III. 3. Der FMT-Eingriff
Zu wissen, was einen erwartet, ist Teil der Behandlung: Dieses Kapitel führt durch jede Applikationsform und erklärt, welche Empfindungen als normal gelten.
Zu wissen, was einen erwartet, ist Teil der Behandlung
Im späten 19. Jahrhundert wurden Bluttransfusionen sporadisch und mit beunruhigender Unbeständigkeit durchgeführt: Manche Patienten erholten sich, andere starben binnen Stunden. Die Ärzte konnten nicht vorhersagen, welches Ergebnis eintreten würde. Die Erklärung kam 1901, als Karl Landsteiner, ein dreiunddreißigjähriger Pathologe an der Universität Wien, eine Arbeit veröffentlichte, die zeigte, dass sich menschliches Blut in unterschiedliche Gruppen einteilen lässt – die er A, B und C nannte (später in 0 umbenannt). Die Übertragung von Blut der falschen Gruppe führte dazu, dass das Immunsystem der Empfängerin oder des Empfängers die eintreffenden Zellen als fremd erkannte und zerstörte. Die Reaktion konnte tödlich sein. Landsteiner erhielt 1930 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Seine Entdeckung machte die Transfusionsmedizin sicher, indem sie ein einziges Prinzip begründete: Bevor irgendetwas zwischen Körpern übertragen wird, muss die Verträglichkeit der Biologie der Empfängerin oder des Empfängers mit dem Eingebrachten beurteilt werden. Die FMT beruht auf demselben Prinzip, angewandt auf ein weit komplexeres biologisches Material als Blut. Eine Spendergemeinschaft, die immunologisch oder ökologisch nicht zur Empfängerin oder zum Empfänger passt, scheitert nicht leise. Sie erzeugt eine Reaktion – und zu verstehen, was diese Reaktion bedeutet, ist der Ausgangspunkt jedes in diesem Kapitel beschriebenen Verfahrens.
Der FMT-Eingriff ist kein einzelnes, einheitliches Ereignis. Je nach Applikationsweg, Diagnose und Behandlungsphase unterscheidet sich das Erleben erheblich. Durchgängig gilt für alle Formate, dass das Verfahren sicher, minimalinvasiv und reproduzierbar angelegt ist. Zu verstehen, was geschehen wird – und welche Empfindungen und Reaktionen normal sind –, kann im Einklang mit allgemeinen Grundsätzen der Patientenaufklärung die Erwartungsangst mindern und die Einhaltung des Behandlungsplans unterstützen [468].
Dieses Kapitel beschreibt das Erleben des Eingriffs aus Sicht der Patientin und des Patienten für jedes in der FMT-Praxis verwendete Applikationsformat: koloskopische Gabe, kapselbasierte orale FMT und Retentionseinlauf. Im Mittelpunkt steht, was die Patientin oder der Patient unmittelbar erlebt – vor, während und direkt nach jedem Verfahrenstyp – neben der klinischen Begründung jedes Schritts. Konkrete Warnzeichen, die einen sofortigen ärztlichen Kontakt erfordern, werden ausführlich in Kapitel II.4 behandelt.
Koloskopische FMT – der hochdosierte Induktionseingriff
Die koloskopische FMT ist die derzeit klinisch verwendete Applikationsform mit der höchsten Dosis. Sie ist typischerweise der Induktion in Phase 1 bei rezidivierender Clostridioides-difficile-Infektion sowie ausgewählten Nicht-CDI-Patientinnen und -Patienten vorbehalten, die eine rasche und tiefe Aussaat der mikrobiellen Gemeinschaft benötigen. Der Eingriff folgt demselben allgemeinen Rahmen wie eine diagnostische Koloskopie und wird von einer Gastroenterologin oder einem Gastroenterologen bzw. einer Koloproktologin oder einem Koloproktologen in einer Endoskopieeinheit durchgeführt.
Vor dem Eingriff. Die Patientin oder der Patient hat die in Kapitel II.2 beschriebene Darmvorbereitung abgeschlossen. Bei Ankunft in der Endoskopieeinheit erfolgt eine kurze klinische Beurteilung: Vitalparameter werden erfasst, Veränderungen von Symptomen oder Medikation seit dem letzten klinischen Kontakt werden notiert, und die schriftliche Einwilligung nach Aufklärung wird bestätigt. Für den Zugang zur Sedierung wird typischerweise eine intravenöse Verweilkanüle gelegt. Die Patientin oder der Patient zieht ein Eingriffshemd an und wird in Linksseitenlage auf dem Untersuchungstisch positioniert. Eine leichte bis mittlere Analgosedierung – am häufigsten mit Midazolam und Fentanyl oder je nach lokaler Praxis und Präferenz mit Propofol – wird von einer Anästhesistin oder einem Anästhesisten bzw. einer geschulten Endoskopiepflegekraft verabreicht [751]. Die Patientin oder der Patient bleibt bei Bewusstsein und ansprechbar, ist jedoch typischerweise entspannt und verspürt während des Eingriffs selbst wenig oder kein Unbehagen.
Während des Eingriffs. Das Koloskop wird unter direkter Sicht durch das gesamte Kolon bis zum Zäkum und terminalen Ileum vorgeschoben. Die gesamte Einführzeit beträgt typischerweise 10–20 Minuten. Sobald das Koloskop im Zäkum positioniert ist, wird die FMT-Zubereitung – eine aufbereitete, filtrierte Spenderstuhl-Suspension in physiologischer Kochsalzlösung (bei gefrorenen Zubereitungen im aufgetauten Glycerin-Gefrierschutzmedium) – über den Arbeitskanal des Koloskops infundiert, während das Instrument langsam zurückgezogen wird. Der europäische Konsens empfiehlt pro Eingriff mindestens 30 g Stuhl, verdünnt mit dem drei- bis fünffachen Lösungsmittelvolumen; eine Suspension von 200–500 mL kann sicher in das Kolon eingebracht werden [016], [447]. Die Infusion wird beim Rückzug über rechtes Kolon, Colon transversum und linkes Kolon verteilt, was den Kontakt zur Schleimhautoberfläche maximiert und das Risiko verringert, dass sich die Zubereitung in einem einzelnen Abschnitt sammelt. Die Patientin oder der Patient verspürt während der Infusion typischerweise leichte Krämpfe oder ein Völlegefühl, das rasch abklingt. Die gesamte Eingriffsdauer vom Einführen bis zum Rückzug des Endoskops beträgt in der Regel 20–40 Minuten.
