XIX. Sprossen

XIX. 1. Brokkolisprossen

Das Sulforaphankonzentrat – das 50- bis 100-Fache des Sulforaphans von reifem Brokkoli und chemopräventive RCTs.

Lateinischer_name: Brassica oleracea var. italica (Brassicaceae) – 3–5 Tage alter gekeimter SämlingWichtigste_bioaktivstoffe: Glucoraphanin (die Glucosinolat-Vorstufe des Sulforaphans) – 10- bis 100-mal höhere Konzentration als in reifem Brokkoli; Myrosinase-Enzym; Indol-3-Carbinol-VorstufeFODMAP: niedrig (kleine Dosis)Evidenzniveau: ★★★ (Human-RCTs zu oxidativem Stress, Entzündung, NAFLD, Autismus-Spektrum in kleinen Studien)Position: Glucoraphanin → Sulforaphan-Bioaktivierung durch Myrosinase oder das Kolonmikrobiom (besonders Bacteroides thetaiotaomicron)
🎯 Das Wichtigste in 1 Minute

Was liefert es? Eine der stärksten natürlichen NRF2-Aktivatorquellen der Ernährungswissenschaft – ein Sulforaphankonzentrat, das pro Masseneinheit das 10- bis 100-Fache der Menge von reifem Brokkoli liefert (Fahey 1997, Johns Hopkins).

Wie viel? 30–100 g frische Sprossen täglich (1–3 Handvoll) – 20–60 mg Sulforaphanäquivalent. Am wirksamsten frisch und GEKAUT (dabei wird die Myrosinase aktiviert).

Wann meiden? Schilddrüsenerkrankung (Hashimoto, Jodmangel) in großen Mengen – Dosen auf Kapselniveau sind zu meiden. Salmonellen-/E.-coli-Risiko: in der Schwangerschaft, bei Säuglingen und bei Immunsupprimierten nur selbst gekeimt mit nachgewiesener Hygiene. Antikoagulans + Kapseldosis.

📜 Historischer Überblick

Der Verzehr gekeimter Sämlinge hat eine jahrtausendealte chinesische und indische Tradition (Mungbohne, Alfalfa, Ackerbohne). Die moderne "Entdeckung" der Brokkolisprossen ist mit Paul Talalay und Jed Fahey (Johns Hopkins, 1992–1997) verbunden: In einem systematischen Screening krebspräventiver Phytochemikalien zeigten sie, dass 3 Tage alte Brokkolisprossen eine Glucoraphaninkonzentration weit über der von reifem Brokkoli aufweisen. Die Arbeit von Fahey (1997, PNAS) war ein Wendepunkt: Sie beschrieb, dass Brokkolisprossen pro Masseneinheit das 10- bis 100-Fache des Glucoraphanins von reifem Brokkoli enthalten [826].

Ab den 2000er Jahren explodierte die Sulforaphanforschung: Als Leitmolekül des NRF2-Keap1-Transkriptionssystems induziert Sulforaphan die Transkription endogener antioxidativer Enzyme (Glutathion-S-Transferase, NQO1, HO-1). Ab den 2010er Jahren ist gekeimter Brokkoli als Functional Food (Brassica-Extraktkapsel, Avmacol, Prostaphane usw.) kommerziell verfügbar. Die klinischen Indikationen befinden sich weiterhin in der Forschungsphase (NAFLD, Symptome des Autismus-Spektrums, Helicobacter, Atemwegsentzündung), doch die Evidenz gehört zu den solidesten unter den Phytochemikalien.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Brokkolisprosse (3–5 Tage) ist ein Glucoraphaninkonzentrat (ein Thioglucosinolat) – ihr Gehalt pro Frischmasse beträgt das 10- bis 100-Fache von reifem Brokkoli. Glucoraphanin allein ist inaktiv; die Bioaktivierung erfolgt auf zwei Wegen:

  1. Pflanzliches Myrosinase-Enzym (beim Kauen freigesetzt, sofern NICHT hitzebehandelt) → Sulforaphan (ein Isothiocyanat).
  2. Myrosinaseaktivität des Kolonmikrobioms (besonders Bacteroides thetaiotaomicron) – auch gegarte Brokkolisprossen werden teilweise zu Sulforaphan umgewandelt.

