IV. Ernährung und Diätetik

IV. 4. Probiotikazufuhr

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die eher vorübergehende Gäste als dauerhafte Bewohner sind; ihr Nutzen hängt von Stamm, Dosis und Krankheitsbild ab.

Die Darmarmee verstärken – Probiotika im Einsatz

Probiotika können zeitweise Ihre mikrobiellen Verbündeten sein – ein unbegründeter Einsatz kann jedoch mehr schaden.

Anekdote

Im Jahr 1907 veröffentlichte Élie Metchnikoff – ein in Russland geborener Zoologe, der gerade den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung der Phagozytose geteilt hatte – ein Buch, das das folgende Jahrhundert der Darmforschung prägen sollte. Am Pariser Institut Pasteur war Metchnikoff von einem auffälligen demografischen Muster fasziniert: Ländliche bulgarische Bauern, die sich weitgehend von fermentierten Milchprodukten ernährten, schienen ungewöhnlich häufig ein sehr hohes Alter zu erreichen. Er dokumentierte in Bulgarien über 4 000 Hundertjährige pro Million Einwohner – eine Zahl, die jene Frankreichs oder Großbritanniens weit übertraf. Seine Hypothese war schlicht: Die Milchsäurebakterien in fermentierter Milch unterdrückten die Fäulnis im Darm und verringerten so die Bildung giftiger Verbindungen durch Darmmikroben, die seiner Ansicht nach das Altern beschleunigten. [505] Er begann selbst, täglich Sauermilch zu trinken, und empfahl sie seinen Kolleginnen und Kollegen. Metchnikoff starb 1916 im Alter von 71 Jahren – kein besonders langes Leben, was seine Kritiker mit einiger Genugtuung vermerkten. Doch seine Grundintuition – dass über die Nahrung zugeführte lebende Bakterien das Darmmilieu günstig verändern können – erwies sich als tragfähig. Das Wort "Probiotikum" erschien erstmals 1954 im Druck, in Ferdinand Vergins Aufsatz "Anti- und Probiotika", der die schädigende Wirkung von Antibiotika auf die Darmflora dem Nutzen ausgewählter Bakterien gegenüberstellte [753]; die regulatorische Definition eines Probiotikums als "lebender Mikroorganismus, der in ausreichender Menge verabreicht dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringt" wurde von WHO und FAO erst 2001 festgelegt. [506] Die Wissenschaft ist seit Metchnikoffs bulgarischen Hundertjährigen ungleich strenger geworden. Unverändert geblieben ist seine grundlegende Beobachtung: dass die Zusammensetzung dessen, was im Darm lebt, prägt, was im Körper geschieht.

Viele Patientinnen und Patienten wenden sich Probiotika in der Hoffnung auf eine einfache Lösung zu: ein "gutes Bakterium" hinzufügen, und der Darm beruhigt sich. In Wirklichkeit ist der Darm ein Ökosystem, und Probiotika verhalten sich eher wie Besucher als wie dauerhafte Bewohner. Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die in bestimmten klinischen Zusammenhängen hilfreich sein können, doch ihre Wirkungen hängen vom genauen Stamm, von der Dosis und vom behandelten Krankheitsbild ab [507].

Zu den in klinischen Studien am häufigsten eingesetzten Organismen zählen bestimmte Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme sowie die Hefe Saccharomyces boulardii. Ihr Nutzen entsteht nicht schlicht durch das "Hinzufügen von Bakterien". Vielmehr können sie das Darmmilieu beeinflussen – indem sie mit unerwünschten Mikroben konkurrieren, die Barrierefunktion unterstützen und Immunsignale modulieren. In vielen Fällen ist das Ziel keine dauerhafte Besiedlung, sondern ein vorübergehender Anstoß in Richtung Stabilität.

Am besten belegt sind Probiotika bei der Vorbeugung antibiotikaassoziierter Durchfälle in bestimmten Situationen sowie bei ausgewählten Formen infektiöser Durchfälle. Entscheidend ist, dass die Ergebnisse nicht für alle Produkte gleich sind. Ein Stamm kann hilfreich sein, während ein anderer kaum Wirkung zeigt. Deshalb betonen klinische Empfehlungen zunehmend die Spezifität statt des allgemeinen Wortes "Probiotikum". [170] [171]

Das Reizdarmsyndrom ist ein gutes Beispiel für diese Feinheit. Manche Studien berichten von einer Besserung von Beschwerden wie Blähungen oder unregelmäßigem Stuhlgang, andere zeigen kaum eine Veränderung. Das Gesamtbild legt nahe, dass bestimmte Stämme oder Kombinationen einem Teil der Patientinnen und Patienten helfen können, die Aussagesicherheit der Evidenz aber häufig begrenzt ist und die Reaktionen von Person zu Person stark schwanken [507].

Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, dass Probiotika sich "ansiedeln" müssten, um zu wirken. Viele bleiben nicht dauerhaft. Sie können dennoch nützlich sein, indem sie die mikrobielle Aktivität verschieben, Stoffwechselprodukte beeinflussen oder die Stärke entzündlicher Signale an der Schleimhautoberfläche verringern. Anders gesagt: Probiotika können über Funktion und Kommunikation wirken, nicht nur über dauerhafte Veränderungen der Populationen.

Die Ernährung bleibt der Hintergrund, der darüber entscheidet, ob diese Wirkungen spürbar werden. Eine ballaststoffarme, stark verarbeitete Kost bietet einer stabilen Mikrobiota wenig Unterstützung. Eine Ernährung, die reich an vielfältigen Pflanzenballaststoffen ist, liefert dagegen Substrate, die die ansässige Mikrobiota fermentieren und in Metabolite umwandeln kann, welche die Integrität der Barriere stützen. Probiotika wirken tendenziell besser, wenn die Ernährung das Ökosystem stützt, in das sie gelangen.

Für gesunde Menschen ist die Sicherheit in der Regel kein Problem, doch das Thema ist nicht nebensächlich. Bei schwer immungeschwächten Patientinnen und Patienten, bei kritischer Erkrankung oder bei liegenden zentralvenösen Kathetern wurden seltene Blutstrominfektionen mit Probiotikaorganismen berichtet. Deshalb sollte der Einsatz von Probiotika bei gefährdeten Personen eine ärztliche Entscheidung sein und keine selbst verordnete Gewohnheit [507].

Schließlich zählt die Produktqualität. Ein verlässliches Etikett gibt die genaue Stammbezeichnung, die Keimzahl lebensfähiger Organismen bis zum Ende der Haltbarkeit und die Lagerbedingungen an. Ohne diese Angaben lässt sich ein Produkt kaum der klinischen Evidenz zuordnen. Umsichtig eingesetzt können Probiotika ein praktisches Werkzeug sein – besonders zusammen mit guter Ernährung und sorgfältigem Antibiotikaeinsatz – und kein Versprechen einer raschen Heilung.

Bewährtes Vorgehen bei Probiotika

In der klinischen Praxis ist der Einsatz von Probiotika am hilfreichsten, wenn er an eine klare Indikation gebunden ist, etwa nach einer Antibiotikabehandlung oder bei ausgewählten funktionellen Darmstörungen. Probiotika ohne definierten Zweck bringen oft wenig messbaren Nutzen.

Produkte mit eindeutig benannten Stämmen und dokumentiertem klinischem Einsatz liefern tendenziell besser vorhersagbare Ergebnisse. Probiotika sind nicht austauschbar; selbst eng verwandte Stämme können sich in Studien unterschiedlich verhalten.

Die Dosis zählt, doch mehr ist nicht immer besser. Studien verwenden meist Bereiche zwischen einer und mehreren zehn Milliarden lebensfähiger Organismen pro Tag, doch die wirksame Dosis hängt vom Stamm und vom behandelten Krankheitsbild ab.

Fermentierte Lebensmittel fügen sich auf natürliche Weise in langfristige Ernährungsmuster ein. Joghurt, Kefir, fermentiertes Gemüse oder traditionelle Sojaprodukte liefern lebende Mikroben zusammen mit Nährstoffen, die die ansässige Mikrobiota unterstützen.

Beständigkeit über die Zeit scheint wichtiger zu sein als kurze, unregelmäßige Kuren. Viele Probiotikaorganismen wirken während der Passage durch den Darm, sodass ihre Wirkungen bei regelmäßiger Einnahme und nicht bei gelegentlichem Gebrauch sichtbar werden.

Der Ernährungskontext bestimmt, ob Probiotika spürbare Wirkungen haben. Eine ausreichende Ballaststoffzufuhr, pflanzliche Vielfalt, stabile Mahlzeitenmuster und ein sorgfältiger Antibiotikaeinsatz schaffen ein Umfeld, in dem zugeführte Mikroben konstruktiv mit der vorhandenen Mikrobiota in Wechselwirkung treten können.

