7. Quark
Die Frischkäseklasse – ein mesophiles LAB-Ferment, viel Caseinprotein, Eckpfeiler der klassischen mitteleuropäischen Küchen.
Was liefert es? Die Frischkäseklasse – mit mesophilen Milchsäurebakterien (Lactococcus lactis subsp. lactis und cremoris) fermentierte Milch, aus der die Molke abgeseiht wird, um das Protein zu konzentrieren. Viel Caseinprotein (8–14 g/100 g je nach Version), viel Calcium (≈ 90–150 mg/100 g), viel Phosphor, viel B12 (während der Fermentation stabil), viele lebende LAB (10⁶–10⁸ CFU/g in frischen traditionellen Versionen). Der geringere Lactosegehalt (≈ 3–4 g/100 g) führt dazu, dass viele lactoseempfindliche Menschen ihn vertragen.
Wie viel? 100–200 g/Tag Naturquark ohne Salz.
Wann meiden? Kuhmilcheiweißallergie (streng); Galaktosämie (absolut); schwere Lactoseintoleranz (niedrig, doch empfindliche Personen können dennoch reagieren); industrielle pasteurisierte Produkte "nach Quark-Art" (wenig LAB); ≥ 2 Stunden Abstand zu Levothyroxin und Eisenpräparaten; schwere Nierenerkrankung (viel Protein + Phosphor); Säugling < 6 Monate.
Quark (ungarisch "túró", slawisch "tvarog/творог") ist seit über zweitausend Jahren ein Eckpfeiler der osteuropäischen und deutsch-slawischen Küche. In der Ernährung der alten germanischen und slawischen Völker wurden Frischkäseformen ("Quark", "tvarog", "túró") aus Kuh-, Ziegen- und Schafsmilch mit kühler Lagerung und schwerkraftbedingter Molkeabseihung hergestellt. In der ungarischen Küche ist "túró" seit der ungarischen Landnahme (9.–10. Jahrhundert) belegt – ein Produkt der Hirtentradition der Steppe. Auf den klassischen ungarischen Bauernhöfen sorgte die Trias "túró-Molke-Butter" für die saisonale Protein- und Fettzufuhr.
Das deutsche "Quark" ("Gerinnsel", "Frischkäse") geht auf das Althochdeutsche ("twarc") zurück und findet sich in jeder mitteleuropäischen Küche (polnisch "twaróg", tschechisch "tvaroh", russisch "творог", ungarisch "túró"). Der schokoladenüberzogene ungarische "Túró Rudi" entstand in den späten 1960er-Jahren in der Mirelite-Produktlinie (die genaue Zuschreibung des Entwicklers – oft mit Lajos Vándor verbunden – ist in öffentlichen Quellen nicht ganz einheitlich dokumentiert). Auch viele Käsekuchenvarianten (New York, deutsch, ungarisch) beruhen auf Quark/túró. Die moderne klinische Forschung (Sanlier 2019, Wallace 2018) untersucht Frischkäse als Matrix aus viel Calcium + Protein + lebenden LAB. [1693]
Wissenschaftlicher Hintergrund
Quark gehört zur Kategorie Frischkäse (Codex Alimentarius: "fresh cheese", "acid-curd cheese"). Herstellungsprozess:
- Starter: mesophile LAB-Mischung (Lactococcus lactis subsp. lactis, L. lactis subsp. cremoris, für das Aroma manchmal L. lactis subsp. diacetylactis).
- Fermentation (12–24 Stunden bei Raumtemperatur): pH um 4.4 – das Casein gerinnt (isoelektrischer Punkt). Eine kleine Menge Lab ist optional, um den Vorgang zu beschleunigen.
- Molkeabseihung: durch Schwerkraft oder mechanisch auf einem Käsetuch. Je nach Ausmaß der Molkeabseihung liegt der Proteingehalt bei 8–14 g/100 g.
- Verpackung: frisch, gekühlt.
LAB-Gehalt: Klassischer, in kleinen Chargen hergestellter frischer, nicht pasteurisierter Quark enthält 10⁶–10⁸ CFU/g lebende LAB – die EFSA-Aussage gilt (Lactoseverdauung, wie beim Joghurt). [1745] Industrielle Produkte mit längerer Haltbarkeit sind pasteurisiert – wenig LAB, nur postbiotisch.
