VI. Pilze

VI. 3. Igelstachelbart

Der "kluge" Pilz – Hericenone und Erinacine, NGF-Stimulation und die neue kognitive klinische Evidenz.

Lateinischer_name: Hericium erinaceus (Bull.) Pers. (Hericiaceae)Wichtigste_bioaktivstoffe: Hericenone (A–H, Fruchtkörper), Erinacine (A–K, Myzel), β-Glucane, Ergothionein, Ergosterol, HericerineFODMAP: 🟢 niedrig (≤ 50 g frisch/Portion)Evidenzniveau: ★★ (humane Pilot-RCTs bei leichter kognitiver Beeinträchtigung, Angst/Depression, peripherer Neuropathie; robuste mechanistische Grundlage)Position: β-Glucan → SCFA-Produktion ↑, Zunahme von Akkermansia und Lactobacillus, Modulation der Darm-Hirn-Achse
🎯 Das Wichtigste in 1 Minute

Was liefert es? Eine einzigartige Diterpenoid-Verbindungsfamilie (Hericenone, Erinacine), welche die Blut-Hirn-Schranke überwindet und die NGF-/BDNF-Expression anregt – eine unter Pilzen im Wesentlichen einzigartige Eigenschaft. Dazu kommen die β-Glucan-Immunmodulation und die präbiotische Mikrobiomwirkung.

Wie viel? In der Küche 50–150 g frischer Fruchtkörper, 2- bis 3-mal/Woche. Als Präparat täglich 500–3000 mg trockener Dual-Extrakt (Fruchtkörper + Myzel), zu den Mahlzeiten.

Wann meiden? Pilzallergie, bestehende Blutgerinnungsstörung, Antikoagulanzientherapie, 2 Wochen vor einer geplanten Operation, Präparatedosen in Schwangerschaft und Stillzeit.

📜 Historischer Überblick

Der Igelstachelbart (chinesisch: "hou tou gu" – Affenkopfpilz; japanisch: "Yamabushitake" – Bergmönchspilz) ist seit mehr als 1000 Jahren Teil der ostasiatischen Küche und Heiltradition. Chinesische medizinische Aufzeichnungen aus der Tang-Dynastie (618–907) beschreiben ihn als Pilz, der "die fünf großen Organe stärkt", vor allem indiziert bei Verdauungsbeschwerden, Magengeschwür und zur "Geistesstärkung". Buddhistische Yamabushi-Mönche in den japanischen Bergen verzehrten ihn rituell während langer Meditationsklausuren – der Überlieferung nach zur Unterstützung von Konzentration und geistiger Klarheit.

Die moderne Forschung begann 1991, als Kawagishi und eine japanische Forschungsgruppe in Tetrahedron Letters erstmals die Hericenone A und B isolierten und zeigten, dass sie in Neuronen die Produktion von Nerve Growth Factor (NGF) anregen können. [1356] Anschließend wurden im Myzel die Erinacine identifiziert – noch stärkere NGF-Induktoren, die zudem die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Das japanische RCT von Mori et al. aus dem Jahr 2009 bei 50- bis 80-jährigen Probanden mit leichter kognitiver Beeinträchtigung zeigte nach 16 Wochen täglicher Gabe von 3 g Pulver eine statistisch signifikante Verbesserung auf der Hasegawa-Skala – das wurde zur "Durchbruch"-Humanevidenz des Igelstachelbarts. [1357] Saitsu et al. beschrieben 2019 nach 4 Wochen Einnahme einen Rückgang der Depressions- und Angstwerte bei Frauen in den Wechseljahren. [1360]