Nach dem Eingriff. Die Patientin oder der Patient wird in einen Aufwachbereich gebracht und 30–60 Minuten lang überwacht, während die Sedierung nachlässt. Die Vitalparameter werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Leichtes abdominelles Unbehagen, Blähungen oder Stuhldrang sind in den ersten 1–2 Stunden häufig und zu erwarten: Sowohl das eingebrachte Volumen der Zubereitung als auch die mechanische Reizung durch die Koloskopie tragen zu einer gesteigerten Darmaktivität bei. Die Patientinnen und Patienten werden ermutigt, die Zubereitung nach dem Eingriff so lange wie möglich zurückzuhalten – der europäische Konsens empfiehlt mindestens 30 Minuten Retention und eine Rückenlage, um den Stuhldrang zu vermindern –, um die Kontaktzeit mit der Schleimhaut zu maximieren [016]. Wurde eine Sedierung verwendet, muss eine verantwortliche erwachsene Person die Patientin oder den Patienten nach Hause begleiten; Autofahren ist am Tag des Eingriffs nicht erlaubt. Eine leichte normale Kost darf noch am selben Nachmittag oder Abend wieder aufgenommen werden. Die Patientinnen und Patienten kehren in der Regel kurz nach dem Abklingen der Sedierung zu ihren gewohnten Alltagstätigkeiten zurück; das Tempo der Erholung nach dem Eingriff wurde in gezielten Studien nicht quantifiziert, sodass keine feste Zeitspanne zugesagt werden kann [468], [447].
Kapselbasierte orale FMT – das Protokoll der wiederholten Dosis
Die orale Kapsel-FMT ist das primäre Applikationsformat für die Phase der Kompatibilitätsbeurteilung (Phase 0), die Konsolidierungsphase (Phase 2) und die Ausschleichphase (Phase 3) des MicroBiome-Bank-Protokolls. Sie wird zudem für die intensive Induktion bei ausgewählten Patientinnen und Patienten eingesetzt, bei denen eine Koloskopie kontraindiziert oder nicht bevorzugt ist. Die Kapseln enthalten lyophilisierte Spendermikrobiota und geben ihren Inhalt, im Ganzen geschluckt, im Dünndarm und Kolon frei [008], [469].
Vor der Kapseleinnahme. Weder Fasten noch Darmvorbereitung sind erforderlich. Nach dem Protokoll der MicroBiome Bank sollte die Patientin oder der Patient vor der Kapseleinnahme eine normale Mahlzeit zu sich nehmen; Ziel ist es, der freigesetzten Mikrobiota fermentierbares Substrat bereitzustellen. Dieser Schritt ist eine institutionelle Praxisempfehlung und kein publiziertes Studienergebnis. Die Kapseleinnahme sollte von mindestens 200–300 mL Wasser begleitet werden, um die Passage der Kapseln und die Hydratation der lyophilisierten Zubereitung zu unterstützen. Die Kapseln sollten nicht unmittelbar vor dem Hinlegen eingenommen werden, da die liegende Position die Magenentleerung verlangsamt und die Freisetzung im Dünndarm verzögern kann.
Die Einnahme der Kapseln. Die verordnete Anzahl an Kapseln – die je nach Phase und individuellem Protokoll variiert – sollte in einem Durchgang mit der verordneten Wassermenge eingenommen werden. Die Kapseln dürfen vor dem Schlucken nicht geöffnet, zerkaut oder aufgelöst werden: Die Unversehrtheit der Kapsel ist integraler Bestandteil des Freisetzungsmechanismus, und ihre Beschädigung würde den mikrobiellen Inhalt der Magensäure aussetzen und die Lebensfähigkeit drastisch verringern [008]. Fällt das Schlucken mehrerer Kapseln schwer, können sie über 10–15 Minuten in zwei oder drei kleineren Gruppen eingenommen werden; jede Gruppe sollte von einem vollen Glas Wasser begleitet werden. Manche Patientinnen und Patienten verspüren bei größeren Kapseldosen leichte Übelkeit; diese ist vorübergehend und klingt meist innerhalb von 30–60 Minuten ab. Ist die Übelkeit stark oder von Erbrechen begleitet, sollte das klinische Team benachrichtigt werden, da erbrochene Kapseln ohne klinische Beurteilung nicht ersetzt werden können.
Nach der Kapseleinnahme. Normale Aktivitäten können sofort wieder aufgenommen werden. Eine Ruhephase ist nicht erforderlich. In Phase 0 sollten die Patientinnen und Patienten ihre Einträge im Ernährungs- und Symptomtagebuch am selben Tag beginnen oder fortsetzen: Stuhlveränderungen, abdominelle Symptome, Energieniveau und ungewöhnliche Empfindungen sollten täglich erfasst werden. Veränderungen von Stuhlfrequenz, -farbe oder -konsistenz in den ersten Tagen nach der Kapseleinnahme sind häufig und spiegeln typischerweise die anfängliche ökologische Reaktion auf die Spenderzubereitung wider und keine krankhaften Prozesse. Der Stuhl kann in diesem Zeitraum weicher, dunkler oder häufiger sein als zuvor; leichte, selbstlimitierende gastrointestinale Beschwerden sind die häufigsten FMT-assoziierten Nebenwirkungen und keine Warnzeichen, sofern kein Blut vorhanden ist und keine systemischen Krankheitszeichen bestehen [015], [470].