Sulforaphan ist der potenteste natürliche NRF2-Keap1-Aktivator. NRF2 (Nuclear factor erythroid 2-related factor 2) ist der Haupttranskriptionsfaktor für die endogenen antioxidativen und Entgiftungsenzyme der Zelle – die Aktivierung leitet systemische Schutzwirkungen ein:

  • Synthese der Glutathion-S-Transferase (GST) ↑
  • NAD(P)H-Chinonoxidoreduktase 1 (NQO1) ↑
  • Hämoxygenase-1 (HO-1) ↑
  • Glutathionsynthese ↑

Klinische Evidenz:

  • NAFLD: Kikuchi-(2015)-RCT, Brokkolisprossenextrakt über 60 Tage senkte die ALT und den Leberfettgehalt bei T2DM-NAFLD-Patienten [2526].
  • Symptome des Autismus-Spektrums: Singh-(2014, PNAS)-RCT mit 40 jungen Männern, 18 Wochen Brokkolisprossenextrakt verringerten Verhaltenssymptome; die Replikation in kleinen Studien läuft [2527].
  • Helicobacter pylori: Yanaka (2009), 4 Wochen Sprossenverzehr verringern die H.-pylori-Besiedlung – mäßige Evidenz [2528].
  • Antioxidativer Status der Atemwege: Riedl (2009), Verbesserung der GST-Aktivität in den Atemwegen, vielversprechend für Asthmapatienten (kleine Studien) [2529].
  • Biomarker des oxidativen Stresses: Mehrere RCTs bestätigten eine Verringerung von 8-OH-dG und MDA.
  • Chemoprävention: Epidemiologie vielversprechend (Brassica-Verzehr gegenüber Darm-, Prostata-, Brustkrebs), kausale Evidenz experimentell.

Der Sulforaphangehalt hängt vom Keimtag, der Temperatur und der Lichtexposition ab – 3 Tage alte Sprossen sind optimal (Fahey 1997) [2532]. Das GAREN denaturiert die Myrosinase, doch die Bioaktivierung durch das Mikrobiom kompensiert dies teilweise. Frische, GEKAUTE Sprossen ergeben die höchste Sulforaphanaktivität.

Das Schilddrüsenrisiko (goitrogenes Potenzial) ist bei industriellen Kapseldosen dokumentiert – alimentäre Mengen sind bei jodausreichender Ernährung sicher.

