg/Tag über 2 Menstruationszyklen → signifikante PMS-Verringerung. Überschreiten Sie NIEMALS 1.5 g/Tag – 5 g/Tag sind giftig, 10 g/Tag potenziell tödlich (Gebärmutterblutung, Hirnblutung).
Wann meiden? Schwangerschaft in therapeutischen Dosen (uteroton – Fehlgeburtsrisiko; kulinarische 1–2 Fäden sind sicher); bipolare Störung (Manieauslösung); Kombination mit SSRI/SNRI/MAO-Hemmer (Serotoninsyndrom); Warfarin/DOAK/Aspirin (Blutungsrisiko); 2 Wochen vor einer Operation. Die ausführlichen Kontraindikationen finden Sie im krankheitsspezifischen Abschnitt.
Der Safran ist eines der ältesten und noch immer das teuerste Gewürz der Menschheit. Seine Ursprünge sind von den griechischen Ägäisinseln und von Kreta bekannt, wo die minoischen Fresken von Knossos (1600–1500 v. u. Z.) safranerntende Frauen darstellen; im alten Persien (Provinz Khorasan – noch heute ≈ 90% der Weltproduktion) wurde er zum Textilfärben, für Parfüm, Medizin und Küche verwendet. Nach seiner Verwendung am Hof von Dareios I. (dem Vater des Xerxes) führte ihn Avicenna (Ibn Sina, 10.–11. Jh.) im islamischen Goldenen Zeitalter in seinem Kanon (Al-Qānūn fī aṭ-Ṭibb) mit mehreren Indikationen auf (Depression, Verdauung). Avicennas "Kanon" (10. Jh.) erwähnt ihn als Mittel gegen Depression, Kopfschmerz und "Herzkummer" – moderne klinische Studien bestätigten tausend Jahre später dieselbe Indikation.
Der Safran war eine der wichtigsten Handelswaren des antiken Mittelmeerraums und der Seidenstraße: Die römische Aristokratie streute ihn in Badewasser, Bettzeug und Speisen; der "Safrankrieg" (Krocus-Krieg) des 14. Jahrhunderts bei Basel entstand, als eine Lieferung des Gewürzes gestohlen wurde – ein 12-wöchiger Konflikt, typisch für mittelalterliche Handelsspannungen. In Mitteleuropa erschien der italienisch geprägte kulinarische Safrangebrauch am Hof von König Matthias (15. Jh.), doch er wurde nie ein Massenprodukt. Die moderne klinisch-psychopharmakologische Forschung explodierte mit der Studienserie von Akhondzadeh und Teheraner Kollegen nach 2001: Ihr RCT von 2005 zeigte, dass 6 Wochen Safranextrakt (30 mg/Tag) bei leichten bis mittelschweren Fällen eine Depressionsverringerung äquivalent zu Fluoxetin (20 mg/Tag) ergaben – kleine Stichprobe (n=40), doch seither haben Dutzende unabhängiger RCTs und die Metaanalyse von Tóth (2019) dies untermauert. (Akhondzadeh 2005; Lopresti 2014; Tóth 2019)
Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Safrannarbe (die dreiästige rote Narbe unter den Fortpflanzungsteilen der Blüte von Crocus sativus) enthält drei wichtigste Bioaktivstoffgruppen. Crocine (cis- und trans-) sind wasserlösliche Carotinoidglykoside – verantwortlich für die tiefrot-orange Farbe. Crocetin (das Aglykon des Crocins) ist der eigentliche systemische Wirkstoff – Crocin wird im Darm, vermittelt durch das Kolonmikrobiom, teilweise zu Crocetin hydrolysiert, das dann die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Safranal ist ein flüchtiges Monoterpen, das für das charakteristische Aroma nach "Honig und Heu" verantwortlich ist und im Tierversuch selbst anxiolytisch wirkt. [2426]
Neuropsychiatrische Mechanismen: (1) Serotonin-Wiederaufnahmehemmung (SSRI-artig, aber schwächer), (2) Dopamin- und Noradrenalinmodulation, (3) NMDA-Rezeptormodulation, (4) Entzündungshemmung im Zentralnervensystem (Zytokinverringerung), (5) BDNF-Erhöhung in Tiermodellen, (6) Regulierung der HPA-Achse (Cortisolsenkung).