Wissenschaftlicher Hintergrund

Hericenone und Erinacine sind niedermolekulare, lipophile Diterpenoide und aromatische Verbindungen, welche die Blut-Hirn-Schranke überwinden – eine entscheidende Unterscheidungseigenschaft, denn die meisten Pilz-Bioaktivstoffe (β-Glucan, Lektine) tun das nicht. In vitro und in Tierstudien erhöhen sie dosisabhängig die NGF- und BDNF-mRNA-Expression in hippocampalen und kortikalen Neuronen, hemmen die Hyperphosphorylierung des τ-Proteins und verringern die amyloid-β-induzierte Neurotoxizität. [1361] Klinisch schlägt sich das in den positiven Befunden auf der Hasegawa-Skala im RCT von Mori 2009 nieder sowie in der kognitiven Verbesserung, die in der neueren Studie von Li et al. 2020 bei Patienten mit leichter Alzheimer-Erkrankung beobachtet wurde. [1359] [1358]

Die β-Glucane (vor allem β-1,3/1,6-Glucane) senden, sobald sie den Dickdarm erreichen, über Dectin-1- und TLR-2-Rezeptoren modulierende Signale an das darmassoziierte Immunsystem. Humane Pilotstudien zum regelmäßigen Verzehr von Igelstachelbart beschrieben eine Zunahme der relativen Abundanz von Akkermansia muciniphila und Faecalibacterium prausnitzii sowie eine gesteigerte Butyrat- und Propionatproduktion. [1362] Das ergänzt über die "Darm-Hirn-Achse" die direkte NGF-stimulierende Wirkung. [1363]

Wichtig: Eine Kaltwasser- oder Ethanolextraktion liefert vor allem die Hericenone (Fruchtkörper), während die Erinacine (Myzel) andere Bedingungen erfordern. Deshalb enthalten wissenschaftlich fundierte Präparate sowohl den Fruchtkörper als auch das Myzel im "Dual-Extrakt"-Format. Das Garen (≤ 90 °C, 20–30 Minuten) erhält einen erheblichen Teil der Hericenone; starkes Rösten bei hoher Temperatur (> 180 °C, 15+ Minuten) baut sie hingegen ab.

✅ Gut kombinierbar mit
  • + Gesundem Fett (natives Olivenöl extra, Ghee, Butter): Hericenone und Erinacine sind lipophil – mit Fett werden sie besser aufgenommen. Das klassische Muster "in Butter gebratene Pilze" ist damit auch wissenschaftlich begründet.
  • + Omega-3-Fettsäuren (Lachs, Walnuss, Leinsamen): synergistische neuroprotektive Wirkung – Omega-3-DHA stabilisiert die Membranen, der Igelstachelbart stimuliert NGF.
  • + B-Vitamin-Komplex (Hefe, Eier, Hülsenfrüchte): B12, B6 und Folat werden für die Myelinisierung und die Neurotransmittersynthese gebraucht – gemeinsam eine vollständigere neurokognitive Unterstützung.
  • + Polyphenolreichen Lebensmitteln (Heidelbeere, grüner Tee, Zartbitterschokolade): antioxidative Synergie, additive Wirkung auf den BDNF-Signalweg.
  • + Ballaststoffreicher Ernährung: Die Mikrobiomwirkung des β-Glucans entfaltet sich in Gegenwart anderer fermentierbarer Ballaststoffe vollständiger.
  • + Zitronensaft: über den frischen Fruchtkörper geträufelt nicht nur geschmacklich nützlich, sondern auch als Vitamin-C-Synergie zur Stabilisierung der Polyphenole.
🚫 Nicht kombinieren mit
  • Antikoagulanzien (Warfarin, DOAK – Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran; Aspirin, Clopidogrel): β-Glucane und einige Triterpenoide zeigen eine leicht antiaggregatorische Wirkung – hoch dosierte Präparate sind zu meiden, kulinarische Mengen sind unbedenklich.
  • Immunsuppressiva (Tacrolimus, Ciclosporin, Kortikosteroide in Dauerdosis): Die immunmodulierende β-Glucan-Wirkung kann theoretisch stören – nach einer Organtransplantation ärztlichen Rat einholen.
  • Diabetesmedikamenten (Insulin, Sulfonylharnstoffe, Metformin): Der Igelstachelbart hat eine mäßig glukosesenkende Wirkung – in Präparatedosen besteht Hypoglykämierisiko.
  • Auf nüchternen Magen, in Kapselform: eine mäßige Magenreizung ist möglich – immer zu den Mahlzeiten einnehmen.
  • Gleichzeitigem Alkoholkonsum: Alkohol hemmt die BDNF-Synthese – das hebt den kognitiven Vorteil des Igelstachelbarts auf.
⚠️ Wann zu meiden – krankheitsspezifisch
  • Pilzallergie (Basidiomycota): Eine anaphylaktische Reaktion ist selten, aber beschrieben – beim ersten Verzehr eine kleine Testportion.
  • Asthma, akuter Schub einer atopischen Dermatitis: Einige Fallberichte beschrieben kontaktbedingte Atemwegsreaktionen auf das Einatmen von Igelstachelbart-Sporen (Eigenanbau). Beim Verzehr selten.
  • Aktive Autoimmunerkrankung (SLE, RA, MS) im Schub: Die Richtung der Immunmodulation ist nicht immer eindeutig – bei Präparatedosen einen Rheumatologen konsultieren.
  • 2 Wochen vor einer geplanten Operation: hoch dosiertes Präparat absetzen (Blutungsrisiko).
  • Schwangerschaft, Stillzeit: Nahrungsmengen sind wahrscheinlich unbedenklich, doch für das konzentrierte Präparat gibt es keine humanen Sicherheitsdaten – meiden.
  • Kinder unter 18 Jahren: Der modische "nootrope" Einsatz zur Behandlung von ADHS oder Autismus ist unbegründet – kein pädiatrisches RCT, keine Sicherheitsdaten.
  • Während der laufenden Behandlung einer aktiven Helicobacter-pylori-Infektion: theoretische Modulation der Magenschleimhaut – erst nach Abschluss der Behandlung beginnen.
❌ Mythen und ihre Widerlegung