✅ Gut kombinierbar mit
  • + Senfsamenpulver (beim Kauen): Die Senfmyrosinase wandelt die Sulforaphanvorstufe selbst aus gegarten Brokkolisprossen aktiv um (Sivapalan 2018) [2530].
  • + Zitrone (Vitamin C, antioxidative Synergie): Unterstützung der NRF2-Matrix.
  • + Oliven-, Avocadofett: Unterstützung der fettlöslichen Aufnahme.
  • + Kurkuma + Pfeffer: NF-κB-Hemmung + NRF2-Aktivierung als kombinierte Entzündungshemmung.
  • + Ballaststoffreicher Ernährung: Unterstützung der Myrosinaseaktivität des Mikrobioms (besonders Bacteroides thetaiotaomicron).
  • + Fermentierten Milchprodukten: Unterstützung des Mikrobioms.
🚫 Nicht kombinieren mit
  • Heißer Suppe oder Garen bei großer Hitze (> 80 °C, 10+ Min.): denaturiert die Myrosinase und verringert die Sulforaphanumwandlung dramatisch. Frisch und gekaut verzehren.
  • Antikoagulans (Warfarin, DOAK) in hochdosierter Kapselform: In-vitro-Thrombozytenhemmung dokumentiert; alimentäre Mengen sind sicher.
  • Levothyroxin / Schilddrüsensubstitution bei großen Sprossenmengen: vermutete goitrogene Wirkung, Vorsicht bei regelmäßigen großen Tagesdosen (> 200 g frisch).
  • Eisensupplementierung: Potenzial zur Eisenchelatbildung durch Glucosinolate – um ≥ 2 Stunden trennen.
  • Während einer Antibiotikatherapie (Myrosinaseaktivität des Mikrobioms verringert): Die chemische Aktivierung funktioniert nur teilweise; die frische, myrosinasehaltige Form ist vorzuziehen.
⚠️ Wann zu meiden – krankheitsspezifisch
  • Schilddrüsenerkrankung (Hashimoto, Hypothyreose, jodarme Ernährung): Glucosinolate sind goitrogen – Tagesdosen auf Kapselniveau von 1 g+ sind zu meiden; alimentäre Mengen (1–3 Handvoll/Tag) sind bei jodausreichender Ernährung sicher.
  • Kontaminationsrisiko mit Salmonellen/E. coli (handelsübliche Sprossen): in der Schwangerschaft, bei Immunsupprimierten und bei Kindern unter 1 Jahr nur selbst gekeimt mit nachgewiesener Hygiene.
  • Antikoagulans + Kapsel: In-vitro-Thrombozytenhemmung (alimentäre Menge sicher).
  • Hashimoto-Schub: Sprossenkapsel-Supplementierung zu meiden.
  • 2 Wochen vor einer geplanten Operation: Dosierung auf Kapselniveau absetzen.
  • G6PD-Mangel (selten): theoretisches hämolytisches Risiko bei großer Isothiocyanataufnahme.
  • Knochenmarksuppression während einer Chemotherapie: Sulforaphan moduliert in vitro das P450-System – nach ärztlichem Rat.
❌ Mythen und ihre Widerlegung

"Brokkolisprossen HEILEN / VERHINDERN Krebs." ❌ Übertrieben. Die Chemopräventionsevidenz ist auf epidemiologischer Ebene vielversprechend; In-vitro- und Tierdaten sind robust, DOCH eine humane kausale Evidenz für Krebsprävention fehlt. "Verhindert" / "heilt" – Marketingübertreibung.

"Reifer Brokkoli liefert dieselbe Menge Sulforaphan." ❌ NEIN. Nach der klassischen Messung von Fahey (1997) enthalten 3 Tage alte Sprossen pro Masseneinheit eine 10- bis 100-mal höhere Glucoraphaninkonzentration.

"Gegarte Brokkolisprossen sind genauso gut wie rohe." ❌ Teils wahr, teils Mythos. Das Garen (> 80 °C, 10+ Min.) denaturiert die pflanzliche Myrosinase – die Sulforaphanumwandlung sinkt dramatisch. Das Kolonmikrobiom (Bacteroides thetaiotaomicron) kompensiert dies teilweise, DOCH frische, GEKAUTE Sprossen ergeben die höchste biologische Aktivität.

"Jede Sprosse ist gleich." ❌ NEIN. Die Glucoraphaninkonzentration der Brokkolisprosse übertrifft die von Alfalfa-, Mungbohnen-, Radieschen- und anderen Sprossen bei Weitem.

"Sulforaphankapsel = Sprosse." ❌ Teilweise. Die Kapsel ergibt eine stabilere Dosierung, doch die Bioaktivierung durch das Mikrobiom und der Kontext der Lebensmittelmatrix gehen verloren. Kombinierte (mit Senfmyrosinase aktivierte) Kapseln sind besser.