Klinisch ist die Evidenz zur Depression am belastbarsten. In den vier aufeinanderfolgenden RCTs von Akhondzadeh und Kollegen zwischen 2004 und 2007 (insgesamt ≈ 200 Patienten) senkten 30 mg/Tag standardisierter Safranextrakt über 6 Wochen den Hamilton-Depressionsscore ebenso stark wie Fluoxetin 20 mg/Tag oder Imipramin 100 mg/Tag. [2417] [2418] Lopresti (2014, 2018) replizierte dies in Australien unabhängig bei leichter bis mittelschwerer Depression – signifikante placebokontrollierte Wirkung. [2419] [2420] Die Metaanalysen von Tóth (2019) und Marx (2019) fanden ihn auf Grundlage von 11–23 RCTs einheitlich bei leichten bis mittelschweren Fällen wirksam. [2423] [2424]
PMS und Menopause: Im Agha-Hosseini-RCT (2008) verringerten 30 mg/Tag Safranextrakt über 2 Menstruationszyklen die PMS-Symptome gegenüber Placebo signifikant. [2421] Ähnliche Daten liegen für menopausale Symptome vor (Kashani 2018).
Kognitive Funktion und Alzheimer: Akhondzadehs 22-wöchiger RCT (2010) zeigte, dass 30 mg Safranextrakt bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit eine donepeziläquivalente Wirkung hatten – vielversprechend als Zusatztherapie, nicht als Erstlinien-Monotherapie. [2422]
Augengesundheit: Crocetin und Crocin sind netzhautschützend – frühe Humandaten sind bei altersbedingter Makuladegeneration (AMD) und diabetischer Retinopathie positiv (Falsini 2010). [2425]
Auf Mikrobiomebene wird Crocin abhängig von der β-Glucosidase-Aktivität der Kolonbakterien hydrolysiert – das ist entscheidend für die Resorption. In dysbiotischen Zuständen (nach Antibiotika, bei IBD) kann die klinische Wirkung des Safrans abnehmen. Crocetin und seine Metaboliten liefern eine präbiotikaartige Matrix – in Tierdaten Bifidobacterium-steigernde Wirkungen.
Toxikologie: Niedrige Ernährungsdosen (einige Fäden/Tag) sind vollkommen sicher. Bis 1.5 g/Tag sind keine schweren Nebenwirkungen dokumentiert. 5 g/Tag gelten als giftig – Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blutungssymptome, gelbe Hautverfärbung. 10–20 g/Tag sind eine potenziell tödliche Dosis (Gebärmutterblutung, Hirnblutung, Multiorganversagen).
- + Warmem Wasser oder warmer Milch zum Aufgießen: Crocin ist wasserlöslich – 10–20 Minuten warmer (NICHT heißer) Aufguss extrahiert den Wirkstoff und ergibt intensive gelbe Farbe und Aroma.
- + Fett (natives Olivenöl extra, Butter, Ghee): Crocetin (Aglykon) ist fettlöslich – traditionell in fetthaltigen Matrices der nahöstlichen, mediterranen und spanischen Küche gegart (Paella, Biryani, Risotto alla milanese).
- + Hochwertigem Protein (Huhn, Fisch, Lamm): klassische Geschmackskombinationen, und die Proteinmatrix verlangsamt die Resorption für gleichmäßige Plasmaspiegel.
- + Ballaststoffreicher Ernährung, fermentierten Milchprodukten: für die Gesundheit des Darmmikrobioms – die Umwandlung von Crocin → Crocetin erfordert eine aktive β-Glucosidase-Aktivität.