"Der Igelstachelbart kehrt die Alzheimer-Krankheit um." Eine starke Übertreibung. Das RCT von Mori 2009 bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) zeigte eine bescheidene, statistisch signifikante Verbesserung auf der Hasegawa-Skala – das ist nicht dasselbe wie eine Heilung von Alzheimer. Bei schwerer Demenz gibt es keine Evidenz; die in präklinischen Modellen beobachtete Verringerung von τ und Aβ hat sich noch nicht in humane therapeutische Ergebnisse übersetzt. Der Igelstachelbart kann allenfalls ein unterstützender Faktor in einer komplexen Lebensstil- und Therapiestrategie sein.

"Pulver und Kapsel sind gleich wirksam." Ein dramatischer Unterschied. Nicht extrahiertes Pilzpulver besteht überwiegend aus unverdaulichem Chitin mit wenig Bioaktivstoff – die systemische Aufnahme ist gering. "Dual-Extrakt"-Formate (Kaltwasser- + Alkoholextraktion) konzentrieren sowohl die β-Glucane (wasserlöslich) als auch die Hericenone/Erinacine (alkohollöslich). Achten Sie auf dem Etikett auf "Polysaccharid ≥ 30 %", "β-Glucan ≥ 25 %" und "Dual-Extrakt".

"Alle Hericium-Produkte sind gleich." 70 % der Marktprodukte sind ausschließlich Myzel auf Getreide (getrocknete Mischung aus auf Getreide gezogenem Myzel), die 50 % und mehr Stärke und einen minimalen Hericenongehalt enthält. Das wirklich wirksame Produkt ist fruchtkörperbasiert oder ein Myzelextrakt aus Flüssigfermentation. Lesen Sie die Zutaten – wenn "Myzelbiomasse" aufgeführt ist, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Getreidestärke.

"Wilder Igelstachelbart ist immer besser als kultivierter." Dafür gibt es keine Evidenz – im Gegenteil, die kultivierte Variante kann einen standardisierten und reproduzierbaren Hericenongehalt haben, während die Wildsammlung je nach Saison und Fundort stark schwankt. In vielen Regionen ist der wilde H. erinaceus zudem eine geschützte Art – prüfen Sie die örtlichen Vorschriften.