"Brokkolisprossen sind in jeder Menge sicher." ❌ NEIN. Schilddrüsenpatienten sind bei Dosen auf Kapselniveau einer goitrogenen Wirkung ausgesetzt; bei handelsüblichen Proben besteht ein Salmonellenrisiko; kleine Studien berichten bei größeren Mengen über gastrointestinale Reizung.

"Brokkolisprossen entgiften." ❌ "Entgiftung" ist ein Laienbegriff – Sulforaphan induziert zwar Entgiftungsenzyme der Phase II (GST, NQO1) [2531], doch das ist NICHT dasselbe wie das im Marketing beworbene "Ausschwemmen von Giftstoffen". Korrekter Begriff: Induktion endogener Entgiftungsenzyme.

🍳 Küchenprotokoll

Tagesportion: 30–100 g frische Sprossen (1–3 Handvoll). 3 Tage alte Sprossen sind optimal.

Zubereitungsmuster:

  1. Frisch, im Salat (ROH, gründlich gekaut): optimale Myrosinaseaktivierung.
  2. In den Smoothie gemixt mit einem Hauch Senfsamen: Die Senfmyrosinase verstärkt die Sulforaphanumwandlung (Sivapalan 2018).
  3. Auf Avocadotoast: Die Fettmatrix unterstützt.
  4. In einem Wrap oder als Sandwichfüllung: gekaut.
  5. Auf einem pochierten Ei (NICHT heiß, lauwarm): Myrosinase teilweise erhalten.

Klassische Muster:

  • Sulforaphanmaximierender Frühstückssmoothie: Banane + Spinat + Brokkolisprossen + Senfsamenpulver + Olivenöl
  • "NRF2-Salat": Brokkolisprossen + mit Kurkuma haltbar gemachte Karotte + Olive + Pfeffer + Zitrone
  • Kalte Bowl: Quinoa + Brokkolisprossen + Avocado + Tahini

Lagerung: im Kühlschrank in einem luftdichten Behälter 5–7 Tage, mit Küchenpapier gegen Feuchtigkeit. NICHT bei Raumtemperatur aufbewahren (schnelles mikrobielles Wachstum).

Selbst keimen: 3–5 Tage im Keimglas, 2-mal täglich mit sauberem Wasser spülen, an einem gut belüfteten Ort – im Vergleich zu handelsüblichen Sprossen ist die Hygiene unter Kontrolle.

Was Sie vermeiden sollten: nicht lange kochen (Myrosinaseverlust); nicht roh an Säuglinge geben (Salmonellenrisiko); nicht glauben, die Kapsel ersetze 1:1 frische, gekaute Sprossen; während eines Hashimoto-Schubs nicht in großen Mengen verzehren.

Literatur

[826] Fahey JW et al. Broccoli sprouts: an exceptionally rich source of inducers of enzymes that protect against chemical carcinogens. Proc Natl Acad Sci USA. 1997. Link

Eine Studie, die Brokkolisprossen als außergewöhnlich reiche Quelle von Induktoren jener Enzyme darstellt, die vor chemischen Karzinogenen schützen (Proc Natl Acad Sci USA).

[2526] Kikuchi M et al. Sulforaphane-rich broccoli sprout extract improves hepatic abnormalities in male subjects. World J Gastroenterol. . 2015. Link