- + Herkömmlicher antidepressiver Behandlung (SSRI, SNRI) – ABER nur unter ärztlicher Überwachung: In der Augmentationsstudie von Lopresti (2018) war die Kombination gut verträglich und zeigte eine additive Wirkung. Kombinieren Sie NICHT eigenmächtig (theoretisches Risiko eines Serotoninsyndroms).
- + B-Komplex (besonders B6, Folat, B12): Cofaktoren der Serotoninsynthese, synergistische Depressionsunterstützung.
- Eigenmächtiger Kombination mit SSRI, SNRI, MAO-Hemmer in klinischer Dosis (≥ 30 mg/Tag Extrakt): theoretisches Risiko eines Serotoninsyndroms. Unter ärztlicher Überwachung mit engmaschiger Kontrolle kombinierbar.
- Antikoagulanzien (Warfarin, DOAK, Aspirin, Clopidogrel) + hochdosiertem Safran: milde thrombozytenaggregationshemmende und antikoagulatorische Wirkungen des Crocetins – additives Blutungsrisiko. Die kulinarische Dosis ist sicher.
- Bipolarer Störung, Risiko eines Umschlags in die Manie: theoretisch, mit SSRI-äquivalenten Wirkstoffen existieren Fallberichte – die therapeutische Dosis ist bei bipolarer Störung zu meiden.
- Antihypertensiva (β-Blocker, ACE-Hemmer, Kalziumkanalblocker) + hochdosiertem Safran: additive Blutdrucksenkung, orthostatischer Schwindel.
- Sedierenden Mitteln (Benzodiazepine, Z-Hypnotika, Antihistaminika): additive Sedierung.
- Chemotherapie (einige Zytostatika): Safranextrakt moduliert in vitro und in Tierdaten die Tumorempfindlichkeit – für die therapeutische Dosis ist eine onkologische Rücksprache erforderlich.
- Anderen antidepressiven Heilpflanzen (Johanniskraut/Hypericum, SAMe): additive serotonerge Wirkung.
- Schwangerschaft: ABSOLUTE Kontraindikation in therapeutischer Dosis. Safranal und Crocetin sind uteroton (gebärmutterkontrahierend) – historisch als Abtreibungsmittel verwendet. Oberhalb von 5 g/Tag sind Gebärmutterblutungen und Fehlgeburten dokumentiert. Kulinarische 1–2 Safranfäden in Speisen sind sicher.
- Stillzeit: therapeutische Dosis zu meiden, Ernährungsdosis in Ordnung.
- Bipolare Störung (besonders mit Manieneigung): theoretisches Risiko einer Manieauslösung. Unter psychiatrischer Aufsicht oder zu meiden.
- Schwere Hypotonie, orthostatisches Syndrom: additive blutdrucksenkende Wirkung.
- Schweres Leber- oder Nierenversagen: Dosisreduktion oder Verzicht in therapeutischer Form.
- 2 Wochen vor einer geplanten Operation: Blutungsrisiko bei Extrakt in klinischer Dosis.
- Iridaceae-Allergie (selten): Kreuzreaktivität mit der Krokusfamilie.
- Säuglinge und Kleinkinder: therapeutische Dosis nicht empfohlen. Eine minimale Menge als kulinarisches Aroma ist akzeptabel.
- Verdacht auf ein verfälschtes Produkt: Echter Safran ist teuer (≥ 5 EUR/g) – verdächtig billige Produkte (unter 1 EUR/g) sind wahrscheinlich mit Kurkuma, Färberdistel (Carthamus tinctorius) oder Papierblüten verfälscht. Keine klinische Wirkung, Allergen- und Kontaminationsrisiko.