Retentionseinlauf-FMT – Applikation in den unteren Darmabschnitt
Die Gabe der FMT als Retentionseinlauf wird in bestimmten klinischen Kontexten eingesetzt: als Erhaltungsformat bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit Colitis ulcerosa, bei Personen, für die eine Koloskopie nicht durchführbar ist und die Kapseln schlecht vertragen, und gelegentlich bei distaler Kolonerkrankung, wenn eine gezielte Applikation in den unteren Darmabschnitt bevorzugt wird. Das Volumen der Einlaufzubereitung unterscheidet sich je nach Protokoll – typischerweise aufbereitete Spendersuspension im Bereich von einigen zehn bis einigen hundert Millilitern –, verabreicht über einen üblichen, rektal eingeführten Einlaufkatheter; der europäische Konsens empfiehlt nach der Gabe eine Retention von mindestens 30 Minuten [016], [447].
Der Ablauf. Die Patientin oder der Patient liegt in Linksseitenlage mit angezogenen Knien. Ein gleitfähig gemachter Katheter wird sanft etwa 10–15 cm in das Rektum eingeführt. Die Suspension wird über 2–5 Minuten langsam durch Schwerkraft oder sanften manuellen Druck instilliert. Der Katheter wird entfernt, und die Patientin oder der Patient wird gebeten, die Zubereitung mindestens 30 Minuten, idealerweise 1–2 Stunden, zurückzuhalten. Längere Retentionszeiten gehen mit einer anteilig größeren Verteilung der Zubereitung im Kolon und besseren klinischen Ergebnissen einher [464]. Zur Unterstützung der Retention kann die Position während der Retentionszeit gewechselt werden – der Wechsel von Linksseiten- über Rücken- zur Rechtsseitenlage in Abständen von 10–15 Minuten hat sich als förderlich für die Verteilung im linken Kolon und an der linken Kolonflexur erwiesen. Ein leichter Stuhldrang ist zu erwarten und lässt sich meist durch Entspannung und Positionswechsel unterdrücken; kommt es vor Ablauf von 20–30 Minuten zu einer dringlichen Stuhlentleerung, sollte das klinische Team benachrichtigt werden.
Evidenz zur Wirksamkeit – die Rolle des Applikationswegs. Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Ramai et al. (2021) verglich die Applikationswege bei rezidivierender C.-difficile-Infektion (rCDI): Die koloskopische FMT erwies sich dem Retentionseinlauf und der Gabe über die Magensonde als überlegen, während sie im Vergleich zur kapselbasierten FMT gleichwertige Ergebnisse lieferte [009]. Das stützt eine auf die Patientin oder den Patienten zugeschnittene Entscheidungsfindung bei der Wahl des Applikationswegs – auf Grundlage der persönlichen Präferenz ebenso wie klinischer Faktoren: Ist eine Koloskopie nicht durchführbar, stellt der Kapselweg eine Alternative ohne wesentlichen Wirksamkeitsverlust dar, während Einlauf und obere gastrointestinale Gabe bei rCDI dahinter zurückbleiben.
Verfahrensvergleich – was die Patientin und der Patient erleben
| Aspekt | Koloskopische FMT | Orale Kapsel-FMT | Retentionseinlauf-FMT |
|---|---|---|---|
| Umfeld | Endoskopieeinheit im Krankenhaus; Tageseingriff oder stationäre Aufnahme erforderlich | Zu Hause; keine klinische Überwachung erforderlich | Zu Hause; keine klinische Überwachung erforderlich |
| Vorbereitung | Darmvorbereitung (PEG-Lösung am Vortag/Morgen); Flüssigkost 24 h; Sedierung oder Anästhesie | Kein Fasten, keine Darmvorbereitung; Mahlzeit vor der Kapseleinnahme empfohlen | Keine vollständige Darmvorbereitung; eine spontane Stuhlentleerung vor dem Eingriff ist ratsam |
| Ablauf | Sedierung; Koloskop bis zum Zäkum vorgeschoben; Suspension beim Rückzug über den Arbeitskanal infundiert; insgesamt 20–40 min | Kapseln nach einer Mahlzeit mit Wasser geschluckt; 5–15 min | Katheter rektal ca. 10–15 cm eingeführt; Suspension über 2–5 min durch Schwerkraft appliziert |
| Empfindungen während des Eingriffs | Unter Sedierung minimale Empfindung; leichte Krämpfe während der Infusion; Blähungen und Völlegefühl beim Aufwachen | Schlucken der Kapseln; mögliche leichte Übelkeit bei größeren Dosen, abklingend innerhalb von 30–60 min | Leichter Druck und Völlegefühl während der Gabe; Stuhldrang, dem widerstanden werden muss; Krämpfe in den ersten 10–20 min |
| Nach dem Eingriff | 30–60 min Aufwachphase (Sedierung); Begleitung durch eine verantwortliche erwachsene Person erforderlich; kein Autofahren am Eingriffstag; leichte Kost am Abend | Normale Aktivitäten sofort wieder möglich; keine Einschränkungen | Zubereitung möglichst mindestens 30–60 min zurückhalten (idealerweise 1–2 h); normale Aktivitäten nach der Retention |
| Mikrobielle Reichweite | Gesamtes Kolon vom Zäkum bis zum Rektum; maximale Kontaktfläche zur Schleimhaut | Kolon (Kapsel löst sich im Dünndarm auf); verändertes Mikromilieu des oberen GI-Trakts | Rektum und Rektosigmoid; begrenzte proximale Reichweite |
| Typische Symptome in den ersten 24–48 h | Erhöhte Stuhlfrequenz, weicher Stuhl, Blähungen, leichte Krämpfe; überlagert von Nachwirkungen der Darmvorbereitung | Leichte Blähungen, möglicherweise weicher Stuhl in den ersten 1–2 Tagen; im Allgemeinen gut verträglich | Leichte Krämpfe und verstärkter Stuhldrang in den 24 h nach der Retention; weicher Stuhl möglich |
Tabelle 5 – Vergleich der FMT-Applikationswege aus Sicht der Patientin und des Patienten # Die beschriebenen Empfindungen sind typisch; das individuelle Erleben variiert. Jede Empfindung außerhalb des oben beschriebenen Erwartungsbereichs sollte dem klinischen Team gemeldet werden.