Die klinische Nachbeobachtung hilft, Nutzen von Zufall zu unterscheiden. Die Erfassung der Beschwerden und regelmäßige Neubewertungen erlauben es, Stammwahl, Dosis oder Dauer an das tatsächliche Ansprechen anzupassen.

Wirkungen auf die Mikrobiota

  • Bestimmte Probiotikastämme können die Zusammensetzung der Mikrobiota nach Störungen wie einer Antibiotikatherapie vorübergehend verändern, die Überwucherung durch Krankheitserreger verringern und die Erholung kommensaler Taxa (z. B. Bifidobacterium, Lactobacillus) unterstützen. Die meisten Stämme besiedeln den Darm nicht dauerhaft [455] [104].
  • Manche Probiotika stärken die Funktion der Darmbarriere, teilweise indem sie Tight-Junction-Proteine, die Schleimbildung und epitheliale Signalwege beeinflussen. Diese Wirkungen sind bescheiden und stammspezifisch, nicht allgemeingültig [507].
  • Probiotika treten mit dem Immunsystem in Wechselwirkung und beeinflussen die Aktivität dendritischer Zellen, das T-Zell-Gleichgewicht und die Zytokinsignalgebung. In einigen Studien verringern sie Entzündungsmarker oder das Infektionsrisiko, doch die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Stamm und Patientengruppe [508].
  • Probiotika können den mikrobiellen Stoffwechsel über Cross-Feeding beeinflussen und das Wachstum butyratbildender Bakterien wie Faecalibacterium prausnitzii oder Roseburia spp. unterstützen, statt selbst große Mengen Butyrat zu bilden [104].
  • Die Wirkungen auf die Mikrobiota hängen vom Ökosystem ab: Ernährungsqualität, Ballaststoffzufuhr und Ausgangsmikrobiota bestimmen maßgeblich, ob Probiotika nützliche Taxa vermehren oder kaum messbare Wirkung zeigen.
  • Einige Probiotikastämme beeinflussen die Darm-Hirn-Signalgebung, möglicherweise über die Modulation des Tryptophan[G]-Stoffwechsels, vagale Bahnen oder entzündliche Signale, doch die klinischen Wirkungen auf Stimmung oder Kognition sind gering und uneinheitlich.
  • Auch nichtbakterielle Mitglieder der Mikrobiota können betroffen sein, darunter probiotische Hefen (Saccharomyces boulardii), die Dynamik der Bakteriophagen oder archaeelle Methanbildner (Methanobrevibacter smithii), obwohl diese Wirkungen noch untersucht werden.
  • Veränderungen der Mikrobiota durch Probiotikaeinnahme sind meist reversibel, und ein anhaltender Nutzen erfordert in der Regel eine unterstützende Ernährung, einen stabilen Lebensstil und eine angemessene klinische Indikation.

Hinweise für Patientinnen und Patienten

  • Verwenden Sie Probiotika nur aus einem klaren Grund (nach Antibiotika, bei bestimmten Darmbeschwerden, auf ärztlichen Rat).
  • Wählen Sie Produkte, die die genaue Stammbezeichnung und die Keimzahl bei Ablauf der Haltbarkeit angeben.
  • Nehmen Sie Probiotika über einen festgelegten Zeitraum regelmäßig ein; beurteilen Sie die Wirkung nach 4–8 Wochen neu.
  • Essen Sie mehrmals pro Woche fermentierte Lebensmittel, sofern verträglich.
  • Halten Sie die Ballaststoffzufuhr hoch (Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide), um die ansässige Mikrobiota zu unterstützen.
  • Erwarten Sie nicht, dass Probiotika eine ausgewogene Ernährung ersetzen.
  • Meiden Sie Produkte mit unnötigem Zucker oder Süßungsmitteln.
  • Setzen Sie das Präparat ab und lassen Sie es überprüfen, wenn sich die Beschwerden verschlimmern.
  • Besprechen Sie die Einnahme von Probiotika, wenn Sie immungeschwächt oder schwer krank sind.
  • Halten Sie Ihre Beschwerden im Tagebuch fest, um den tatsächlichen Nutzen zu erkennen.
Klinische Perle

Eine RCT (Suez et al., 2018) fand, dass die Einnahme von Probiotika nach einer Antibiotikabehandlung die Erholung der körpereigenen Mikrobiota im Vergleich zur spontanen Erholung um bis zu 5 Monate verzögerte – ein Beleg dafür, dass Probiotika Nischen besetzen können, die sonst von körpereigenen Arten zurückerobert würden. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2022 bestätigte keine allgemein negativen Wirkungen auf das FMT-Engraftment. Vorsorglich sollten Probiotika während der Induktionsphase gemieden werden; für die Konsolidierungsphase ist die Evidenz uneinheitlich.