"Die Wirkung tritt sofort ein, wie bei Koffein." Ein Mythos. Der NGF-Signalweg baut neuronale Verbindungen über Tage bis Wochen auf – das RCT von Mori dosierte 16 Wochen lang täglich 3 g, und die Wirkung entwickelte sich allmählich. Wer nach einer Woche "nichts spürt", ist nicht an ein schlechtes Produkt geraten, sondern erwartet den falschen Zeithorizont.

🍳 Küchenprotokoll

Tagesportion: 50–150 g frischer Fruchtkörper pro Mahlzeit, 2- bis 3-mal/Woche.

Zubereitungsmuster: Zerreißen Sie frischen Igelstachelbart mit der Hand in kleinere Stücke (NICHT mit dem Messer würfeln – die Faserstruktur erhält die Textur so besser). In einer trockenen Pfanne 2–3 Minuten, bis das Wasser austritt, dann 1–2 EL Olivenöl/Butter + Salz, 5–7 Minuten bei mittlerer Hitze. So entsteht die klassische "krabbenartige" Textur.

Klassische Muster:

  • In Butter gebratener Igelstachelbart mit Knoblauch und Petersilie – einfach, mobilisiert die Hericenone mit Fett.
  • Pasta mit Igelstachelbart und Parmesan – proteinreich, genussvoll, leicht zu portionieren.
  • In Suppen (Miso, Pilzsuppe, japanisches Dashi) – die β-Glucane lösen sich in Wasser.
  • Frühstücksrührei mit Igelstachelbart – Ei (Cholin) + Pilz (Hericenon) → neurokognitives Synergiefrühstück.
  • Getrocknetes Igelstachelbart-Pulver in Suppen, Smoothies – 1–2 g/Tag als Haushaltsdosierung.

Lagerung: Frisch, gekühlt, in Papier gewickelt, maximal 5 Tage. Getrocknet in einem luftdichten Glas an einem dunklen Ort, 12 Monate. Gefroren (nach dem Vorbraten), 6 Monate.

Was Sie vermeiden sollten: Rösten Sie ihn nicht über 180 °C für 15+ Minuten (Hericenonabbau). Essen Sie ihn nicht roh – die Chitinmatrix ist unverdaulich. Mischen Sie ihn nicht mit anderen kräftig schmeckenden Pilzen (Steinpilz, Champignon), sonst geht sein feiner "krabbenartiger" Charakter verloren.

Literatur

[1356] Kawagishi H et al. Hericenones C, D, and E, stimulators of nerve growth factor (NGF)-synthesis, from the mushroom Hericium erinaceum. Tetrahedron Letters. . 1991. Link

Experimentelle chemische Arbeit, die die aus dem Pilz Hericium erinaceum isolierten Hericenone C, D und E als Stimulatoren der Synthese des Nervenwachstumsfaktors (NGF) beschreibt.

[1357] Mori K et al. Improving effects of the mushroom Yamabushitake (Hericium erinaceus) on mild cognitive impairment: a double-blind placebo-controlled clinical trial. Phytother Res. . 2009. Link

Eine doppelblinde, parallelgruppige, placebokontrollierte Studie wurde an 50- bis 80-jährigen japanischen Männern und Frauen mit diagnostizierter leichter kognitiver Beeinträchtigung durchgeführt, um die Wirksamkeit der oralen Gabe von Yamabushitake (Hericium erinaceus), einem Speisepilz, zur Verbesserung der kognitiven Beeinträchtigung zu prüfen, unter Verwendung einer Skala für kognitive Funktion auf Basis der revidierten Hasegawa-Demenzskala (HDS-R). Nach einer 2-wöchigen Voruntersuchung wurden 30 Probanden randomisiert zwei Gruppen zu je 15 Personen zugeteilt, von denen eine Yamabushitake und die andere Placebo erhielt. Die Probanden der Yamabushitake-Gruppe nahmen 16 Wochen lang dreimal täglich vier 250-mg-Tabletten mit 96 % Yamabushitake-Trockenpulver ein. Nach Beendigung der Einnahme wurden die Probanden über weitere 4 Wochen beobachtet. In den Wochen 8, 12 und 16 der Studie zeigte die Yamabushitake-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe signifikant erhöhte Werte auf der Skala für kognitive Funktion. Die Werte der Yamabushitake-Gruppe stiegen mit der Dauer der Einnahme, doch in Woche 4 nach Beendigung der 16-wöchigen Einnahme fielen die Werte signifikant ab.