Was in der FMT-Zubereitung enthalten ist – Verarbeitung, Sicherheit und Lagerung
Das in den FMT-Zubereitungen von MicroBiome Bank verwendete Spendermaterial durchläuft vor der Gabe ein strukturiertes mehrstufiges Verarbeitungsprotokoll. Dieses Verfahren zu verstehen, greift ein bei Patientinnen und Patienten verbreitetes Anliegen auf und unterstützt die informierte Einwilligung.
Spender-Screening. Alle Spenderinnen und Spender von MicroBiome Bank sind gesunde Erwachsene, die ein umfassendes Screening durchlaufen haben, darunter Blutuntersuchungen (HIV, Hepatitis B und C, HTLV, Syphilis, CMV, EBV), Stuhlkulturen (C. difficile, enterale Erreger, Wurmeier und Parasiten, Helicobacter pylori, Norovirus, Rotavirus, Adenovirus), erweiterte PCR-Erregerpanels sowie einen ausführlichen Gesundheits- und Lebensstilfragebogen. Das Screening wird während aktiver Spendetätigkeit alle 3 Monate wiederholt. Dieses Protokoll erfüllt oder übertrifft die Standards der European Consensus Conference on FMT [016] und die Leitlinien von OpenBiome bzw. internationaler Stuhlbanken [474]. Seit 2020 ist ein SARS-CoV-2-Screening Teil des Standardprotokolls [475].
Verarbeitung und Formulierung. Gespendetes Material wird innerhalb eines definierten Zeitfensters nach der Gewinnung verarbeitet, typischerweise unter anaeroben oder sauerstoffreduzierten Bedingungen, um die Lebensfähigkeit obligat anaerober Bakterien zu maximieren – jener Taxa, die für die SCFA-Produktion und die Kolonisationsresistenz am wichtigsten sind. Die Zubereitung wird filtriert, um Partikel zu entfernen, auf mikrobielle Dichte standardisiert und vor der Lyophilisation (Gefriertrocknung) oder dem Einfrieren mit einem Gefrierschutzmedium versetzt. Die Lyophilisation (Gefriertrocknung) ergibt eine Form, die eine weniger strenge Kühlkette erfordert als gefrorenes Material und länger gelagert werden kann, was für ambulante Kapselprotokolle unverzichtbar ist; die konkrete Haltbarkeit und die zulässige Versandtemperatur hängen von den validierten Stabilitätsdaten der Stuhlbank ab [735]. Gefrorene Zubereitungen werden bei −80°C gelagert und unmittelbar vor der Anwendung bei koloskopischen oder Einlauf-Verfahren aufgetaut.
Sicherheitsbilanz. Die Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse bei der FMT – definiert als Ereignisse, die eine Krankenhausaufnahme oder eine spezifische medizinische Behandlung erfordern oder zu dauerhaftem Schaden führen – ist bei angemessen gescreenten Patientinnen und Patienten gering. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 über 4 241 FMT-Eingriffe berichtete eine Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse von etwa 1–2%, wobei die Mehrzahl dem endoskopischen Eingriff und nicht dem FMT-Material selbst zuzuschreiben war [015]. Die Übertragung von Erregern, die von den Standard-Screening-Protokollen nicht erfasst werden, ist in der publizierten Literatur in seltenen Einzelfällen vorgekommen, was die fortdauernde Bedeutung eines strengen und aktualisierten Spender-Screenings unterstreicht, wenn neue Erregerrisiken auftreten. Patientinnen und Patienten mit schwerer Immunsuppression (z. B. nach Knochenmarktransplantation, unter hochdosierten Kortikosteroiden) tragen ein höheres Verfahrensrisiko und erhalten vor Beginn der FMT eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung [476].
Mikrobiota-Effekte
- Die koloskopische FMT bringt das größte Volumen an Spenderzubereitung mit direktem Schleimhautkontakt über die gesamte Kolonoberfläche ein. Vergleichende klinische Daten zeigen, dass die Heilungsrate der koloskopischen Gabe bei rezidivierender C.-difficile-Infektion die des Einlaufs und der nasogastralen Sonde übertrifft [009]; ein direkter Vergleich von mikrobieller Dichte und Kinetik der Gemeinschaftsumgestaltung zwischen den Applikationswegen liegt jedoch nicht vor.
- Die kapselbasierte orale FMT bringt lebensfähige mikrobielle Gemeinschaften ins Ileum und proximale Kolon; die säureresistente Kapselbeschichtung soll den mikrobiellen Inhalt vor der Inaktivierung durch Magensäure schützen. Das Ausmaß des Vitalitätsverlusts während der Magenpassage wurde in keiner publizierten klinischen Studie quantifiziert; die Kapselgabe erwies sich in einer randomisierten Studie bei rezidivierender C.-difficile-Infektion jedoch nicht als weniger wirksam als die koloskopische Gabe [008].
- Eine möglichst lange Retention nach einer Einlauf-FMT ist das Ziel der praktischen Protokolle, denn sie verlängert die Kontaktzeit der Zubereitung mit der Schleimhaut und verbessert damit im Prinzip die Chance auf mikrobielle Anheftung und anfängliche Besiedlung; die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Retentionszeit und Engraftment wurde jedoch in gezielten Studien nicht quantifiziert, sodass kein konkreter Zeitschritt angegeben werden kann [464].