"Safran ist ein Medikament gegen jede Depression." ❌ Eine Präzisierung ist nötig. Die klinische Evidenz ist bei leichter bis mittelschwerer Depression stark; für schwere Depression, therapieresistente Fälle oder psychotische Depression gibt es keine Daten – dort sind SSRI/SNRI/Psychotherapie die erste Wahl. Safran als Zusatztherapie oder als Monotherapie in leichten Fällen ist nach ärztlicher Rücksprache ein sehr gutes Mittel.
"Jeder Safran hat dieselbe Wirkung." ❌ Dramatisch nicht. (1) Die Verfälschung kann auf dem Markt 50–80% erreichen (besonders aus billigen touristischen Quellen). (2) Die meisten klinischen Studien verwendeten STANDARDISIERTEN Extrakt – 2% Safranalgehalt, bekannte Crocinkonzentration. Die Qualität einfacher Fäden schwankt von Charge zu Charge. Für die klinische Indikation lohnt es sich, einen standardisierten Extrakt zu wählen (z. B. affron, Saffr'Activ).
"Mehr Safran ist besser." ❌ Ein gefährlich tödlicher Mythos. Die toxische Dosis liegt bei 5 g/Tag; tödlich ist ≥ 10 g/Tag. Therapeutisches Fenster: 30 mg–1.5 g/Tag. Die Philosophie "mehr = besser" ist hier ausdrücklich lebensgefährlich.
"Safrantee fördert die Gewichtsabnahme." ❌ Keine belastbare Humanevidenz. Einige kleine Studien fanden appetithemmende Wirkungen (Gout 2010 – crocinhaltiger Extrakt), doch die klinische Bedeutung ist minimal. Für sich allein kein Abnehmmittel.
"Die Safranfarbe beweist die Qualität." ❌ Teilweise ein Mythos. Eine tiefrote Farbe weist zwar auf den Crocingehalt hin, ABER Fälscher färben ebenfalls (Kurkuma, Schwefelprodukt). Verlässliche Tests: (a) In kaltem Wasser färbt Safran das Wasser gelb, der Faden selbst bleibt jedoch rot; die Fälschung verliert die Farbe. (b) Frischer Qualitätssafran hat ein Heu-Honig-Aroma; die Fälschung hat ein metallisches oder gar kein Aroma. (c) Eine HPLC-Analyse im Labor entscheidet endgültig.
"Zwischen 'iranischem' und 'spanischem' Safran ist der spanische besser." ❌ Marketingmythos. 90% der Weltproduktion stammen aus dem Iran (besonders aus Khorasan) – oft in Spitzenqualität. Der spanische "azafrán" (La Mancha PDO) ist ebenfalls ausgezeichnet, aber teurer bei geringeren Erträgen. Die Vorstellung, "der spanische hat den besseren Ruf", ist irrig – achten Sie auf die Echtheit der Quelle und die Lagerung, nicht auf die astronomische nationale Marke.
"Safran wirkt bei Depression sofort." ❌ Wie bei jedem Antidepressivum ist Geduld nötig. Die Studien von Lopresti und Akhondzadeh zeigten signifikante Wirkungen nach 4–8 Wochen. Von einer einzelnen Dosis oder einer Anwendung über wenige Tage lässt sich keine klinische Veränderung erwarten.
Tagesportion (kulinarisch): 3–6 Narbenfäden (≈ 15–30 mg) für eine Portion für 1–2 Personen. Tagesdosis (klinisch, standardisierter Extrakt): 28–30 mg/Tag, 6–12 Wochen, nach ärztlicher Rücksprache.
Aufgussbasis (entscheidend!): 6–8 Narbenfäden + 2–3 EL warmes (NICHT heißes, ≈ 60 °C) Wasser, Milch oder Brühe. 10–20 Min. stehen lassen, bis die Flüssigkeit tief orangerot ist. Geben Sie DIESE ins Gericht, NICHT die trockenen Fäden direkt.
Klassische Muster:
- Spanische Paella: Reis + Meeresfrüchte/Huhn + Safranaufguss + grüne Erbsen + Olivenöl. Der weltberühmte Maßstab.