ZIEL: Bewertung der Wirkungen einer Nahrungsergänzung mit sulforaphan(SF)-reichem Brokkolikeimling(BS)-Extrakt auf Leberauffälligkeiten bei japanischen männlichen Teilnehmern. METHODEN: In einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie erhielten männliche Teilnehmer mit Fettleber über 2 Monate entweder BS-Kapseln mit Glucoraphanin [GR; eine Vorstufe von SF (n = 24)] oder Placebo (n = 28). Leberfunktionsmarker, die Serumspiegel von Aspartat- und Alanin-Aminotransferase (AST bzw. ALT) und γ-Glutamyltranspeptidase (γ-GTP) sowie ein Marker für oxidativen Stress, die Urinspiegel von 8-Hydroxydesoxyguanosin (8-OHdG), wurden bei den Teilnehmern vor und nach dem Studienzeitraum gemessen und verglichen. In einem Tiermodell wurde bei Sprague-Dawley-Ratten durch aufeinanderfolgende intraperitoneale Injektionen von N-Nitrosodimethylamin (NDMA) über 4 Wochen ein chronisches Leberversagen induziert. Gleichzeitig erhielten die Ratten AIN-76-Diäten mit oder ohne Zusatz von BS-Extrakt. Danach wurden die Ratten getötet und ihre Seren und Lebern gewonnen, um Leberfunktionsmarker im Serum sowie die hepatischen Spiegel thiobarbitursäurereaktiver Substanzen (TBARS) und die hepatische Aktivität der Glutathion-S-Transferase (GST), eines prototypischen antioxidativen Phase-2-Enzyms, zu messen.

[2527] Singh K et al. Sulforaphane treatment of autism spectrum disorder (ASD). PNAS. . 2014. Link

Die Autismus-Spektrum-Störung (ASD), gekennzeichnet durch beeinträchtigte Kommunikation und soziale Interaktion sowie stereotypes Verhalten, betrifft etwa 1 von 68 Personen, überwiegend männliche. Die medizinisch-ökonomischen Belastungen durch ASD sind enorm, und keine anerkannte Behandlung zielt auf die Kernmerkmale der ASD ab. In einer placebokontrollierten, doppelblinden, randomisierten Studie erhielten junge Männer (13–27 Jahre) mit mittelschwerer bis schwerer ASD das Phytochemikal Sulforaphan (n = 29) – gewonnen aus Brokkolikeimling-Extrakten – oder ein nicht unterscheidbares Placebo (n = 15). Die Wirkungen täglicher oraler Sulforaphan-Dosen (50–150 µmol) über 18 Wochen, gefolgt von 4 Wochen ohne Behandlung, auf das Verhalten wurden mit drei weithin anerkannten Verhaltensinstrumenten quantifiziert, die von Eltern/Betreuern und Ärzten ausgefüllt wurden: der Aberrant Behavior Checklist (ABC), der Social Responsiveness Scale (SRS) und der Clinical Global Impression Improvement Scale (CGI-I). Die Ausgangswerte für ABC und SRS waren zwischen den Placebo- und Sulforaphan-Teilnehmern eng vergleichbar. Nach 18 Wochen zeigten die Placebo-Teilnehmer nur minimale Veränderungen (<3,3 %), während die Sulforaphan-Teilnehmer deutliche Rückgänge (Verbesserung des Verhaltens) aufwiesen: 34 % beim ABC (P < 0,001 im Behandlungsvergleich) und 17 % bei den SRS-Werten (P = 0,017).

[2528] Yanaka A et al. Dietary sulforaphane-rich broccoli sprouts reduce colonization and attenuate gastritis in Helicobacter pylori-infected mice and humans. Cancer Prev Res. . 2009. Link