- Die während der koloskopischen FMT verwendete Sedierung scheint die Engraftment-Raten nicht bedeutsam zu beeinflussen; opioidbasierte Sedativa verlangsamen jedoch vorübergehend die Darmmotilität, was die kolonische Verweildauer der infundierten Zubereitung verlängern und der Verteilung nach dem Eingriff möglicherweise zugutekommen kann [447].
- Die anaerobe Verarbeitung von FMT-Zubereitungen soll die mikrobielle Lebensfähigkeit des Produkts bewahren: Die überwiegende Mehrheit der Kolonbakterien ist obligat anaerob und ausgeprägt sauerstoffempfindlich – darunter butyratproduzierende Taxa wie Faecalibacterium prausnitzii[G], Roseburia intestinalis und Eubacterium rectale –, sodass ihre Zahl bei einer Verarbeitung unter aeroben Bedingungen abnehmen kann oder sie ganz verloren gehen. In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit anaerob hergestelltem Spendermaterial lag die Remissionsrate in Woche 8 höher als unter autologer FMT [188].
- Die Lyophilisation (Gefriertrocknung) erhält Zusammensetzung und Lebensfähigkeit der mikrobiellen Gemeinschaft über längere Lagerzeiträume, wenngleich moderate Verschiebungen der Gemeinschaftszusammensetzung gegenüber dem frischen Ausgangsmaterial berichtet wurden; die klinische Bedeutung dieser Verschiebungen für die Engraftment-Ergebnisse wird derzeit in Vergleichsstudien untersucht [008].
- Das ökologische Profil des Spendermikrobioms – einschließlich seiner Diversität, der Zusammensetzung der Schlüsselarten und der Bakteriophagengemeinschaft – wird während des Eingriffs auf die Empfängerin oder den Empfänger übertragen und ist der wichtigste Bestimmungsfaktor der Gemeinschaftsstruktur nach der FMT; der Applikationsweg moduliert Dichte und räumliche Verteilung dieser Übertragung, verändert jedoch nicht grundlegend, welche Arten eingebracht werden [156].
Hinweise für Patientinnen und Patienten
- Klären Sie vor jedem FMT-Eingriff mit Ihrem klinischen Team genau, welches Format Sie erhalten (Koloskopie, Kapsel oder Einlauf), den geplanten Termin und die Uhrzeit sowie alle Vorbereitungsschritte, die noch abzuschließen sind. Gehen Sie nicht davon aus, dass die Vorbereitungsanforderungen dieselben sind wie bei einem früheren Eingriff.
- Wenn eine koloskopische FMT geplant ist: Organisieren Sie eine verantwortliche erwachsene Begleitperson, die Sie nach Hause fährt oder begleitet. Wegen der Sedierung dürfen Sie am Tag des Eingriffs nicht selbst fahren. Planen Sie insgesamt 2–3 Stunden in der Endoskopieeinheit ein, einschließlich Vorbereitung, Eingriff und Aufwachphase.
- Wenn Sie erhebliche Angst vor dem koloskopischen Eingriff verspüren, besprechen Sie das vorab mit Ihrem klinischen Team. Bei Bedarf können Anxiolytika oder angepasste Sedierungsprotokolle vorgesehen werden; unbehandelte Erwartungsangst verringert die Kooperation während des Eingriffs und verstärkt das empfundene Unbehagen.
- Für die Kapsel-FMT: Nehmen Sie Ihre Kapseln mit einem vollen Glas Wasser (mindestens 200–300 mL) nach einer normalen Mahlzeit ein und legen Sie sich nicht unmittelbar danach hin. Wenn Ihnen übel wird, bleiben Sie aufrecht und atmen Sie langsam; das Gefühl vergeht typischerweise innerhalb von 30–60 Minuten. Öffnen oder zerkleinern Sie die Kapseln unter keinen Umständen.
- Für die Retentionseinlauf-FMT: Bereiten Sie Ihre Umgebung vor dem Eingriff vor – legen Sie Handtücher bereit, sorgen Sie für eine bequeme Position und wenn möglich für eine sichtbare Uhr, um Ihre Retentionszeit zu messen. Beginnen Sie in Linksseitenlage und drehen Sie sich, wenn Sie es vertragen, in Abständen von 15 Minuten langsam in Rückenlage und dann in Rechtsseitenlage. Streben Sie die längstmögliche Retention an; der genaue Zusammenhang zwischen Retentionszeit und Wirksamkeit wurde in Studien nicht quantifiziert.
- Rechnen Sie in den 24–72 Stunden nach jedem FMT-Eingriff mit Veränderungen Ihres Stuhls: weichere Konsistenz, dunklere Farbe, höhere Frequenz oder vermehrte Blähungen sind allesamt normale und erwartete Reaktionen, die die anfängliche ökologische Aktivität der Spendergemeinschaft widerspiegeln. Diese Veränderungen erfordern keine Behandlung und sollten Sie nicht beunruhigen.
- Erfassen Sie Ihre Symptome ab dem Tag des Eingriffs in Ihrem Ernährungs- und Symptomtagebuch. Notieren Sie den Zeitpunkt, zu dem Sie die Zubereitung erhalten haben, Ihren ersten Stuhlgang nach dem Eingriff (Uhrzeit, Wert auf der Bristol-Skala), abdominelle Empfindungen, Ihr Energieniveau und was Sie gegessen haben. Diese Aufzeichnung ist das wichtigste Überwachungsinstrument Ihres klinischen Teams in den Tagen unmittelbar nach dem Eingriff.
- Wenden Sie sich umgehend an Ihr klinisches Team – oder suchen Sie eine Notaufnahme auf –, wenn nach der FMT eines der folgenden Zeichen auftritt: Fieber über 38°C, Blut im Stuhl (hellrot oder dunkel teerartig), starke Bauchschmerzen, die sich durch normalen Stuhlgang nicht bessern, anhaltendes Erbrechen, deutliche Verschlechterung Ihrer bestehenden Erkrankung über die erwartete anfängliche Schwankung hinaus oder systemische Symptome wie Schüttelfrost, Atemnot oder Hautausschlag. Diese werden ausführlich in Kapitel II.4 behandelt.