- Risotto alla milanese: Arborioreis + Butter + Safranaufguss + Parmesan + Knochenbrühe. Italienischer Klassiker, reiche Matrix.
- Iranischer "chelo"-Reis: Basmatireis + zerlassene Butter + Safranmilch. Khorasan-Tradition.
- Indisches Biryani: Basmatireis + Lamm oder Huhn + Safran + Kardamom + Nelke. Moghul-Erbe.
- Moderne Fischsuppenvariante: klassische mitteleuropäische Fischsuppe + 3–4 Safranfäden aus dem Aufguss. Spannende zeitgenössische Variation.
- Safranmilch (vor dem Schlafengehen): 200 ml warme Milch + 3–4 Safranfäden + 1 TL Honig + eine Prise Kardamom. Die iranische "doodh"-Tradition, schlaf- und stimmungsunterstützend.
Lagerung: luftdicht, dunkel, kühl (NICHT im Kühlschrank – Feuchtigkeit baut ihn ab). Flüchtige Verbindungen (besonders Safranal) sind luftempfindlich – meiden Sie geöffnete, lange gelagerte Ware. Ab dem frischen Kauf innerhalb von 2 Jahren verbrauchen.
Qualitätstest zu Hause: 5 Min. kaltes Wasser → tiefgelbe Flüssigkeit + der Faden selbst bleibt rot = echt. Färbt er sofort und verliert der Faden sein Rot = wahrscheinlich Fälschung (Kurkuma oder gefärbte Färberdistel).
Was Sie vermeiden sollten: Garen Sie ihn nicht in zu heißem (≥ 90 °C) Öl – Safranal verdampft. Bewahren Sie einen Aufguss in Milchflüssigkeit nicht länger als 24 Stunden auf. Kombinieren Sie Extrakt in klinischer Dosis nicht ohne ärztliche Überwachung mit einem SSRI. Geben Sie ihn in der Schwangerschaft nicht in therapeutischer Dosis.
Literatur
[2417] Akhondzadeh S et al. Comparison of Crocus sativus L. and imipramine in the treatment of mild to moderate depression: a pilot double-blind randomized trial. BMC Complement Altern Med. . 2004. Link
HINTERGRUND: Die mit Depression verbundene Morbidität und Mortalität ist beträchtlich und nimmt weiter zu. Depression steht derzeit weltweit an vierter Stelle der Hauptursachen von Behinderung, nach unteren Atemwegsinfektionen, pränatalen Erkrankungen und HIV/AIDS. Crocus sativus L. wird zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Viele Lehrbücher der Arzneipflanzenkunde verweisen auf diese Indikation, obwohl kein evidenzbasiertes Dokument vorliegt. Unser Ziel war es, die Wirksamkeit der Narben von Crocus sativus (Safran) mit Imipramin bei der Behandlung leichter bis mittelschwerer Depression in einer 6-wöchigen doppelblinden randomisierten Pilotstudie zu vergleichen. METHODEN: Dreißig erwachsene ambulante Patienten, die auf Basis des strukturierten klinischen Interviews für DSM IV die Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4. Auflage, für eine Major Depression erfüllten, nahmen an der Studie teil.
[2418] Akhondzadeh S et al. Comparison of petal of Crocus sativus L. and fluoxetine in the treatment of depressed outpatients: a pilot double-blind randomized trial. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. . 2007. Link
Eine 8-wöchige, doppelblinde, randomisierte klinische Pilotstudie, die den Blütenblattextrakt von Crocus sativus L. (Safran) mit Fluoxetin bei der Behandlung ambulanter depressiver Patienten verglich. Vierzig erwachsene ambulante Patienten, die die DSM-IV-Kriterien für eine Major Depression erfüllten, erhielten entweder 30 mg/Tag Blütenblattextrakt oder 20 mg/Tag Fluoxetin. Der Wert der Hamilton Depression Rating Scale (HAM-D) sank in beiden Behandlungsgruppen signifikant und in ähnlichem Ausmaß, was darauf hindeutet, dass der Safran-Blütenblattextrakt in dieser Pilotstudie eine mit Fluoxetin vergleichbare Wirksamkeit aufwies.