Nährstoffmatrix: Casein ist ein langsam aufgenommenes Protein (Molke dagegen schnell) – Muskelschutz über Nacht, Sättigung. Aus Casein stammende Peptide (β-Casomorphin, ACE-Hemmer-Peptide) haben blutdrucksenkende Wirkungen – Beltrán-Barrientos et al. (2016 J Dairy Sci 99:4099–4110), "Invited review: Fermented milk as antihypertensive functional food", stellt diesen Mechanismus ausführlich dar. [1748]
Klinische Studien: In der Frischkäsekategorie (Skyr, griechischer Joghurt, túró, Quark) ist die Kombination aus viel Protein + Calcium für die Knochengesundheit (Wallace 2018, Beltrán-Barrientos 2016) und das Stoffwechselprofil günstig. [1746] Ungarische Bevölkerung: Der traditionelle túró-Verzehr gleicht die niedrigeren Vitamin-D-Spiegel für die Knochengesundheit teilweise aus (Calciummatrix).
Mikrobiomwirkung: Von Lactococcus lactis dominierte Fermente liefern eine komplexe postbiotische Matrix (Bacteriocine, Exopolysaccharide, Peptide) – Bifidobacterium-steigernd, entzündungshemmend. Marco et al. (2017) ordnen Frischkäse der Kategorie "mitteleuropäisches Postbiotikum + lebende LAB" der fermentierten Lebensmittel zu. [1676]
Quark gegenüber túró: Nach europäischen Standards ist "Quark" tendenziell fettärmer (oft 0–10% Fett), während der ungarische "túró" fetter sein kann (≈ 4–8% Fett). Die Proteingehalte sind ähnlich. (Anmerkung: Der Codex Alimentarius CXS 273-1968 behandelt speziell den cottage cheese; die Frischkäse Quark und túró fallen unter den breiteren CXS 221-2001 "Group standard for unripened cheese including fresh cheese". [1750])
- + Beeren (Erdbeere, Heidelbeere): Polyphenol- + LAB-Klassiker.
- + Honig oder Pflaumenmus (kleine Menge): klassisches ungarisches Frühstück.
- + Leinsamen, Walnuss, Mandel: Ballaststoffe + Omega-3 + LAB.
- + Frischem Grün (Frühlingszwiebel, Radieschen, Tomate): der ungarische Klassiker "túró + Frühlingszwiebel".
- + Kümmel + Paprika: der ungarische Klassiker "körözött" (túró + Paprika + Zwiebel + Kümmel).
- + Buchweizen, Hirseflocken: Kombination aus Ballaststoffen + LAB.
- Zugesetztem Zucker / aromatisiertem Quark (täglich Túró Rudi und Ähnliches): viel Zucker, verschlechtert das Stoffwechselprofil.
- Levothyroxin (T4): Calciumchelierung – Abstand von ≥ 4 Stunden.
- Tetracyclin, Ciprofloxacin: Calciumstörung – Abstand von ≥ 2 Stunden.
- Eisenpräparaten: Abstand von ≥ 2 Stunden.
- Erhitzen auf hohe Temperaturen (≥ 70 °C): Verlust der LAB.
- Antibiotikakur (gleichzeitig): ≥ 2 Stunden Abstand.
- Kuhmilcheiweißallergie: streng meiden.
- Galaktosämie: absolut.
- Schwere Lactoseintoleranz: lactosefreie Version wählen (weniger Lactose, aber möglicherweise dennoch reaktiv).
- Schwere Nierenerkrankung (CKD 4–5): viel Phosphor + Protein – maßvoll oder meiden.
- Chronische Hypercalcämie: meiden.
- Schwere Immunsuppression: lebende LAB werden gemieden.
- Säugling < 6 Monate: meiden (Säuglingsernährung).
- Histaminintoleranz: maßvoll (gereifte Versionen).
- Hashimoto + Jodempfindlichkeit: Nahrungsmengen sind in Ordnung, Abstand zu Levothyroxin.
- Nierensteine (Calciumoxalat): mit oxalatverringernden Lebensmitteln kombinieren.
"Quark und griechischer Joghurt sind dasselbe." Mythos. Griechischer Joghurt ist abgetropfter Joghurt (thermophiler Starter, Streptococcus thermophilus + L. bulgaricus); Quark/túró ist Frischkäse (mesophiler Starter, Lactococcus lactis). Geschmack, Geruch und Textur unterscheiden sich – túró ist saurer und körniger; griechischer Joghurt ist cremiger. Das Protein ist ähnlich (8–10 g/100 g).
"Túró Rudi ist ein gesundes Quarkprodukt." Mythos. Túró Rudi und ähnliche schokoladenüberzogene Quarkprodukte enthalten viel Zucker (15–20 g/Stück) und gesättigtes Fett. Ein klassisches Desserterlebnis, doch tägliche Regelmäßigkeit verschlechtert das Stoffwechselprofil.