Das Isothiocyanat Sulforaphan [SF; 1-Isothiocyanato-4(R)-methylsulfinylbutan] ist in Brokkolikeimlingen in Form seiner Glucosinolat-Vorstufe (Glucoraphanin) reichlich vorhanden. SF wirkt stark bakterizid gegen Infektionen mit Helicobacter pylori, die eng mit der weltweiten Magenkrebspandemie assoziiert sind. Die orale Behandlung mit SF-reichen Brokkolikeimlingen bei weiblichen C57BL/6-Mäusen, die mit H. pylori Sydney-Stamm 1 infiziert waren und mit einer kochsalzreichen Diät (7,5 % NaCl) gehalten wurden, verringerte die bakterielle Kolonisierung des Magens, schwächte die mukosale Expression von Tumornekrosefaktor-alpha und Interleukin-1beta ab, milderte die Korpusentzündung und verhinderte die Ausbildung einer salzinduzierten Korpusatrophie des Magens. Dieser therapeutische Effekt wurde bei Mäusen mit deletiertem nrf2-Gen nicht beobachtet, was stark für die wichtige Rolle Nrf2-abhängiger antioxidativer und entzündungshemmender Proteine beim SF-abhängigen Schutz spricht. Achtundvierzig H. pylori-infizierte Patienten wurden randomisiert entweder dem Verzehr von Brokkolikeimlingen (70 g/Tag; enthaltend 420 Mikromol SF-Vorstufe) über 8 Wochen oder dem Verzehr einer gleichen Menge Alfalfakeimlinge (ohne SF) als Placebo zugeteilt. Die Intervention mit Brokkolikeimlingen, nicht aber mit Placebo, senkte die im Harnstoff-Atemtest gemessenen Urease-Werte und das H. pylori-Stuhlantigen (beides Biomarker der H. pylori-Kolonisierung) sowie die Serum-Pepsinogene I und II (Biomarker der Magenentzündung).

[2529] Riedl MA et al. Oral sulforaphane increases Phase II antioxidant enzymes in the human upper airway. Clin Immunol. . 2009. Link

HINTERGRUND: Zellulärer oxidativer Stress ist ein wichtiger Faktor bei Asthma und gilt als der wesentliche Mechanismus, über den oxidative Schadstoffe wie Ozon und Feinstaub ihre proinflammatorischen Wirkungen vermitteln. Endogene Phase-2-Enzyme heben oxidativen Stress durch das Abfangen reaktiver Sauerstoffspezies und den Metabolismus reaktiver Chemikalien auf. ZIEL: Wir führten eine placebokontrollierte Dosiseskalationsstudie durch, um die In-vivo-Wirkungen von Sulforaphan, einem natürlich vorkommenden potenten Induktor von Phase-2-Enzymen, auf die Expression von Glutathion-S-Transferase M1 (GSTM1), Glutathion-S-Transferase P1 (GSTP1), NADPH-Chinonoxidoreduktase (NQO1) und Hämoxygenase-1 (HO-1) in den oberen Atemwegen menschlicher Probanden zu untersuchen. METHODEN: Die Studienteilnehmer nahmen orale Sulforaphan-Dosen in Form eines standardisierten Brokkolikeimling-Homogenats (BSH) ein. Die RNA-Expression ausgewählter Phase-2-Enzyme wurde in Zellen der Nasenspülflüssigkeit mittels RT-PCR vor und nach der Sulforaphan-Gabe gemessen. ERGEBNISSE: Alle Probanden vertrugen die orale Sulforaphan-Gabe ohne wesentliche unerwünschte Ereignisse.

[2530] Sivapalan T et al. The role of myrosinase in the transformation of glucoraphanin: bioavailability studies. J Funct Foods 2018. . 2018. Link

HINTERGRUND: Brokkoli akkumuliert 4-Methylsulfinylbutyl-Glucosinolat (Glucoraphanin), das zum Isothiocyanat Sulforaphan hydrolysiert wird. Durch Introgression neuartiger Allele des Transkriptionsfaktors Myb28 aus Brassica villosa wurden Brokkoli-Genotypen mit erhöhten Glucoraphanin-Gehalten entwickelt. Diese Studie zielt darauf ab, die Exposition menschlicher Gewebe gegenüber Glucoraphanin und Sulforaphan nach dem Verzehr von Brokkoli mit gegensätzlichen Myb28-Genotypen zu quantifizieren. METHODEN UND ERGEBNISSE: Zehn Teilnehmer werden in eine dreiphasige, doppelblinde, randomisierte Crossover-Studie (NCT02300324) eingeschlossen, wobei jede Phase den Verzehr von 300 g einer Suppe aus Brokkoli eines der drei Myb28-Genotypen (Myb28B/B, Myb28B/V, Myb28V/V) umfasst. Pflanzliche Myrosinasen werden bei der Suppenherstellung absichtlich denaturiert. Nach dem Verzehr der Myb28V/B- bzw. Myb28V/V-Brokkolisuppen treten dreifach bzw. fünffach höhere Sulforaphan-Spiegel im Kreislauf auf.