- Nehmen Sie ab dem Tag nach dem Eingriff Ihre normalen Ernährungsgewohnheiten wieder auf, oder früher, wenn Sie sich wohlfühlen. In den Tagen nach der FMT ist keine Ernährungseinschränkung nötig – Ihre gewohnte Ballaststoffzufuhr beizubehalten, ist für die eintreffende Spendergemeinschaft ausdrücklich vorteilhaft. Folgen Sie den Ernährungshinweisen in Kapitel III.1 dieses Leitfadens.
- Muss ein geplanter Eingriff aus irgendeinem Grund abgesagt oder verschoben werden, wenden Sie sich so rasch wie möglich an Ihr klinisches Team, um einen neuen Termin zu vereinbaren. Lücken zwischen den Phasen – insbesondere zwischen dem Ende der Phase 0 und dem Beginn der Induktion – verringern die Kontinuität der ökologischen Intervention und können eine Anpassung des Protokolls erforderlich machen.
Die koloskopische Gabe bis zum Zäkum bietet die größte Kontaktfläche zur Schleimhaut und die kürzeste Passagezeit zu den Zonen höchster mikrobieller Dichte im Kolon. Die Kapsel-FMT zeigt bei CDI eine der Koloskopie gleichwertige Wirksamkeit, sofern in der Konsolidierungsphase eine ausreichende Dosierungsfrequenz eingehalten wird.
Literatur
[008] Kao D, Roach B, Silva M et al. Effect of Oral Capsule– vs Colonoscopy-Delivered Fecal Microbiota Transplantation on Recurrent Clostridium. difficile Infection: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2017. Link
Randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie bei 116 Erwachsenen mit rezidivierender CDI an drei kanadischen akademischen Zentren, die orale Kapsel-FMT mit koloskopisch applizierter FMT verglich (Einschluss 2014–2016; Nichtunterlegenheitsgrenze 15%). Die Studie prüfte, ob die weniger invasive Kapselapplikation der Koloskopie bei der Verhinderung weiterer CDI-Rezidive gleichkommt. Die Ergebnisse stützen die klinische Äquivalenz beider Applikationswege und ermöglichen einen breiteren und weniger belastenden Zugang zur FMT bei rezidivierender CDI.
[009] Ramai D, Zakhia K, Fields PJ, Ofosu A, Patel G, Chang S. Fecal Microbiota Transplantation (FMT) with Colonoscopy Is Superior to Enema and Nasogastric Tube While Comparable to Capsule for the Treatment of Recurrent Clostridioides difficile Infection: A Systematic Review and Meta-Analysis. Digestive Diseases and Sciences. 2021. Link
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu der Frage, wie sehr der Applikationsweg bei der FMT gegen rezidivierende C.-difficile-Infektion ins Gewicht fällt. Aus drei Datenbanken (PubMed, EMBASE, CINAHL) wurden 26 Studien mit insgesamt 1309 Patientinnen und Patienten eingeschlossen: Koloskopie in 16 Studien (483), nasogastrale Sonde in 5 (149), Einlauf in 4 (360), Kapseln in 4 (301). Die gepoolten Heilungsraten betrugen: Koloskopie 94,8 Prozent, Kapsel 92,1 Prozent, Einlauf 87,2 Prozent, nasogastrale/nasoduodenale Sonde 78,1 Prozent. Fazit: Die koloskopische Applikation ist Einlauf und Sonde überlegen, der Kapselgabe jedoch vergleichbar — der am wenigsten belastende Weg kostet also keine Wirksamkeit. Probenaufbereitung (frisch oder gefroren) und Spenderbeziehung beeinflussten das Ergebnis nicht.
[015] Marcella C, Cui B, Kelly CR, Ianiro G, Cammarota G, Zhang F. Systematic review: the global incidence of faecal microbiota transplantation-related adverse events from 2000 to 2020. Aliment Pharmacol Ther. 2021. Link
Systematische Übersichtsarbeit zur FMT-Sicherheit, die unerwünschte Ereignisse (AE) über 20 Jahre aus 129 Studien mit 4.241 Patienten und 5.688 FMT-Behandlungszyklen zusammenfasst (Recherche in EMBASE, MEDLINE, Cochrane, CNKI, Wanfang von 2000 bis 2020). Die AE wurden als applikationsbezogen oder mikrobiotabezogen klassifiziert. Die Übersicht liefert den bislang größten aggregierten FMT-Sicherheitsdatensatz und stützt das insgesamt günstige Sicherheitsprofil der FMT bei rezidivierender CDI, weist jedoch darauf hin, dass Komplikationen in der Literatur unterberichtet sein können.
[016] Cammarota G, Ianiro G, Tilg H et al. European consensus conference on faecal microbiota transplantation in clinical practice. Gut. 2017. Link
Europäische Konsensuskonferenz zur Erarbeitung evidenzbasierter Empfehlungen zur FMT in der klinischen Praxis, an der 28 Experten aus 10 Ländern in Arbeitsgruppen mitwirkten. Die Statements wurden über eine evidenzbasierte Übersicht erstellt, elektronisch in einem Delphi-Verfahren bewertet und in einer Plenar-Konsensussitzung finalisiert. Die Empfehlungen umfassen FMT-Indikationen, Spenderauswahl, Aufbereitung des Stuhlmaterials, klinisches Management, Applikation des Stuhls sowie Mindestanforderungen für die Einrichtung eines FMT-Zentrums. Das Dokument liefert den europäischen Standardisierungsrahmen für eine sichere und geregelte FMT-Anwendung.