"Auch pasteurisierter Quark enthält lebende Kultur." Mythos. Die Pasteurisierung (≥ 72 °C, ≥ 15 Sekunden) zerstört die lebenden LAB – danach liefert das Produkt nur eine postbiotische Matrix. [1751] Prüfen Sie das Etikett: "lebende Kultur" / "lebende aktive Kulturen".
"Das Calcium des Quarks ersetzt die Milch." Teilweise wahr. Der Calciumgehalt des Quarks (90–150 mg/100 g) ist hoch, aber der Milch ähnlich (120 mg/100 g). Der Vorteil: Das langsam aufgenommene Casein + der geringere Lactosegehalt machen ihn auch für lactoseempfindliche Menschen verträglich.
"Der ungarische túró und der deutsche Quark sind dasselbe." Teilweise wahr. Beide sind Frischkäse mit mesophilem LAB-Starter. Industrieller Quark (deutsch) hat oft 0–10% Fett und eine glatte Textur; der traditionelle ungarische túró (bäuerlich) ist fetter (4–8%) und körniger. Der wesentliche Nährstoffgehalt ist jedoch ähnlich.
"Quark mit 0% Fett ist gesünder." Teilweise ein Mythos. Vollfettquark (4–6%) enthält MFGM (ein Phospholipid-Präbiotikum) und fettlösliche Vitamine (D, K). [1752] Der 0%-Variante fehlt die MFGM-Matrix. Energieziel oder Diabetes = 0%; allgemeine Gesundheit = 4% Fett.
"'Proteinquark' (für Sportler) ist speziell besser." Mythos. Klassischer Quark/túró liefert bereits 10–14 g Protein/100 g – von sich aus "proteinreich". "Proteinquark"-Versionen sind Marketing; ihr Nährstoffgehalt ist dem des klassischen Quarks ähnlich.
Tagesportion: 100–200 g Naturquark ohne Salz.
Zubereitungsmuster – hausgemachter Quark:
- 2 Liter Vollmilch 24–36 Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen (natürliche mesophile LAB-Fermentation), oder 2 EL lebenden Kefir + 18–24 Stunden bei 38 °C.
- Auf einem Käsetuch 6–12 Stunden abtropfen lassen (im Kühlschrank).
- Kühl stellen.
Klassische Muster:
Körözött (ungarischer Klassiker): túró + Paprikapulver + Zwiebel + Kümmel + Sauerrahm + Salz → auf Brot.
Quarknudeln (ungarisch "túrós tészta"): breite Nudeln + túró + Sauerrahm + Speck + Salz.
Quarktasche ("túrós táska"): Blätterteig + túró + Ei + Zucker + Rosinen – Gebäck.
Käsekuchen (New York, deutsch): Quark/túró + Zucker + Eier + Vanille – gebacken.
Frühstücksschale: Quark + Haferflocken + Heidelbeeren + Leinsamen.
Smoothie-Basis: Quark + Banane + Spinat + Leinsamenmilch → viel Protein.
Lagerung: im Kühlschrank luftdicht 7–10 Tage. Molke an der Oberfläche ist normal.
Was Sie vermeiden sollten: nicht kochen (Verlust der LAB). Nicht bei Raumtemperatur stehen lassen. Keine gesüßte, aromatisierte Version wählen.
Literatur
[1676] Marco ML et al. Health benefits of fermented foods: microbiota and beyond2017;44:94–102. Curr Opin Biotechnol. Link
[1693] Sanlier N et al. Health benefits of fermented foods2019;59(3):506–527. Crit Rev Food Sci Nutr. Link
[1745] EFSA NDA Panel. Scientific opinion on live yoghurt cultures and improved lactose digestion2010;8(10):1763. EFSA Journal. Link
[1746] Wallace TC. Health effects of fermented dairy 2018. J Food Sci. 2018.
[1748] Beltrán-Barrientos LM, Hernández-Mendoza A, Torres-Llanez MJ, González-Córdova AF, Vallejo-Córdoba B. Invited review: Fermented milk as antihypertensive functional food2016;99(6):4099–4110. J Dairy Sci. Link
[1750] Codex Alimentarius. Group standard for unripened cheese including fresh cheese (CXS 221-2001). . 2001. Link
[1751] Hill C et al. ISAPP consensus on the term "probiotic"2014;11(8):506–514. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2014. Link
[1752] Lordan R et al. Dairy fats and cardiovascular disease: do we really need to be concerned?2018;7(3):29. Foods. 2018. Link