Literatur

[104] McFarland, L. V. Use of probiotics to correct dysbiosis of normal microbiota following disease or disruptive events: a systematic review. BMJ Open. 2014. Link

Systematische Übersichtsarbeit dazu, inwieweit Probiotika eine durch Krankheit oder Antibiotikatherapie gestörte normale Mikrobiota wiederherstellen können; ausgewertet wurden 63 Studien. Das Ergebnis ist zweigeteilt: Einzelne Probiotika-Stämme verbesserten bestimmte Mikrobiota-Kennwerte messbar, die Wiederherstellung der gesamten Gemeinschaft — Wiederaufbau der Diversität und der fehlenden funktionellen Gruppen — gelang jedoch in den meisten Studien nicht; die Wirkung war stamm-, dosis- und ausgangsabhängig. Die Arbeit argumentiert daher nicht gegen Probiotika, sondern für eine genaue Abgrenzung ihres Wirkbereichs. Kapitel II.5 des Handbuchs nutzt diese Unterscheidung zwischen Probiotikum und vollständigem Mikrobiota-Transplantat.

[170] Hill C, Guarner F, Reid G et al. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics consensus statement on the scope and appropriate use of the term probiotic. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2014. Link

Konsens eines ISAPP-Expertengremiums (2013), das die FAO/WHO-Definition von Probiotika als 'lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge verabreicht dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringen' bekräftigt. Das Gremium kam zu dem Schluss, dass diese Definition weiterhin relevant und tragfähig ist. Die Stellungnahme konsolidiert den globalen regulatorischen und wissenschaftlichen Rahmen für Identifizierung, Kennzeichnung und Evidenzanforderungen von Probiotika.

[171] Goldenberg JZ, Yap C, Lytvyn L et al. Probiotics for the prevention of Clostridium difficile-associated diarrhea in adults and children. Cochrane Database Syst Rev. 2017. Link

Systematische Übersichtsarbeit zu Probiotika für die Primärprävention der Clostridium difficile-assoziierten Diarrhö bei Erwachsenen unter Antibiotikatherapie. Die Arbeit bewertet Wirksamkeit und Sicherheit vor dem Hintergrund von Leitlinienempfehlungen, die eine probiotische Prophylaxe trotz hochwertiger Evidenz nicht befürworten. Die Synthese stützt die probiotische Prophylaxe als wirksame und sichere Maßnahme bei geeignet ausgewählten hospitalisierten Erwachsenen unter Antibiotika.

[455] Zmora N, Zilberman-Schapira G, Suez J et al. Personalized Gut Mucosal Colonization Resistance to Empiric Probiotics Is Associated with Unique Host and Microbiome Features. Cell. 2018. Link

Sequenzielle invasive Multi-Omics-Profilierung des schleimhautassoziierten gastrointestinalen Mikrobioms bei Mäusen und Menschen während der Einnahme eines Probiotikums mit 11 Stämmen gegenüber Placebo zeigte, dass die Probiotika die Magen-Darm-Passage lebensfähig überstanden, in kolonisierten Wirten jedoch auf eine ausgeprägte mukosale Kolonisationsresistenz trafen. Beim Menschen fanden sich personen-, regionen- und stammspezifische Muster der mukosalen Kolonisation, die anhand von Ausgangsmerkmalen des Wirts und des Mikrobioms vorhersagbar waren, während der Nachweis von Probiotika im Stuhl nicht informativ war. Das Stuhlmikrobiom korrelierte nur teilweise mit dem Schleimhautmikrobiom. Die Ergebnisse stellen den empirischen Einsatz von Probiotika bei Gesunden infrage.