[156] Ianiro G, Puncochar M, Karcher N, Porcari S, Armanini F, Asnicar F, Segata N. Variability of strain engraftment and predictability of microbiome composition after fecal microbiota transplantation across different diseases. Nat Med. 2022. Link
Integrierte Shotgun-metagenomische Meta-Analyse von 226 Triaden (Spender, Empfaenger vor und nach FMT) uber acht verschiedene Krankheitstypen, mit verbesserter Stammprofilierung. Das Kernergebnis: **Empfaenger mit hoeherem Spenderstamm-Engraftment erreichten mit hoeherer Wahrscheinlichkeit einen klinischen Erfolg** nach FMT (P=0,017). Das Engraftment haengt vom Spender, vom Applikationsweg (mehrere Wege — z. B. Kapsel plus Koloskopie zugleich — ergeben hoeheres Engraftment) und vom Empfaenger ab (hoeher bei antibiotisch behandelten Patienten mit Infektionskrankheiten als bei antibiotika-naiven Patienten mit nicht uebertragbaren Erkrankungen); Bacteroidetes- und Actinobacteria-Arten siedeln besser an. Dieser Eintrag ist die Quelle fuer die Aussage in IV.3, dass aufgrund der spenderabhaengigen Engraftment-Variabilitaet ein alternatives Spender-Lot (LOT-Wechsel) das Ergebnis verbessern kann. **EINSCHRAENKUNG:** eine beobachtende Meta-Analyse uber acht Krankheitstypen (nicht nur CDI), die Assoziation misst; einen Produkt-LOT-Wechsel als solchen hat sie nicht untersucht.
[188] Costello SP, Hughes PA, Waters O et al. Effect of fecal microbiota transplantation on 8-week remission in patients with ulcerative colitis: a randomized clinical trial. JAMA. 2019. Link
Eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Studie an drei australischen Zentren schloss 73 Erwachsene mit leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa ein. Die Patienten erhielten eine anaerob aufbereitete, gepoolte Spender-FMT (n=38) oder eine autologe FMT (n=35) per Koloskopie, gefolgt von 2 Einläufen über 7 Tage, mit 12-monatiger Nachbeobachtung. Es wurde angenommen, dass die anaerobe Stuhlaufbereitung die mikrobielle Vitalität erhöht und eine Wirksamkeit mit kürzerer, weniger intensiver FMT-Therapie ermöglicht. Die Studie stützt die anaerob aufbereitete, kurzzeitige FMT als wirksame Induktionstherapie bei aktiver Colitis ulcerosa.
[447] Peery AF, Kelly CR, Kao D et al. AGA Clinical Practice Guideline on Fecal Microbiota-Based Therapies for Select Gastrointestinal Diseases. Gastroenterology. 2024. Link
Klinische Praxisleitlinie der AGA, die anhand des GRADE-Rahmens stuhlmikrobiota-basierte Therapien (konventionelle FMT, fecal microbiota live-jslm, fecal microbiota spores live-brpk) bei Erwachsenen mit rezidivierender oder schwerer bis fulminanter Clostridioides difficile-Infektion, IBD/Pouchitis und IBS behandelt. Das Gremium formulierte 7 Empfehlungen. Bei immunkompetenten Erwachsenen mit rezidivierender CDI empfiehlt die AGA den selektiven Einsatz stuhlmikrobiota-basierter Therapien nach leitliniengerechter antibiotischer Behandlung zur Verhinderung weiterer Rezidive. Die Leitlinie bietet einen Rahmen, der FDA-zugelassene Präparate mit der konventionellen FMT integriert.
[464] Paramsothy S, Kamm MA, Kaakoush NO et al. Multidonor intensive faecal microbiota transplantation for active ulcerative colitis: a randomised placebo-controlled trial. Lancet. 2017. Link
Paramsothy und Kollegen berichten über die FOCUS-Studie, eine wegweisende randomisierte, placebokontrollierte Untersuchung (Lancet 2017) zur intensiven Multidonor-Fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT) bei aktiver Colitis ulcerosa. 81 Erwachsene mit leicht bis mäßig aktiver UC erhielten entweder gepoolte Spender-FMT oder Placebo-Einläufe, mit einer koloskopischen Induktionsinfusion gefolgt von Einläufen an fünf Tagen pro Woche über acht Wochen. Der primäre Endpunkt einer steroidfreien klinischen Remission mit endoskopischer Remission oder endoskopischem Ansprechen in Woche 8 wurde bei 27% der FMT-Empfänger gegenüber 8% der Placebo-Empfänger erreicht (p=0,021). Bei Respondern nahm die mikrobielle Diversität zu, mit spezifischer Abnahme von Fusobacterium und Zunahme von Eubacterium und Roseburia. Die Studie etablierte die intensiv dosierte Multidonor-FMT als glaubwürdige Therapiestrategie bei UC.
[468] Zipursky JS, Sidorsky TI, Freedman CA, Sidorsky MN, Kirkland KB. Patient attitudes toward the use of fecal microbiota transplantation in the treatment of recurrent Clostridium difficile infection. Clin Infect Dis. 2012. Link
Strukturierte Befragung von 192 Patienten (Rücklaufquote 48%) zur Bereitschaft, eine FMT bei rezidivierender CDI in Betracht zu ziehen. Siebzig Prozent der Befragten waren weiblich und 59% waren über 49 Jahre alt. Bei alleiniger Angabe der Wirksamkeitsdaten entschieden sich 162 Befragte (85%) für die FMT und 29 (15%) für Antibiotika allein. Nachdem sie von der fäkalen Natur der FMT erfahren hatten, wechselten 16 Befragte zu Antibiotika, die Gesamtpräferenz für FMT blieb jedoch im Wesentlichen unverändert (154/192, 81%; P=0,15). Die Ergebnisse widerlegen die Annahme, dass ästhetische Bedenken die geringe FMT-Akzeptanz bedingen, und stützen die Bereitschaft der Patienten bei angemessener Aufklärung.