[1358] Saitsu Y et al. Improvement of cognitive functions by oral intake of Hericium erinaceus. Biomedical Research. . 2019. Link

Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie: Die Teilnehmer nahmen 12 Wochen lang ein Nahrungsergänzungsmittel mit Fruchtkörpern von Hericium erinaceus oder Placebo ein. Die kognitive Funktion wurde mittels MMSE, Benton-Test zur visuellen Retention und standardisiertem verbalem Paar-Assoziations-Lerntest erfasst; gemessen am MMSE verbesserte die orale Einnahme von H. erinaceus die kognitive Funktion signifikant und verhinderte deren Verschlechterung.

[1359] Li IC et al. Prevention of early Alzheimer's disease by erinacine A-enriched Hericium erinaceus mycelia pilot double-blind placebo-controlled study. Frontiers in Aging Neuroscience. . 2020. Link

ZIEL: Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von drei H.-erinaceus-Myzel-Kapseln (EAHE) pro Tag (350 mg/Kapsel; mit 5 mg/g Erinacin A als Wirkstoff) zur Behandlung von Patienten mit leichter Alzheimer-Krankheit (AD). METHODEN: Diese Studie umfasste eine 3-wöchige medikamentenfreie Screeningphase, gefolgt von einer 49-wöchigen doppelblinden Behandlungsphase mit 2 Parallelgruppen, in der geeignete Patienten randomisiert entweder drei EAHE-Myzel-Kapseln zu 5 mg/g pro Tag oder identisch aussehende Placebokapseln erhielten. Kognitive Untersuchungen, ophthalmologische Untersuchungen, Biomarkerbestimmungen und Neuroimaging wurden über den gesamten Studienzeitraum verfolgt. ERGEBNISSE: Nach 49 Wochen EAHE-Intervention wurde in der Placebogruppe eine signifikante Abnahme des Scores im Cognitive Abilities Screening Instrument festgestellt, in der EAHE-Gruppe eine signifikante Verbesserung des Mini-Mental State Examination-Scores beobachtet und ein signifikanter Unterschied im Instrumental Activities of Daily Living-Score zwischen den beiden Gruppen gefunden. Zudem erreichte die EAHE-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe eine signifikant bessere Kontrastempfindlichkeit. Darüber hinaus zeigten sich nur in der Placebogruppe über den Studienzeitraum signifikant erniedrigte Biomarker wie Calcium, Albumin, Apolipoprotein E4, Hämoglobin und Brain-derived neurotrophic factor sowie signifikant erhöhtes Alpha1-Antichymotrypsin und Amyloid-beta-Peptid 1-40.

[1360] Nagano M et al. Reduction of depression and anxiety by 4 weeks Hericium erinaceus intake. Biomedical Research. . 2010. Link