[2531] Houghton CA. Sulforaphane: its "coming of age" as a clinically relevant nutraceutical in the prevention and treatment of chronic disease. Oxid Med Cell Longev. . 2019. Link

Ein wachsendes Verständnis der Mechanismen, über die Phytochemikalien vorgeschaltete endogene zelluläre Abwehrprozesse beeinflussen können, hat zu einer intensivierten Erforschung ihrer möglichen Bedeutung für die Prävention und Behandlung von Krankheiten geführt. Die pharmazeutische Medizin hat Pflanzen historisch als Quelle der Ausgangsstoffe für die Arzneimittelentwicklung betrachtet; der Fokus der nutrazeutischen Medizin liegt jedoch darauf, den pflanzlichen Bioaktivstoff möglichst nah an seinem nativen Zustand zu erhalten. Infolgedessen kann die Wirkstärke eines nutrazeutischen Konzentrats oder Extrakts geringer sein als für eine signifikante Genexpression erforderlich. Die Molekülstruktur bioaktiver Phytochemikalien bestimmt weitgehend die Bioverfügbarkeit des Moleküls. Polyphenole sind in Nahrungsphytochemikalien reichlich vorhanden, und umfangreiche In-vitro-Forschung hat viele der Signalmechanismen aufgeklärt, die an der günstigen Modulation menschlicher biochemischer Stoffwechselwege beteiligt sind. Solche Stoffwechselwege sind mit Kernprozessen wie der Redoxmodulation und der Immunmodulation zur Infektionskontrolle sowie zur Herunterregulierung der Synthese entzündlicher Zytokine verbunden.

[2532] Egner PA et al. Bioavailability of sulforaphane from two broccoli sprout beverages. Cancer Prev Res. . 2011. Link

Eine von mehreren Herausforderungen bei der Planung klinischer Chemopräventionsstudien ist die Wahl von Dosis, Formulierung und Dosierungsschema des Interventionsmittels. Daher wurde eine klinische Crossover-Studie durchgeführt, um Bioverfügbarkeit und Verträglichkeit von Sulforaphan aus zwei von Brokkolikeimlingen abgeleiteten Getränken zu vergleichen: einem glucoraphaninreichen (GRR) und einem sulforaphanreichen (SFR). Sulforaphan entstand aus dem in GRR enthaltenen Glucoraphanin durch die Darmflora oder wurde durch Behandlung von GRR mit Myrosinase aus Daikon-Keimlingen (Raphanus sativus) gebildet, wodurch SFR bereitgestellt wurde. Fünfzig gesunde, geeignete Teilnehmer wurden gebeten, auf den Verzehr von Kreuzblütlern zu verzichten, und auf zwei Behandlungsarme randomisiert. Das Studiendesign war wie folgt: 5-tägige Einlaufphase, 7-tägige Gabe der Getränke, 5-tägige Auswaschphase und 7-tägige Gabe der jeweils anderen Intervention. Mittels Isotopenverdünnungs-Massenspektrometrie wurden die Spiegel von Glucoraphanin, Sulforaphan und Sulforaphan-Thiol-Konjugaten in täglich über die gesamte Studie gesammelten Urinproben gemessen.

Autoren:
PG
Dr. Patay Gábor
Arzt, Mikrobiota-Spezialist
BA
Dr. Bezzegh Attila
ärztlicher Direktor, klinischer Mikrobiologe
AM
Dra. Anna Munar
Ärztin, Exposom-Spezialistin
MicroBiome Bank — medizinisch geprüfte Fachinhalte. Letzte Aktualisierung: 2026.