[2419] Lopresti AL, Drummond PD. Saffron (Crocus sativus) for depression: a systematic review of clinical studies and examination of underlying antidepressant mechanisms of action. Hum Psychopharmacol. . 2014. Link
HINTERGRUND: Safran, ein aus der Blüte von Crocus sativus gewonnenes Gewürz, wurde inzwischen in mehreren Studien auf seine antidepressiven Wirkungen untersucht und in einer aktuellen Metaanalyse als wirksam zur Behandlung der Major Depression bestätigt. ZIEL: Eine erweiterte systematische Analyse der abgeschlossenen klinischen Studien zu Safran und Depression vorzulegen, mit Angaben zu Dosierungen, Extraktquellen, Standardisierungen, Sicherheitsprofil und Behandlungsdauer, sowie mittels einer narrativen Übersicht die möglichen antidepressiven Wirkmechanismen zu untersuchen. DESIGN: In der systematischen Übersicht klinischer Studien wurden elektronische Datenbanken nach hochwertigen, randomisierten, doppelblinden Studien mit Placebo- oder Antidepressiva-Kontrolle durchsucht. Eine narrative Übersicht von In-vivo- und In-vitro-Studien wurde durchgeführt, um die möglichen antidepressiven Wirkmechanismen zu untersuchen. ERGEBNISSE: In der systematischen Übersicht wurden sechs Studien identifiziert. In den placebokontrollierten Vergleichsstudien zeigte Safran große Behandlungseffekte und wies im Vergleich mit Antidepressiva eine ähnliche antidepressive Wirksamkeit auf.
[2420] Lopresti AL et al. Affron, a standardised extract from saffron (Crocus sativus L.) for the treatment of youth anxiety and depressive symptoms: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. J Affect Disord. . 2018. Link
HINTERGRUND: Safran hat antidepressive und anxiolytische Wirkungen bei Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Depression. Dies ist jedoch die erste Studie, die seine stimmungsbezogenen Wirkungen bei Jugendlichen untersucht. METHODEN: In dieser 8-wöchigen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten Jugendliche im Alter von 12–16 Jahren mit leichten bis mittelschweren Angst- oder depressiven Symptomen Tabletten mit Placebo oder einem Safranextrakt (affron®, 14 mg zweimal täglich). Als Zielgrößen dienten die Jugendlichen- und die Elternversion der Revised Child Anxiety and Depression Scale (RCADS). ERGEBNISSE: 80 Teilnehmende wurden eingeschlossen, 68 schlossen die Studie ab. Basierend auf den Selbstauskünften der Jugendlichen war affron® mit stärkeren Verbesserungen der internalisierenden Gesamtsymptomatik (p = 0,049), der Trennungsangst (p = 0,003), der sozialen Phobie (p = 0,023) und der Depression (p = 0,016) verbunden.
[2421] Agha-Hosseini M et al. Crocus sativus L. (saffron) in the treatment of premenstrual syndrome: a double-blind, randomised and placebo-controlled trial. BJOG. . 2008. Link
Eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie zu der Frage, ob Safran (Narbe von Crocus sativus L.) Symptome des prämenstruellen Syndroms (PMS) lindert. Frauen im Alter von 20–45 Jahren mit regelmäßigem Zyklus und seit mindestens 6 Monaten bestehenden PMS-Symptomen wurden über zwei Menstruationszyklen auf 30 mg/Tag Safran (15 mg zweimal täglich) oder Placebo randomisiert. Primärer Endpunkt war der Daily Symptom Report, sekundärer Endpunkt die Hamilton Depression Rating Scale. Die Ergebnisse belegen die Wirksamkeit von C. sativus bei der Behandlung des PMS, und das tolerable Nebenwirkungsprofil unterstützt seinen Einsatz als alternative Behandlung.