Hericium erinaceus, ein bekannter Speisepilz, besitzt zahlreiche biologische Aktivitäten. Insbesondere die aus seinem Fruchtkörper isolierten Hericenone und Erinacine stimulieren die Synthese des Nervenwachstumsfaktors (NGF), weshalb von H. erinaceus gewisse Wirkungen auf Hirnfunktionen und das autonome Nervensystem erwartet werden. Hierin untersuchten wir die klinischen Wirkungen von H. erinaceus auf Menopause, Depression, Schlafqualität und unbestimmte Beschwerden mithilfe des Kupperman Menopausal Index (KMI), der Center for Epidemiologic Studies Depression Scale (CES-D), des Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und des Indefinite Complaints Index (ICI). Dreißig Frauen wurden randomisiert entweder der H.-erinaceus-Gruppe (HE) oder der Placebogruppe zugeteilt und nahmen 4 Wochen lang HE-Kekse oder Placebokekse ein. Sowohl der CES-D- als auch der ICI-Score war nach der HE-Einnahme signifikant niedriger als davor. In zwei Items des ICI, "insentive" und "palpitatio", war der jeweilige Mittelwert der HE-Gruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe. "Concentration", "irritating" und "anxious" tendierten zu niedrigeren Werten als in der Placebogruppe.

[1361] Friedman M. Chemistry, nutrition, and health-promoting properties of Hericium erinaceus mushroom fruiting bodies and mycelia. J Agric Food Chem. . 2015. Link

Der kulinarische und medizinische Pilz Hericium erinaceus wird in asiatischen Ländern wegen seines Nähr- und Gesundheitswerts weithin verzehrt, offenbar jedoch nicht in den Vereinigten Staaten. Um breiteres Interesse an den berichteten günstigen Eigenschaften zu wecken, sichtet und bündelt diese Übersicht die weit verstreute Literatur zur Chemie (Isolierung und strukturelle Charakterisierung) von Polysacchariden und Sekundärmetaboliten wie Erinacinen, Hericerinen, Hericenonen, Resorcinolen, Steroiden, Mono- und Diterpenen sowie flüchtigen Aromastoffen, zur Nährstoffzusammensetzung, zu Lebensmittel- und industriellen Anwendungen und zu den außergewöhnlichen ernährungsphysiologischen und gesundheitsfördernden Aspekten von H. erinaceus. Zu den berichteten gesundheitsfördernden Eigenschaften der Fruchtkörper, Myzelien und bioaktiven Reinsubstanzen zählen antibiotische, antikarzinogene, antidiabetische, antifatigue, antihypertensive, antihyperlipidämische, seneszenzhemmende, kardioprotektive, hepatoprotektive, nephroprotektive und neuroprotektive Eigenschaften sowie eine Verbesserung von Angst, kognitiver Funktion und Depression. Die in Zellen, Tieren und Menschen beschriebenen entzündungshemmenden, antioxidativen und immunstimulierenden Eigenschaften scheinen für die vielfältigen gesundheitsfördernden Wirkungen verantwortlich zu sein. Ein breites Spektrum an Forschungsfortschritten und Techniken wird dargestellt und bewertet. Die zusammengetragenen Informationen und der Vorschlag für weitere Forschung könnten weitere Studien erleichtern und leiten, um die Nutzung der ganzen Pilze und von etwa 70 charakterisierten tatsächlichen und potenziellen bioaktiven Sekundärmetaboliten zu optimieren und so zur Vorbeugung oder Behandlung chronischer, kognitiver und neurologischer Erkrankungen des Menschen beizutragen.

[1362] Wang M et al. Effects of polysaccharides from Hericium erinaceus on gut microbiota. Carbohydr Polym. . 2019.

Untersuchung zu den Wirkungen von Polysacchariden aus Hericium erinaceus auf die Darmmikrobiota.

[1363] Spelman K et al. Neurological activity of Lion's mane (Hericium erinaceus). J Restor Med. . 2017. Link

Übersichtsarbeit zur neurologischen Aktivität des Löwenmähnenpilzes (Hericium erinaceus).

Autoren:
PG
Dr. Patay Gábor
Arzt, Mikrobiota-Spezialist
BA
Dr. Bezzegh Attila
ärztlicher Direktor, klinischer Mikrobiologe
AM
Dra. Anna Munar
Ärztin, Exposom-Spezialistin
MicroBiome Bank — medizinisch geprüfte Fachinhalte. Letzte Aktualisierung: 2026.