[505] Metchnikoff, E. The Prolongation of Life: Optimistic Studies. London: Heinemann. 1907. Link

Metchnikoffs Monographie von 1907, 'The Prolongation of Life: Optimistic Studies', ist der Grundlagentext des modernen probiotischen Denkens. Der Nobelpreisträger postuliert, dass intestinale Fäulnis durch schädliche Bakterien zum Altern beiträgt ('Autointoxikation') und dass der regelmäßige Verzehr fermentierter Milchprodukte mit hohem Gehalt an Milchsäurebakterien — exemplarisch bulgarischer Joghurt — die Fäulnisflora verdrängen und die gesunde Lebensspanne verlängern kann. Er dokumentiert Beobachtungen zur Langlebigkeit in bulgarischen Bauernpopulationen mit Joghurtkonsum. Die Arbeit führt das Konzept ein, dass aufgenommene lebende Bakterien den Darm besiedeln und dem Wirt Nutzen bringen können, und nimmt damit das heutige Probiotika-Feld und die Mikrobiom-Alterns-Forschung unmittelbar vorweg.

[506] FAO/WHO. Health and Nutritional Properties of Probiotics in Food including Powder Milk with Live Lactic Acid Bacteria. Joint FAO/WHO Expert Consultation Report. 2001. (IV-4). 2001. Link

Der FAO/WHO-Expertenkonsultationsbericht von 2001, 'Health and Nutritional Properties of Probiotics in Food including Powder Milk with Live Lactic Acid Bacteria', ist das grundlegende Konsensdokument, das Probiotika als 'lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge verabreicht dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringen' definiert. Der Bericht legt Mindestanforderungen an die Identifizierung von Probiotika (Gattung, Art, Stamm), die Sicherheitsbewertung, die Viabilität über die Haltbarkeitsdauer und die Substantiierung gesundheitsbezogener Angaben durch randomisierte kontrollierte Studien fest. Er empfiehlt die Angabe von Gattung/Art/Stamm auf Produktetiketten, schafft einen Arbeitsrahmen für Regulierungsbehörden und hat die späteren ISAPP- und Codex-Alimentarius-Leitlinien geprägt. Die Definition ist international weiterhin in Gebrauch.

[507] Suez J, Zmora N, Segal E, Elinav E. The pros, cons, and many unknowns of probiotics. Nat Med. 2019. Link

Übersichtsarbeit zur mikrobiom-informierten Bewertung von Probiotika, die die Darmbesiedlung durch Probiotika, die Aktivität auf Stammebene, Interaktionen mit dem indigenen Mikrobiom, Sicherheit und Wirkung auf den Wirt behandelt. Widersprüchliche klinische Ergebnisse für viele Stämme und Formulierungen spiegeln die Heterogenität von Besiedlung, Wirtsantwort und Indikation wider. Die Übersicht schlägt ein Präzisions-Probiotika-Paradigma vor, das Stämme mit physiologischen Effekten und validierten medizinischen Indikationen verknüpft.

[508] Shen NT, Maw A, Tmanova LL et al. Timely Use of Probiotics in Hospitalized Adults Prevents Clostridium difficile Infection: A Systematic Review With Meta-Regression Analysis. Gastroenterology. 2017. Link

Aktualisierte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien zu Probiotika zur Prävention von CDI bei hospitalisierten Erwachsenen unter Antibiotika, mit Recherche in MEDLINE, EMBASE, IJPP und Cochrane Library. Die Synthese zeigt eine signifikante Reduktion der CDI-Inzidenz unter probiotischer Prophylaxe. Die Ergebnisse stützen den routinemäßigen Einsatz von Probiotika als ergänzende CDI-Prävention bei ausgewählten hospitalisierten Erwachsenen mit hohem Risiko und liefern Grundlagen für eine Leitlinienrevision.

[753] Hamilton-Miller JMT, Gibson GR, Bruck W. Some insights into the derivation and early uses of the word 'probiotic'. British Journal of Nutrition. 2003. Link

Eine kurze Zusammenfassung der zitierten Publikation wird derzeit erstellt.

Autoren:
PG
Dr. Patay Gábor
Arzt, Mikrobiota-Spezialist
BA
Dr. Bezzegh Attila
ärztlicher Direktor, klinischer Mikrobiologe
AM
Dra. Anna Munar
Ärztin, Exposom-Spezialistin
MicroBiome Bank — medizinisch geprüfte Fachinhalte. Letzte Aktualisierung: 2026.