[469] Ianiro G, Bibbo S, Scaldaferri F et al. Fecal Microbiota Transplantation in Inflammatory Bowel Disease: Beyond the Excitement. Medicine (Baltimore). 2014. Link
Systematische Übersichtsarbeit zur FMT bei chronisch entzündlicher Darmerkrankung (IBD), die 31 Publikationen identifizierte – überwiegend Fallberichte und Fallserien sowie 8 Open-Label-Studien mit kleinen Kohorten. Zum Zeitpunkt der Übersicht waren insgesamt 133 IBD-Patienten mit FMT behandelt worden. Die Autoren bewerteten Wirksamkeit, Sicherheit und prozedurale Parameter der Berichte kritisch. Die Ergebnisse spiegeln heterogene frühe Evidenz mit vielversprechenden, aber inkonsistenten Signalen wider und untermauern die Notwendigkeit ausreichend gepowerter kontrollierter Studien vor dem routinemäßigen klinischen Einsatz bei IBD.
[470] Staley C, Khoruts A, Sadowsky MJ. Contemporary Applications of Fecal Microbiota Transplantation to Treat Intestinal Diseases in Humans. Arch Med Res. 2017. Link
Eine Übersichtsarbeit (Staley, Khoruts, Sadowsky, Arch Med Res 2017) zu den gegenwärtigen klinischen Anwendungen der Fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT) bei menschlichen Darmerkrankungen. Die FMT – die Übertragung der Darmmikrobiota eines gesunden Spenders zur Wiederherstellung von Diversität und Funktion der mikrobiellen Gemeinschaft – hat sich als gut etablierte alternative Therapie der rezidivierenden Clostridium difficile-Infektion durchgesetzt. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass klinische Studien und Tiermodelle ein vielversprechendes Potenzial der FMT bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und beim metabolischen Syndrom nahelegen.
[474] Smith MB, Kelly C, Alm EJ. Policy: How to regulate faecal transplants. Nature. 2014. Link
Der Nature-Policy-Beitrag von Smith, Kelly und Alm aus dem Jahr 2014 plädiert für eine verhältnismäßige, wissenschaftlich begründete Regulierung der Fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT). Im Nachgang zur Enforcement Discretion der FDA für rezidivierende CDI prüfen die Autoren, ob Stuhl als Arzneimittel, als Gewebe oder als neue Kategorie zu regulieren ist. Sie heben die Risiken einer Überregulierung (Patienten weichen auf unsichere DIY-Verfahren aus) und einer Unterregulierung (Lücken im Spenderscreening, Off-Label-Ausweitung) hervor. Sie schlagen einen abgestuften Rahmen vor: geringere Regulierungstiefe für etablierte Indikationen wie CDI, strengere studienbasierte Aufsicht für experimentelle Indikationen und ein einheitliches Sicherheitsregister. Die Empfehlungen haben die nachfolgenden Regulierungsdebatten in der EU, den USA und im Bereich der Stuhlbanken geprägt.
[475] Ianiro G, Mullish BH, Kelly CR et al. Screening of faecal microbiota transplant donors during the COVID-19 outbreak: suggestions for urgent updates from an international expert panel. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2020. Link
Empfehlung eines internationalen Expertengremiums aus dem Jahr 2020: Als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie sollen ein Fragebogen-Screening auf SARS-CoV-2 und eine molekulare Testung (RT-PCR) in das Stuhlspender-Screening aufgenommen werden, womit das SARS-CoV-2-Screening ab 2020 Bestandteil der Standard-FMT-Spenderprotokolle wurde.
[476] DeFilipp Z, Bloom PP, Torres Soto M et al. Drug-Resistant E. coli Bacteremia Transmitted by Fecal Microbiota Transplant. New England Journal of Medicine. 2019. Link
Fallbericht über zwei Patienten in unabhängigen klinischen FMT-Studien, die nach dem Eingriff eine Bakteriämie durch ESBL-bildende Escherichia coli entwickelten; beide Fälle wurden durch genomische Sequenzierung demselben Stuhlspender zugeordnet, und ein Patient verstarb. Der Bericht hebt das Risiko der Übertragung multiresistenter Erreger durch FMT hervor und stützt verschärfte Spenderscreening-Protokolle. Er bildet die Grundlage regulatorischer Anpassungen, die ein Screening des gesamten FMT-Spendermaterials auf multiresistente Erreger vorschreiben.
[735] Cammarota G, Ianiro G, Kelly CR et al. International consensus conference on stool banking for faecal microbiota transplantation in clinical practice. Gut. 2019. Link
Dieser internationale Konsens von FMT-Experten aus Europa, Nordamerika und Australien formuliert Aussagen zum Stuhlbanking für FMT und deckt allgemeine Prinzipien, Organisation, Spenderauswahl und -screening, Stuhlgewinnung/-aufbereitung/-lagerung, Dienstleistungen und Kunden, Register, Endpunktmonitoring, Ethik sowie die sich wandelnde klinische Rolle der FMT ab. Der Konsens wurde über Delphi-Runden und eine Plenardiskussion erzielt, wobei die Aussagen durch die beste verfügbare Evidenz gestützt sind. Das Dokument leitet die weltweite Entwicklung von Stuhlbanken an, um einen sicheren und gerechten FMT-Zugang bei rezidivierender C. difficile-Infektion zu fördern.
[751] Early DS, Lightdale JR, Vargo JJ, Acosta RD, Chandrasekhara V, Chathadi KV, Evans JA, Fisher DA, Fonkalsrud L, Hwang JH, Khashab MA, Muthusamy VR, Pasha SF, Saltzman JR, Shergill AK, Cash BD, DeWitt JM. Guidelines for sedation and anesthesia in GI endoscopy. Gastrointestinal Endoscopy. 2018. Link
Eine kurze Zusammenfassung der zitierten Publikation wird derzeit erstellt.