[2422] Akhondzadeh S et al. Saffron in the treatment of patients with mild to moderate Alzheimer's disease: a 16-week, randomized and placebo-controlled trial. J Clin Pharm Ther. . 2010. Link
Eine 16-wöchige, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie zur Wirksamkeit von Safran bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit. Sechsundvierzig Patienten mit wahrscheinlicher Alzheimer-Krankheit wurden für die Studie gescreent. Der Studie lag die Überlegung zugrunde, dass Crocus sativus (Safran) die Aggregation und Ablagerung von Amyloid β im menschlichen Gehirn hemmen könnte und daher bei der Alzheimer-Krankheit nützlich sein könnte. Ziel war es, die Wirksamkeit von Safran bei der Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Krankheit zu beurteilen.
[2423] Tóth B et al. The efficacy of saffron in the treatment of mild to moderate depression: a meta-analysis. Planta Med. . 2019. Link
Metaanalyse zur Wirksamkeit von Safran bei der Behandlung leichter bis mittelschwerer Depression.
[2424] Marx W et al. Effect of saffron supplementation on symptoms of depression and anxiety: a systematic review and meta-analysis. Nutr Rev. . 2019. Link
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zur Wirkung einer Safran-Supplementierung – sowohl als Zusatztherapie als auch als Monotherapie – auf Symptome von Depression und Angst in klinischen und allgemeinen Populationen, verglichen mit Pharmakotherapie oder Placebo. Dreiundzwanzig Studien wurden eingeschlossen. Safran zeigte gegenüber Placebo eine große positive Effektstärke für depressive Symptome und war Placebo bei der Besserung depressiver Symptome statistisch signifikant überlegen (bei Teilnehmenden mit und ohne Depressionsdiagnose), mit einer antidepressiven Wirksamkeit ähnlich der synthetischer Antidepressiva.
[2425] Falsini B et al. Influence of saffron supplementation on retinal flicker sensitivity in early age-related macular degeneration. Invest Ophthalmol Vis Sci. . 2010. Link
Eine randomisierte, placebokontrollierte Crossover-Studie zur funktionellen Wirkung einer kurzfristigen Safran-Supplementierung bei früher altersabhängiger Makuladegeneration (AMD); Safran enthält die antioxidativen Carotinoide Crocin und Crocetin. Fünfundzwanzig AMD-Patienten wurden für 3 Monate auf 20 mg/Tag orales Safran oder Placebo randomisiert und anschließend für weitere 3 Monate gewechselt; fokale Elektroretinogramme (fERG) und klinische Parameter wurden erfasst. Das 90-tägige Regime mit 20 mg/Tag Safran führte gegenüber Placebo zu statistisch signifikanten Verbesserungen der makulären fERG-Parameter (Amplitude und Modulationsschwelle), was darauf hindeutet, dass eine Safran-Supplementierung bei früher AMD kurzfristig die Netzhautfunktion verbessern kann.
[2426] Schmidt M et al. Saffron in phytotherapy: pharmacology and clinical uses. Wien Med Wochenschr. . 2007. Link
Eine Übersichtsarbeit zur phytotherapeutischen Pharmakologie und den klinischen Anwendungen von Safran (Narben von Crocus sativus L.). Die Autoren weisen darauf hin, dass Safran seit Jahrtausenden medizinisch verwendet wird, historisch gegen Krebs und depressive Verstimmung. In vitro und in vivo wurden vielversprechende und selektive Antitumorwirkungen beobachtet (noch nicht in klinischen Studien), während antidepressive Wirkungen in vivo und in klinischen Pilotstudien gefunden wurden. Die Übersicht kommt zu dem Schluss, dass Safranextrakte das Potenzial haben, wesentlich zur rationalen Phytotherapie beizutragen.

